Lucian Freud

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lucian Freud (2005?)

Lucian Freud, OM, CH, CBE (* 8. Dezember 1922 in Berlin; † 20. Juli 2011 in London[1]) war ein britischer Maler. Er war ein Sohn des österreichischen Architekten Ernst Ludwig Freud und der Lucie Freud sowie der Enkel des Psychoanalytikers Sigmund Freud.

Leben[Bearbeiten]

Im Jahr der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 emigrierte er mit seiner Familie nach England, 1939 wurden die Familienmitglieder zu britischen Staatsbürgern. Freud besuchte von 1938 bis 1943 die „Central School of Art“ (heute Central Saint Martins College of Art and Design) und das „Goldsmith’s College“ in London sowie die „East Anglian School of Painting and Drawing“ in Dedham, Essex.

Werdegang[Bearbeiten]

Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Porträts und Aktmalerei, die er ab dem Jahr 1952 in einem konsequent realistischen Stil gestaltete. In seinem Frühwerk orientierte sich der Künstler am Surrealismus und der Neoromantik sowie der Neuen Sachlichkeit, besonders an Otto Dix und George Grosz.[2] Schnell fand er zu einem eigenen Bildcharakter, der sich durch einen realistischen Detailreichtum kennzeichnete.

Im Jahr 1951 entstand das Werk mit dem Titel „Interior in Paddington“, das seinen Realismus in der düsteren Stimmung des Bildes offenbart. Heute hängt die Arbeit in der Walker Art Gallery in Liverpool. Freuds surreale Bilder zeigen geheimnisvolle Verbindungen zwischen Pflanzen und Menschen.

In seiner Aktmalerei stellte der Künstler nackte schwammige Körper dar, die er oftmals mit anstößigen Details ausstattete. Ein weiteres Merkmal dieser Körper sind die zum Teil sichtbaren, sie durchziehenden Adern. Später konzentrierte sich Freud auf eine eher expressive Malweise mit einer stärker betonten Kontrastierung der Farbe. In dieser Weise realisierte er unter anderem eine Reihe von Porträts seiner Mutter.

Im Jahr 1944 fand seine erste Ausstellung in der Alex Reid & Lefevre Gallery statt. 1954 nahm er an der Biennale in Venedig teil. 1982 wurde eine Monographie über Lucian Freud veröffentlicht, geschrieben von Lawrence Gowing.

1982 begann Freud mit der Technik der Radierung. Es entstand ein umfangreiches Werk, das in einer spannenden Wechselwirkung zu seinen Gemälde-Arbeiten steht. Radierung und Gemälde des Künstlers stehen gleichberechtigt in seinem Gesamtwerk nebeneinander.

Der Künstler wurde 1983 von Königin Elisabeth II. zum Companion of Honour ernannt, zehn Jahre später erfolgte seine Aufnahme in den Order of Merit. Seine Bilder waren auf zahlreichen Ausstellungen überall auf der Welt präsent. In seinem Radierwerk setzt der Künstler alle Themen um, die ihn auch in der Malerei beschäftigten. So kommen hauptsächlich Porträts und Aktdarstellungen zustande, aber auch Landschaften.

Im Jahr 2002 wurde ein Teil seiner Werke bei der Art Chicago gezeigt. Im Mai 2002 wurde sein neues Porträt von Königin Elisabeth II. ausgestellt. Im gleichen Monat, am 12. Mai 2002, bekam Lucian Freud im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen den Jerg-Ratgeb-Preis, der alle drei Jahre von der HAP Grieshaber Stiftung vergeben wird, überreicht.

In England wurde er zu einem der bedeutendsten Porträtmaler des 20. Jahrhunderts. Der Kunstkritiker und Autor Robert Hughes bezeichnete ihn sogar als „größten lebenden realistischen Maler“. Im Mai 2008 wurde Freuds lebensgroßes Gemälde Benefits Supervisor Sleeping, das 1995 entstand und das Aktmodell Sue Tilley zeigt, für eine Summe von 33,6 Millionen US-Dollar (umgerechnet 21,7 Millionen Euro) im Auktionshaus Christie’s versteigert.[3] Dies stellte bis dato den höchsten Betrag dar, der jemals für ein Gemälde eines noch lebenden Künstlers gezahlt wurde.

