McLaren F1

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McLaren
1996 McLaren F1.jpg
F1
Produktionszeitraum: 1993–1997
Klasse: Sportwagen
Karosserieversionen: Coupé
Motoren: Ottomotoren:
6,1 Liter
(467–500 kW)
Länge: 4290 mm
Breite: 1820–2097 mm
Höhe: 1150 mm
Radstand: 2720 mm
Leergewicht: 907–1138 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: McLaren P1

Der McLaren F1 ist ein Supersportwagen, der zwischen 1993 und 1997 106-mal gebaut wurde. Davon wurden 72 als straßenzugelassene Fahrzeuge verkauft, 28 wurden gemäß dem FIA-Regelwerk zu GT1-Rennwagen umgerüstet, deren Haupteinsatzgebiet die FIA-GT-Meisterschaft war, weitere sechs Exemplare waren Prototypen.

Der McLaren F1 wurde ab 1989 bis 1992 unter der Federführung des damaligen McLaren-F1-Designer Gordon Murray entwickelt.

Karosserie[Bearbeiten]

Drei Sitze

Die Karosserie wurde aus CFK (Carbonfiber) gefertigt und als Monocoque ausgeführt. Dies war nie zuvor an einem Serienfahrzeug angewendet worden und nur mit extrem großem technischen Aufwand und hohen Fertigungskosten durchführbar. Die Aufhängungen für Fahrwerk und Motor wurden aus Aluminium und Magnesium gefertigt.

Das Fahrzeug ist ein Dreisitzer. Der Fahrer sitzt in der Mitte des Innenraumes, etwas nach hinten versetzt sind rechts und links neben dem Fahrersitz Beifahrersitze vorhanden. Damit gehört der F1 neben den Matra Bagheera und Murena zu den wenigen dreisitzigen Mittelmotorsportwagen der Welt, hat allerdings im Gegensatz zu den vorne genannten eine zentrale Fahrerposition. Diese wurde gewählt, um einen Kopfkontakt des Fahrers mit den seitlichen Dachholmen („cant rails“) zu vermeiden. Darüber hinaus sollte durch die zentrale Sitzposition des Fahrers die Sicht, das Fahrgefühl und damit die Bedienung und das Handling optimiert werden, ebenso wie (zumindest ohne Beifahrer) die Gewichtsverteilung.

Das Design wurde wie nie zuvor nach aerodynamischen Gesichtspunkten entworfen, wobei der Schwerpunkt darauf lag, alleine durch die Form genügend Abtrieb für die hohen Fahrleistungen zu erzeugen. Zudem kamen erstmals aktive aerodynamische Komponenten zum Einsatz wie z.B. zwei Ventilatoren, die unter dem Fahrzeug bei Bedarf zusätzlichen Unterdruck erzeugten. Mit einem CW-Wert von nur 0,32 unterbietet der McLaren F1 alle vergleichbaren Automobile.

Der McLaren F1 setzte neue Maßstäbe für die Alltagstauglichkeit von Supersportwagen. Kein anderes Fahrzeug dieser Leistungsklasse ließ sich vorher mit vergleichbar wenigen Kompromissen täglich nutzen.

Für die Gestaltung des Innen- und Außendesign engagierte McLaren Peter Stevens.

Prototypen[Bearbeiten]

Der fünf Jahre alte Prototyp XP 5 des McLaren F1 erreichte 1991 bei einer Fahrt auf dem VW-Erprobungsgelände in Ehra-Lessien, Niedersachsen eine Höchstgeschwindigkeit von 391,23 km/h (243 Meilen pro Stunde). Das Fahrzeug wurde dabei von Andy Wallace gefahren und erreichte etwa 5 km/h mehr als das schnellste gemessenen Serienfahrzeug, da man für diese Fahrt den Drehzahlbegrenzer deaktivierte.

McLaren entwickelte fünf Prototypen des F1, bevor im Jahre 1992 der erste McLaren F1 gebaut wurde. Es gab den:

  • XP1 (der experimentelle Prototyp 1): zerstört in einem Feuer nach drei Monaten
  • XP2: verwendet für den Crash-Test
  • XP3: verwendet für einen Dauertest (231 mph) am Rundkurs von Nardò (Italien).
  • XP4 und XP5: Marketing-Abteilungsautos

Das erste reguläre Serienexemplar wurde im Dezember 1993 in Monaco an einen Kunden übergeben. Der McLaren F1 kostete damals umgerechnet ca 1,5 Millionen DM und war somit das teuerste Serienauto der Welt.

Versionen[Bearbeiten]

  • McLaren F1 (Straßenversion, 64 Stück)
  • McLaren F1 LM (Straßenversion, 5 Stück)
  • McLaren F1 GT (Straßenversion, 3 Stück)
  • McLaren F1 GTR (Rennversion, 28 Stück)

Vom F1 GTR wurden mehrere Exemplare straßentauglich umgerüstet und zugelassen.

