Katharina Nocun

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Katharina Nocun, 2012

Katharina Nocun [dt. kataʀina nokun] bzw. Katarzyna Nocuń [pln. kataʒɨna nɔt͡suɲ] (* 1986 in Tychy, Polen) ist eine deutsch-polnische[1] Politikerin und war von Mai bis November 2013 politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland.

Leben[Bearbeiten]

Nocun wurde in Polen geboren und kam im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland.[2] Ihre Mutter ist Datenbankadministratorin, ihr Vater IT-Projektmanager. Nach dem Abitur 2006 am Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel studierte sie zunächst Politik und Wirtschaft an der Universität Münster und anschließend Politics, Economics and Philosophy an der Universität Hamburg.[3] Sie hat einen Bachelor of Arts, ihre Bachelorarbeit schrieb sie über das Thema LiquidFeedback. Bis Dezember 2012 war sie beruflich als Referentin für digitale Verbraucherrechte beim Verbraucherzentrale Bundesverband im Projekt „Surfer haben Rechte“ beschäftigt. Derzeit arbeitet sie als Redakteurin bei netzwelt und absolviert ein Teilzeitstudium in Wirtschaftsinformatik. Sie wohnt auf einem Bauernhof in Dissen am Teutoburger Wald.

Sie besitzt sowohl die deutsche als auch die polnische Staatsangehörigkeit.[1] Im Februar 2014 trat Nocun aus der Kirche aus.[4]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Ab 2007 war sie u. a. für den Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und digitalcourage e.V. tätig, ebenso wie in den Jahren 2010/2011 bei den Demonstrationen Freiheit statt Angst und seit 2011 auch beim Arbeitskreis Zensus und 2012 beim Bündnis „Hamburg gegen ACTA“. Von 2009 bis 2010 war sie Referentin für Datenschutz und Freie Software beim AStA der Universität Münster. Dort wirkte sie bei Initiativen gegen den elektronischen Studierendenausweis und bei den Protesten gegen Studiengebühren im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks mit.[5][6] Im Dezember 2010 nahm sie für den Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung an der letzten Anhörung der EU-Kommission vor der Reevaluierung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in Brüssel teil.[7] Dieses Erlebnis beschreibt sie später als prägend für ihren Eintritt in die Piratenpartei und kritisiert öffentlich eine mangelnde Einbindung von Bürgerinteressen auf EU- und Bundesebene.[8]

Nocun trat im März 2012 der Piratenpartei Deutschland bei. Sie war Spitzenkandidatin der Piratenpartei bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2013 (Listenplatz 2), steht bei der Bundestagswahl 2013 auf Listenplatz zwei des niedersächsischen Landesverbandes[9] und tritt auch als Direktkandidatin im Wahlkreis Osnabrück-Land an.[10] Sie ist Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland.

Im Januar 2013 reichte sie bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die Bundesregierung ein, wegen „mangelnder Unabhängigkeit des Bundesbeauftragten für Datenschutz und die Informationsfreiheit.“[11]

Am 4. Mai 2013 initiierte sie mit Patrick Breyer und Meinhard Starostik eine Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen das am 1. Juli in Kraft getretene Gesetz zur Bestandsdatenauskunft.[12]

Am 10. Mai 2013 wurde sie mit 81,7 Prozent der Stimmen im Zustimmungs-Wahlverfahren zur Politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei gewählt.[13] Vor dem Parteitag im November 2013 erklärte sie, nicht erneut für das Amt zu kandidieren. Angesichts ihrer Dreifachbelastung aus Studium, Lohnarbeit und Politik könne sie sich die Arbeit im Bundesvorstand „leider nicht mehr leisten.“[14] Ihr Nachfolger im Amt des politischen Geschäftsführers war bis zu seinem Rücktritt am 16. März 2014 Björn Semrau.

Schriften[Bearbeiten]

  • mit Leif-Erik Holtz und Marit Hansen: Towards Displaying Privacy Information with Icons. In: Privacy and Identity Management for Life. Springer Science+Business Media (2011), S. 338–348. doi:10.1007/978-3-642-20769-3_27

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katharina Nocun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Deutsche Welle: Na czele niemieckiej Partii Piratów stoi dziewczyna z Polski, vom 11. Mai 2013
  2. Kandidatengrillen, abgerufen am 10. Mai 2013
  3. KDG Wesel: Konrad Duden Gymnasium Wesel, Absolventen 2006
  4. Humanistischer Pressedienst: Was kostet der Kirchenaustritt?, vom 24. Februar 2014
  5. Berliner Zeitung: Der gläserne Student, 18. Oktober 2010
  6. Echo Münster: "Turbo-Abi und Bologna": Bildungsstreik-Bündnis lässt über Reizthemen diskutieren, 10. September 2009
  7. EU-Kommission: Cecilia Malmström Member of the European Commission responsible for Home Affairs Taking on the Data Retention Directive European Commission conference in Brussels Brussels, 3. Dezember 2010
  8. Süddeutsche Zeitung: Am Ende der Durststrecke, 4. August 2013
  9. Die tageszeitung: Katharina Nocun – Strikt sachlich, jung und Oberpiratin, 28. Dezember 2012
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatZulassung von Kreiswahlvorschlägen. Kreiswahlleiter, 26. Juli 2013, abgerufen am 26. Juli 2013 (PDF; 74 kB).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPiratin bezweifelt Unabhängigkeit des Bundesdatenschützers. heise online, 7. Januar 2013, abgerufen am 20. August 2013.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVerfassungsbeschwerde gegen die Bestandsdatenauskunft. Till Zimmerman, 4. Mai 2013, abgerufen am 28. Juli 2013.
  13. Frankfurter Rundschau: Katharina Nocun wird neue Oberpiratin, vom 10. Mai 2013
  14. Wahldebakel: Piratin Nocun zieht sich aus Parteivorstand zurück in Spiegel online vom 20. November 2013