Von 1959 bis zu dessen Tod 1992 verband Freud eine innige Freundschaft mit Francis Bacon. Beide Maler porträtierten sich gegenseitig regelmäßig. Freuds Assistent David Dawson arbeitete mit Freud mehr als 20 Jahre zusammen und saß dem Künstler ebenfalls Modell.[4] Ein anderes männliches Aktmodell, das Freud oft abbildete, war der australische Performancedarsteller Leigh Bowery.

Lucian Freud starb am 20. Juli 2011 in London[5] und wurde am 27. Juli auf dem Highgate Cemetery beigesetzt.

Ehen und Kinder[Bearbeiten]

1948 heiratete er Kathleen Garman Epstein, mit der er zwei Töchter hatte. Oftmals stand seine erste Frau Kathleen Garman Epstein für ihn Modell. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete er 1953 Caroline Blackwood, die sich 1959 von ihm scheiden ließ.[6]

Freud hatte mit seiner Lebensgefährtin Bernardine Coverley zwei Töchter. Esther Freud ist eine bekannte Autorin, verheiratet mit dem Schauspieler David Morrissey. Bella Freud ist Modedesignerin. Außerdem hatte er mit Suzy Boyt fünf und mit Katherine Margaret McAdam vier Kinder.[7]

Stil und Stilentwicklung[Bearbeiten]

Lucian Freud entwickelte seinen prägnanten Malstil, verglichen mit anderen Künstlern, schon relativ früh. Für ihn typisch sind die kontrastreiche Wiedergabe von Haut und ein pastoser Farbauftrag. Hinzu kommt die lange Zeitspanne, die er benötigte, um ein Werk fertigzustellen. Im Zusammenspiel erzeugen diese beiden Faktoren einen hohen Wiedererkennungswert seiner Werke. Schon früh bemüht sich Freud um eine individuelle Wiedergabe von Menschen und beweist sowohl in Bildern wie Cedric Morris (1940), als auch mit seinen Zeichnungen, sein Talent, markante Gesichtszüge einzufangen.[8] Die kontrastreiche Verwendung von Farbe gewährt einen Ausblick auf seinen späten Stil.

Innerhalb weniger Jahre verändert sich seine Malweise hin zu einer detailorientierten Wiedergabe der menschlichen Physiognomie. Einige seiner bekanntesten Werke Girl with a Kitten (1947) und auch Girl with a White Dog (1950-1) entstehen zu dieser Zeit, sowie ein Porträt seines Kollegen Francis Bacon (1952). In den darauf folgenden Jahren gewinnt die Farbe einen immer größeren Stellenwert in seinen Porträts, ebenso wie das kontrastreiche Farbspiel. Die Werke in der Zeit bis etwa 1985 zeigen wie Freud sich in seinem Malstil langsam weg vom Detail und hin zur Farbe entwickelt. Dazu gehören unter anderem Woman in a White Shirt (1956-7) und Reflection with two Children (Self-Portrait) (1965). Sein Selbstporträt Reflection (Self-Portrait) von 1985 zeigt seinen bekannten Stil, der sich in den darauf folgenden Jahren nur durch einen massiveren Farbauftrag unwesentlich weiterentwickelt. Weitere populäre Werke, die nach 1985 entstanden, sind zum Beispiel: And the Bridegroom (1993), Benefits Supervisor sleeping (1995), oder das kontroverse Porträt, Queen Elizabeth II (2001).

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Bildbeispiele[Bearbeiten]

Zu seinen Werktiteln zählen unter anderem:

  • Mädchen mit weißem Hemd (1951–1952)
  • John Minton (1952)
  • Hotel Bedroom (1954)
  • Nacktes Mädchen schlafend II (1968)
  • Self-Portrait with a Black Eye, 18,8 x 14,3 cm² (um 1978)
  • Fabrik in Nordlondon (1981–1983)
  • Reflexion (1985)
  • Portrait of H.H. Thyssen-Bornemisza (Man in a Chair) (1985)
  • Bella (1987)
  • Ib and her Husband (1992)
  • schwangere Kate Moss, Aktbild, 10 x 15 cm², versteigert (für 688.000 Euro)
  • Benefits Supervisor Sleeping (1995)

Aktbeispiele[Bearbeiten]

Lucian Freud war ein berühmter Akt-Künstler; zu seinen Aktbildern zählen[10]:

Literatur[Bearbeiten]

primär[Bearbeiten]

