Hönow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die Person, siehe Günter Hönow.

52.54833333333313.63777777777861Koordinaten: 52° 32′ 54″ N, 13° 38′ 16″ O

Hönow
Gemeinde Hoppegarten
Ehemaliges Hönower Gemeindewappen
Höhe: 61 m ü. NN
Fläche: 13,39 km²
Einwohner: 8300 (2006)
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 15366
Vorwahlen: 03342, 030

Hönow ['høːnoː] ist seit dem 26. Oktober 2003 ein Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Hoppegarten[1] im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg mit derzeit etwa 8.300 Einwohnern (Stand: 2006).

Geografie[Bearbeiten]

Hönow liegt an der nordöstlichen Stadtgrenze von Berlin auf der Hochfläche des Barnim. Das Dorf grenzt im Westen an den Berliner Stadtteil Hellersdorf, im Süden an den ebenfalls zum Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf gehörenden Ortsteil Mahlsdorf und im Südosten an Neuenhagen bei Berlin.

Ortsteile[Bearbeiten]

Hönow-Dorf[Bearbeiten]

Der Ortsteil rund um die durch einen Anger geteilte Dorfstraße (zu DDR-Zeiten Straße der Freundschaft) hat seinen dörflichen Charakter zum Teil bewahrt. Hier befindet sich das älteste Bauwerk Hönows, die im Mittelalter errichtete spätromanische Dorfkirche.

Der Dorfkern von Hönow
Dorfanger mit ehemaliger - im Sommer 2006 abgerissener - Konsum-Kaufhalle und alter Dorfschule (auch ehemaligem Kindergarten/-krippe jetzt Gemeindehaus der ev. Kirche)

Hönow-Nord[Bearbeiten]

Die beiden einen und eineinhalb Kilometer entfernten Siedlungen nördlich des Dorfes gehören mit zu Hönow. Im zum Dorf hin am nächsten gelegenen Flurstück, dem Wördetal, ließ sich im 19. Jahrhundert der Kaufmann und Teehändler Friedrich Glücks nieder. Sein Glückstee brachte ihm genügend Geld ein, um auf seinem etwa 20.000 m² großen Grundstück im Jahr 1900 ein Jagdschloss zu bauen – die Glücksburg.[2] Das Gebäude hatte eine imposante Kuppel, eine Terrasse und eine breite Freitreppe. Wahrscheinlich war Friedrich Glücks auch einer der ersten Siedler in diesem abseits des Dorfes gelegenen Flurstück, das um 1932 nur spärlich besiedelt war.

Grundstück der Glücksburg (gelb) mit Mehrower Straße (grün) und Wördetalstraße (rot)
Glücksburg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie Glücks im Zuge der Bodenreform zunächst enteignet und eine Familie Fisch bekam das Grundstück. Der Name Glücksburg wurde aus Karten und anderen Dokumenten getilgt, blieb aber im Volksmund erhalten. Die Siedlungen nördlich des Dorfes erschienen unter dem Namen Hönow-Nord in den Landkarten. Die Fischs mussten ab 1960 das Glücksburg-Areal räumen, als die Staatssicherheit hier ein Ferien- und Ausbildungszentrum errichten wollte.

Neben dem im Laufe der Jahrzehnte stark umgebauten Hauptgebäude, das bereits in den 1970er Jahren kaum noch als Jagdschloss erkennbar war, gibt es auf dem Grundstück noch mehrere kleine Gebäude, die nach 1989 gewerblich genutzt wurden. Hinter den Gebäuden befindet sich eine verwilderte Wald- und Seelandschaft.

500 Meter nördlich der ehemaligen Glücksburg befindet sich in Richtung Mehrow eine weitere Siedlung mit Namen Am Schleipfuhl – benannt nach einem Teich an der Mehrower Straße.

Hönow-Siedlungserweiterung[Bearbeiten]

Siedlungserweiterung

Die Hönower Siedlungserweiterung hat ihren Ursprung in der Bebauung brachliegender Ackerflächen gegen Mitte der 1990er Jahre. Nach und nach entstanden Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser, sowie mehrgeschossige moderne Wohnkomplexe. Innerhalb der Siedlungserweiterung wurde ein Grünzug angelegt, der mit kleinen Tümpeln, langen Spazierpfaden und einigen Spielplätzen durchzogen ist. Dieser ist Naturschutzgebiet. Außerdem entstanden zwei Kindertagesstätten sowie zwei zusätzliche Supermarktkomplexe. Kleinere Gewerbe in den Untergeschossen der Wohnkomplexe sowie ein Recyclinghof ergänzen neben einer bestehenden Nahverkehrsverbindung zum hiesigen U-Bahnhof Hönow die Infrastruktur.

Hönow-West[Bearbeiten]

Mitte der 1980er Jahre wurde der Ortsteil Hellersdorf von Berlin nach Osten erweitert. Es wurden Neubauten auf einem Gebiet errichtet, das zu Hönow gehörte. Noch heute ist die ehemalige Stadtgrenze erkennbar. Der Bereich von der Berliner Allee im Norden, zwischen Zerbster und Weißenfelser Straße, über die Riesaer Straße, zwischen Lichtenhainer und Schönewalder Straße bis zur Döbelner/Waldheimer Straße ist durch öffentliche Bebauung und Grünflächen geprägt, jedoch wenig Wohnbauten. Seit der Eingemeindung in die Stadt Berlin 1990 lautet die offizielle Gebietsbezeichnung Berlin-Hellersdorf Hönow-West. Kirchlich zählt der Bereich weiterhin nach Hönow.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Dorfkirche ist das älteste Gebäude in Hönow

Ursprünglich wurde Hönow vermutlich von den Wenden besiedelt. Im 13. Jahrhundert bauten die askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. hier angeblich eine Siedlung, die in den Jahren 1375–77 erstmals im Landbuch Karls IV. erwähnt wurde. Jüngere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Wettiner unter Heinrich dem Erlauchten Hönow in der Landesausbauphase der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einer kleinen Herrschaft gegen das gemeinsam regierende askanische Brüderpaar ausbauen wollten. Wahrscheinlich erst mit dem Teltow-Krieg (siehe dort) zwischen 1239 und 1245 kam Hönow endgültig und dauerhaft zur Mark Brandenburg.

