Straußfurt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Straußfurt
Straußfurt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Straußfurt hervorgehoben
51.16666666666710.983055555556150Koordinaten: 51° 10′ N, 10° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sömmerda
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Straußfurt
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 14,84 km²
Einwohner: 1805 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 122 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99634
Vorwahl: 036376
Kfz-Kennzeichen: SÖM
Gemeindeschlüssel: 16 0 68 053
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 13
99634 Straußfurt
Webpräsenz: www.straussfurt.de
Bürgermeister: Olaf Starroske (BIST)
Lage der Gemeinde Straußfurt im Landkreis Sömmerda
Alperstedt Andisleben Beichlingen Bilzingsleben Büchel Buttstädt Buttstädt Eckstedt Ellersleben Elxleben Eßleben-Teutleben Frömmstedt Gangloffsömmern Gebesee Griefstedt Großbrembach Großmölsen Kölleda Großneuhausen Großrudestedt Günstedt Guthmannshausen Hardisleben Haßleben Henschleben Herrnschwende Kannawurf Kindelbrück Kleinbrembach Kleinmölsen Kleinneuhausen Kölleda Mannstedt Markvippach Nöda Olbersleben Ollendorf Ostramondra Rastenberg Riethgen Riethnordhausen (bei Erfurt) Ringleben (bei Gebesee) Rudersdorf Schillingstedt Schloßvippach Schwerstedt Sömmerda Sprötau Straußfurt Udestedt Vogelsberg Walschleben Weißensee Werningshausen Witterda Wundersleben ThüringenKarte
Über dieses Bild

Straußfurt ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Straußfurt, der weitere sieben Gemeinden angehören.

Geografie[Bearbeiten]

Straußfurt liegt an der Unstrut im Thüringer Becken.

Klima[Bearbeiten]

Straußfurt zählt zu den trockensten Orten Deutschlands. So wurde im Jahr 1911 eine Jahresniederschlagsmenge von nur 242 mm gemessen. Damit hält Straußfurt den Trockenheits-Rekord Deutschlands.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorzeit bis 1800[Bearbeiten]

Bei Straußfurt wurden Gräber aus der Jüngeren Steinzeit, der Bronzezeit und der Zeit des Thüringer Reiches freigelegt, die eine frühe Besiedlung des Gebietes belegen.

Schriftlich wurde die Gemeinde erstmals im Jahre 744 als Stuffefurte in einem Verzeichnis von Schenkungen aus Thüringen an das Kloster Fulda zur Zeit von Bonifatius erwähnt. Nach Wolfgang Kahl fällt die Ersterwähnung in die Zeit von 780 bis 802.[3] Der Name, auch „Strusforte“, bedeutet wohl eine „von Strauchwerk gesäumte Furt“ über die früher deutlich breitere und tiefere Unstrut.

1080 fand auf den Wiesen zwischen Straußfurt, Vehra und Henschleben eine Schlacht zwischen den Truppen von Kaiser Heinrich IV. und dem Gegenkaiser Rudolf von Rheinfelden statt, die letzterer verlor. Seitdem heißt diese Gegend „Mordäcker“. In Straußfurt gab es bald mehrere geistliche Grundherren und einen befestigten Rittersitz von Dienstmannen des Landgrafen von Thüringen. Im 13. Jahrhundert wird ein Ritter Eberhard von Straußfurt erwähnt, 1387 ein Conrad von Tannrode, Herr zu Stusforte. Die Burg erfuhr im Spätmittelalter einen grundlegenden Umbau zu einer kastellartigen Anlage mit tiefem und breitem Wassergraben. Im Deutschen Bauernkrieg 1525 schlossen sich 20 Straußfurter Bauern dem „Salzaer Haufen“ an. 1592 wütete ein großer Brand im Ort, der 74 Häuser vernichtete. 1597 starben 350 Straußfurter an der Pest. 1613 litt der Ort während der „Thüringer Sintflut“ besonders schwer an Überschwemmungen. Während des Dreißigjährigen Krieges verlor Straußfurt drei Viertel seiner Einwohner.