  • Lucian Freud: Einige Gedanken über die Malerei, in Lucian Freud. Naked Portraits, Werke der 40er bis 90er Jahre herausgegeben von Rolf Lauter, S. 284, Ostfildern-Ruit 2001.
  • Lucian Freud – Portraits, DVD, Gespräche von Jake Auerbach und William Feaver mit Freud-Modellen (Jake Auerbach Films, Ltd. 2004)
  • TV - 3sat vom 29. April 2006, 22:30 - 23:35 h: Der Maler Lucian Freud

sekundär[Bearbeiten]

  • Ursula Blanchebarbe: Lucian Freud. Kerber Verlag, Reutlingen/Bielefeld 1997.
  • Eva-Marie Blattner: Lucian Freud, Graphik, prints. Städtisches Kunstmuseum Spendhaus, Reutlingen 2002.
  • Richard Calvocoressi: Early Works. Lucian Freud. Edinburgh 1997.
  • William Feaver: Lucian Freud. Tate Publishing, London 2002.
  • Martin Gayford: Mann mit blauem Schal: Ich saß für Lucian Freud - Ein Tagebuch, Piet Meyer Verlag, 2011.
  • David Hockney (Hrsg.): Lucian Freud. Painting People. National Portrait Gallery Publications, London 2012.
  • Robert Hughes: Lucian Freud, Gemälde. London 1987. ISBN 3-88609-235-6. Englische Fassung: Robert Hughes: Lucian Freud Paintings. Thames & Hudson 1989. ISBN 0-500-27535-1.
  • David Alan Mellor: Interpreting Lucian Freud. Tate Publishing, London 2002.
  • Sebastian Smee: Mit Lucian Freud im Atelier. Fotografien von Bruce Bernard und David Dawson. Knesebeck, München 2006. ISBN 978-3-89660-400-2
  • Robert Hughes: Lucian Freud, Gemälde. Zweitausendeins, Frankfurt 2007. ISBN 978-3-86150-785-7.
  • Ausstellungskatalog: Lucian Freud - L’Atelier, Centre Pompidou, Paris 2010 ISBN 978-2-84426-463-3.
  • Ingrid Lange-Schmidt: Viel mehr als nur "der Enkel" - Aspekte einer künstlerischen Entwicklung. Lit Verlag, 2010. ISBN 9783643107862.
  • Sabine Haag, Jasper Sharp (Hg.): Lucian Freud (Ausst.- Kat. Kunsthistorisches Museum Wien 8. Oktober 2013 - 6. Januar 2014), Wien 2013. ISBN 978-3-7913-5332-6.
  • Friederike Kraus: "Lucian Freud 1922 - 2011" Lucian Freud Biografie und Werk, Diplomarbeit Universität Wien 2013. Online-Version
  • Geordie Greig: Breakfast with Lucian. 2013.
    • deutsch von Matthias Fienbork: Geordie Greig: Frühstück mit Lucian Freud. Nagel & Kimche, München 2013, ISBN 978-3-312-00609-0.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. William Grimes: Lucian Freud, Figurative Painter Who Redefined Portraiture, Is Dead at 88 (New York Times Online am 21. Juli 2011)
  2. William Grimes: Lucian Freud, Figurative Painter Who Redefined Portraiture, Is Dead at 88 (New York Times Online am 21. Juli 2011)
  3. Freud-Gemälde erzielt Rekordsumme (SPIEGEL Online am 14. Mai 2008)
  4. Echt Voluminöses von Lucian Freud Dokumentation zur Ausstellung in der National Portrait Gallery in London auf www.euronews.net
  5. Enkel des Psychoanalytikers: Maler Lucian Freud gestorben, Tagesschau.de, 22. Juli 2011, abgerufen am 22. Juli 2011
  6. Face to face with Freud in: The Sunday Times vom 22. Mai 2005
  7. Rosie Millard: Portrait of the forgotten children in: The Sunday Times vom 11. April 2004
  8. Richard Calvocoressi: Early Works. Lucian Freud. Edinburgh 1997.
  9. Portraits von Lucian Freud im KHM auf ORF vom 27. Dezember 2012 abgerufen am 28. Dezember 2012
  10. All Lucian Freud artworks in chronological order
  11. Der letzte Kunstpascha in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16. Februar 2014, Seite 40