Altlandsberg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Altlandsberg
Altlandsberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Altlandsberg hervorgehoben
52.56527777777813.72611111111157Koordinaten: 52° 34′ N, 13° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Märkisch-Oderland
Höhe: 57 m ü. NHN
Fläche: 106,21 km²
Einwohner: 8809 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 83 Einwohner je km²
Postleitzahl: 15345
Vorwahl: 033438
Kfz-Kennzeichen: MOL, FRW, SEE, SRB
Gemeindeschlüssel: 12 0 64 029
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Berliner Allee 6
15345 Altlandsberg
Webpräsenz: www.altlandsberg.de
Bürgermeister: Arno Jaeschke (parteilos, für die CDU)
Lage der Stadt Altlandsberg im Landkreis Märkisch-Oderland
Altlandsberg Alt Tucheband Bad Freienwalde Beiersdorf-Freudenberg Bleyen-Genschmar Bliesdorf Buckow Falkenberg Falkenhagen Fichtenhöhe Fredersdorf-Vogelsdorf Garzau-Garzin Golzow Gusow-Platkow Heckelberg-Brunow Höhenland Hoppegarten Küstriner Vorland Lebus Letschin Lietzen Lindendorf Märkische Höhe Müncheberg Neuenhagen bei Berlin Neuhardenberg Neulewin Neutrebbin Oberbarnim Oderaue Petershagen/Eggersdorf Podelzig Prötzel Rehfelde Reichenow-Möglin Reitwein Rüdersdorf bei Berlin Seelow Strausberg Treplin Vierlinden Waldsieversdorf Wriezen Zechin Zeschdorf BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Altlandsberg ist eine Stadt im Land Brandenburg, Landkreis Märkisch-Oderland. Die Stadt liegt östlich von Berlin im so genannten „engeren Verflechtungsraum“ der Bundeshauptstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Altlandsberg gliedert sich in sechs Ortsteile mit jeweils eigenen Ortsbeiräten und Ortsbürgermeistern:

Daneben gibt es noch mehrere Gemeindeteile ohne lokale Selbstverwaltung:

  • Eichenbrandt
  • Neuhönow
  • (Altlandsberg -) Nord
  • Paulshof
  • Radebrück
  • Seeberg (oft in Seeberg-Dorf und Seeberg-Siedlung unterschieden)
  • Wilkendorf
  • Wolfshagen

Geschichte[Bearbeiten]

Ev. Stadtkirche

Ursprung Altlandsbergs war ein erst slawischer, dann deutscher Burgflecken namens Jabel, der von Wasser und Sumpf umgeben und dadurch natürlich geschützt war. Er lag an einem Handelsweg von der Spree zur unteren Oder. Daran erinnern noch heute die „Jabelwiesen“ westlich des Altlandsberger Fließes. Altlandsberg wurde im Jahr 1230 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name der Stadt könnte vom wettinischen Landsberg bei Halle übertragen worden sein. Anfang des 13. Jahrhunderts entstand eine deutsche (vielleicht wettinische) Burg mit Suburbium um die heutige Stadtkirche. Sehr wahrscheinlich gehörte Altlandsberg zu der wettinischen Herrschaft, die der Markgraf von Meißen Heinrich der Erlauchte um Hönow im Zuge des deutschen Landesausbaus nach Osten gegen die Interessen der askanischen Markgrafen Brandenburgs aufbauen wollte. Im Teltow-Krieg zwischen 1239 und 1245 entschieden die gemeinsam regierenden Askanier Johann I. und Otto III. die Auseinandersetzungen für sich. Seit 1245 gehören der gesamte Barnim (wie auch der Teltow) und damit auch Altlandsberg dauerhaft zu der Mark Brandenburg beziehungsweise Brandenburg.

Kirche in Wesendahl

Südlich der Burg errichteten die Askanier noch vor 1257 eine regelmäßige Stadtanlage. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadtanlage mit einer Stadtmauer befestigt. 1335 stiftete der Wittelsbacher Markgraf Ludwig ein Kloster für den Bettelorden der Serviten, die einzige Klosterstiftung für diesen Orden in der Mark. Das Kloster wurde mit der Reformation 1540 aufgelöst. 1409 gelangte die Stadt in den Besitz der Ritter von Krummensee. 1421 gewährte Kurfürst Friedrich von Brandenburg den Bürgern das Recht, Jahrmärkte abhalten zu dürfen.[2] Am 24. oder 25. April 1432 überfielen Hussiten die Stadt und brannten sie nieder. 1537 vernichtete ein großer Stadtbrand auch das Rathaus mit allen Urkunden. 1550, 1566 und 1598 wüteten Pestepidemien in der Stadt.

