Lüderitz
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| Motto | Challenge, Innovation, Prosperity (Herausforderung, Innovation, Wohlstand) |
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| Basisdaten | |||||
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| Einwohnerzahl Fläche Einwohnerdichte |
12.500 (Zensus 2011)[1] 15,3 km²[1] 815,4 Einw./km²[1] |
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| Staat Region Wahlkreis |
Namibia Karas Lüderitz |
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| Gründungsdatum | 12. Mai 1883 | ||||
| Kfz-Kennzeichen Telefonvorwahl |
L 6331 |
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| Website | www.luderitztowncouncil.com.na | ||||
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Politische Daten
Bürgermeister/in: Hambelela Suzan Ndjaleka (SWAPO) Letzte Wahl: 2010 Nächste Wahl: 2015 Adresse der Stadtverwaltung: |
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Geographische Daten
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Lüderitz (ursprünglich Lüderitzbucht, heutzutage auch häufig fälschlicherweise Luderitz) ist eine namibische Hafenstadt am östlichen Südatlantik sowie Kreisstadt in der Region Karas mit rund 12.500 Einwohnern[1]. Sie liegt im gleichnamigen Wahlkreis Lüderitz.
Die Stadt an der Lüderitzbucht wurde am 12. Mai 1883 gegründet und nach dem Bremer Kaufmann Franz Adolf Eduard Lüderitz benannt.
Im Juli 2012 wurde durch den Minister für Präsidentschaftsangelegenheiten ein Vorschlag des namibischen Staatspräsidenten zur Umbenennung der Stadt Lüderitz durch einen nicht-kolonialen Namen ins Parlament eingebracht. Es gibt jedoch Widerstand der Lokalbevölkerung, die in jedem Fall die deutsche Bezeichnung Bucht im neuen Namen haben wollen.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Lüderitz liegt an einer der wenigen natürlichen Buchten der ansonsten unwirtlichen, durch die Namib geprägten Wüste der Diamantenküste. Die Lüderitzbucht ist eine offene Meeresbucht und wird gegen Süden und Südwesten durch die Lüderitzhalbinsel geschützt. Der Halbinsel vorgelagert liegt die durch Pinguine bevölkerte Halifax-Insel, südlich der Halbinsel liegt die landschaftlich reizvolle Große Bucht. Dem Festland vorgelagert sind eine Handvoll unbewohnter Eilande der Pinguininseln, von denen die Pinguininsel und die Seehundinsel der Stadt am nächsten liegen. Innerhalb der Bucht liegt auch die Shark Island (früher Haifischinsel), die zum Festland ein besonders geschütztes Hafenbecken bildet, den Roberthafen. Das Stadtgebiet erstreckt sich von der Shark Island im Westen, bis zum Diamantberg im Süden und den Nautilusberg im Norden.
Klima [Bearbeiten]
So wie weite Teile Südnamibias, hat Lüderitz ein arides Klima mit nur wenigen Niederschlägen. Die Höchsttemperaturen liegen meist bei knapp unter 30 °C, die Tiefsttemperaturen erreichen nur im Juni und Juli Werte unter 10 °C. Die Wassertemperaturen des Atlantiks liegen wegen des hier verlaufenden kalten Benguelastromes meist zwischen 10 und 16 °C.
Geschichte [Bearbeiten]
Der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz landete 1487 als erster Europäer in der Großen Bucht. Bevor er weitersegelte, errichtete er traditionsgemäß ein Steinkreuz mit Wappen (Padrão) an der Diaz-Spitze auf der Lüderitzhalbinsel. Das Originalkreuz war stark erodiert und wurde 1929 durch ein nachgebildetes Kreuz ersetzt. Die fast unkenntlich gewordenen Teile des Originals sind in Museen in Kapstadt und Lissabon ausgestellt.[3]
Der Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz landete 1883 in Angra Pequena und nannte es Lüderitzbucht. Durch seinen Mitarbeiter und Teilhaber Heinrich Vogelsang handelte er dem Orlam-Führer Josef Frederiks II ein zirka 40 Meilen langes und 20 Meilen tiefes Landstück ab, um darauf einen Handelsposten zu errichten. Frederiks erhielt 100 Goldpfund sowie 250 Gewehre für das nach seiner Ansicht zirka 70 × 35 Kilometer große Gebiet. Nach Vertragsabschluss wurde dem Verkäufer klargemacht, dass es sich nicht um englische Meilen (zirka 1,6 Kilometer), sondern selbstverständlich um preußische Meilen zu 7,5 Kilometer handelte und er damit den Großteil seines Stammesgebietes von 300 × 150 Kilometer verkauft hatte. Dieser Handel ging als „Meilenschwindel“ in die Annalen ein.