1706 erwarb die Familie von Münchhausen die fünf Rittergüter und die Burg aus dem Erbe der Familie von Selmnitz. 1735 baute der spätere hannoversche Premierminister Gerlach Adolph von Münchhausen diese unter Beibehaltung der Außenmauern zu einem Schloss mit großem Park um. 1724 errichtete die Freifrau Katherina Sophia von Münchhausen ein Waisenhaus, aus dem die „Waisenhaus-Stiftung“ hervorging, und tat auch sonst viel für den armen Teil der Bevölkerung. 1747 wurde das Gewölbe in der Petrikirche neu gefertigt. 1752 kam es zu besonders schwerem Hochwasser durch die Unstrut. Der 1770 verstorbene Gerlach Adolph von Münchhausen wurde als „Wohltäter von Straußfurt“ bezeichnet.

Das ehemalige Schloss in Straußfurt um 1860, Sammlung Duncker

1800 bis 1945[Bearbeiten]

1815 wurde Straußfurt preußisch und Teil des Landkreises Weißensee. Von 1816 bis 1840 war Freiherr Ernst Friedrich Ferdinand von Münchhausen dessen erster Landrat. 1828/33 wurde die Kunststraße von Erfurt nach Kindelbrück über Straußfurt gebaut.

1863 wurde eine „Königliche Postexpedition“ eingerichtet. 1867 gründete sich ein Landwehrverein. 1869 wurde die Eisenbahnstrecke Erfurt–Nordhausen mit Bahnhof in Straußfurt in Betrieb genommen. 1882 wurden der Ort und seine Umgebung fünfmal von Hochwasser heimgesucht. 1890 konnte eine Kleinkinder-Bewahrungsanstalt eröffnet werden, die der Baron Ernst von Münchhausen gestiftet hatte. 1891 gab es in Straußfurt 1356 Einwohner. 1905 wurde der „Jahn-Turnverein“ gegründet. 1911 erhielt Straußfurt elektrisches Licht.

Während des Ersten Weltkrieges diente 1915/16 das Schloss als Genesungsheim für verwundete Soldaten. 1917 gingen Schloss und Rittergutsbesitz an den Grafen Joseph Friedrich von Brühl über. 1944 wurde dem Schloss ein guter, wenn auch sanierungsbedürftiger Zustand bescheinigt.

Nach der Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen 1919 nahm die Gemeinde 30 Kinder von dort auf. Während der Unruhen in Mitteldeutschland im Herbst 1923 bildeten sich zwei kommunistische Hundertschaften in Straußfurt. 1925 wurde eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule eröffnet. 1932 konnte die vom Jahn-Turnverein gebaute Turnhalle eingeweiht werden. 1933 erfolgte die Trennung von Schule und Kirche. Ab 1936 wurde eine Siedlung gebaut, 1937 ein Kindergarten im Ort eingerichtet.

Im Zweiten Weltkrieg befanden sich 200 Kriegsgefangene in Straußfurt, die als Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Am 10. April 1945 rückten nach Kampfhandlungen mit Volkssturm, Beschuss und Zerstörung von Turnhalle, Güterschuppen und Ziegelei amerikanische Truppen in Straußfurt ein. Anfang Juli 1945 wurden sie durch sowjetische Einheiten abgelöst und Straußfurt entsprechend Teil der Sowjetischen Besatzungszone. In der Folgezeit wurden viele Heimatvertriebene in der Gemeinde aufgenommen.

