Lüderitz (Altmark)

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52.50666666666711.74666666666740Koordinaten: 52° 30′ 24″ N, 11° 44′ 48″ O

Lüderitz
Wappen von Lüderitz
Höhe: 40 m ü. NN
Fläche: 38,84 km²
Einwohner: 1119 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 31. Mai 2010
Postleitzahl: 39517
Vorwahl: 039361

Lüderitz ist ein Ortsteil der Stadt Tangerhütte im Süden des Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort im Südosten der Altmark liegt am oberen Abschnitt des Flusses Tanger. Das breite Tangertal zwischen Stendal und der Colbitz-Letzlinger Heide ist eingebettet zwischen dem Tangermünder-Buchholzer Höhenzug im Nordosten (bis 90 Meter über NN) und dem 132 Meter hohen Landsberg im Südwesten. Der Südwestzipfel der Gemarkung Lüderitz grenzt an den Landkreis Börde. Zur Gemarkung von Lüderitz gehört auch der westlich des Dorfes gelegene Schleußer Teich.

Die Gemarkungen Lüderitz, Groß Schwarzlosen und Stegelitz bilden die Ortschaft Lüderitz.

Geschichte[Bearbeiten]

Lüderitz[Bearbeiten]

Dorfkirche Lüderitz

Der ursprünglich von Wenden besiedelte Ort und Stammsitz derer von Lüderitz wurde 1247 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Die Lüderitzer Dorfkirche wurde bereits im 12. Jahrhundert errichtet. Aus dieser Zeit ist heute noch der Turm erhalten.

Die Chaussee von Stendal über Lüderitz nach Magdeburg (die heutige Bundesstraße 189) wurde 1843 gebaut und war für die Entwicklung der Gemeinde sehr wichtig. Von 1950 bis 1963 war auch Brunkau ein Ortsteil von Lüderitz.

Am 31. Mai 2010 schloss sich Lüderitz mit den übrigen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land zur neuen Stadt Tangerhütte zusammen.[1]

Groß Schwarzlosen[Bearbeiten]

Der heutige Ortsteil Groß Schwarzlosen (ein ehemaliges Rittergut, bereits Anfang des 18. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Borstell) erfuhr seine urkundliche Ersterwähnung im Jahr 1050. In der Groß Schwarzlosener Feldsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert befindet sich die wahrscheinlich älteste Glocke der Altmarkregion. Inzwischen ist Groß Schwarzlosen mit Lüderitz zusammengewachsen.

Stegelitz[Bearbeiten]

Der im Jahr 1197 erstmals in einer Urkunde erwähnte, ebenfalls ursprünglich wendisch besiedelte Ort wurde 1976 nach Lüderitz eingemeindet. Die Stegelitzer Kirche ist ein Bau aus dem 13. Jahrhundert.

Die Ortschaft heute[Bearbeiten]

Groß Schwarzlosen ist Schulstandort auch für die umliegenden Dörfer. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde in den letzten Jahren ein neues Feuerwehrhaus gebaut und das Dorfgemeinschaftshaus mit Gaststätte, Kegelbahn und einem Versammlungsraum grundlegend saniert.

Die Freiwilligen Feuerwehren in Stegelitz und Lüderitz/Groß Schwarzlosen sowie Sportverein, Männergesangsverein, der Rassegeflügelverein, Anglerverein, Fanfarenzug, die Jagdhornbläser und der Landfrauenverein prägen das Dorfleben, sie sind Träger der Dorffeste sowie der traditionellen Oster- und Herbstfeuer.

Die Straßen, Gehwege und Grünanlagen wurden erneuert, das Reitwegenetz um den Ort wurde weiter ausgebaut.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die letzte Bürgermeisterin der Gemeinde Lüderitz war Ramona Hoffmann.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 20. Mai 2010 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten und halb geteilt; vorn am Spalt in Silber ein halber roter Adler, golden bewehrt und gezungt, hinten oben in Silber ein roter Anker mit Ring, hinten unten in Rot ein silberner Wellenbalken.“[2]

Lüderitz liegt in der Altmark. Sie ist neben der Mittelmark und der Neumark eines der Stammlande der Mark Brandenburg. Deshalb greifen die Farben des Wappens die Farben Rot-Silber der Mark Brandenburg auf. Nicht nur mit der Tingierung wollte die ehemalige Gemeinde ihre Verbundenheit mit der Altmark ausdrücken, sondern auch mit der Aufnahme des märkischen Adlers am Spalt. Außerdem soll der Flügel des Adlers auf die Familie derer von Borstell anspielen, die in dieser Gegend ansässig waren (speziell in Groß Schwarzlosen) und in ihrem Wappen Adlerflüge führten. So soll der Flügel des Adlers stellvertretend für den Ortsteil Groß Schwarzlosen stehen.

Der Anker ist dem Familienwappen derer von Lüderitz entnommen und steht stellvertretend für den namengebenden Ortsteil der Gemeinde; zugleich hat er einen etymologischen Bezug zum Ortsnamen „Lüderitz“. Dieser ist slawischen Ursprungs - der Ort war ursprünglich von den westslawischen Wenden besiedelt - und eine Zusammensetzung aus den Wörtern lude = „Schiff“ und rece = „Fluss“, was darauf schließen lässt, dass der Tangerbach, an dem der Ort liegt, früher wohl schiffbar gewesen sein muss.

Der Wellenbalken soll für den Ortsteil Stegelitz stehen und auf den Tanger verweisen, der auch für die anderen beiden Ortsteile von Bedeutung ist und diese tangiert. Auch steht er für die naturnahe Umgebung der Tangerniederung.

Das Wappen wurde vom Hundisburger Thomas Rystau gestaltet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Dorfkirche Lüderitz
  • Herrenhaus in Groß Schwarzlosen – 1744 errichtet
  • Freibad in Lüderitz mit Campingplatz und Parkanlage
  • Gedenkstein gegenüber der Kirche für die Opfer imperialistischer Willkür

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Neben der in Lüderitz ansässigen Agrargenossenschaft haben sich insbesondere im Gewerbegebiet an der B 189 mehrere Firmen angesiedelt.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

In Lüderitz kreuzt die Bundesstraße 189 die Landstraße von Tangermünde nach Vinzelberg an der Bundesstraße 188. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Demker, Tangerhütte, Stendal und Vinzelberg. Es verkehren Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus. Von 1903 bis 1920 bestand ein Bahnanschluss durch die Kleinbahn Tangermünde–Lüderitz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amtsblatt für den Landkreis Stendal vom 30. Mai 2010 (PDF; 2,0 MB)
  2. Amtsblatt des Landkreis Nr. 13/2010, S. 181 (PDF; 2,0 MB)