Malala Yousafzai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Malala Yousafzai (2013)
Malala während eines Treffens mit US-Präsident Barack Obama, Michelle Obama und deren Tochter Malia im Oval Office am 11. Oktober 2013

Malala Yousafzai [məˈlala jusəfˈzə͡i] (paschtunisch ‏ملاله یوسفزۍ‎, Urdu ‏ملالہ یوسف زئی‎‎; * 12. Juli 1997) ist eine Kinderrechtsaktivistin aus dem Swat-Tal in Pakistan. Am 10. Oktober 2014 wurde ihr gemeinsam mit Kailash Satyarthi der Friedensnobelpreis zuerkannt. Sie ist die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Nobelpreises.

Name

Malala Yousafzai wurde nach der Poetin und Volksheldin Malalai von Maiwand benannt, die die aufständischen Paschtunen in der Schlacht von Maiwand 1880 gegen die britischen Truppen anführte.[1] Ihr Nachname Yousafzai ist im Swat-Tal verbreitet und weist darauf hin, dass sie dem Stamm der Yousaf angehört. Dieser Stammesname ist eine Aussprache-Variante aus Paschtu und Urdu an der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan für den arabischen Namen Yusuf (Josef).[2] Die Endung -zai ist für die einzelnen paschtunischen Sippen sowohl in Afghanistan als auch in Pakistan typisch.

Internet-Tagebuch

Seit Januar 2009, als sie elf Jahre alt war, berichtete Malala auf einer Webseite der BBC in einem Blog-Tagebuch unter dem Pseudonym Gul Makai über Gewalttaten der pakistanischen Taliban im Swat-Tal.[3] Diese Terrororganisation hatte seit 2004 im Swat-Tal Einfluss gewonnen und 2007 damit begonnen, Schulen für Mädchen zu zerstören und gegnerische Pakistaner zu ermorden. Sie verboten Mädchen den Schulbesuch, das Hören von Musik, das Tanzen und das unverschleierte Betreten öffentlicher Räume. Im Dezember 2008 kam ein Reporter der BBC auf die Idee, eine betroffene Schülerin berichten zu lassen, und sprach den Leiter einer Privatschule an, der schließlich seine Tochter Malala vorschlug.[4] Ihr Blog wurde schnell in Pakistan bekannt und schließlich ins Englische übersetzt. Im Jahr 2011 wurde ihr Pseudonym aufgedeckt, als sie für den Internationalen Kinder-Friedenspreis nominiert wurde. Sie bekam den Preis damals nicht, worauf die Regierung Pakistans einen jährlichen Nationalen Friedenspreis der Jugend stiftete, der ihr verliehen und im Dezember 2011 nach ihr benannt wurde.[5]

Attentat

Am 9. Oktober 2012 hielten einige Taliban ihren Schulbus auf der Heimfahrt an und fragten nach Malala. Ein Taliban schoss aus nächster Nähe auf sie.[6] Dabei wurde sie durch Schüsse in Kopf und Hals schwer verletzt und musste in einem Militärkrankenhaus in Peschawar operiert werden.[7]

Anlass für den Anschlag war einem Bekennerschreiben der Taliban zufolge der Einsatz des Mädchens für die schulische Bildung der weiblichen Bevölkerung.[8] Um die Täter mit Hilfe der Bevölkerung zu ergreifen, setzte die pakistanische Regierung eine Prämie von 10 Millionen Rupien (etwa 74.000 Euro) aus.[9]

Medizinische Behandlung

Drei Tage nach dem Attentat wurde Yousafzai aus der Provinzhauptstadt Peschawar nach Rawalpindi in der Metropolregion der Landeshauptstadt Islamabad verlegt, es bestand noch Lebensgefahr. Weitere drei weitere Tage später wurde sie nach Großbritannien ausgeflogen[10] und ins Queen Elizabeth Hospital in Birmingham verlegt, wo sonst verwundete britische Soldaten behandelt werden, in eine erst kurz zuvor eröffnete, auf Schusswaffenverletzungen und Kopfwunden spezialisierte Abteilung.[11]

