Großneuhausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großneuhausen
Großneuhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großneuhausen hervorgehoben
51.16111111111111.285555555556148Koordinaten: 51° 10′ N, 11° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sömmerda
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Kölleda
Höhe: 148 m ü. NHN
Fläche: 11,87 km²
Einwohner: 688 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99625
Vorwahl: 036372
Kfz-Kennzeichen: SÖM
Gemeindeschlüssel: 16 0 68 019
Adresse der Verbandsverwaltung: Markt 1
99625 Kölleda
Webpräsenz: Gemeinde Großneuhausen
Bürgermeister: Günther Kilian (SchGes)
Lage der Gemeinde Großneuhausen im Landkreis Sömmerda
Alperstedt Andisleben Beichlingen Bilzingsleben Büchel Buttstädt Buttstädt Eckstedt Ellersleben Elxleben Eßleben-Teutleben Frömmstedt Gangloffsömmern Gebesee Griefstedt Großbrembach Großmölsen Kölleda Großneuhausen Großrudestedt Günstedt Guthmannshausen Hardisleben Haßleben Henschleben Herrnschwende Kannawurf Kindelbrück Kleinbrembach Kleinmölsen Kleinneuhausen Kölleda Mannstedt Markvippach Nöda Olbersleben Ollendorf Ostramondra Rastenberg Riethgen Riethnordhausen (bei Erfurt) Ringleben (bei Gebesee) Rudersdorf Schillingstedt Schloßvippach Schwerstedt Sömmerda Sprötau Straußfurt Udestedt Vogelsberg Walschleben Weißensee Werningshausen Witterda Wundersleben ThüringenKarte
Über dieses Bild

Großneuhausen ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Kölleda an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Kölleda hat.

Lage[Bearbeiten]

Großneuhausen liegt mit seiner Gemarkung mitten im fruchtbaren Thüringer Becken. Durch das Dorf verläuft die Bundesstraße 85 von Weimar kommend nach Kölleda und weiter führend.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis Anfang 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wird Großneuhausen in einem Verzeichnis der von Erzbischof Lullus († 786) von Mainz für das Kloster Hersfeld von Freien verliehenen Gütern erstmals urkundlich als Nihusun erwähnt. Der Unterschied zu Kleinneuhausen bestand damals noch nicht.

Am Bauernkrieg 1524/25 war das Dorf nicht beteiligt, trotzdem musste es eine hohe "Strafzahlung" leisten. 1613 wurde das Dorf in der Großen Thüringischen Sintflut überflutet. Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu schweren Plünderungen. 1626 raffte die Pest die Hälfte der Einwohner hin, auch 1682/83 wütete die Seuche noch einmal in dem Ort. 1654 vernichtete ein Brand fast das gesamte Dorf. 1708 brannten durch Blitzschlag das Herrenhaus und erneut ein großer Teil des Dorfes ab.

In den Jahren 1708 bis 1711 wurde durch die Freiherren von Werthern anstelle des alten Sitzes ein Schloss errichtet. Es war ein dreiflügliger, zweigeschossiger Bau mit dreigeschossigem Mittelrisaliten und Mansarddach: verwandt den Weimarer Bauten des "Zopfstils".[2] Das Schloss befand sich bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Familie von Werthern. Nach 1945 gingen die Bauern auch den Weg der ostdeutschen Landwirtschaft. 1709 erhielt Großneuhausen die "Patrimonial-Gerichtsbarkeit", mit der entsprechenden Justizverwaltung. 1728 wurde eine neue Kirche errichtet, unter Einbeziehung des spätmittelalterlichen Westturms des Vorgänger-Baues: im Stil des Übergangs von Barock zu Rokoko. Sie wurde 1729 dem Heiligen Georg geweiht und hatte auch die Funktion einer Schlosskirche[3] für die Familie von Werthern. Im 18. Jahrhundert wurden mehrere Angehörige der Familie in der Kirchengruft beigesetzt. 1815 kam Großneuhausen mit dem Amt Eckartsberga an Preußen. 1825 wurde der Ort erneut von einem Großbrand heimgesucht, danach dann in "aufgelockerter" Bauweise wiedererrichtet. 1825 und 1836 kaufte sich die Bevölkerung von den bis dahin geleisteten unbezahlten Frondiensten für das Rittergut frei. 1841 ließ sich Ferdinand Freiligrath in der Schlosskirche mit Ida Melos aus Großmonra trauen. 1850 verlegte man die Gerichtsbarkeit nach Buttstädt. 1874 erhielt Großneuhausen Anschluss an die Eisenbahnstrecke Kölleda-Weimar, 1875 eine neue Schule, 1897 einen Kindergarten, 1909 Anschluss an die Elektrizitätsversorgung und 1910 erfolgte der Wasserleitungsbau.