Lüderitz erwarb das als wertlos angesehene Land, weil er sich erhoffte, hier Bodenschätze zu finden. Seine umfangreiche und sehr teure Suche danach blieb jedoch erfolglos. Lüderitz kam in wirtschaftliche Bedrängnis und musste seinen umfangreichen Landbesitz 1885 an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Einen sehr bescheidenen Aufstieg erlebte der kleine Ort erst 1904 mit der Stationierung der hier im Kampf gegen die aufständischen Nama (Namakrieg) benötigten Schutztruppen-Soldaten. In dieser Zeit war die Stadt für das vor der Küste auf der Shark Island errichtete Konzentrationslager bekannt gewesen. Hier wurden die im Namakrieg gefangen genommenen Orlam und Nama mit ihren Familien interniert. Von den rund 2.000 Inhaftierten überlebten wegen der dort herrschenden schlechten Hygiene- und Witterungsverhältnisse nur zirka 450 Stammesangehörige. Das Lager wurde erst auf energisches Drängen der im Lande tätigen Missionare geschlossen und ins Landesinnere verlegt.
Erst lange nach dem Tode von Lüderitz – er galt seit 1886 als im Rahmen einer Erkundungstour zum Oranje verschollen – wurden im Jahr 1908 Diamanten bei Lüderitz entdeckt, was zu einem kurzzeitigen Boom führte. Beim Bau einer Schmalspurbahn entdeckte der schwarze Arbeiter Zacharias Lewela einen Diamanten, als er gerade mit Schaufelarbeiten in einem von Dünen verwehten Abschnitt beschäftigt war. Er brachte ihn dem Bahnmeister August Stauch, der zuvor seinen Arbeitern den Auftrag gegeben hatte, auf seltsame Steine zu achten und sie zu ihm zu bringen. Zusammen mit dem Oberingenieur Sönke Nissen erwarb Stauch daraufhin die Schürfrechte in diesem Gebiet, was beide zu Millionären machte. Der eigentliche Finder bekam nichts. In der Folgezeit entwickelte sich Lüderitz zu einem florierenden Handelshafen. Der zunehmend industriell betriebene Diamantenabbau, die mit ihm ins Land strömenden Glücksritter und der Bau der Diamantensiedlung Kolmanskuppe brachten auch für Lüderitz einen steilen Aufstieg zu einer ausgesprochen wohlhabenden Stadt mit sich.
Ab 1920 verlor Lüderitz an Bedeutung, da sich der Diamantenabbau immer weiter nach Süden verlagert hatte. Es etablierten sich eine bescheidene Fischfangindustrie und in ihrem Umfeld einige Bootswerften. Daneben existierten noch einige kleinere Teppichwebereien, da im Süden des heutigen Namibia die Karakulschafzucht mit einigem Erfolg betrieben wurde. Ansonsten aber hatte Lüderitz bald nichts mehr zu bieten, sodass der einst wohlhabenden Stadt ein ähnliches Schicksal wie Kolmanskuppe zu drohen schien.