Wegen eines Luftröhrenschnitts konnte Malala sich zunächst nur schriftlich mit dem Krankenhauspersonal verständigen. Das Projektil, das sie beim Anschlag verletzt hatte, war oberhalb ihres linken Auges eingedrungen und hatte Teile des Schläfenbeins sowie des Oberkiefers im Bereich der Unterschläfenfläche und des Oberkieferhockers sowie Teile des Unterkiefers im Bereich der Schrägen Linie zerstört, wie ein Krankenhaussprecher erklärte. Das (bereits in Pakistan entfernte) Geschoss war im Bereich der sogenannten „Masseter-Rauigkeit“ ausgetreten und anschließend in der linken Schulter über dem Schulterblatt wieder eingetreten.[12] Anfang Januar 2013 verließ Yousafzai das Krankenhaus vorerst, um sich aber in den folgenden Wochen noch Operationen zur plastischen Rekonstruktion des Schädels und des Gesichts zu unterziehen, bei denen auch der fürs Gehör erforderliche Teil des Gesichtsnervs wiederhergestellt wurde.[13]

Weiteres Engagement

Malala (2014)

Nachdem sie längere Zeit zum Teil ohne ihre Familie in England hatte verbringen müssen, kam diese 2013 für mindestens drei Jahre nach Großbritannien. Ihr Vater wurde als Attaché für Bildung zum pakistanischen Konsulat nach Birmingham entsandt.[14]

Der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown, inzwischen UN-Sonderbeauftragter für globale Bildung, initiierte eine Petition in Malalas Namen „zur Unterstützung dessen, wofür Malala gekämpft hat“.[11] Im Dezember 2012 wurde in Zusammenarbeit mit der UNESCO der Malala-Fonds gegründet, um weltweit das Recht von Kindern auf Bildung durchzusetzen. Verschiedene Initiativen forderten, Malala für den Friedensnobelpreis zu nominieren.[15] Das Magazin Time kürte sie nach Barack Obama zur zweitwichtigsten Person des Jahres 2012.[16] Die Nutzer von euronews wählten sie zum „Menschen des Jahres“ 2012,[17] CNN-Nutzer wählten sie hinter Obama zur „faszinierendsten Persönlichkeit des Jahres“ 2012.[18]

Am 7. Februar 2013 konnte Malala das Krankenhaus in Birmingham verlassen. Am 8. Februar wurde bekannt, dass sie offiziell für den Friedensnobelpreis in Oslo nominiert worden war. Vom 20. März an besuchte sie die Edgbaston High School für Mädchen in Birmingham. Sie gab ihrem Wunsch Ausdruck, dass alle Mädchen auf der Welt die Möglichkeit zum Schulbesuch haben sollten.[19] Sie erhielt einen Vertrag über ihre Biografie beim britischen Verlag Weidenfeld & Nicolson in Höhe von zwei Millionen Pfund (rund 2,3 Millionen Euro).[20]

Am 12. Juli 2013, ihrem 16. Geburtstag, sprach sie vor der Jugendversammlung der UNO. Es war ihre erste öffentliche Rede seit dem Attentat.[21] Sie überreichte dem anwesenden UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Petition für die Bildung aller Kinder mit vier Millionen Unterschriften. Die UNO will dieses Ziel bis Ende 2015 erreichen.[22] Er kündigte an, dass die UNO den 10. November als „Malala Day“ feiern wird.[23]

Am 3. September 2013 weihte Malala die neue Library of Birmingham ein.[24] Am 10. Oktober wurde ihr der Sacharow-Preis des Europaparlaments zugesprochen.[25]

Im Oktober 2013 bereiste sie die USA zur Veröffentlichung ihrer Biografie und Werbung für den Malalafonds. Am 11. Oktober war sie Gast bei US-Präsident Barack Obama und seiner Familie im Weißen Haus. Bei dieser Gelegenheit dankte sie ihm einerseits für die Hilfe der USA für Pakistan und die Bildung von Mädchen, kritisierte andererseits aber Obamas Fortführung des Drohnenkrieges: „Ich habe auch meine Besorgnis ausgedrückt, dass Drohnenangriffe Terrorismus fördern. Durch diese Taten werden unschuldige Opfer getötet, und das führt zu Abscheu in der Bevölkerung Pakistans. Wenn wir unsere Bemühungen erneut auf Bildung fokussieren, wird das einen großen Einfluss haben.“[26]