Ab Erstem Weltkrieg[Bearbeiten]

Durch den Ersten Weltkrieg – aus dem über 30 Männer nicht heimkehrten – wurde die positive Entwicklung des Ortes abgebrochen.

Ab 1938 bis 1945 war weiblicher Arbeitsdienst im Schloss einquartiert. Als "Ersatz" für die zur Wehrmacht Einberufenen mussten im Zweiten Weltkrieg 168 Frauen und Männer aus Jugoslawien auf dem Gut Zwangsarbeit verrichten, 95 Personen aus Polen, Russland und der Ukraine bei Bauern.[4]

Im November 1944 zog Elisabeth Gräfin Werthern mit ihrer Tochter in einige Räume des vorbestimmten Witwensitzes auf dem Schloss ein, nachdem ihr Mann Wolfgang von Werthern-Beichlingen gefallen war. Im Schloss wurden Flüchtlinge aus den Ostgebieten aufgenommen, und es beherbergte zuletzt auch noch Lazarett-Räume. Im April 1945 besetzten US-Truppen den Ort und quartierten sich auch im Schloss ein. Es wurde viel "requiriert", auch aus den Häusern der Dorfbewohner. Die Gräfin und die bei ihr aufgenommenen Verwandten flohen mit einem Treck vor Ankunft der Roten Armee Ende Juni 1945/Anfang Juli nach Westfalen. Elisabeth Gräfin Werthern war dann von 1951 bis 1984 Geschäftsführerin der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in der Bundeshauptstadt Bonn.[5]

Es erfolgte die Eingliederung von Großneuhausen in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ). Im Schloss wurde die Sowjetische Kommandantur eingerichtet. Danach war es zeitweise mit 40 Flüchtlingsfamilien belegt. Ab 1945 erfolgten Enteignungen im Ort, zuerst von Schloss und Rittergut. Das intakte Schloss, samt Rittergutstall, Remisen und Scheunen fiel dann ab Februar 1948 unter Zwangseinsatz der männlichen Dorfbevölkerung dem Abbruch anheim. Vorher war es auf die Liste "abzutragender Zeugnisse feudaler Unterdrückung" gekommen. Hintergrund war der entsprechende Befehl Nr. 209 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Ein Teil der Bevölkerung hatte Einwände geltend gemacht; so wollte der Sportverein gerne in das herrenlose Schloss einziehen. Das wertvolle Inventar (Möbel, Gemälde und Bibliothek) ging verloren. Möbel aus dem Schloss landeten auf einem zentralen Sammelplatz der sowjetischen Besatzungsmacht in Kölleda. Der größte Teil des Abbruchschutts wurde zum Zuschütten des großen Schlossteichs verwendet, geeignetes Material auch für Neubauerngehöfte. Diese setzte man teilweise in den Schlosspark, dessen wertvoller Baumbestand abgeholzt wurde. (An der Stelle des Schlosses wurde 1979 ein kleiner Konsum-Einkaufsmarkt gebaut). Die Neubauern erhielten kleine Land-Parzellen. Diese und der Besitz "republikflüchtiger" Bauern bildeten den Grundstock für die LPG-Gründung Anfang der 1950er Jahre. Großneuhausen machte dann auch alle anderen gesellschaftlichen Entwicklungen in der DDR mit. Ende der 1970er Jahre wurde eine neue Schule gebaut. Die Kirche St. Georg wurde stark baufällig, trotz Erhaltungsbemühungen engagierter Persönlichkeiten schon zur DDR-Zeit. An diesen beteiligte sich finanziell auch die in Westdeutschland wohnende Gräfin Werthern. Ab 1990 wird die Kirche aufwendig erneuert, nicht zuletzt Dank des Einsatzes eines rührigen Kuratoriums zu ihrem Erhalt, und von Sponsoren. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) ist daran beteiligt.[6] Großneuhausen leidet seit 1990 unter Geburtendefizit und Abwanderung, daraus resultierend Bevölkerungsabnahme. Die Schulen im Ort wurden geschlossen.