Einwohner und Sozialstruktur [Bearbeiten]
Die Einwohnerzahl von Lüderitz wurde zwischen 2001 und 2011 – je nach Quelle – mit 18.340 bis 23.000 Menschen angegeben. Die Volkszählung 2011 ergab eine Einwohnerzahl von nur 12.500 Menschen. Die Bevölkerungszahl von Lüderitz hat sich von zirka 2000 Einwohner in den 1970er-Jahren auf immerhin zirka 12.500 im Jahr 2011 mehr als versechsfacht. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 60 % und damit über dem namibischen Durchschnitt.[4]
Politik [Bearbeiten]
Bei den Kommunalwahlen 2010 wurde folgendes amtliche Endergebnis ermittelt.[5]
| Partei | Stimmen | Stimmenanteil |
|---|---|---|
| SWAPO | 2912 | 87,13 % |
| RDP | 382 | 11,43 % |
| DTA | 28 | 0,84 % |
| ungültig | 20 | 0,60 % |
| Insgesamt | 3342 | 100 % |
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Die Wirtschaft beruht heute vorwiegend auf Fischfang und Tourismus. Besonders der Fang von Langusten, die nach Spanien und Japan exportiert werden, hat eine gewisse Bedeutung. Allerdings mussten die Fangquoten auf Grund massiver Überfischung vermindert werden. Russland erhält durch seine Fanglizenzen etwas für seine Unterstützung des Befreiungskampfes der SWAPO zurück. Deutschland stellte Namibia ein Überwachungsschiff für die Fischereikontrolle zur Verfügung. In Lüderitz wurde eine vielversprechende Austernzucht aufgebaut, die inzwischen autark bezüglich der notwendigen Saataustern geworden ist.
Auch eine wirtschaftliche Verwertung von Seegras wurde ins Auge gefasst. Daraus sollten Extrakte für die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie gewonnen werden. Auch der Aus- und Neubau des Hafens Lüderitz brachte Arbeitsplätze für viele auch neu zugezogene junge Menschen.
Diamanten werden heute vorwiegend offshore in Richtung Oranjemund abgebaut. Mit der Entdeckung von Erdgas vor der Küste im Kudu-Erdgas-Feld Ende des 20. Jahrhunderts keimten Hoffnungen auf neue Bodenschätze in der Region um Lüderitz auf.
Anlässlich der 100-Jahr-Feier der Stadt im Jahre 1983 wurden zahlreiche Gebäude aus der Kolonialzeit restauriert. Das im Jahre 2000 eröffnete Touristenzentrum Waterfront ist ein weiteres Zeichen für den nach Lüderitz zurückkehrenden Optimismus und lässt für die Zukunft hoffen. Seit 2007 wird in Lüderitz die alljährlich stattfindende Segelregatta Lüderitz Speed Challenge[6] ausgetragen.
Ab dem Flughafen Lüderitz werden Linienflüge innerhalb Namibias sowie nach Kapstadt angeboten.
Die Lüderitzbahn nach Seeheim/Keetmanshoop wird heute vorwiegend nur mehr für den Gütertransport verwendet. Mit dem Auto durchquert man auf der Nationalstraße B4 das bis an die Küste reichende Diamantensperrgebiet. Die B4 ist auch Teil des Trans-Oranje-Korridors der Walvis Bay Corridor Group und verbindet den Osten der südafrikanischen Provinz Nordkap mit dem Seehafen Lüderitz.
Bildung [Bearbeiten]
Lüderitz verfügt über fünf staatliche Schulen[7]:
- Van Ryn Pre-Primary School
- Helene Van Ryn Primary School
- Nautilus Primary School
- Diaz Junior Secondary School
- Luderitz Secondary School
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Große Teile der Stadt stammen aus der wilhelminischen Kaiserzeit und sind im Jugendstil errichtet. Ausgedehnte Straßenzüge wurden während der 1990er-Jahre großzügig restauriert. In Lüderitz stehen insgesamt acht der rund 130 Nationalen Denkmaler in Namibia:
- Die Kopie vom Diazkreuz des Bartolomeu Diaz an der Diaz-Spitze
- das Lüderitzdenkmal auf der Shark Island,
- das Kreplinhaus,
- das Krabbenhöft & Lampe-Gebäude,
- das Goerke-Haus (1909–1911). Es diente später als Sitz des Magistraten,
- die ehemalige Deutsche Afrika Bank,
- die evangelisch-lutherische Felsenkirche (1912) mit dem dahinterliegenden Diamantenberg, Teile der geschnitzten Inneneinrichtung wurden vom ersten evangelischen Pfarrer Metzner aus seiner Heimatstadt Kaltennordheim in der Rhön importiert.[8]
- der Bahnhof Lüderitz.
Andere sehenswerte Gebäude in Lüderitz sind die Lesehalle und die Turnhalle, beides Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit, und erfüllen heute noch ihre Aufgaben als Bücherei, beziehungsweise als Turnhalle und Veranstaltungssaal. Außerdem, das Kapps-Hotel, ein Konzert- und Ballsaal und das Woermannhaus (bedeutend kleiner als das Woermannhaus in Swakopmund). Sehenswert ist auch das kleine Lüderitzer Stadtmuseum mit Exponaten aus der Geschichte der Stadt. Bei der Anfahrt nach Lüderitz durch das Diamantensperrgebiet kann man etwa 120 Kilometer vor Lüderitz, nahe dem Dorf Aus, mit etwas Glück die sagenumwobenen Wüstenpferde sehen. In Aus steht auch das denkmalgeschützte ehemalige Kriegsgefangenenlager Aus. Das etwa zehn Kilometer entfernte Kolmanskuppe war dank reicher Diamantenvorkommen um 1910 vielleicht die wohlhabendste Stadt der Welt und ist heute eine Geisterstadt.
Die Seelage der Stadt bietet eine Reihe reizvoller Küstenabschnitte: besonders sehenswert ist die südlich gelegene Große Bucht, jenseits der Griffithbucht. Auch die Lüderitzhalbinsel besitzt zahlreiche malerische Sandbuchten, -strände und Lagunen. Sehenswert sind in jedem Fall das Steinkreuz an der Diaz-Spitze oder für Naturliebhaber Pinguine und Flamingos rund um die Halifax-Insel.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Johannes Paul: Deutsche, Buren und Engländer in Südwestafrika. Begleitwort zu einer Nationalitätenkarte der Europäer in Südwestafrika. In: Koloniale Rundschau. Heft 9/10, 1931.
- T. Barlow und W. Wisniewski: Kosmos Naturreiseführer – Südliches Afrika. Franckh-Kosmos, 1998, ISBN 3-440-07665-2.
- A. Sycholt: terra NaturReiseführer – Namibia. Tecklenborg Verlag, ISBN 3-934427-70-7.
Weblinks [Bearbeiten]
-
Commons: Lüderitz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien -
Wiktionary: Lüderitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen - Informationsseite zu Lüderitz
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c d Namibia 2011 Population and Housing Census Preliminery Results. Namibia Statistics Agency, April 2012 abgerufen am 9. Mai 2012
- ↑ Caprivi renaming raises hackles. The Namibian, 30. Juli 2012 abgerufen am 31. Juli 2012
- ↑ Guide Book - Lüderitz, Orusovo.com abgerufen am 27. April 2011
- ↑ Umbruch in Lüderitzbucht Hafenstadt vor einer Geisterstadt retten – Tourismus muss gefördert werden, Allgemeine Zeitung, 6. April 2011
- ↑ Offizielles Wahlergebnis Lüderitz, ECN, 29. November 2010 (PDF; 48 kB)
- ↑ http://www.luderitz-speed.com/
- ↑ Schools, Lüderitz Town Council abgerufen am 17. Juli 2012
- ↑ (sach): Rhön-Kunst am Ende der Welt Handwerkskunst aus der Rhön kam Anfang des 20. Jahrhunderts nach Südwestafrika. Ein in Kaltennordheim aufgewachsener Pfarrer baute dort eine evangelische Gemeinde und eine Kirche auf. Südthüringer Zeitung (Redaktion Bad Salzungen), 20. April 2007, abgerufen am 11. Oktober 2012.
-26.64777777777815.157777777778Koordinaten: 26° 39′ S, 15° 9′ O