Hamburger Hafenbahn

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Die Aufgabe der Hamburger Hafenbahn, die der Hamburg Port Authority (HPA) untersteht, ist die Versorgung des Hamburger Hafens mit dem Verkehrsmittel Eisenbahn als Teil der Infrastruktur für den größten Hafen Deutschlands.

Hier geht es um die Übernahme und Weiterleitung von Gütern zwischen den Frachtschiffen und der Eisenbahn, die weiträumig weiter befördert werden sollen. So dienen die Anlagen der Hafenbahn dem Hinterlandverkehr. Container werden mit Containertragwagen auf den Anlagen der Hafenbahn von den Containerterminals weiterbefördert. Schüttgüter werden mit speziellen Ganzzügen zum Verbraucher (z.B. Eisenerz vom Sandauhafen zum Stahlwerk Salzgitter AG) befördert.

Die Hafenbahn stellt die Eisenbahninfrastruktur, sie selbst betreibt keine Züge, besitzt aber Fahrzeuge zur Unterhaltung des Streckennetzes. Die Gleise der Hafenbahn stehen den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zur Anbindung des übrigen Eisenbahnnetzes an den Hafen zur Verfügung, von denen Ende 2013 112 Unternehmen eine Zulassung dazu haben.[1]

Bereich der Hafenbahn[Bearbeiten]

Die heutige Ausdehnung des Hafenbahn-Netzes reicht von der Peute im Osten bis zum Gelände der Airbus Deutschland GmbH auf Finkenwerder im Westen und im Süden bis zum Lotsekai in Hamburg-Harburg. Sie ist bei Hamburg-Hausbruch an die Unterelbebahn angeschlossen, von der aus über den Bahnhof Hamburg-Harburg bzw. den nachgelagerten Rangierbahnhof Maschen die verladenen Güter europaweit verteilt werden. Ein weiterer Anschluss besteht in Hamburg-Wilhelmsburg südlich des ehemaligen Containerbahnhofs, dem Betriebsgelände der ehemaligen Wilhelmsburger Industriebahn.

Die bereits seit 1845 betriebene Altonaer Hafenbahn wurde erst 1950 organisatorisch mit der Hamburger Hafenbahn vereinigt und ist damit die älteste Teilanlage.[2]

Entwicklung[Bearbeiten]

Hafenbahngleise am Sandtorhafen vor der Speicherstadt, um 1900
Stadtplan von 1880 mit den Gleisen der Hafenbahn vom Berliner Bahnhof zum Brokthorhafen, Sandthorhafen und Grasbrokhafen

1860 bis 1900[Bearbeiten]

1860 wurde auf Antrag der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft eine Anschlussstrecke zur Anbindung des Sandthorhafens an den Bahnhof am Deichtorplatz genehmigt. Nach Abschluss eines dementsprechenden Pachtvertrages am 18. Juni 1866 fuhr am 11. August 1866 der erste Zug auf der 700 m langen „Quaibahn“ vom Berliner Bahnhof zum Sandtorkai. Der erste Betreiber der Hamburger Hafenbahn war damit die Berlin-Hamburger Eisenbahngesellschaft.[3]

1867 entstand als erster Rangierbahnhof der „Theerhof“ am Nordufer des Brooktorhafens.[3]

1869/74 wurden auf dem Kaiser-, Dalmann-, Hübener- und Strandkai Gleise zum Berliner Bahnhof in Betrieb genommen.[3]

1872 erfolgte mit dem Bau der Elbbrücken der Eisenbahnanschluss nach Süden zum Hannoverschen Eisenbahnnetz. Hier etabliert sich die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft mit dem Venloer Bahnhof, und übernahm als Betreiber die Hafenbahngleise am Grasbrookhafen.[3]

1884 wurde durch die Übernahme der Berlin-Hamburger Bahn sowie der bereits 1880 erfolgten Übernahme der Köln-Mindener Eisenbahn durch den Staat Preußen praktisch die gesamte Hafenbahn der Hansestadt Hamburg von preußischen Bahngesellschaften betrieben (bis 1919).

1888 erfolgte der Anschluss Hamburgs an das Deutsche Zollgebiet und die Hamburgische Kaiverwaltung übernimmt die Hafenanlagen gemäß dem „Kairegulativ“ vom 15. August. Am 28. September/5. Oktober 1888 wurde der Vertrag zur Übernahme des Fahr- und Rangierdienstes auf der Hafenbahn und am 22./27. Dezember des gleichen Jahres der Vertrag zum Anschluss aller rechts- und linkselbischen Hafenbahngleise an das preußische Eisenbahnnetz durch die Verwaltung der Königlich Preußischen Staatseisenbahnen unterzeichnet.[3]

1893 wurde der Betrieb auf dem Hafenbahnhof Niedernfelde auf dem Kleinen Grasbrook und auf der Verbindungsstrecke durch Wilhelmsburg aufgenommen.[3]

1901 bis 1945[Bearbeiten]

1911 Auf der Hafenbahn wurden 4,91 Millionen Tonnen Güter aus dem Binnenland und 3 Millionen Tonnen Güter in das Binnenland befördert.[3]

1913 Am 1. Januar waren im Freihafen 226 Kilometer Gleise vorhanden, mit den privaten Anschlüssen waren es 238,5 Kilometer.[3]

1924 wurde der Betrieb der Hafenbahn von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft übernommen.

1929 wurde die Aufgabenteilung zwischen Hafenbahn und Reichsbahn durch den Hafenbahn-Betriebsvertrag geregelt.[3]

1934 Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz erfolgte die Gründung einer Hamburgisch-Preußischen Hafengemeinschaft.[3]

1945 Kriegsbedingt waren von den 450 km Gleisen der Hafenbahn 305 km zerstört. Beim Wiederaufbau wurde die Gleisanordnung auf den Kais stärker an den Bedarf der modernen Seeschifffahrt angepasst.[3]

1949 bis 1995[Bearbeiten]

1949 übernahm die neu geschaffene Deutsche Bundesbahn den Betrieb der Hafenbahn.

1958/62 Bau des Haupthafenbahnhofes Hohe Schaar

1965 erfolgte die Elektrifizierung einiger Hafenbahngleise (ohne Rangier- und Ladegleise) parallel zur Elektrifizierung der Bundesbahn-Strecke nach Hannover.

1966 erfolgte die Modernisierung des Hafenbahnhofes Hamburg Süd, ehemals „Niedernfelde“ auf dem Kleinen Grasbrook

1970 Die Zusammenarbeit der Partner im Hafen wird durch die Hafenordnung von 1970 geregelt. Dort ist unter anderem festgelegt, dass der Betrieb auf der Hafenbahn im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) ausgeführt wird bzw. dass die Hansestadt alle Hafenverkehrswege, die sogenannte Verkehrsinfrastruktur, plant, baut und instandhält und dass die FHH darüber hinaus Hafengrundstücke zur Verpachtung an Unternehmen der Hafenwirtschaft bereitstellt. Entsprechend beauftragte Unternehmen errichteten und betrieben dann auf den Grundstücken Kaiumschlaganlagen, die als Suprastruktur bezeichnet werden. So sind auch die Hafenbahnanlagen in Infrastruktur und Suprastruktur unterteilt.

1989 Schrittweise Einführung des Hafenbahn-Betriebs- und Informationssystems „HABIS“. Die Hafenbahn hatte jetzt 425 km Gleisstrecken, es wurden 22 Millionen Tonnen Güter aller Art umgeschlagen.[3]

1992 Mit dem neuen Hafenbahnbetriebsvertrag wurde festgelegt, dass Hamburg die Infrastruktur und die Hafenwirtschaft die Suprastruktur betreibt, sowie die Deutsche Bundesbahn den Fahrbetrieb.[3]

1995 Eröffnung des Hafenbahnhofes Alte Süderelbe.

Um 2000[Bearbeiten]

Mittlerweile hatte das Gleisnetz im Hamburger Hafen eine Streckenlänge von 375 km und mehrere Hafenbahnhöfe − unterteilt in drei Haupthafenbahnhöfe und diverse nachgeordnete Bezirksbahnhöfe und Vorstellgruppen. Die Hafenbahn ist von überregionaler Bedeutung. Geschätzt begannen oder endeten 10 % des gesamten deutschen Güterschienenverkehrs im Hamburger Hafen. Vom Warenumschlag des Hafens wurden 27 % insgesamt und rund 70 % des Container-Verkehrs über die Bahn abgewickelt. Auf der Hafenbahn wurden 2008 1,8 Mio. TEU, 2009 1,6 Mio. TEU und 2010 1,93 Mio. TEU befördert. Die Beförderungsleistung teilten sich verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU).[4]

Stand 2006[Bearbeiten]

Die Railion Deutschland AG, damals ein Schwesterunternehmen der Stinnes AG, war mit der Instandhaltung des Hamburger Hafenbahnnetzes betraut. Jedoch kam von letzterer die Kritik

„Die Verfügbarkeit der Infrastruktur der Hafenbahn Hamburg ist derzeit so desolat, dass die Anlagen nur noch durch massive Geschwindigkeitsbeschränkungen von zehn Stundenkilometern genutzt werden können.“

Stinnes Logistics: Interne „Sprachregelung zur Situation im Hamburger Hafen“ vom 11. Mai 2006[5]

Seit 2008 nimmt die HPA Hamburg Port Authority (vorher Strom- und Hafenbau) die Pflichten der Stadt Hamburg zum Betrieb der Hafenbahn wahr.

Stand 2010[Bearbeiten]

Der Zustand von 2006 hat sich seit der Übernahme der Instandhaltungspflichten durch die Hamburg Port Authority in den Jahren 2008 bis 2010 durch Investitionen von rund 125 Millionen Euro stark verbessert.[6] Ungenügend sind lediglich die Hinterlandstrecken des Hafens, die durch die DB Netz betreut werden, die den Ausbau aufgrund von Umverteilungen zugunsten des Personenverkehrs hinausschob.

Neue Spitzenwerte im Güterumschlag wurden in den Jahren 2010 und 2011 erreicht (mehr als 40 Millionen Tonnen Ladung).[7][8]

Bis 2014 wird die Rethe-Hubbrücke erneuert.

Daten[Bearbeiten]

Umschlag[Bearbeiten]

  • ca. 200 Züge täglich, davon 125 Containerzüge[4]
  • ca. 5000 Güterwagen pro Tag[4]
  • 41,3 Millionen Tonnen Güteraufkommen (2011)[7][8] bzw. 41,5 Mio. Tonnen (2013)[9]
  • 2,1 Millionen Standardcontainer (TEU) im Jahr 2013[10]
  • ca. 30 % Transportanteil am Gesamthafenumschlag[4] bzw. 36 % (2011)[7][8]
  • 12 % Anteil am nationalen Schienengüterverkehr[4]
  • 112 Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) haben eine Nutzungszulassung auf den Gleisen der Hamburger Hafenbahn (Stand November 2013)[11] und betreiben den Verkehr auf dem Streckennetz

Streckennetz[Bearbeiten]

Der „Streckenbereisungswagen“ auf dem Betriebsgelände an der Brandenburger Straße

Signal- und Kommunikationsanlagen[Bearbeiten]

Fahrzeugbestand[Bearbeiten]

Die Hafenbahn unterhält in ihrem Technischen Betrieb einen kleinen Fahrzeugpark für Bau- und Instandhaltungszwecke, der aus folgenden Fahrzeugen besteht (Stand 4. August 2011):

Verein der Freunde der historischen Hafenbahn e.V.[Bearbeiten]

Der Verein der Freunde der historischen Hafenbahn e.V. arbeitet alte Fahrzeuge der Hafenbahn und anderer Industrie- und Werksbahnen auf und stellt sie am Bremer Kai im Hamburger Freihafen zur Schau.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburger Hafenbahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  •  Kurt Grobecker: Die Hamburger Hafenbahn. 125 Jahre Partnerschaft und Tradition. HanseStadt Verlag, Hamburg April 1994, ISBN 978-3927245082.
  • TransPORT Rail Basic eingeführt. In: Täglicher Hafenbericht vom 11. Juli 2012, S. 15, Seehafen-Verlag, Hamburg 2012, ISSN 2190-8753
  • Eckhard-Herbert Arndt: Hamburg begrüßt 100. Bahnunternehmen. In: Täglicher Hafenbericht vom 27. November 2012, S. 3, Seehafen-Verlag, Hamburg 2012, ISSN 2190-8753
  •  Christoph Müller: Hamburg – Tor zur Welt. Der Hafen wird bunter. In: eisenbahn magazin. Nr. 12/2010, Alba Publikation, Düsseldorf Dezember 2010, ISSN 0342-1902, S. 28–31.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eckhard-Herbert Arndt: Europäischer Hafenbahn-Meister, 112 Unternehmen haben eine Zulassung - 2013 wird neuer Mengenrekord erzielt. In: Täglicher Hafenbericht vom 15. November 2013, S. 4
  2. Wolfgang Klee:Eisenbahnen in Hamburg. Eisenbahn Journal special, 5/1997, S. 70ff
  3. a b c d e f g h i j k l m Freunde der historischen Hafenbahn e.V.
  4. a b c d e f g h i Eckhard-Herbert Arndt: Hafen Hamburg – mehr Freiraum schaffen. In: Hansa, Heft 2/2011, S. 63/64, Hamburg 2011, ISSN 00177504
  5. Stinnes Logistics warnt vor Kollaps bei der Hafenbahn. In: Die Welt, 22. Mai 2006
  6. Jan Mordhorst: Hafenbahn: Mängelkatalog abgearbeitet • 125 Millionen Euro Investitionen seit 2008 – Spitzenposition in Europa – Bis zu 1,8 Millionen TEU pro Jahr bewegt. In: Täglicher Hafenbericht vom 26. Juli 2010, S. 3. Seehafen-Verlag, Hamburg 2010, ISSN 1618-5234
  7. a b c „Hafenbahn stellt Rekord auf“, DIE WELT, 23. Dezember 2011, Seite 38
  8. a b c DIE WELT Online-Fassung 23. Dezember 2011
  9. Eckhard-Herbert Arndt: Hamburg hängt Mitbewerber beim Hinterlandverkehr ab. In: Täglicher Hafenbericht vom 7. Februar 2014, S. 1
  10. Eckhard-Herbert Arndt: Hamburg hängt Mitbewerber beim Hinterlandverkehr ab. In: Täglicher Hafenbericht vom 7. Februar 2014, S. 1/3
  11. Eckhard-Herbert Arndt: Europäischer Hafenbahn-Meister, 112 Unternehmen haben eine Zulassung - 2013 wird neuer Mengenrekord erzielt. In: Täglicher Hafenbericht vom 15. November 2013, S. 4

Siehe auch[Bearbeiten]