Motoren[Bearbeiten]

Blick in den Motorraum

Die Motoren basierten auf leistungsgesteigerten Zwölfzylindermotoren der Firma BMW Motorsport GmbH und wurden unter der Leitung von Paul Rosche entwickelt, dem Mann, der auch für die Formel-1-Turbomotoren von BMW verantwortlich war. Die BMW-V12 hatten einen Hubraum von 6,1 Litern und wurden in mehreren Leistungsstufen von 461 kW (627 PS) bis 500 kW (680 PS) eingesetzt. Die internen Bezeichnungen für diese Motoren von BMW waren S70/2 und S70/3, die Grundversion (S70) der Motoren wurde in dem BMW-Modell 850 CSi eingesetzt.

Die (S 70/1)-Version mit 404 kW (550 PS) sollte ursprünglich im geplanten Topmodell (M8) der BMW 8er-Serie Anwendung finden, das jedoch aus Kostengründen nie verwirklicht wurde und nicht mit dem 850 CSi (eine Art „Sparversion“ des M8 mit 279 kW (380 PS), die ohne Vierventiltechnik, VANOS und Einzeldrosselklappen auskommen muss) identisch ist.

Dieser Motor ist ebenfalls nicht zu verwechseln mit den im 750i und 850i eingesetzten M70 und M73 Motoren, welche aber weitläufig miteinander verwandt sind.

Die Motoren haben 4 Ventile pro Zylinder und eine variable Nockenwellensteuerung (VANOS). Das Gewicht beträgt 266 kg. Das Triebwerk kam später auch im BMW V12 LMR zum Einsatz.

Getriebe[Bearbeiten]

Tafel mit Rennerfolgen im F1

Der McLaren F1 verfügt über ein quer eingebautes Getriebe mit sechs Gängen und eine Dreischeiben-Kohlefaserkupplung.

Fahrleistungen[Bearbeiten]

Die Fahrleistungen variierten aufgrund der verschiedenen Motorvarianten und Gewichtsstufen des Fahrzeuges.

Der McLaren F1 (die Daten der Modelle LM, GT und GTR weichen von diesen ab):

  • Beschleunigung von 0 bis 100 km/h in 3,4 Sekunden
  • Beschleunigung von 0 bis 160 km/h in 6,3 Sekunden
  • Beschleunigung von 0 bis 200 km/h in 9,4 Sekunden
  • Beschleunigung von 0 bis 300 km/h in 23,0 Sekunden
  • Bremsen von 371 km/h auf 0 in ca. 9 Sekunden (500 m)
  • Bremsen 100 auf 0 km/h 38,2 m
  • max. Querbeschleunigung 1,2 g
  • 1/4 Meile (402,3m) aus stehendem Start in 11,1 Sekunden
  • 1 Kilometer aus stehendem Start in 19,6 Sekunden, Endgeschwindigkeit 285 km/h
  • Höchstgeschwindigkeit 391,23 km/h

McLaren F1 LM:

  • Beschleunigung von 0 bis 100 km/h in 3,9 Sekunden
  • Beschleunigung von 0 bis 160 km/h in 6,7 Sekunden
  • Bremsen 100 auf 0 km/h 38,2 m
  • 1/4 Meile (402,3m) aus stehendem Start in 11,0 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit 391 km/h

Es gibt eine GTR-Version mit Straßenzulassung mit 548 kW (745 PS). Laut McLaren kann der Motor bis zu 736 kW (1.000 PS) bei 9.500 bis 10.000/min leisten. Dies ist im Bericht des McLaren Magazin "Racing Line" notiert (von der Rekordfahrt 1998).

Rekordgeschwindigkeit[Bearbeiten]

Im Guinness-Buch der Rekorde aus dem Jahr 2000 galt der McLaren F1 6.1 als stärkster Serienwagen.

„Der stärkste Serienwagen der Welt ist gegenwärtig der McLaren F1 6.1, der eine Bremsleistung von über 627 PS entwickelt. Er beschleunigt auf 96,5 km/h in 3,2 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 391 km/h“

Guinness-Buch der Rekorde

Der F1 hielt diesen Titel sieben Jahre lang, bis er im Jahre 2007 durch den Bugatti Veyron 16.4 abgelöst wurde. Dennoch ist der F1 bis zum heutigen Tage das schnellste Serienauto weltweit, das durch einen Saugmotor angetrieben wird.

Verbrauch[Bearbeiten]

Bei einer Reportage der englischen Sendung Fifth Gear ermittelten die Tester einen Durchschnittsverbrauch von rund 47 Litern auf 100 km.

