Lukas Beckmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Grünen-Politiker Lukas Beckmann. Für den Hamburger Rechtswissenschaftler Lucas Beckmann (1571–1624) siehe Lucas Beckmann.
Lukas Beckmann 1983

Lukas Beckmann (* 14. September 1950 in Hilten, heute Neuenhaus, Niedersachsen) ist ein deutscher Politiker von Bündnis 90/Die Grünen und war von 1994 bis 2010 Fraktionsgeschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion.

Leben[Bearbeiten]

Beckmann wuchs in Wilsum an der Grenze zu den Niederlanden als Sohn eines Landwirtes auf und arbeitete zunächst ebenfalls als Landwirt auf dem elterlichen Hof. Seine Hochschulreife holte er über den zweiten Bildungsweg nach und studierte von 1973 bis 1978 Soziologie an den Universitäten Bonn und Bielefeld.

In den 1970er Jahren war Beckmann in Umwelt- und Dritte-Welt-Gruppen sowie in der christlichen Jugendarbeit aktiv. 1978 gehörte er zu den Initiatoren der Bunten Liste Bielefeld. Er engagierte sich an der von Joseph Beuys gegründeten Freien Internationalen Universität und zählte zu den Initiatoren des „Koordinierungsausschusses“ der Friedensbewegung. Dort führte er einen heftigen Kampf gegen die moskautreuen Mitglieder der K-Gruppen.[1]

1979 – noch vor der Gründung der grünen Partei – übernahm er als hauptamtlicher Bundesgeschäftsführer der SPV die Grünen den Europawahlkampf. Die Position des Bundesgeschäftsführers behielt er nach der Umwandlung in eine politische Partei bis 1984 bei.

Am 12. Mai 1983 enthüllten Lukas Beckmann, Petra Kelly, Gert Bastian, Roland Vogt und Gabriele Potthast auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin zwei Transparente mit den Aufschriften „Die Grünen – Schwerter zu Pflugscharen“ und „Die Grünen – Jetzt anfangen: Abrüstung in Ost + West“, um für eine Abrüstung in Ost wie West zu demonstrieren und gleichzeitig die unabhängige Friedensbewegung in der DDR zu unterstützen.[2] Auch danach pflegte Beckmann engen Kontakt mit der DDR-Opposition, was auf heftigen Widerstand innerhalb der Grünen Partei – besonders durch den später als Mitarbeiter der Stasi enttarnten Dirk Schneider – stieß.[3] Später hatte er die deutsche Botschaft in Pretoria besetzt, um gegen die Apartheid zu demonstrieren.[4]

Von 1984 bis 1987 war er zusammen mit Jutta Ditfurth und Rainer Trampert einer der drei gleichberechtigten Bundesvorstandssprecher der Partei. Beckmann bildete in der von Flügelkämpfen geprägten Partei ein wertkonservatives, realpolitisches Gegengewicht zur fundamentalistischen Radikalökologin Ditfurth und dem Ökosozialisten Trampert.[4] Seine Arbeit als Bundesvorstandssprecher verrichtete Beckmann ehrenamtlich und lebte in dieser Zeit von Arbeitslosengeld. Als er 1987 eine Koalition mit der CDU als machtpolitische Alternative ins Spiel brachte, geriet er unter starken innerparteilichen Druck und verzichtete auf eine erneute Kandidatur.[5] Die Position als Bundesvorstandssprecher war das einzige parteiinterne Wahlamt, das Beckmann je innehatte.

1986 bereitete Beckmann die Gründung einer parteinahen Stiftung vor und gründete 1988 den Verein Mehr Demokratie mit. Er ist Mitglied seines Kuratoriums.[6] Bis 1991 arbeitete er als Gründungsgeschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung.

Seit 1991 arbeitet er für die Bundestagsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen. Nachdem die Grünen bei der Bundestagswahl 1994 den Wiedereinzug in den Bundestag als Fraktion schafften, wurde Beckmann Fraktionsgeschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion. Er hatte diese Position 16 Jahre inne.

Seit dem 1. März 2011 ist er als Vorstandsmitglied für die GLS Treuhand tätig.[7]

Beckmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Unbekannte unter den Allerwichtigsten auf faz.net
  2. Udo Baron: Kalter Krieg und heisser Frieden. Der Einfluss der SED und ihrer westdeutschen Verbündeten auf die Partei „Die Grünen“. LIT Verlag, Münster 2003, S. 186.
  3. Udo Baron: Kalter Krieg und heisser Frieden. Der Einfluss der SED und ihrer westdeutschen Verbündeten auf die Partei „Die Grünen“. LIT Verlag, Münster 2003, S. 188 ff.
  4. a b Michael Schlieben: Die Parteivorsitzenden in der Bundesrepublik Deutschland 1949–2005. VS Verlag, Wiesbaden 2005, S. 182.
  5. Horst Bieber: Ein Querdenker ist angeeckt. Lukas Beckmann will nicht mehr als Parteisprecher kandidieren. In: Die Zeit, Nr. 19/1987, S. 1. „Es muß zu einem integrierten Bestandteil unserer Strategie werden, auf allen Ebenen der Politik Tolerierungs- und Koalitionsgespräche mit der CDU nicht auszuschließen.“
  6. mehr-demokratie.de/kuratorium.htmlMehr Demokratie : Kuratorium
  7. Lukas Beckmann ist neuer Vorstand der GLS Treuhand. GLS Gemeinschaftsbank eG, 19. Oktober 2010, abgerufen am 19. Oktober 2010: „Er wird diese neue Aufgabe ab dem 1. März 2011 wahrnehmen“.