Großneuhausen beging im Jahre 2011 den 1.225. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung.

Hochrangige Gäste des Schlosses[Bearbeiten]

  • August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, besuchte mehrmals, zum Beispiel 1729, das Schloss auf dem Wege zu den jährlichen Manövern in Kannawurf
  • Der Herzog von Braunschweig, verwundet nach der Schlacht von Jena und Auerstedt 1806, Feldmarschall in preußischen Diensten
  • Davout, Marschall Napoleons, Sieger von Auerstedt, 1806
  • Blücher, preußischer Generalfeldmarschall, nach der Völkerschlacht von Leipzig 1813
  • Günther, Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt 1901
  • Wilhelm II., Deutscher Kaiser, anlässlich einer "Kaiserjagd" 1902

Quelle der Zusammenstellung[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Kirche St. Georg
Ansicht von Süden
Barockausstattung im Inneren
  • St. Georgskirche: Dorf- und ehemalige Schloss-Kirche. Erbaut in den Jahren 1727/29, in der Zeit des Übergangs von Barock zu Rokoko: "Ein Kleinod der Kirchenbaukunst". Seit 1990 fortgeschrittene Sanierungsmaßnahmen.
  • Kirchhof mit Ummauerung, Tor und einer Vielzahl von historischen Grabstätten
  • Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs auf dem Kirchplatz. Der Dorfteich und eine unter Naturschutz stehende ehrwürdige alte Eibe sind in die Anlage einbezogen.
  • Zwei sehenswerte alte Hoftore

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1994 – 858
  • 1995 – 861
  • 1996 – 857
  • 1997 – 858
  • 1998 – 845
  • 1999 – 842
  • 2000 – 829
  • 2001 – 818
  • 2002 – 816
  • 2003 – 815
  • 2004 – 790
  • 2005 – 779
  • 2006 – 760
  • 2007 – 744
  • 2008 – 736

Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Großneuhausen setzt sich aus 8 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • FDP 1 Sitze
  • BüIn 2 Sitze
  • FFW 2 Sitze
  • Schützengesellschaft 1 Sitz
  • SV Lossatal 1 Sitz
  • RG ZV 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)[8]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Günther Kilian wurde am 26. Juni 2004 gewählt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Boblenz: "Zur Beteiligung von Johann Nicolaus Bach (1669–1753) am Bau der neuen Orgel für die St. Georg-Kirche in Großneuhausen 1728 und 1730". In: "Sömmerdaer Heimatheft" 14 (2002), S. 92–100.
  • Frank Boblenz: Großneuhausen. Landkreis Sömmerda. St. Georgskirche. In: Kulturelle Entdeckungen Thüringen. Bd. 3. Landeshauptstadt Erfurt, Landkreis Gotha, Ilm-Kreis, Landkreis Sömmerda, Stadt Weimar, Landkreis Weimarer Land. Herausgegeben von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Verlag Schnell & Steiner GmbH. Regensburg 2010, S. 126–127, ISBN 978-3-7954-2461-9.
  • Günther Kilian: "Renovierung der Kirche St. Georg in Großneuhausen". In: "Sömmerdaer Heimatheft" 10 (1998)
  • Günther Kilian: "Das Werthernsche Schloss in Großneuhausen". Manuskript, 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. www.burgeninventar.de/html/thue/SOMM_big.html-69k-
  3. www.grossneuhausen.de/-5k-
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 280, ISBN 3-88864-343-0
  5. Elisabeth Gräfin Werthern: Von Weimar nach Bonn. Erinnerungen. Burg-Verlag, Stuttgart/Bonn 1985, ISBN 3-922801-95-1
  6. www.denkmalschutz.de/dorfkirche_grossneuhausen.html-14k-
  7. Günther Kilian: "Das Werthernsche Schloss in Großneuhausen". Manuskript 2009
  8. Landeswahlleiter Thüringen/Gemeinderatswahl 2009
  9. Albert Schumann: Löw, Johann Adam. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 19, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 296 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großneuhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien