Jafar Panahi

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Jafar Panahi beim Filmfestival Cines del Sur (Granada) 2007
Panahi mit seinem gewonnenen Silbernen Bären für Offside (2006)

Jafar Panahi (persisch ‏جعفر پناهی‎; * 11. Juli 1960 in Mianeh, Provinz Ost-Aserbaidschan) ist ein iranischer Filmregisseur. Er zählt zu den im Ausland bekanntesten Regisseuren aus dem Iran.

Leben[Bearbeiten]

Jafar Panahi ist einer der wichtigsten unabhängigen Filmemacher im Iran. Er studierte in den 1980er Jahren in Teheran Film- und Fernsehregie. Nach einigen Fernseharbeiten und Kurzfilmen war er Assistent von Abbas Kiarostami. Sein Debütfilm Der weiße Ballon wurde 1995 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Sein nächster Film Der Spiegel gewann 1997 das Filmfestival von Locarno. Der größte Erfolg war für ihn der Gewinn des Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2000 mit dem Film Der Kreis. Der Film wurde jedoch vom iranischen Regime verboten und nicht im Iran gezeigt. 2003 erhielt Crimson Gold den Hauptpreis auf der Semana Internacional de Cine de Valladolid. Sein Film Offside erlebte auf der Berlinale 2006 am 17. Februar 2006 seine Welturaufführung und gewann einen Tag später einen Silbernen Bären.

Im Februar 2010 sollte Panahi als Ehrengast der 60. Berlinale im Rahmen des World Cinema Fund Day an einer Diskussion zum Thema „Iranisches Kino: Gegenwart und Zukunft, Erwartungen innerhalb und außerhalb des Landes“ teilnehmen. Die Ausreise aus seinem Heimatland wurde Panahi jedoch verwehrt.[1] Er war zuvor in Nader Davoodis kritischem Dokumentarfilm Red, White & The Green aufgetreten, der in der Berlinale-Reihe Panorama Dokumente gezeigt wurde und die Hoffnung der iranischen Intellektuellen, Jugend und Frauen auf einen politischen Wechsel deutlich macht.[2]

Panahi unterstützte bei den umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 die Oppositionsbewegung Grüne Bewegung von Mir Hossein Mussawi gegen den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.[3]

Nach Angaben Oppositioneller wurde Panahi zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und weiteren Dissidenten am 1. März 2010 in seinem Haus von der iranischen Polizei festgenommen.[4] Ebenfalls festgenommen wurde Mohammed Rasoulof, mit dem er wiederholt zusammenarbeitete.[5] Panahi wurde zunächst ohne Anklage in das Evin-Gefängnis gebracht, wo er knapp drei Monate lang inhaftiert blieb. Er trat in den Hungerstreik, unter anderem weil er einen eigenen Anwalt forderte. Zahlreiche internationale Intellektuelle wie Michael Moore, Steven Spielberg, Robert Redford, Abbas Kiarostami haben sich für seine Freilassung eingesetzt. Panahi kam am 25. Mai 2010 gegen Zahlung einer Kaution von 200.000 US-Dollar stark abgemagert bis zum Beginn des Strafprozesses frei.[3][6] Bereits im Sommer 2009 war Panahi nach einer Gedenkveranstaltung für Neda Agha-Soltan kurzzeitig inhaftiert worden.[7]

Der Prozess fand am 20. Dezember 2010 statt. Panahi wurde dabei zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt; gleichzeitig erhielt er ein Berufsverbot von 20 Jahren, darf keine Interviews geben oder ins Ausland reisen. Gemäß seiner Anwältin muss Panahi wegen „Propaganda gegen das System“ ins Gefängnis. Konkret wird ihm vorgeworfen, er habe einen regimekritischen Film über die Wahlen und die anschließenden Ausschreitungen vorbereiten wollen.[3][8][9]

Panahi hatte in Abwesenheit seinen Platz in der Wettbewerbsjury bei den 61. Internationalen Filmfestspielen von Berlin behalten. Das Festival setzte damit ein Zeichen, Panahis Freiheitskampf zu unterstützen.[10] Außerdem sollte er mit Filmvorführungen und Diskussionen unterstützt werden. In mehreren Sektionen wurde jeweils ein Film von ihm gezeigt.[11] Aus Solidarität mit Jafar Panahi, der vom religiösen Regime des Iran an der Ausreise zur Berlinale 2011 gehindert wurde, erschien die tageszeitung (taz) am 11. Februar 2011 in grüner Farbe, der Farbe der iranischen Oppositionsbewegung.[12] Bis zum Ende der Berlinale hatte Festival-Direktor Dieter Kosslick daran geglaubt, Panahi würde am Ende noch auf seinem Juryplatz sitzen. Die Preisverleihung musste dennoch ohne ihn stattfinden. Die starke Solidarität Kosslicks führte allerdings zu einer weltweiten Berichterstattung des Fall Panahis.[13]

Anfang Mai 2011 gab die Festivalleitung der Filmfestspiele von Cannes die Uraufführung von Jafar Panahis und Mojtaba Mirtahmasbs In Film Nist (englischsprachiger Titel: This is not a Film) bekannt. Der 75-minütige Dokumentarfilm zeigt einen Tag im Lebens Panahis, während er über Monate auf seine Verurteilung warten musste.[14]

Im Oktober 2011 bestätigte ein iranisches Berufungsgericht sowohl die sechsjährige Haftstrafe als auch das zwanzigjährige Berufs- und Reiseverbot gegen Panahi.[15] Anfang März 2012 erklärte der Botschafter Irans in Deutschland, Ali Reza Sheikh Attar, dass Panahi zu diesem Zeitpunkt in zweiter Instanz vor Gericht stehe.[16]

Im Januar 2013 wurde bekannt, dass Panahis neuer Film Pardé im Wettbewerb der Berlinale 2013 zu sehen sein wird.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Yarali Bashlar (1988, Kurzdokumentarfilm)
  • Kish (1991, Dokumentarfilm)
  • Doust (1992, Kurzfilm)
  • Zire Darakhatan Zeyton (Quer durch den Olivenhain, 1994, Regieassistenz)
  • Badkonake Sefid (Der weiße Ballon, 1995)
  • Ardekoul (1997, Kurzdokumentarfilm)
  • Ayneh (Der Spiegel, 1997)
  • Dayereh (Der Kreis, 2000)
  • Talaye Sorkh (Crimson Gold, 2003)
  • Offside (2006)
  • Ākordeon (Das Akkordeon, 2010, Kurzfilm)
  • In Film Nist (Dies ist kein Film, 2011)[19]
  • Pardé (Closed Curtain, 2013)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jafar Panahi – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Elterlein, Eberhard von: Ein Film aus dem Iran sorgt für Furore. In: Berliner Morgenpost, 17. Februar 2010, Nr. 47, S. 21
  2. vgl. Berlinale: Ein Volk begehert auf. In: zeit.de, 17. Februar 2010 (aufgerufen am 19. Februar 2010)
  3. a b c Sechs Jahre Haft wegen „Propaganda“. In: tagesschau.de vom 21. Dezember 2010; Archiv-Version
  4. vgl. Rückschau: Künstler im Knast. In: ttt – titel, thesen, temperamente vom 28. März 2010 (aufgerufen am 30. März 2010)
  5. Bert Rebhandl: Unfreier Mitarbeiter in: Der Standard vom 24. Jänner 2011. Abgerufen am 3. Juni 2011.
  6. Der Tagesspiegel: Iran: Filmemacher Jafar Panahi gegen Kaution frei, 25. Mai 2010.
  7. vgl. Al Jazeera: Iran targets reformist publications, 2. März 2010.
  8. Panahi zu sechs Jahren Haft verurteilt. In: Spiegel Online vom 21. Dezember 2010
  9. The Guardian: Iran: Iran jails director Jafar Panahi and stops him making films for 20 years, 20. Dezember 2010.
  10. Jafar Panahi behält Platz in Berlinale-Jury. In: Focus vom 21. Januar 2011
  11. Berlinale unterstützt iranischen Filmemacher Panahi. In: Welt Online vom 18. Januar 2011
  12. Tageszeitung, 11. Februar 2011.
  13. Mit Humor ist manchmal doch viel mehr zu erreichen In: zenithonline vom 17. Februar 2011
  14. vgl. Offizielle Pressemitteilung bei festival-cannes.com, 7. Mai 2011 (englisch; aufgerufen am 9. Mai 2011).
  15. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Haftstrafe für Dschafar Panahi bestätigt, 15. Oktober 2011.
  16. 3sat, Kulturzeit, Maren Beuscher: Video: Interview mit Ali Reza Sheikh Attar, 1. März 2012
  17. http://www.berlinale.de/en/presse/pressemitteilungen/wettbewerb/wettbewerb-presse-detail_16404.html
  18. Sacharow-Preis geht an iranische Aktivisten
  19. Lasst diesen Blick frei in: FAZ vom 23. Mai 2012, Seite 31