Lidzbark Warmiński

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Lidzbark Warmiński
Wappen von Lidzbark Warmiński
Lidzbark Warmiński (Polen)
Lidzbark Warmiński
Lidzbark Warmiński
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Lidzbarski
Fläche: 14,34 km²
Geographische Lage: 54° 7′ N, 20° 35′ O54.11666666666720.583333333333Koordinaten: 54° 7′ 0″ N, 20° 35′ 0″ O
Höhe: 65 m n.p.m
Einwohner: 16.352
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 11-100 bis 11-102
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NLI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 51
OlsztynBartoszyce
Nächster int. Flughafen: Flughafen Szczytno
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 14,34 km²
Einwohner: 16.352
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1140 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2809011
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Artur Wajs
Adresse: ul. Ratuszowa 5
11-100 Lidzbark Warmiński
Webpräsenz: www.lidzbarkwarminski.pl

Lidzbark Warmiński ['lʲidzbark var'miɲskʲi], (deutsch Heilsberg), ist eine Kreisstadt mit 18.000 Einwohnern in der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen. Sie liegt 48 km nördlich von Olsztyn (Allenstein) an der Mündung der Symsarna in die Alle (Łyna).

Geschichte[Bearbeiten]

Lidzbark Warmiński wurde 1240 vom Deutschen Orden an der Stelle der prußischen Burg Leckbard gegründet, die sich am Zusammenfluss von Simser und Alle befand („lekes“: „Haferspreu“ und „bart“: „aufwallen“, „fließen“, „strömen“). Leckbard wurde 1241 von den Ordensrittern eingenommen, im 2. Prußenaufstand von 1260/74 allerdings von den Prußen zurückerobert. Heilsberg wurde 1306 Sitz des Fürstbistums Ermland, eines der vier 1243 im preußischen Ordensstaat eingerichteten Bistümer. Es erhielt 1308 von Bischof Eberhard von Neiße die Stadtrechte und blieb 500 Jahre lang im Territorialbesitz des Fürstbistums Ermland. Um 1350 begann der Ausbau des Bischofsdomizils. Auf quadratischem Grundriss entstand im nächsten halben Jahrhundert der Palast der Bischöfe von Ermland. Nach dem Zweiten Thorner Frieden kam 1466 mit dem Fürstbistum (und damit auch Heilsberg) unter polnische Oberhoheit, wo es einer Woiwodschaft gleichgestellt war. Im Winter 1703–1704 residierte der schwedische König Karl XII. während seines Feldzugs gegen Polen und Russland im Großen Nordischen Krieg im Heilsberger Schloss.

Heilsberg, östlich von Elbing und südlich von Königsberg i. Pr. auf einer Landkarte von 1910.

Mit der ersten Teilung Polens fiel Heilsberg 1772 an das Königreich Preußen. Vom 10. bis 11. Juni 1807 fand hier die Schlacht bei Heilsberg zwischen französischen Truppen unter Murat und Soult und den verbündeten russischen und preußischen Heeren unter Bennigsen statt. Ab 1818 war Heilsberg Kreisstadt des Kreises Heilsberg im Regierungsbezirk Königsberg in Ostpreußen.

Zur Zeit des Ersten Weltkrieges gab es in der Nähe von Heilsberg ein Kriegsgefangenenlager, in dem die deutsche Armee vor allem russische Kriegsgefangene internierte. In dem Lager wurde aber auch eine kleine Zahl britischer Gefangener untergebracht. Zwischen August und Dezember 1918 starben 39 britische Soldaten im Lagerkrankenhaus. Die Kriegsgefangenen waren in dem überfüllten Lager mit sehr schlechten hygienischen Bedingungen erkrankt, so dass die letzten Soldaten auch nach dem Ende des Krieges nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten und dort verstarben. Die britischen Soldaten wurden auf dem Lidzbark Warmiński War Cemetery, auf dem rund 2800 Gefangene in unmarkierten Massengräbern begraben wurden, beigesetzt. Der Friedhof am nordöstlichen Stadtrand im Vorort Markajmy wurde bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gepflegt, der zunehmende Verfall führte dann jedoch zu seiner Aufgabe.[2] Im Frühjahr 2014 errichtete die Commonwealth War Graves Commission nun eine neue Gedenkstätte auf dem alten Friedhof für die toten britischen Soldaten, denen zwischenzeitlich auf dem Malbork Commonwealth War Cemetery von Malbork gedacht worden war.[3] [4]

Heilsberg war von 1930 bis 1945 Standort des Mittelwellen-Senders Heilsberg. Am 27. Mai 1937 brachen in Heilsberg Unruhen aus, nachdem während der Fronleichnamsprozession einige Mitglieder der katholischen Jugend verhaftet worden waren.

Im Frühjahr 1945 beim Einmarsch der Roten Armee blieb die Stadt unzerstört, ging aber ein paar Tage später durch Brandstiftung in Flammen auf. Mehr als 40 Prozent der Bausubstanz der Stadt wurde zerstört. Der Kreis Heilsberg wurde anschließend mit der Südhälfte Ostpreußens polnischer Verwaltung unterstellt, und die Stadt erhielt den in polnischen Schriften schon vorher benutzten Ortsnamen Lidzbark Warmiński. Es begann die Zuwanderung von Polen und Ukrainern, die zunächst größtenteils aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen und die dort vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auswandern zu müssen. Die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde großenteils aufgrund der Bierut-Dekrete vertrieben.

Religionen[Bearbeiten]

Kirche St. Peter und Paul

Lidzbark Warmiński ist eine traditionell katholisch geprägte Stadt. Hier hatten die Fürstbischöfe des Ermlands ihren Sitz und Heilsberg war als Teil des Preußen Königlichen Anteils mit der polnischen Krone verbunden. 1890 zählte man 665 Evangelische, 4.723 Katholiken und 112 Juden in der Stadt.[5] Als die deutsche Bevölkerung im Zuge des Zweiten Weltkriegs aus der Stadt geflüchtet und vertrieben worden war, kamen an ihre Stelle Ansiedler und Vertriebene aus anderen Teilen Polens, die ebenfalls größtenteils katholisch waren. Jedoch wurde durch die Bevölkerungsverschiebung der ohnehin geringe Einfluss des Protestantismus geschwächt: Die bisherige evangelische Kirche wurde von der neuen orthodoxen Gemeinde übernommen.

Die katholische Kirchengemeinde von Lidzbark Warmiński ist Partnergemeinde der Katholischen Kirchengemeinde der Gemeinde Werlte. Dies rührt vermutlich daher, dass der Pastor der Gemeinde Heilsberg 1945 als Vertriebener nach Werlte kam und dort Pastor wurde.

Die Kirchenglocke St. Theodor (Meister Michael Wittwerck, Danzig 1716) der katholischen Kirche St. Peter und Paul wurde 1941/1942 zur Einschmelzung für Kriegszwecke eingezogen, lagerte auf dem Hamburger Glockenfriedhof und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an das Erzbistum in Freiburg im Breisgau zur Aufbewahrung übergeben. Sie befindet sich heute (2008) als Leihgabe im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von Lidzbark Warmiński nach dem jeweiligen Gebietsstand:[6]

Schlossanlage
Jahr Einwohner
1875 5.762
1880 5.874
1885 5.705
1890 5.501
1910 6.082
1933 8.781
Jahr Einwohner
1939 10.630
1971 13.000
1995 16.681
2000 16.505
2005 16.251

Stadtbild[Bearbeiten]

Partie an der Alle
Burg Heilsberg
Hohes Tor
Ehemals evangelische, heute russisch-orthodoxe Kirche

In einer Schleife der Alle gelegen, galt die Stadt bis 1945 als eine der schönsten in Ostpreußen. Trotz der Kriegszerstörungen sind einige wertvolle Bauten erhalten geblieben bzw. rekonstruiert worden. Die Burg Heilsberg der ermländischen Bischöfe (Hochschloss) gilt als die neben der Marienburg am besten erhaltene Wehranlage der Ordenszeit, sie ist heute Museum. Der größte Verdienst in der Erhaltung der Burganlage kommt Ferdinand von Quast und Karl Hauke zu.

Weitere markante Bauwerke sind die imposante spätgotische Pfarrkirche und das Hohe Tor. Einige historische Straßenzüge, darunter eine Zeile der charakteristischen Laubenhäuser am Marktplatz, haben die Zeiten ebenfalls überdauert. Die erste evangelische Kirche im ehemaligen ermländischen Dominium wurde 1823 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaut (heute russisch-orthodox).

Politik[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Lidzbark Warmiński ist Mitglied der internationalen Vereinigung Cittàslow.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ferdinand Schulz, der „Ikarus von Ostpreußen“, hat auf dem Waldfriedhof von Heilsberg sein Grab.
  • Margarete Neumann, deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin lebte hier bis 1945

Gmina Lidzbark Warmiński[Bearbeiten]

Die Stadt Lidzbark Warmiński ist Verwaltungssitz der Landgemeinde Lidzbark Warmiński, gehört ihr aber als eigenständige Stadtgemeinde nicht an. Die Landgemeinde zählt 6815 Einwohner (31. Dezember 2013) und umfasst auf einer Fläche von 371,01 km² – die zu 28 % von Wald und zu 56 % von landwirtschaftlicher Fläche eingenommen wird – folgende 37 Ortsteile (sołectwo):

  • Babiak (Frauendorf)
  • Blanki (Blankensee)
  • Bugi (Bogen)
  • Drwęca (Drewenz)
  • Ignalin (Reimerswalde)
  • Jagoty (Jegothen)
  • Jarandowo (Süßenberg)
  • Kaszuny (Kaschaunen)
  • Kierz (Kerschen)
  • Kłębowo (Wernegitten)
  • Knipy (Knipstein)
  • Kochanówka (Stolzhagen)
  • Koniewo (Konnegen)
  • Kotowo (Katzen)
  • Kraszewo (Reichenberg)
  • Lauda (Lawden)
  • Łabno (Schwansberg)
  • Markajmy (Markeim)
  • Medyny (Medien)
  • Miejska Wola (Bürgerswalde)
  • Miłogórze (Liewenberg)
  • Morawa (Maraunen)
  • Nowa Wieś Wielka (Neuendorf)
  • Nowosady (Wosseden)
  • Pilnik (Neuhof)
  • Pomorowo (Pomehren)
  • Redy (Retsch)
  • Rogóż (Roggenhausen)
  • Runowo (Raunau)
  • Sarnowo (Rehagen)
  • Stryjkowo (Sternberg)
  • Suryty (Soritten)
  • Świętnik (Heiligenfelde)
  • Wielochowo (Großendorf)
  • Workiejmy (Workeim)
  • Wróblik (Sperlings)
  • Zaręby (Sperwatten)
  • Żytowo (Settau)

Heilsberg in der Weltliteratur[Bearbeiten]

Die napoleonisch-russische Schlacht von Eylau 1807 ist der Ausgangspunkt der berühmten Erzählung von Honoré de Balzac (1789-1850): Le Colonel Chabert. (1832). Der Titelheld wird als Oberst unter Feldmarschall Joachim Murat (1806–1808 Großherzog von Berg-Düsseldorf/Nordrhein-Westfalen) bei Eylau schwer verwundet, aber für tot gehalten, bei Heilsberg in einem Massengrab lebendig beerdigt und für tot erklärt, jedoch durch eine Heilsberger Bauersfrau gerettet.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Maria Biolik: Zuflüsse zur Ostsee zwischen unterer Weichsel und Pregel. = Nazwy wodne dopływów Bałtyku między dolną Wisłą a Pregołą. Steiner-Verlag Wiesbaden, Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05521-5 (Hydronymia Europaea Lfg. 5).
  • Alexander Kurschat: Litauisch-Deutsches Wörterbuch. Thesaurus linguae lituanicae. 4 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1968–1973.
  • Vilius Peteraitis: Mažoji Lietuva ir Tvanksta. = Lithuania Minor and Tvanksta. Mažosios Lietuvos Fondas u. a., Vilnius 1992 (Mažosios Lietuvos Fondo leidiniai 2).
  • Gerhard Salemke: Lagepläne altprußischer Wallburganlagen der ehemaligen Provinz Ostpreußen. Gerhard Salemke, Gütersloh, 2005.
  • Otto Schlüter: Wald, Sumpf und Siedlungsland in Altpreußen vor der Ordenszeit. Niemeyer, Halle 1921.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lidzbark Warmiński – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juni 2014.
  2. Lidzbark Warmiński War Cemetry Friedhofsdetails der Commonwealth War Graves Commission, abgerufen am 18.Mai 2014
  3. World War One Heilsberg prisoner of war cemetery restored auf BBC News 16.Mai 2014, abgerufen am 18.Mai 2014
  4. The 'Heilsberg 39': Remembering England's WW1 prisoners of war auf BBC News, 16. Mai 2014, abgerufen am 18. Mai 2014
  5. Vgl. geschichte-on-demand.de; abger. am 30. Juli 2008
  6. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1875, 1880, 1890, 1933, 1939: [1] – 1885: [2] – 1910: [3] – 1971: Georg Hermanowski: Ostpreußen–Lexikon. Augsburg 1996 – 1995, 2000, 2005: [4]