Köstendorf

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Köstendorf
Wappen von Köstendorf
Köstendorf (Österreich)
Köstendorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: Salzburg-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: SL
Fläche: 23,12 km²
Koordinaten: 47° 57′ N, 13° 12′ O47.95722222222213.197222222222561Koordinaten: 47° 57′ 26″ N, 13° 11′ 50″ O
Höhe: 561 m ü. A.
Einwohner: 2.557 (1. Jän. 2013)
Bevölkerungsdichte: 111 Einw. pro km²
Postleitzahl: 5203
Vorwahl: 06216
Gemeindekennziffer: 5 03 20
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchenstraße 5
5203 Köstendorf
Website: www.koestendorf.at
Politik
Bürgermeister: Wolfgang Wagner (ÖVP)
Gemeinderat: (2014)
(19 Mitglieder)
13 ÖVP, 4 SPÖ, 2 FPÖ
Lage der Gemeinde Köstendorf im Bezirk Salzburg-Umgebung
Anif Anthering Bergheim Berndorf bei Salzburg Bürmoos Dorfbeuern Ebenau Elixhausen Elsbethen Eugendorf Faistenau Fuschl am See Göming Großgmain Hallwang Henndorf am Wallersee Hintersee Hof bei Salzburg Köstendorf Lamprechtshausen Mattsee Neumarkt am Wallersee Nußdorf am Haunsberg Oberndorf bei Salzburg Obertrum am See Plainfeld Sankt Georgen bei Salzburg Sankt Gilgen Schleedorf Seeham Seekirchen am Wallersee Straßwalchen Strobl Thalgau Wals-Siezenheim Grödig Koppl Salzburg SalzburgLage der Gemeinde Köstendorf im Bezirk St. Johann im Pongau (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Köstendorf ist eine Ortsgemeinde im Salzburger Land im Bezirk Salzburg-Umgebung in Österreich mit 2557 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013).

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt 15 km nordöstlich der Stadt Salzburg und liegt am Wallersee im Gerichtsbezirk Neumarkt bei Salzburg. Weiters grenzt Köstendorf an Seekirchen, Neumarkt und Schleedorf.

Weiters liegt das Naturschutzgebiet Wenger Moor in der Gemeinde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 10 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Enharting (59)
  • Gramling (27)
  • Helming (241)
  • Hilgertsheim (122)
  • Kleinköstendorf (346)
  • Köstendorf (965)
  • Spanswag (367)
  • Tannham (64)
  • Tödtleinsdorf (146)
  • Weng (198)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Köstendorf und Tödtleinsdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung Köstendorfs stammt aus dem Jahre 784, aber das Gebiet am Fuße des Tannbergs weist eine weit längere Besiedelungsgeschichte auf. So wurde zum Beispiel am Ufer des Wallersees in Weng ein Einbaum aus der Steinzeit[2] gefunden und im Sommer 1924 wurde von Martin Hell und seiner Frau am Tannberg eine Ansiedlung aus der jüngeren Steinzeit entdeckt und teilweise wissenschaftlich erforscht. Auch zahlreiche Hügelgräber wurden am Tannberg und in der Nähe der Fischachmühle gefunden. Anhand der Funde wurden diese auf die jüngeren Hallstadtzeit (circa 700 v. Christi Geburt) datiert. Geöffnet und untersucht wurden die Hügelgräber in der Zeit zwischen 1907 und 1924 durch Professor Oliver Klose (1907) bzw. durch Martin Hell und seiner Frau (1911 und 1924).[3]

Da das Gemeindegebiet von Köstendorf an der Römerstraße zwischen Salzburg und Wels lag, gab und gibt es natürlich auch immer wieder Funde aus dieser Zeit. So wird z.B. im Jahresbericht des Museums Carolino-Augusteum aus dem Jahr 1866 auf der S. 23 der Erwerb eines Gefäßes in Büstenform aus Bronze erwähnt, welches aus den Resten eines römischen Gebäudes stammt, das in Tannham gefunden wurde.[4] Auch in den bis zum Zweiten Weltkrieg zu Köstendorf gehörenden Weilern Neufahrn, Wertheim und Pfongau wurden zwischen 1877 u. 1947 immer wieder römische Überreste entdeckt.[5] Die letzten Ausgrabungen in Pfongau wurden erst in jüngster Zeit unternommen, dabei wurden die Reste einer Villa Rustica untersucht und unter anderem eine Venus-Figur aus Bronze gefunden.[6]