Ab 1945[Bearbeiten]

1945 erfolgte im Rahmen der Bodenreform die Enteignung des Ritterguts, des Schlosses und der Münchhausen-Stiftung. Ein Drittel der 620 ha wurden ein Volkseigenes Gut (VEG), zwei Drittel aufgeteilt und Neubauernhöfe geschaffen. Zwischen 1945 und 1948 erfolgten der Abriss (zur Gewinnung von Baumaterial, das aber nicht geeignet war) und letztlich die Sprengung des Schlosses. Dabei berief man sich auf den SMAD-Befehl 209 zur Beseitigung von Adelssitzen. Die Münchhausen-Waisenhausstiftung wurde 1951 aufgelöst.

1952 begann der Bau eines Rückhaltebeckens der Unstrut, durch das Straußfurt und die flussabwärts gelegenen Gebiete vor den seit Jahrhunderten auftretenden Überschwemmungen, die häufig katastrophale Ausmaße hatten, geschützt wurden. 1961 erfolgte die Inbetriebnahme, später noch technische Vervollkommnungen. Das Wasserreservoir diente auch zur Beregnung der intensiv genutzten Ackerflächen der Umgebung. Eine Nutzung des im gefüllten Zustand von Wasservögeln bevölkerten Staubeckens als Naherholungsgebiet findet nicht statt. Die früher in vielen Schleifen langsam fließende Unstrut wurde im ganzen Verlauf kanalartig begradigt und dadurch im Fluss beschleunigt. Südöstlich von Straußfurt gibt es noch von Anglern genutzte, abgeschnittene Unstrutschleifen als Biotope. Früher reichte die Unstrut bis an den nach 1945 abgeholzten Gutspark von Straußfurt heran.

Im Bereich der jetzigen Nordwestecke des Rückhaltebeckens lag das 1945 enteignete und in den 1950er Jahren beseitigte Rittergut Stödten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1994 - 1.892
  • 1995 - 1.911
  • 1996 - 1.911
  • 1997 - 1.900
  • 1998 - 1.905
  • 1999 - 2.060
  • 2000 - 2.080
  • 2001 - 2.076
  • 2002 - 2.047
  • 2003 - 2.005
  • 2004 - 1.947
  • 2005 - 1.894
  • 2006 - 1.889
  • 2007 - 1.866
  • 2009 - 1.876
  • 2011 - 1.769

Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Straußfurt setzt sich aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • BIST (Freie Wähler) 8 Sitze
  • CDU 5 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 9. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Ehrenamtlicher Bürgermeister ist Olaf Starroske.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In silbernem Schild ein blauer Schildfuß, darin zwei silberne Wellenbalken, darüber eine grüne Weide.“