Die für Ende Januar 2014 in ihrem Heimatland Pakistan vorgesehene Vorstellung der Biographie Ich bin Malala wurde von den Behörden kurzfristig abgesagt. Als Grund wurden „Sicherheitsbedenken“ genannt.[27]

Im Februar 2014 besuchte Malala in Jordanien das Lager Zaatari für syrische Flüchtlinge[28] und warnte angesichts der Zustände vor einer „verlorenen Generation“ syrischer Kinder.[29]

Yousafzai war 2013 die bisher jüngste Kandidatin für den Friedensnobelpreis. Im folgenden Jahr wurde ihr dieser gemeinsam mit dem Inder Kailash Satyarthi zuerkannt.

Auszeichnungen, Ehrungen, Preise

2011
  • Nationaler Malala-Friedenspreis, Pakistan
2012
  • Mutter-Teresa-Gedächtnispreis für Soziale Gerechtigkeit, November 2012
2013
2014

Literatur

  •  Malala Yousafzai: I am Malala: The Girl Who Stood Up for Education and Was Shot by the Taliban. Weidenfeld & Nicolson, London 2013, ISBN 978-0-297-87091-3.
  •  Rebecca Rowell: Malala Yousafzai: Education Activist (= Essential Lives). Essential Library, 2013, ISBN 978-1-61783-897-2.
  •  Malala Yousafzai, Patricia McCormick: Malala. Meine Geschichte. Fischer KJB, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-596-85660-2.
  •  Malala Yousafzai, Christina Lamb: Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft. Droemer Knaur, München 2013, ISBN 978-3-426-27629-7.

Zitate

Nobelrede

  • „Obwohl ich nur als ein Mädchen erscheine, eine Person mit 1,70 m, wenn man meine High Heels dazurechnet, bin ich keine einsame Stimme, ich bin viele. [...] Ich bin diese 66 Millionen Mädchen, denen man die Bildung verweigert hat.“ [39]
  • „Ich hatte zwei Optionen, die eine war, zu schweigen und darauf zu warten, getötet zu werden. Und die zweite war, die Stimme zu erheben und dann getötet zu werden. Ich habe mich für die zweite entschieden.“[40]
  • „Wieso ist es so leicht Waffen zu geben, aber so schwer, Bücher zu geben? Wieso ist es so einfach Panzer zu bauen, aber so schwer Schulen zu errichten?“[39]
  • „Lasst uns genau hier, genau jetzt eine bessere Zukunft bauen.“[39]
  • „Ich bin sehr stolz, dass ich die erste Paschtunin, die erste Pakistanerin und die erste junge Person bin, die diesen Preis je erhalten hat. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch die einzige Nobelpreisträgerin bin, die sich noch mit ihren jüngeren Brüdern streitet.“[39]