Der Ort wurde während der Hussitenkriege 1432 und im Dreißigjährigen Krieg Anfang des 17. Jahrhunderts zerstört. Das Hönower "Schloss" wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und nach dem Krieg abgerissen. Tatsächlich handelte es sich bei dem Schloss um ein im Auftrag von Friedrich Anton Dotti, der mehrere Hönower Bauerngüter erworben hatte, nach einem Entwurf der Architekten Hermann Solf und Franz Wichards Ende des 19. Jahrhunderts errichtetes Herrenhaus. Dottis Bruder Georg Leopold hatte im nahe gelegenen Neuenhagen ein ähnliches Gutshaus durch das Büro Solf und Wichards errichten lassen.[3] Als einziges älteres Bauwerk hat die spätromanische Kirche überlebt.

Anfangs lebte die Bevölkerung Hönows von der Landwirtschaft. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte hier sich langsam das Handwerk. 1953 wurde eine LPG gegründet, die die Bewirtschaftung eines Großteils der landwirtschaftlichen Flächen übernahm. Außerdem entwickelte sich Hönow zu einem Ausflugsziel insbesondere von Berlin aus.

Seit etwa 1995 werden unter Erschließung brachliegender landwirtschaftlicher Flächen in und um Hönow neue Wohnsiedlungen errichtet, verbunden mit einer erheblichen Zunahme der Einwohnerzahlen. Mittelfristig wird für Hönow mit einer Einwohnerzahl von rund 12.000 gerechnet, wovon ein Großteil den Bereich Siedlungserweiterung bevölkern wird.

2006 beging Hönow den 775. Jahrestag seines Bestehens.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung seit 1875.
- Blaue Linie: Bevölkerungsentwicklung des Gebietes in den heutigen Grenzen.
- Gepunktete Linie: Normierte Bevölkerungsentwicklung des Landes Brandenburg.
Hönow:
Bevölkerungsentwicklung in den letzten selbständigen Grenzen
Jahr Einwohner
1875 465
1890 505
1910 546
1925 613
1933 1 737
1939 2 618
Jahr Einwohner
1946 2 351
1950 2 426
1964 2 518
1971 2 487
1981 2 403
Jahr Einwohner
1985 2 369
1989 2 241
1990 2 203
1991 2 192
1992 2 204
Jahr Einwohner
1993 2 236
1994 2 353
1995 2 565
1996 2 991
1997 3 516
Jahr Einwohner
1998 4 504
1999 5 577
2000 6 122
2001 6 770
2002 6 990


Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[4].

U-Bahnhof[Bearbeiten]

Die Hönower Einkaufspassagen (HEP) am U-Bahnhof Hönow
Endbahnhof der U5

In direkter Nachbarschaft zur Hönower Siedlung wurde am 1. Juli 1989 der U-Bahnhof Hönow eröffnet, der im Rahmen der Deutschen Wiedervereinigung zum 3. Oktober 1990 von Hönow nach Berlin umgemeindet wurde. Als oberirdisch gelegener Kopfbahnhof ist der östlichste U-Bahnhof der Berliner U-Bahn der Endbahnhof der U-Bahnlinie 5. Er ist der höchstgelegene (ca. 53 m über NN) oberirdische U-Bahnhof Berlins und verfügt über drei Gleise, die an einem Mittel- und einem Seitenbahnsteig untergebracht sind. Westlich des Bahnhofs befindet sich eine umfangreiche Abstellanlage für U-Bahnzüge, die jedoch nur noch teilweise durch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) genutzt wird.

Fahrradtourismus[Bearbeiten]

Der U-Bahnhof Hönow ist Startpunkt des Radfernweges ZR1, einem Zubringer zum Europaradweg R1, der über 3500 Kilometer von Boulogne-sur-Mer in Frankreich durch Berlin nach Sankt Petersburg in Russland führt. Ein neu ausgebauter knapp drei Kilometer langer Abschnitt des ZR1 wurde am 13. Dezember 2007 offiziell eröffnet und führt hinter dem Dorfkern Hönow über den Schwarzen Weg und den Roten Weg nach Altlandsberg.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Hönow ist Sitz der Geschäftsstelle der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau für die Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sagen[Bearbeiten]

Zwei Sagen, die im 19. Jahrhundert publiziert wurden, beziehen sich auf den Blocksberg genannten Hügel im Ort sowie auf das Hönower Wappentier, die Schildkröte.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hönow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  2. O. Meyer: Das Dorf Hönow - Seine kurzgefaßte Geschichte. In: Heimat und Welt 50/1938 und 1/1939. (online)
  3. http://www.maerkische-landsitze.de/lexikon.htm#Dotti_Friedrich. Eine Zeichnung des Herrenhauses findet sich in der Berliner Architekturwelt von 1896, S. 79: http://collections.europeanalocal.de/muradora/objectView.action?parentId=eld%3Azlb-baw-collection&type=1&sort=dc2.date&pid=demo%3Abaw-BAW_1899_03
  4. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  5. Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
  6. Adalbert Kuhn: Der Blocksberg und die Schildkröte zu Hönow. In: Märkische Sagen und Märchen. (Online, gemeinfreier Text)