Wie bereits erwähnt, stammt die urkundliche Erstnennung Köstendorfs aus dem Jahre 784 unter dem Namen Chessindorf[7] Der Name Chessindorf stammt aus dem Romanischen und in der Breves Notiate werden auch Romanen eigens im Zusammenhang mit Chessindorf erwähnt[8] Die Weiler deren Namen auf -ing und -ham enden, sind Zeugnisse für die in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts einsetzende Besiedlung des Raumes durch die Bajuwaren. Ebenfalls schon im frühen Mittelalter wurden mit der Endung auf -dorf Orte bezeichnet, die innerhalb der bäuerlichen Siedlungslandschaft eine gewisse „zentrale" Bedeutung (z. B. Kirchenorte) hatten. Diese entstanden meist an wichtigen Verkehrswegen wie Henndorf, an der alten Römerstraße von Juvavum (Salzburg) nach Ovilava (Wels) oder Köstendorf an der Verbindung vom Wallersee-Becken zum Trumer-Seen-Gebiet[9]

Vermutlich aus dem Frühmittelalter stammen die spärlichen Reste einer Fliehburg am westlichen Ende der ersten Hangtrasse des Tannbergs. Erhalten sind Reste eines Walls mit Graben in einer Breite von rund 8 Metern in unterschiedlicher Höhe bzw. Tiefe (Wall 0,6 bis 0,8 und Graben rund 1,8 Meter). Durch Wall und Halsgraben ist eine gerundete Dreiecksform in der Länge von circa 20 Meter abgetrennt worden. Die hintere Kante dieses Burgstalls bildet der steile Abhang zum Schreiberbach.[10] Weiters soll in Weng zwischen Wallerbach und Altbach auf einer Anhöhe ein Turm gestanden haben. Urkundlich erwähnt wird dieser in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Mondsee: ein Gut in Weng „bei der Mauer und die Mauer selbst“[11]

Im Mittelalter gehörte dann das Amt Köstendorf mit den Ämtern Seekirchen und Henndorf zum Pflegericht Alt- und Lichtentann, damals war Köstendorf in vier Rügate (Verwaltungsteile) aufgeteilt. (Die spätere Teilung des Gemeindegebiets orientierte sich an dieser Aufteilung.) Köstendorf war für Lichtentann und Seekirchen für Altentann die Mutterpfarre. Als 1240 Neumarkt am Wallersee, von Erzbischof Eberhard II gegründet, mit umfassenden Privilegien ausgestattet und von den späteren Erzbischöfen immer weiter als Grenzbastion ausgebaut wurde, verlor Köstendorf immer mehr an Bedeutung.

Die letzte Pestepidemie in Salzburg, 1713 bis 1715, trat dann in den Orten Köstendorf, Steindorf und Berndorf auf. Die Opfer dieser Epidemie aus Köstendorf und Steindorf wurden bei der Filialkirche St. Johann am Berg in Kleinköstendorf in einem eigens dafür angelegten Pestfriedhof begraben.[12]

Seit 1849 zählt Köstendorf als eigenständige Gemeinde und umfasste bis zum Zweiten Weltkrieg ein wesentlich größeres Gebiet als es heute. Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörten auch die jetzt zu Neumarkt am Wallersee gehörenden Weiler Pfongau, Lengroid, Sommerholz, Wertheim, Neufahrn, Schalkham, Maierhof, Thalham und Matzing zum Gemeindegebiet. Beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Gemeinde aufgelöst und der Gemeinde Neumarkt a. W. angegliedert. Der westliche Teil ab Fischachmühle kam zu Schleedorf. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde von einigen Köstendorfern alles unternommen wieder eine eigenständige Gemeinde zu errichten. Was auch nach fünf Jahren am 4. April 1950 unter Zurücklassung von einigen Gebieten gelang.[13]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Köstendorf hat 19 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeindevertretungswahl 2014 wie folgt zusammen:

Direkt gewählter Bürgermeister ist Wolfgang Wagner (ÖVP).[15]

Wappen[Bearbeiten]

Die Beschreibung erfolgt nach heraldischer Sitte aus der Blickrichtung des Schild– oder Wappenträgers wie folgt:

Ein gespaltenes Schild, rechts innerhalb eines von Rot und Silber gestückten Bordes in Silber auf grünem Dreiberg eine grüne Tanne, links in Silber ein roter Balken.

Am 5. April 1951 unterschrieb Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Peyerl die Urkunde, mit der die Salzburger Landesregierung über Ansuchen der Gemeinde Köstendorf dieser das Wappen verlieh. Für die Verleihung ist die Tatsache maßgebend, dass der Ort Köstendorf bereits im 8. Jahrhundert erstmals genannt wird. Der rechte Teil des Wappens soll an den Tannberg erinnern, das hervorragendste Wahrzeichen des Gemeindebezirkes, sowie an die Herren von Tann, die bis ins 14. Jahrhundert Lehenbesitzer des Gerichts und Grundherren im Orte waren. Die linke Hälfte ist das Wappen der Herren von Puchheim, die im Mittelalter das in der Gemeinde gelegene Weng besaßen und sich zeitweise auch Herren von Weng nannten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Köstendorf liegt an der Westbahn. Anschlüsse in der Gemeinde sind der Bahnhof Neumarkt-Köstendorf und die Haltestelle Weng.

Bildung[Bearbeiten]

In Köstendorf befinden sich ein Kindergarten, eine Volksschule, eine Sonderschule (Hannes-Schmidt Schule) sowie eine Neue Mittelschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Köstendorf

Das Gebiet des heutigen Weilers Enharting im Nordosten von Köstendorf wurde erstmals vom Bauern Roland Maislinger und dessen Weggefährten Christof Prossinger im 18. Jahrhundert für die Landwirtschaft kultiviert. Sie bauten dort die ersten zwei Häuser, die beide heute noch relativ gut erhalten sind, obwohl sie auf einfachste Art errichtet wurden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Köstendorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Geschichte Salzburgs. S. 13.
  3. Jakob Vogel: Köstendorfer Heimatbuch. (Kapitel über Urgeschichte)
  4. Jahres-Bericht des Vaterländischen Museums Carolino-Augusteum der Landeshauptstadt Salzburg für das Jahr 1866. (Bild der Büste am Titel und der Text auf S. 23 Abschnitt 4)
  5. Jakob Vogel: Köstendorfer Heimatbuch. (Kapitel über Urgeschichte)
  6. NEUMARKT - Die römische Villa rustica. auf: arge-archaeologie.at
  7. Liste der ersten urkundlichen Erwähnungen. im Salzburg-Wiki
  8. Friedrich Lotter, Rajko Brato, Helmut Castritius: Völkerverschiebungen im Ostalpen-Mitteldonau-Raum zwischen Antike und Mittelalter. de Gruyter, Berlin/ New York 2003, ISBN 3-11-017855-9, S. 175. (online)
  9. Wolfgang Sitte: Die Seenlandschaft des Salzburger Alpenvorlandes. (Abschnit4: Was Ortsnamen über die Besiedlung verraten.)
  10. Burgen und Schlösser in Salzburg. S. 112.
  11. Burgen und Schlösser in Salzburg. S. 75.
  12. Geschichte Salzburgs. S. 50.
  13. Gemeinde Köstendorf : Gemeindechronik. auf: koestendorf.at
  14. http://www.salzburg.gv.at/20003stat/wahlen/gvw/index.htm#erg.66.0.0.0.1
  15. http://www.salzburg.gv.at/20003stat/wahlen/bmw/index.htm#erg.66.1