Mario Czaja
Mario Czaja (* 21. September 1975 in Berlin) ist ein deutscher Politiker. Er ist Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin und seit 1. Dezember 2011 Senator für Gesundheit und Soziales im Senat von Klaus Wowereit. Nach der Bitte um Entlassung des Senators für Justiz und Verbraucherschutz, Michael Braun, Mitte Dezember 2011 übernahm Czaja vorübergehend zusätzlich dessen Amtsgeschäfte. Zudem ist Mario Czaja Kreisvorsitzender des CDU-Kreisverbandes Wuhletal.
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Leben [Bearbeiten]
Ausbildung und Beruf [Bearbeiten]
Czaja erlebte seine Kindheit in Berlin-Mahlsdorf und hat seinen Wohnsitz im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Nachdem er seinen Schulbesuch auf einem Gymnasium 1995 mit der mittleren Reife beendete, absolvierte er ab 1997 eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Ebenfalls wurde er 1997 wegen Fahnenflucht zu einer Geldstrafe verurteilt, da er seinen Dienst bei der Bundeswehr nicht angetreten hatte.[1] Nach Ausbildung und Zivildienst trat Czaja in das Berufsleben als Leiter Marketing und Vertrieb der Unternehmensgruppe Krone management und technologie GmbH ein. Von 2002 bis 2011 war Czaja in der Unternehmensgruppe Gegenbauer angestellt. Das Unternehmen ist in allen Bereichen des Facilitymanagement tätig. Neben seinem Beruf belegte Czaja vom September 2006 bis Dezember 2010 an der Technischen Hochschule Wildau (FH) den grundständigen Diplomfernstudiengang der Betriebswirtschaftslehre, den er als Diplom-Betriebswirt (FH) abschloss. Der Titel seiner Diplomarbeit lautet: „Betriebswirtschaftliche Chancen und Risiken des Modells Praxisklinik für den niedergelassenen Facharzt”.
Politischer Werdegang [Bearbeiten]
Seit 1993 ist Czaja in der Berliner Politik engagiert. Von 1995 bis 1999 war er Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Hellersdorf.
Czaja wurde 1999 im Wahlkreis Kaulsdorf-Mahlsdorf direkt zum Abgeordneten in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt und gehört seitdem ohne Unterbrechung dem Berliner Parlament an. Bei den vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 2001 kandidierte Gregor Gysi (PDS) gegen ihn und gewann den Wahlkreis als Direktkandidat. Czaja wurde über die Bezirksliste seiner Partei allerdings auch in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Dort arbeitete er im Ausschuss für Gesundheit und Soziales und engagierte sich zusätzlich erfolgreich in den Themenbereichen Straßenerschließung und gegen das Straßenbaubeitragsgesetz. Der Kreisvorsitzende des CDU-Kreisverbandes Wuhletal von Marzahn-Hellersdorf führt den Kreisverband mit ca. 400 Mitgliedern seit 2001.
Im Herbst 2006 gewann Czaja seinen Wahlkreis mit deutlicher Mehrheit vor seinen Gegenkandidaten von der SPD und PDS. Dabei erhielt er 33,8 Prozent der Erststimmen, obwohl die CDU in Marzahn-Hellersdorf nur 13,1 Prozent der Zweitstimmen erzielte.
Bis Ende November 2011 war Czaja Mitglied in den Ausschüssen für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie Stadtentwicklung. Zugleich war er seit 2001 der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus und später auch stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion.
Im September 2011 verteidigte Mario Czaja sein Direktmandat, wobei er den Erststimmenanteil auf 41,5 Prozent steigern konnte. Er war Mitglied in den Ausschüssen für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz sowie Stadtentwicklung. Zugleich war er der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus und später auch stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion. Seit Dezember 2011 ist er Senator für Gesundheit und Soziales.
Sonstiges Engagement [Bearbeiten]
Mario Czaja ist Mitglied im Förderverein der Kaulsdorfer Ulmenschule, Förderer des Gründerzeitmuseums im Gutshaus Mahlsdorf und Mitglied im Verein Freunde der Gärten der Welt e.V.
Privates [Bearbeiten]
Czaja ist verheiratet und hat eine Tochter.[2] 1997 wurde Czaja wegen Fahnenflucht zu einer Geldstrafe verurteilt.[3] Czaja hat einen jüngeren Bruder, Sebastian Czaja, der für die FDP Mitglied des Abgeordnetenhauses war.