Sonstige

Weblinks

 Commons: Malala Yousafzai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Malalai oder Malala
  2. Malala Yousafzai Exclusive Interview 10 October 2012. www.pakdiscussion.com, abgerufen am 20. Oktober 2012 (paschtu).
  3. Malala Yousafzai Full Diary For BBC (Gul Makai)
  4. The Wind Beneath Her Wings: A Look At The Family Behind Malala. Radio Free Europe, 5. November 2013, abgerufen am 18. November 2014.
  5.  National peace prize named after Malala Yousafzai. In: The Express Tribune. Karatschi, 21. Dezember 2011 (Online, abgerufen am 18. November 2014).
  6. frontpage mag: Taliban Solution to Bad Press: Kill Journalists/
  7. 14-jährige Menschenrechtlerin auf Schulweg niedergeschossen. In: Süddeutsche.de. 9. Oktober 2012, abgerufen am 10. Oktober 2012.
  8. Taliban-Anschlag: 14-Jährige bleibt auf Intensivstation. In: diepresse.com. 12. Oktober 2012, abgerufen am 12. Oktober 2012.
  9. Schwerverletzte Pakistanerin wird verlegt. In: derstandard.at. 11. Oktober 2012, abgerufen am 12. Oktober 2012.
  10. Taliban-Opfer Malala Yousafzai in England eingetroffen. In: orf.at. 15. Oktober 2012, abgerufen am 15. Oktober 2012.
  11. a b Malala Yousafzai, schoolgirl shot by Taliban, now in UK. In: bbc.co.uk. 15. Oktober 2012, abgerufen am 15. Oktober 2012.
  12. Malala Yousafzai awake, has stood up, doctors say. In: cbsnews.com. 20. Oktober 2012, abgerufen am 20. Oktober 2012.
  13. Taliban gun victim Malala recovering after 'successful' five-hour operations to fit skull with titanium plate and have an ear implant. In: Daily Mail. 4. Februar 2013, abgerufen am 29. Oktober 2014.
  14. Vater von Taliban-Opfer Malala wird Botschafter
  15. Petition für die Nominierung
  16. TIME-Person des Jahres 2012: US-Präsident Barack Obama
  17. “Menschen des Jahres”: euronews-Nutzer wählen Malala aus Pakistan
  18. CNN-Fans ernennen Obama zur „faszinierendsten Persönlichkeit des Jahres“
  19. Die Welt, 20. März 2013: Taliban-Opfer Malala geht wieder zur Schule
  20. [1]
  21. Malala Yousafzai, Christina Lamb: Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft. Droemer, 2013, S. 378-384
  22. Press TV, Juli 2013: Education can change the world: Malala
  23. [2]
  24. Taliban-Opfer eröffnet Bibliothek in Birmingham / Malala (16) hatte sich für Schulbildung von Mädchen eingesetzt. Nordwest-Zeitung. 4. September 2013. Abgerufen am 13. September 2013.
  25. Europaparlament: Sacharow-Preis: pakistanische Aktivistin Malala Yousafzai erhält Menschenrechtspreis 2013, 10. Oktober 2013; Europaparlament: Sacharow-Menschenrechtspreis: Snowden, Yousafzai und weißrussische politische Gefangene Finalisten 2013, 1. Oktober 2013
  26. Philip Rucker: Malala Yousafzai meets with the Obamas in the Oval Office. In: The Washington Post, 11. Oktober 2013 (englisch).
  27. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHasnain Kazim: Malalas Buch darf in ihrer Heimat nicht erscheinen. In: Spiegel Online. 28. Januar 2014, abgerufen am 20. Februar 2014.
  28. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCarol Kuruvilla: Malala Yousafzai meets with Syrian children at Jordan refugee camp. nydailynews.com, 19. Februar 2014, abgerufen am 20. Februar 2014 (englisch).
  29. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMick Krever: Malala tells CNN: World risks losing generation of Syrian children. cnn.com, 18. Februar 2014, abgerufen am 20. Februar 2014 (englisch).
  30. Malala Yousafzai erhält den „Memminger Freiheitspreis 1525“ In: memmingen.de, 14. März 2013.
  31. Memminger Freiheitspreis an Malala Yousafzai überreicht. In: all-in.de, 8. Dezember 2013.
  32. Malala erhält internationalen Friedenspreis. In: Deutsche Welle, 27. August 2013.
  33. Preissegen für Malala hält an. In: Deutsche Welle, 5. Oktober 2013.
  34. Congratulations to Malala Yousafzai and Kailash Satyarthi - winners of the 2014 Nobel Peace Prize. In: rawinwar.org (englisch).
  35. Kinderrechts-Aktivistin Malala erhält Politkowskaja-Preis. In: Schweizer Radio und Fernsehen, 5. Oktober 2013.
  36. Pakistanische Kinderrechtlerin Malala erhielt Politkowskaja-Preis. In: Tiroler Tageszeitung, 5. Oktober 2013.
  37. Friederike Böge: Gefeiert von der Welt, angefeindet zu Hause. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 2013.
  38. Katharina Peters: Friedensaktivistin Malala erhält Sacharow-Preis. In: Spiegel Online, 10. Oktober 2013.
  39. a b c d Malalas Nobelrede auf nobelprize.org
  40. Friedensnobelpreis: Malala bewegt mit mutiger Rede
  41. Malala: “Ein Kind, eine Lehrkraft, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern.”