Langewiesen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Langewiesen
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Langewiesen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 40′ N, 10° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Höhe: 454 m ü. NN
Fläche: 27,51 km²
Einwohner: 3614 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98704
Vorwahl: 03677
Kfz-Kennzeichen: IK
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 032
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Ratsstraße 2
98704 Langewiesen
Webpräsenz:
Bürgermeister: Horst Brandt (SPD)
Rathaus der Stadt Langewiesen
Rathaus der Stadt Langewiesen
Schwanenbrunnen auf dem Markt
Schwanenbrunnen auf dem Markt
Sanierte Villa
Sanierte Villa
In den letzten Jahren entwickelte sich die Wirtschaft positiv
In den letzten Jahren entwickelte sich die Wirtschaft positiv
Der Langewiesener Bahnhof (seit 1998 stillgelegt)
Der Langewiesener Bahnhof (seit 1998 stillgelegt)
Blick auf Langewiesen vom Knieberg
Blick auf Langewiesen vom Knieberg

Langewiesen ist eine Stadt im Ilm-Kreis in Thüringen. Sie liegt im Tal der Ilm am Nordostrand des Thüringer Waldes etwa zwei Kilometer östlich von Ilmenau, der größten Stadt im Kreis. Langewiesen liegt an der Bundesstraße 88 zwischen Ilmenau im Westen und Gehren im Osten. Seit 1994 gehört auch das südwestlich gelegene Dorf Oehrenstock zur Stadt.

Langewiesen ist einer der ältesten Orte der Umgebung und erhielt im Jahr 1855 gemeinsam mit Gehren und Großbreitenbach das Stadtrecht. War der Ort über die Jahrhunderte relativ klein geblieben, setzte ab 1880 die Industrialisierung verstärkt ein und Langewiesen entwickelte sich zu einer kleinen Industriestadt mit zahlreichen Manufakturen und kleinen Fabriken (vor allem in der Holz-, Glas- und Porzellanindustrie). Seit der politischen Wende im Jahr 1990 erlebte Langewiesen einen Aufschwung mit geringfügigem Bevölkerungswachstum und der Anlage großzügiger neuer Gewerbeflächen. Die Stadt profitiert hierbei vor allem von der Nähe zu Ilmenau und dessen Technischer Universität (der Campus liegt direkt an der Stadtgrenze).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Langewiesen liegt im Tal der Ilm am Nordrand des Thüringer Waldes. Das Gebiet nördlich des Ortes zählt zum Paulinzellaer Buntsandstein-Hügelland. Im südlichen Gebirge dominiert Porphyr das geologische Bild. Die Stadt liegt in West-Ost-Richtung langgestreckt im Tal in etwa 450 Metern Höhe.

Die Hügel nördlich reichen bis knapp über 500 Meter Höhe und im Süden ist der 808 Meter hohe Hundsrück nahe dem Dreiherrenstein der höchstem Punkt der Stadtgemarkung. Weitere nennenswerte Berge sind der Pferdeberg (805 Meter) und der Kienberg (774 Meter) beim Ortsteil Oehrenstock im Südwesten. Direkt am Stadtrand liegen der Tragberg (534 Meter), der Rote Stein, der Kirchberg, der Knieberg (508 Meter) und der Große Tragberg (588 Meter). Am Oberweg im Westen der Stadt liegt der Burgstein, ein etwa zehn Meter hoher Quarzporphyr-Felsen.

Neben der Ilm sind die Schorte, die die westliche Grenze zum Ilmenauer Stadtgebiet bildet, und die Schobse, die die östliche Grenze zum Gehrener Stadtgebiet bildet, die wichtigsten Wasserläufe. Die Lohme durchfließt die östliche Stadtgemarkung, die Oehre den Ortsteil Oehrenstock und der Rittersbach mündet im Stadtzentrum in die Ilm. Dort befindet sich auch ein Mühlgraben. Östlich von Langewiesen liegen die Herrenteiche als größte Wasserfläche der Stadt. Im Nordwesten befinden sich die kleineren Burkersteiche. Westlich von Langewiesen liegt der Ilm-Auwald.

Die Langewiesener Gemarkung ist zu großen Teilen bewaldet. Während im Süden Fichtenhochwald dominiert, gibt es im Norden auch Mischwald und mit Kiefern durchsetzten Fichtenwald.

Direkt angrenzende Gemeinden sind Gehren, Ilmenau, Neustadt am Rennsteig, Stützerbach und Wolfsberg.

[Bearbeiten] Geschichte

Stadtrechts-Urkunde aus dem Jahr 1855
Stadtrechts-Urkunde aus dem Jahr 1855

Der Name Langwizza tauchte 932 das erste mal auf. Er bezeichnete ein thüringisches Gau, das sich vom Wald bis hinunter nach Kranichfeld erstreckte. Dessen Hauptort ist Langewiesen vermutlich gewesen. Zeugen für dieses Gau finden sich heute in den Bezeichnungen Längwitzer Tor, Längwitzer Vorstadt und Längwitzer Mauer in Arnstadt. Vom 25. Juli 1198 stammt die älteste bis jetzt bestätigte Urkunde über Langewiesen. König Ottokar zerstörte während eines Kriegszuges 1204 Langewiesen und einige Dörfer der Umgebung. 1421 wird durch die Grafen von Schwarzburg-Leutenberg ihr Anteil dem Grafen Heinrich XXIV. von Schwarzenberg verkauft. 1503 erhält das Dorf Langewiesen gewisse Statute und wird dadurch zum "Flecken" erhoben. Johann Sebastian Bach prüft 1706 die neue Orgel in der Liebfrauenkirche. 1855 wird das Stadtrecht verliehen. Stadtbrände vernichteten den Ort in den Jahren 1408, 1675, 1681 und 1700. Oscar Schlegelmilch gründet seine Porzellanfabrik (1892). Elektrisches Licht brennt erstmals am 9. Dezember 1924. Der Fall des seit Juli 1925 amtierenden sozialdemokratischen Bürgermeisters Hermann Worch, der sich energisch nationalsozialistischen Umtrieben gegen die Republik widersetzte, bewegte die Öffentlichkeit. Als ihn die Nazis im Juli 1933 absetzten, emigrierte er nach Prag. Die in Deutschland verbliebene Familie wurde von den NS-Behörden in Geiselhaft genommen.[2]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 79 "Ostarbeiter" bei der Firma Franz Schwabe & Co. Zwangsarbeit verrichten.[3]

Im Jahr 1994 wird der Ort Oehrenstock nach Langewiesen eingemeindet und wird Ortsteil.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 jeweils zum 31. Dezember):

  • 1533 - 800
  • 1816 - 1.140
  • 1833 - 1.349
  • 1836 - 1.449
  • 1840 - 1.504
  • 1841 - 1.460
  • 1843 - 1.499
  • 1852 - 1.570
  • 1871 - 1.682
  • 1875 - 1.781
  • 1880 - 2.008
  • 1885 - 2.161
  • 1890 - 2.353
  • 1895 - 2.792
  • 1900 - 3.192
  • 1905 - 3.500
  • 1910 - 3.814
  • 1925 - 4.188
  • 1933 - 4.369
  • 1939 - 4.405
  • 1955 - 6.000
  • 1970 - 4.587
  • 1977 - 4.290
  • 1987 - 3.680
  • 1994 - 3.658
  • 1995 - 3.682
  • 1996 - 3.675
  • 1997 - 3.680
  • 1998 - 3.745
  • 1999 - 3.779
  • 2000 - 3.801
  • 2001 - 3.758
  • 2002 - 3.729
  • 2003 - 3.762
  • 2004 - 3.746
  • 2005 - 3.689
  • 2006 - 3.632
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Langewiesen unterhält Partnerschaften zur hessischen Gemeinde Schöffengrund (seit 1992), zum westfranzösischen Chauray im Département Deux-Sèvres und zur kanadischen Stadt Cap-Rouge am Sankt-Lorenz-Strom.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Langewiesen war über die Jahrhunderte hinweg ein Agrar- und Handwerkerdorf mit etwa 1000 Einwohnern. Im 19. Jahrhundert setzte die Industrialisierung ein, die dafür sorgte, dass aus dem Dorf eine Stadt erwuchs. Nach dem Bau der Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn 1881 setzte ein Wirtschaftsboom ein. Die für die Region typischen Porzellan- (z.B. Porzellanfabrik Schlegelmilch), Glas-, und Holzverarbeitungsfabriken entstanden und Langewiesen entwickelte sich in den folgenden 60 Jahren zu einem industriell geprägten Ort mit zeitweise über 5000 Einwohnern. Zu DDR-Zeiten stagnierte die Wirtschaft und nach der Wende brachen die alten Industrien weg. In den 1990er-Jahren wurden im Norden und Osten der Stadt großzügige Gewerbeflächen („In den Folgen I, II und III“) erschlossen, die seitdem vor allem von klein- und mittelständischen Unternehmen genutzt werden. Langewiesen profitiert hierbei von der Nähe zu Ilmenau und zur TU, deren Campus sich direkt an der Stadtgrenze zu Langewiesen befindet. Die beiden derzeit größten Unternehmen sind die QSIL AG Quarzschmelze Ilmenau mit 100 Mitarbeitern und die I. Raesch Novo-Quarz GmbH mit etwa 65 Mitarbeitern, die beide auf dem Gebiet der Glasverarbeitung tätig sind. In der Landesraumplanung bildet Langewiesen gemeinsam mit Ilmenau einen „Raum mit Verdichtungstendenzen“.

Langewiesen liegt an der B88, die Ilmenau über Gehren und Königsee mit Rudolstadt und Saalfeld verbindet. Weitere Straßen führen nach Wümbach und in den Ortsteil Oehrenstock. Zwischen 1881 und 1998 hatte Langewiesen einen Bahnanschluss an der Linie Ilmenau-Gehren-Großbreitenbach. Östlich der Stadt verläuft die im Bau befindliche Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt. Ein Kilometer von Langewiesen östlich soll diese Trasse auf der 1681 Meter langen Ilmtalbrücke über das Ilmtal geführt werden.

Langewiesen liegt am Ilmtal-Radweg.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

  • Wilhelm Höpflinger - Erfinder, Entwickler und Produzent von Kugellagern: Höpflinger wurde am 30. September 1853 in Langewiesen als uneheliches Kind von Joh. Elisabetha Völker und Joh. Georg Höpflinger geboren. 1881 heiratet er seine Frau Dorothea. 4 Kinder werden geboren, u. a. Barbara. Barbara heiratet Ernst Sachs, Begründer und Inhaber der Firma Fichtel & Sachs in Schweinfurt. Wilhelm Höpflinger ist ein bedeutender Erfinder auf dem Gebiet des Kugellagers. Er verstarb am 17. Januar 1928 in Schweinfurt.
Geburtshaus von Wilhelm Heinse in Langewiesen
Geburtshaus von Wilhelm Heinse in Langewiesen
  • Wilhelm Heinse - deutscher Dichter und Bibliothekar, geboren am 15. Februar 1746 in Langewiesen, am 22. Juni 1803 stirbt Wilhelm Heinse. Sein Grab befindet sich auf dem Altstadtfriedhof in Aschaffenburg.
  • Hans Rinn, ehem. Rennrodler, geboren in Langewiesen
  • Erich Krauß (* 12. Juni 1907; † 22. April 1998), Lehrer, Gründer des Heinse-Freundeskreises[4], Verleihung der Ehrenbürgerschaft am 11. Juni 1993
  • Johannes Musaeus (* 7. Februar 1613 in Langewiesen; † 4. Mai 1681 in Jena), protestantischer Theologe


[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen
  2. Udo Wohlfeld: Der Fall Worch - eine Familie wird vernichtet. Mutter und Tochter als Geiseln im KZ Bad Sulza, = gefangen im Netz. gesucht 3, hg. Geschichtswerkstatt Weimar/Apolda e.V., Weimar 2000, ISBN 3-935275-02-1
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 147, ISBN 3-88864-343-0
  4. Informationen zu Erich Krauß auf heinse-freundeskreis.de


[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Langewiesen – Bilder, Videos und Audiodateien
Persönliche Werkzeuge