Politische Positionen [Bearbeiten]
Verbesserung der ambulanten Versorgung in Berlin [Bearbeiten]
Czaja setzt sich dafür ein, dass die durch das Versorgungsstrukturgesetz geschaffenen neuen gesetzlichen Möglichkeiten genutzt werden, die es den Ländern ermöglichen, die Bedarfsplanung mitzugestalten. Dabei soll der Zugang der Patientinnen und Patienten zur ambulanten Ärzteversorgung in den einzelnen Bezirken Berlins verbessert werden. Dazu hat Mario Czaja das gemeinsame Landesgremium geschaffen. Das zu diesem Zweck geschaffene Landesgremium kann Empfehlungen gegenüber dem Landesausschuss, in welchem die Vertreter von der Kassenärztliche Vereinigung, der Krankenkassen sowie der Krankenhausgesellschaft u. a. über die Zulassung von Arztsitzen in Berlin entscheiden, aussprechen. Dadurch soll der Dialog über mögliche Planungsmodelle mit allen Beteiligten aufgenommen werden.[4]
Pflege [Bearbeiten]
Mario Czaja fordert darüber hinaus transparente Strukturen in der Pflege und die Etablierung von Qualitätsstandards im stationären und ambulanten Bereich. Im Dezember 2012 wurde beispielsweise im Land Berlin eine Kooperationsvereinbarung zur Bekämpfung von Leistungsmissbrauch und Abrechnungsmanipulation in der ambulanten Pflege unterzeichnet.[5] Auch die Funktion der Patientenbeauftragten wurde um das Thema Pflege ergänzt.[6]
Mit einer Kampagne zur Aufwertung des Altenpflegeberufs möchte er die gesellschaftliche Anerkennung des Berufsbildes steigern und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.[7]
Stadtentwicklung [Bearbeiten]
Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus setzte sich Czaja auch für Themen im Bereich der Stadtentwicklung ein. Die Belange der Berliner Grundstücks- und Eigenheimbesitzer beschäftigen ihn dabei ebenso wie die großen Infrastrukturprojekte, insbesondere im Ostteil Berlins. Im Zusammenhang mit der Eröffnung des Großflughafen Berlin-Schönefeld setzte er sich für die so genannte TVO ein, die die Siedlungsgebiete in Karlshorst, Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf im Südosten vom Durchgangsverkehr entlasten und die Industrie- und Gewerbegebiete im Süd- und Nordosten Berlins an den Flughafen BBI anbinden soll.
Cannabiskonsum [Bearbeiten]
Im Jahr 2012 startete Czaja zusammen mit CDU-Senatskollegen Frank Henkel (Inneres) und Thomas Heilmann (Justiz) eine Initiative zur Senkung des straffreien Eigenbedarfs an Cannabis von 15 auf sechs Gramm. Der Gesundheitsexperte der zu diesem Zeitpunkt in Berlin mit der CDU koalierenden SPD, Thomas Isenberg, sah hingegen „keinen Handlungsbedarf“ und erklärte die 15-Gramm-Regelung habe sich bewährt, des Weiteren sei im Koalitionsvertrag zwischen beiden Parteien eine entsprechende Absenkung nicht vorgesehen. Er betonte es sei „zwingend notwendig“, dass die CDU-Senatoren die Entscheidung nicht unter sich ausmachten, sondern die SPD einbezögen.[8] Neben der SPD sprachen sich auch Piraten und Linkspartei dafür aus die Berliner Linie beizubehalten.[9][10]
Diskussion um Lebenslauf [Bearbeiten]
Wie Spiegel Online am 15. Februar 2006 berichtete, hatte Mario Czaja sich auf seiner Homepage im Internet und im Handbuch des Abgeordnetenhauses von Berlin als „Diplom-Ökonom“ ausgegeben, ein Abschluss, den er sich durch ein postgraduales Studium der Wirtschaftswissenschaft 2002/2005 an der sogenannten Freien Universität Teufen/St. Gallen erworben haben wollte. Abschlüsse dieser Institution werden in Deutschland allerdings nicht als akademische Titel anerkannt. Die Freie Universität Teufen gilt als Institution, die akademische Abschlüsse nicht für eine entsprechende Leistung, sondern gegen Bezahlung verleiht (sog. Titelmühle). Entsprechend ist selbige in der Schweiz nicht als Hochschule anerkannt, hat kein Promotionsrecht und darf keine akademischen Grade vergeben. Das Bekanntwerden dieser Tatsache veranlasste Czaja dazu, sich aus dem Ausschuss für Wissenschaft und Forschung zurückzuziehen, in dem er zuvor Mitglied gewesen war.[11]
Trotz dieses Vorgangs wurde Mario Czaja von den Wählern in seinem Wahlkreis „Kaulsdorf-Mahlsdorf“ direkt in das Abgeordnetenhaus wiedergewählt. Czaja war der einzige CDU-Kandidat in Ost-Berlin, dem dies gelang. Die Berliner Zeitung bezeichnete ihn daraufhin als den „Wahlsieger“ der Berliner CDU.[12]
In einer persönlichen Erklärung kündigte Czaja im Jahr 2006 an, in Deutschland nunmehr ein Studium der Betriebswirtschaftslehre zu beginnen. Dies begann er im September 2006 an der Technischen Hochschule Wildau (FH) in Brandenburg und beendete es im Dezember 2010 erfolgreich als Diplom-Betriebswirt (FH) mit dem Prädikat „mit Auszeichnung“.
