Mehrsprachigkeit

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Mehrsprachigkeit bezeichnet

Die Begriffe werden in alltäglicher Anwendung manchmal nicht klar unterschieden, sind in wissenschaftlichen Disziplinen jedoch genau und einander ausschließend definiert. Ein Mensch, der mehrere Sprachen spricht, wird als Polyglott bezeichnet.

[Bearbeiten] Ursachen

Durch die Globalisierung werden Mehrsprachigkeit, Multilingualismus und Polyglossie zunehmend zu Schlüsselbegriffen zum Verständnis vieler gesellschaftlicher Veränderungen:

  • Der globale Migrationsdruck fördert Diglossie und Polyglossie.
  • Für Migranten, die in fremden Sprachgebieten wohnen, ist Bilingualismus und Multilingualismus meist lebenswichtig.
  • Bilinguale und multilinguale Kompetenz ist für viele Arbeitsplätze zunehmend eine Voraussetzung.
  • In der Wirtschaft, in der Wissenschaft und in der Technik entstehen neue globale „Codes“ und Fachsprachen, oft aus Elementen des Englischen unter Hinzufügung von Elementen anderer Sprachen. Multilinguale Sprecher können durch Kenntnis der „Codes“ und „Slangs“ globaler multilingualer Netzwerke informationelle und ökonomische Vorteile erlangen. Die Vielfalt der Sprachen in heterogenen Gesellschaften ist sowohl aus ökonomischer wie aus kultureller Sicht produktiv. Daher ist Mehrsprachigkeit ein Zeichen von Normalität (vgl. Publikationen des SFB Mehrsprachigkeit der Universität Hamburg).
  • Die Europäische Union fördert Mehrsprachigkeit durch eine neue Rahmenstrategie. Die Aufgabe "Bilinguism" ist Teil des Ressorts der Bildungskommissarin Androulla Vassiliou.

In Reaktion auf die Globalisierungsfolgen kann es sinnvoll sein, etwa den frühen multilingualen Spracherwerb von Kleinkindern zu fördern und spezifische Phänomene wie z.B. das Code-Switching linguistisch zu erforschen. Als „code-switching“ bezeichnet man den „Wechsel zwischen verschiedenen Sprachvarietäten bei bilingualen bzw. multilingualen Sprechern je nach Erfordernissen der Kommunikationssituation“ (Bußmann 1990 und Földes 2005, S. 210 ff. als "Kode-Umschaltung"). Wurde das Phänomen früher als Defizit gesehen, so wird es heute als Fähigkeit der multilingualen Sprecher betrachtet, sich auf unterschiedliche Gesprächsmodi einstellen zu können (vgl. Chilla, Rothweilweiler und Babur).

[Bearbeiten] Literatur

  • Colin Baker (2007): Zweisprachigkeit zu Hause und in der Schule. Ein Handbuch für Erziehende. Engelschoff: Verlag auf dem Ruffel. ISBN 978-3-933847-11-9.
  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 4. Auflage, Verlag Kröner, Stuttgart, 2008; ISBN 3-5204-5204-9
  • Jean-Louis Calvet: La guerre des langues et les politiques linguistiques, Payot, Paris, 1987 ISBN 2-228-14200-X
  • S. Chilla, M. Rothweiler, E. Babur: Kindliche Mehrsprachigkeit. Grundlagen-Störungen-Diagnostik. Ernst Reinhardt, München 2010, ISBN 978-3-497-02165-9.
  • Csaba Földes: Interkulturelle Linguistik: Vorüberlegungen zu Konzepten, Problemen und Desiderata. Veszprém: Universitätsverlag/Wien: Ed. Praesens 2003 (Studia Germanica Universitatis Vesprimiensis, Supplement; 1). ISBN 3-7069-0230-3 und ISBN 963-9495-20-4
  • Csaba Földes: Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen: Verlag Gunter Narr 2005; ISBN 3-8233-6160-0 (Inhaltsverzeichnis und Volltext)
  • Volker Hinnenkamp: Vom Umgang mit Mehrsprachigkeit, in: APuZ 8/2010, S. 27–32.
  • Sabine Schrader, Christiane Maas(Hrsg.): Viele Sprachen lernen … ein notwendiges Übel? Chancen und Probleme der Mehrsprachigkeit. Leipzig: Leipziger Universitätsvlg. 2002
  • Rita Zellerhoff (2009): Didaktik der Mehrsprachigkeit. Didaktische Konzepte zur Förderung der Mehrsprachigkeit bei Kindern und Jugendlichen, Schulformübergreifende Konzepte unter besonderer Berücksichtigung des Förderschwerpunktes Sprache, Frankfurt/M.: Peter Lang, ISBN 978-3-631-58569-6
  • Sprachenzentrum der Universität und der ETH Zürich, Sabina Schaffner (Hrsg.): Unsere Mehrsprachigkeit, Eine Sammlung von Mehrsprachigkeitsbiografien – Studierende und Mitarbeitende der Universität Zürich und der ETH Zürich erzählen. 1. Auflage, Zürich, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, 2012, ISBN 978-3-7281-3447-9

[Bearbeiten] Weblinks

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