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit 1994 besteht eine Partnerschaft mit Biberbach in Bayern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kirche mit dem älteren Kriegerdenkmal
  • Die Kirche „St. Petri“ ist 1616-1620 durch Umbau einer älteren Kirche entstanden. In der Kirchenmauer finden sich mehrere aufgerichtete, stark verwitterte Grabplatten von 1484 bis 1610. 1747 wurde das Holztonnen-Gewölbe, der „Himmel“ neu gefertigt. 1882 erfolgte die äußere Restaurierung von Kirchenschiff und Turm. 1980 wegen Einsturzgefahr gesperrt, konnte die Kirche 1987 wieder eingeweiht werden.
  • Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Kirchhof wurde 1923 von dem Erfurter Bildhauer Hans Walther (1888–1961) geschaffen. Die Figurengruppe mit trauernder Mutter, Kindern und einem vor ihnen liegenden Gefallenen erinnert im Stil an Ernst Barlach.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Der südwestlich von Straußfurt gelegene Stausee hat die Funktion eines Rückhaltebeckens der Unstrut. Die Hauptarbeiten erfolgten 1952 bis 1960. Es ging eine idyllische Unstrut-Landschaft verloren.
  • Frühlings-Adonisröschen-Hang im „Hölzchen“ Flächen-Naturdenkmal.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Straußfurt war lange landwirtschaftlich geprägt. 1862 war das Rittergut der Freiherren von Münchhausen das größte im Kreis Weißensee. Im Jahr 1863 erfolgte die Gründung einer "Königlichen Postexpedition". 1864 errichtete Schaper das Dachziegelwerk. 1871 wurde durch Robert Wagner eine große Zuckerfabrik in Straußfurt gegründet, deren Arbeiter eine betriebseigene Krankenversicherung hatten. 1911 erhielt Straußfurt elektrisches Licht. 1939 wurde ein eigenes Kraftwerk der Zuckerfabrik eingeweiht. 1946 kam dann die Enteignung von Ziegelei, Zuckerfabrik sowie landwirtschaftlichem Großbesitz und eine Landaufteilung an Neubauern und Einrichtung eines Volkseigenen Guts. Ab 1952 erfolgte die Zwangskollektivierung der Bauern, die 1960 abgeschlossen wurde. Das VEG bildete viele Lehrlinge aus. Die Landwirtschaft wurde industrialisiert. Das Hochwasserrückhaltebecken lieferte das Wasser für eine Großberegnungsanlage, die 1971 in Funktion ging. 1985 wurde die Ziegelei abgebrochen. Das VEG kam 1990 unter Treuhandverwaltung, 1993 wurde es in eine "Agrarproduktions GmbH Gut Straußfurt" umgewandelt. 1993 konnte eine Ölheizungsanlage für die Zuckerfabrik in Betrieb genommen werden, der 85 Meter hohe Schornstein des bisherigen Heizkraftwerks -das Wahrzeichen von Straußfurt- wurde abgetragen.

Verkehr[Bearbeiten]

Straußfurt liegt an der Kreuzung zweier Bundesstraßen: In Nord-Süd-Richtung verläuft die Bundesstraße 4 und in Ost-West-Richtung die Bundesstraße 176.

Straußfurt war ein Eisenbahnknoten. Hier kreuzten sich die im Jahr 1869 in Betrieb genommene Strecke Bahnstrecke Wolkramshausen–Erfurt und die fünf Jahre später eröffnete Bahnstrecke Straußfurt–Großheringen (Pfefferminzbahn). Am 1. Juni 1906 wurde zudem die Strecke Straußfurt–Bad Tennstedt eröffnet. 1997/98 wurde der Verkehr auf dieser Strecke eingestellt, ebenso 2007 der auf der Pfefferminzbahn auf dem Abschnitt zwischen Straußfurt und Sömmerda.

Obwohl Straußfurt an der Unstrut liegt, wird es wegen des Staubeckens in weitem Bogen südlich vom Unstrut-Radweg umgangen. Ein nicht offizieller, mit sportlichem Rad befahrbarer Weg führt links der Unstrut von Straußfurt bis Wundersleben, wo er auf den ausgeschilderten und asphaltierten Unstrut-Radweg rechts des Flusses Richtung Schallenburg trifft.

Bildung[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten mehr als 60 Militärinternierte aus Italien sowie Frauen und Männer aus Polen, der Ukraine und Russland Zwangsarbeit verrichten: in der Landwirtschaft, in der Zuckerfabrik und in der Bahnmeisterei. Zwei Todesopfer der Zwangsarbeit sind beurkundet.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Bernhard von Hagke: Urkundliche Nachrichten über die Städte, Dörfer und Güter des Kreises Weißensee. Weißensee 1867
  • Thomas Bienert: In Straußfurt Befestigung zu Bonifatius´ Zeiten. In Das Schicksal geschundener und verschwundener Adelssitze in Thüringen. Thüringer Allgemeine 2006
  • "Straußfurt im Wandel der Zeiten": Chronik und Festschrift zur 1250-Jahrfeier der Gemeinde Straußfurt. Hrsg. Gemeinde Straußfurt, Geiger-Verlag Horb am Neckar, 1994. ISBN 3-89264-918-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Straußfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wetterrekorde auf den Webseiten des DWD
  3. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 276.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 278, ISBN 3-88864-343-0