1632 brannte Altlandsberg im Zuge des Dreißigjährigen Krieges nieder und blieb verwüstet. 1654 erwarb der kurfürstliche Minister Graf Otto von Schwerin das Schloss und die abgebrannte Stadt. Er ließ sie neu aufbauen und um 1670 das Barockschloss und die zugehörige Saalkirche errichten. Hier verbrachte der preußische König Friedrich I. seine Jugend. Als reformierter Gutsherr siedelte Otto von Schwerin 1670 hier die ersten Refugiés (Hugenotten) Brandenburgs an, die jedoch schon 1672 nach Berlin in die dortige, 1661 privilegierte Französische Kolonie umzogen. 1684 vernichtete ein neuerlicher Stadtbrand 90 Prozent der Stadt.

1708 kaufte König Friedrich I. die Herrschaft Altlandsberg, wandelte sie in ein königliches Amt um und baute das Schloss als Nebenresidenz aus. Nach dem Tode von Friedrich I. legte sein Sohn Friedrich Wilhelm I. 1713 die Residenz still und entleerte das Haus von seiner Ausstattung. 1757 brannte das Schloss ab. Die Trümmer wurden abgerissen, nur die Saalkirche wurde wieder aufgebaut. 1854 wütete der letzte Großbrand in der Stadt.

Jahrhundertelang war das Wirtschaftsleben der Stadt durch Land- und Forstwirtschaft sowie das Handwerk geprägt. In den vor etwa 400 Jahren gegründeten Zünften waren die Tuchmacher, Schuhmacher/Lohgerber, Bäcker, Schlächter/Knochenhauer und die Stellmacher/Böttcher die bedeutendsten Gewerke. Erst mit dem Ausbau der Chaussee Berlin - Strausberg - Prötzel im Jahr 1850 und dem Anschluss an die Altlandsberger Kleinbahn im Jahr 1898 erlebte die Stadt einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung.

Am 21. April 1945 erreichten von Strausberg kommende Spitzenverbände der Roten Armee unter Nikolai Erastowitsch Bersarin über Altlandsberg, das hinter dem äußeren Sperrring um die Reichshauptstadt Berlin lag, die Berliner Stadtgrenze. Von Kriegszerstörungen blieb Altlandsberg weitgehend verschont.

Altlandsberg beging im September 2005 sein 775-jähriges Bestehen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1997 wurde Wegendorf nach Altlandsberg eingemeindet.[3] Am 31. Dezember 2002 wurden im Zuge einer weiteren Gebietsreform im Land Brandenburg die amtszugehörigen Gemeinden Buchholz, Bruchmühle, Gielsdorf und Wesendahl als Ortsteile nach Altlandsberg eingemeindet.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die beiden folgenden Grafiken zeigen, wie sich die Bevölkerung Altlandsberg in seinen heutigen Grenzen entwickelt hat und voraussichtlich entwickeln wird. In der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl stark an, wozu auch die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten beigetragen haben. In der DDR-Zeit sank die Einwohnerzahl aber deutlich. Seit der Wende führt die Berlin-Nähe zu einem Wiederanstieg der Bevölkerung. Für die Zukunft bis 2030 sagen die Statistiker des Landesamtes sowie der Bertelsmann-Stiftung einen leichten Anstieg der Bevölkerung voraus [5].

Altlandsberg:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
[6]
Jahr Einwohner
1875 3875
1890 4214
1925 6029
1933 7094
1939 8188
1946 9315
1950 9326
1964 5935
1971 5853
1981 5043
Jahr Einwohner
1985 4942
1989 4796
1990 4799
1991 4768
1992 4856
1993 4916
1994 4963
1995 5265
1996 5877
1997 6502
Jahr Einwohner
1998 7044
1999 7498
2000 7903
2001 8092
2002 8189
2003 8494
2004 8645
2005 8677
2006 8737
2007 8739
Jahr Einwohner
2008 8769
2009 8757
2010 8806
2011 8723
2012 8809

Die Quellen der Daten, die Grundlage der Darstellungen sind, finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[7].