Motorsporterfolge[Bearbeiten]

McLaren F1 GTR auf dem Jim Clark Revival 2008

Zu dem größten Erfolg des F1 gehört der Gesamtsieg des 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1995. Der McLaren F1 konnte dabei gleich bei seinem ersten Start in Le Mans das Rennen gewinnen, was vorher noch kein Fahrzeug geschafft hatte. Außerdem belegten vier weitere F1 die Plätze 3, 4, 5 und 13. Im Jahre 1999 gewann zudem der BMW V12 LMR mit einem ähnlichen Motor.

Kosten[Bearbeiten]

Gebrauchte Modelle werden regelmäßig ab 1.000.000 Euro gehandelt. Einen Rekordwert erreichte das im August 2013 beim Pebble Beach Concours d'Elegance für 8,47 Millionen USD versteigerte Chassis #066 .

Eine kleine Inspektion nach 3000 km oder 6 Monaten kostet ca. 5000 Euro, eine große Inspektion nach 10.000 km oder 18 Monaten schlägt mit ca. 50.000 Euro zu Buche. Die Beiträge zur Kfz-Versicherung belaufen sich bei 100 % auf ca. 30.000 Euro jährlich.

Prominente Besitzer[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

1995 verursachte der damalige BMW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder mit einem McLaren F1 bei einer privaten Ausfahrt auf einer bayerischen Landstraße bei Rosenheim einen Totalschaden, als er in einer schnellen Kurve von der Fahrbahn abkam. Über das Tempo vor dem Unfall bewahren alle Beteiligten und die Polizei Stillschweigen, an die Öffentlichkeit gelangte Informationen aus internen Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass der Unfall bei „weit über 100 km/h“ geschah.[1] Selbst Wochen nach dem Unfall wollte Pischetsrieder keine Aussage über die ungefähr gefahrene Geschwindigkeit zum Unfallzeitpunkt machen. Dieses Verhalten sei – laut einem hohen BMW-Manager – für den Vorstandsvorsitzenden „imageschädigend“ und für den BMW-Konzern „mehr als peinlich“. Der BMW-Aufsichtsrat sei sehr unglücklich über sein Verhalten, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Pischetsrieder wegen fahrlässiger Körperverletzung.[2]

Mindestens zwei weitere Totalschäden gab es in diesem und den Folgejahren mit anderen Fahrern in Deutschland, einen davon auf der Bundesautobahn 5 bei Darmstadt mit einer Geschwindigkeit von ca. 270 km/h.

Rowan Atkinson, der Darsteller der Comedy-Figur Mr. Bean, besaß zwei Exemplare des McLaren McLaren F1. Mit beiden Fahrzeugen erlitt er Unfälle: 1999 kam es zu einem Totalschaden.[3][4] Mit einem weiteren F1 (Nr. 061) verunglückte er im August 2011 schwer.[5] Atkinson ließ das Auto im Werk komplett neu aufbauen. Im November 2012 war das Auto wieder fahrbereit. Seitdem nutzt der Schauspieler den Wagen nach eigenen Angaben täglich.[6]

Ron Dennis zerstörte ebenfalls einen McLaren F1, als er das Auto bei einer Probefahrt auf dem Suzuka International Racing Course mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Begrenzungsmauer fuhr. Alle hier genannten Unfälle endeten ohne größere Verletzungen für die Fahrer oder Insassen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: McLaren F1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BMW - Millionen-Spielzeug „derbröselt“ aus dem Focus.de Archiv (Ausgabe FOCUS Nr. 23 aus dem Jahr 1995), abgerufen am 21. Mai 2008.
  2.  Verdächtiges Schweigen. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1995, S. 92c (12. Juni 1995, online).
  3. Mr Bean crashes sports car von BBC.com, abgerufen am 21. Mai 2008 (englisch)
  4. Kleiner Scan des Artikels über den McLaren F1 Unfall von Atkinson mit Foto des Unfallfahrzeugs von BBC.com, abgerufen am 21. Mai 2008.
  5. Rowan Atkinson fährt 600-PS-McLaren zu Schrott von spiegel.de, abgerufen am 5. August 2011.
  6. Geschichte des McLaren F1 Nr.061 mit ausführlichem Bericht über den Unfall und die Restaurierung bei Simon Taylor: It depresses me when great cars are hidden away. In: Classic and Sportscar, Heft 3/2013, S. 86 ff.
Zeitleiste der McLaren-Serienmodelle von 1994 bis heute
Typ Motor 1990er 2000er 2010er
3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4
Supersportwagen
mit Frontmotor
V8 Mercedes-Benz SLR McLaren
Sportwagen
mit Mittelmotor
MP4-12C/12C
650S
Supersportwagen
mit Mittelmotor
P1
V12 F1