Schriften [Bearbeiten]
- Betriebswirtschaftliche Chancen und Risiken des Modells Praxisklinik für den niedergelassenen Facharzt (= Wildauer Schriftenreihe / Unternehmensführung und Unternehmensrecht). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2011, ISBN 3-8305-1937-0 (Diplomarbeit).
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ http://www.berliner-zeitung.de/archiv/richter-bestaetigt-urteil-gegen-mario-czaja-cdu-politiker-muss-geldstrafe-bezahlen,10810590,9313638.html
- ↑ Sozialsenator Mario Czaja ist Vater geworden. Berliner Morgenpost. 28. März 2013.
- ↑ CDU-Politiker muß Geldstrafe bezahlen. In: Berliner Zeitung. 30. Juli 1997, abgerufen am 30. Oktober 2011.
- ↑ In Neukölln fehlen 185 Hausärzte, Charlottenburg hat dafür 133 zu viel. B.Z. Berlin. 16. Februar 2013.
- ↑ Einigung bei den Verhandlungen zum Berliner Rahmenvertrag Soziales angestrebt
- ↑ Aufgaben und Ziele der Patientenbeauftragten Berlin
- ↑ Man sollte die Dinge irdisch angehen. TAZ Berlin. 18. April 2012.
- ↑ Gras. Breitseite gegen Kiffer. In: taz.de vom 22. Mai 2012, abgerufen am 4. Juni 2012.
- ↑ CDU erwägt schärferes Vorgehen gegen Cannabis-Konsumenten. SPD und Opposition lehnen Senkung der Freigrenze ab. In: morgenpost.de vom 24. Mai 2012, abgerufen am 4. Juni 2012.
- ↑ Hanf-Debatte in Berlin. Darfs auch etwas weniger sein?. In: taz.de vom 29. Mai 2012, abgerufen am 4. Juni 2012.
- ↑ Diplom von Titelmühle: CDU-Abgeordneter in Bedrängnis. In: Der Spiegel. 15. Februar 2006, abgerufen am 30. Oktober 2011.
- ↑ Christine Richter: Der Wahlsieger. In: Berliner Zeitung. 25. November 2006, abgerufen am 30. Oktober 2011.
Literatur [Bearbeiten]
- Mario Czaja, Internationales Biographisches Archiv 35/2012 vom 28. August 2012, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks [Bearbeiten]
- Private Homepage von Mario Czaja
- Abgeordneten-Website von Mario Czaja
- Kurzbiografie von Czaja auf den Seiten der Senatsverwaltung
Regierender Bürgermeister: Klaus Wowereit
Bürgermeister: Frank Henkel, Michael Müller
Senatoren: Michael Müller (Stadtentwicklung und Umwelt) | Cornelia Yzer (Wirtschaft, Technologie und Forschung) | Sandra Scheeres (Bildung, Jugend und Wissenschaft) | Ulrich Nußbaum (Finanzen) | Mario Czaja (Gesundheit und Soziales) | Frank Henkel (Inneres und Sport) | Dilek Kolat (Arbeit, Integration und Frauen) | Thomas Heilmann (Justiz und Verbraucherschutz)
Katrin Altpeter (Baden-Württemberg) | Christine Haderthauer (Bayern) | Mario Czaja (Berlin) | Günter Baaske (Brandenburg) | Anja Stahmann (Bremen) | Detlef Scheele (Hamburg) | Stefan Grüttner (Hessen) | Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) | Cornelia Rundt (Niedersachsen) | Guntram Schneider (Nordrhein-Westfalen) | Alexander Schweitzer (Rheinland-Pfalz) | Andreas Storm (Saarland) | Christine Clauß (Sachsen) | Norbert Bischoff (Sachsen-Anhalt) | Kristin Alheit (Schleswig-Holstein) | Heike Taubert (Thüringen)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Czaja, Mario |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (CDU), MdA |
| GEBURTSDATUM | 21. September 1975 |
| GEBURTSORT | Berlin |