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung von Altlandsberg besteht aus 18 Stadtverordneten sowie dem hauptamtlichen Bürgermeister Arno Jaeschke. Im Ergebnis der Kommunalwahlen am 28. September 2008 setzt sich das Stadtparlament wie folgt zusammen:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 1. Juli 2007 wurde der von der CDU aufgestellte Kandidat Arno Jaeschke (parteilos) zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Er hat am 1. September 2007 sein Amt angetreten und damit Manfred Andruleit abgelöst.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 16. November 1992 genehmigt.

Blasonierung: „In Rot über grünem Schildfuß mit silbernem Balken ein spitzbedachter silberner Turm mit einem schwarzen Fenster und vier offenen Nischen; auf der Turmspitze ein viereckiger Aufsatz (ein stilisiertes Storchennest).“[8]

Partnerschaft und Städtefreundschaft[Bearbeiten]

Seit August 2002 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Krzeszyce in Polen.

Nach dem Fall der Mauer fand ein reger Austausch zwischen den Städten Stadtlohn (Nordrhein-Westfalen) und Altlandsberg statt, aus dem eine Städtefreundschaft entstand.

Dorfkirche von Gielsdorf

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Altes Gutshaus
Strausberger Tor 1
„Kleinstadtgeschichte“ von Christian Uhlig

Altlandsberg ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg. Der von Wall und Graben sowie einer weitgehend erhaltenen Feldstein-Stadtmauer von 1,3 Kilometer Länge mit dem Berliner Torturm und dem Strausberger Torturm (Storchenturm) aus dem 14./15. Jahrhundert umgebene Stadtkern ist von Bebauung überwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert geprägt, darunter vielen ehemaligen Ackerbürgerhäusern, die nach 1990 umfassend restauriert wurden.

Die Stadtkirche St. Marien wurde aus Feldsteinen als dreischiffige Basilika im spätromanischen Stil im 13. Jahrhundert errichtet, um 1500 spätgotisch umgebaut und im 19. Jahrhundert verändert.

Die ehemalige Schlosskirche wurde aus den Trümmern des 1757 abgebrannten Schlosses im barocken Stil erbaut. Nach Aufgabe der kirchlichen Nutzung ist in ihr eine Kunstglaserei untergebracht. Vom Schloss selber sind nur noch gesicherte Reste der Grundmauern und des Kellers vorhanden.

Das um 1880 im historistischen Stil erbaute Gutshaus dient nach seiner Restaurierung als soziokulturelles Zentrum.

Südlich dieses Ensembles befindet sich der Marktplatz mit einem Ehrenhain für gefallene sowjetische Soldaten, einem Denkmal für Friedrich Ludwig Jahn sowie ein Marktbrunnen des Bildhauers Johannes Niedlich.

Das Rathaus wurde von 1910 bis 1912 als Amtsgericht erbaut und wird seit 1956 für die Stadtverwaltung genutzt.

Außerhalb der Altstadt liegt das Scheunenviertel, ein Ensemble von in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Backsteinscheunen.

Sehenswert sind die historischen Dorfkirchen in den Ortsteilen Buchholz, Gielsdorf, Seeberg, Wegendorf, Wesendahl und Wilkendorf.

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Altlandsberg mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmalen

Sport[Bearbeiten]

Der Sportverein MTV 1860 Altlandsberg spielte 2007 und 2010 mit seiner Damen-Handballmannschaft in der 2. Bundesliga.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Distributionszentrum (Lebensmittel) der MGL (Metro Group) mit 75.000 m² für 14.000 Artikel
  • Gewerbegebiet An der Mühle
  • Gewerbegebiet Bruchmühle

Ortsteil Wesendahl:

  • zwei überregional bedeutsame Obsterzeuger
  • wichtiger Standort für die Pferdezucht und Pferdeausbildung

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Grabplatte für Nikolaus Leutinger den Älteren in der Stadtpfarrkirche Altlandsberg.

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Otto von Schwerin (1616–1679), brandenburgischer Minister
  • Ravindra Gujjula, Ortsvorsteher von Altlandsberg
  • König Friedrich I., erster König von Preußen, wurde in Altlandsberg bei und von Otto von Schwerin erzogen. So hatte es sein Vater, der Große Kurfürst verfügt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Historischer Führer, Stätten und Denkmale der Geschichte in den Bezirken Potsdam, Frankfurt (Oder), Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin, 1. Auflage 1987, ISBN 3-332-00089-6
  • Festschrift der Stadt Altlandsberg zum 775. Geburtstag der Stadt, 2005

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altlandsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelaltere; Erlangen 1963, S. 30.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1997
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  5. Aufstellung der Quellen unter Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  6. Gebietsstand 1. Januar 2013
  7. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  8. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg