Montfort (Adelsgeschlecht)
Die Grafen von Montfort waren ein Adelsgeschlecht. Die einflussreichen und sehr begüterten Grafen trugen ihren Namen nach dem nahe der Schweizer Grenze gelegenen Stammschloss Montfort bei Weiler im heutigen Vorarlberg. Mit ihren Herrschaften Feldkirch (bis 1390), Bregenz (bis 1523) und Tettnang (bis 1779) haben sie die territoriale Entwicklung Oberschwabens, der Ostschweiz und Vorarlbergs entscheidend beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Entstehung des Geschlechts der Grafen von Montfort lässt sich auf Hugo, Pfalzgraf von Tübingen († 1182), zurückführen. Durch seine Frau Elisabeth erbte er den Besitz der Grafen von Bregenz. Dieses Erbe ging nach Hugos Tod an seinen zweiten Sohn Hugo († 1228/30, III. von Tübingen, I. von Montfort)[1] über, der sich etwa ab dem Jahr 1200 Hugo von Montfort nannte. Sein Besitz umfasste die Grafschaft über Churrätien, Tettnang, Bregenz, Feldkirch, Sonnenberg, Werdenberg und Sargans. Nach dem Tod Hugos I. spaltete sich der Familienbesitz, in dessen Folge sich die Nachkommen des älteren seiner Söhne, Rudolf I. fortan Grafen von Werdenberg nannten.
Besonders herausragende Persönlichkeiten aus dem Hause Montfort waren geistliche Herren, insbesondere der St. Galler Abt Wilhelm I. und der Churer bzw. Konstanzer Bischof Rudolf III., die ihr vergrößertes Machtpotenzial auch in den Dienst der Familie stellten. Rudolf III. konnte seine Reformen, die er im rechtlichen und finanziellen Bereich im Bistum Konstanz durchführte, mit Erfolg auch auf die Herrschaft Feldkirch übertragen. Während die Bregenzer Vettern, sieht man von dem Minnesänger Hugo ab, über eine lokale Bedeutung kaum je hinauskamen, kamen die Feldkircher Grafen ihren Untertanen mit großzügigen Freiheitsrechten und einer Kodifikation des auf reichsstädtischem Lindauer Recht beruhenden Stadtrechtes frühzeitig entgegen und ermöglichten demokratische Strukturen, insbesondere auch eine Beteiligung an politischen Entscheidungsfindungen. So konnte Feldkirch während des Mittelalters Bregenz an Einwohnerzahl, Wirtschaftskraft und politischer Bedeutung weit überflügeln. Weil aber Feldkirch schon 1390 an Habsburg kam, wurde Bregenz und Tettnang Hauptsitz der Montforter. Die Familie Montfort war bis ins 18. Jahrhundert neben Habsburg das bedeutendste Hochadelsgeschlecht der Bodenseeregion.
1779 oder 1780 wird die Grafschaft wegen hoher Schulden – unter anderem verursacht durch die rege Bautätigkeit im Barock mit zahlreichen Schlössern – an Österreich verkauft. Das Geschlecht erlosch 1787 mit dem Tod seines letzten männlichen Namensträgers, Graf Anton IV., dem die Habsburger eine kleine Rente ausgesetzt hatten, endgültig. 1810 kam ein Teil der alten Grafschaft Montfort um Langenargen und Tettnang, die nach den napoleonischen Neuordnungen an Bayern gekommen war, durch Gebietstausch an Württemberg. Nach dem Fall Napoleons und der Auflösung des Königreich Westphalen verlieh König Friedrich I. von Württemberg seiner Tochter Katharina und ihrem Gatten Jérôme Bonaparte den Titel Prinz und Prinzessin von Montfort. Diese hielten sich dort aber nie auf, sondern hauptsächlich in Triest.
Wappen [Bearbeiten]
Das Wappen der Montforter orientiert sich am Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen und zeigt eine rote Montfortsche Kirchenfahne mit drei Hängeln und drei Ringen auf silbernem Grund. Das gleiche Wappenbild der Kirchenfahne aber mit anderen Farben findet sich auch bei den Grafen von Werdenberg und seit 1918 im Wappen des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg.
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Wappen der Grafen von Montfort, Scheiblersches Wappenbuch von 1450
Familienangehörige [Bearbeiten]
Linien der Montforter [Bearbeiten]
| Tübingen(1) um 1150 |
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| Tettnang-Rothenfels(3) 1439 |
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Tettnang-Tettnang 1439–1526, an Rothenfels |
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Tettnang-Bregenz jüngere Herrschaft 1379 |
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Tettnang-Bregenz ältere Herrschaft 1379–1451, an Habsburg |
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| Tettnang-Rothenfels-Tettnang 1526–1574, an Beckach |
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Tettnang-Bregenz-Bregenz jüngere Herrschaft 1514–1523, an Habsburg 1543 |
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Tettnang-Bregenz-Beckach(4) 1515 |
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| Tettnang-Bregenz-Beckach-Tettnang (jüngere Tettnanger Linie) 1576–1780, an Habsburg |
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- nach Nachbauer 2008[2]
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(2) noch mit Nebenlinie Montfort-Rothenfels-Wasserburg ab den 1450ern
Stammliste [Bearbeiten]
- (nach Bilgeri 1971)[5]
- Hugo (II. von Tübingen, † 1182),
- Rudolf (I. von Tübingen, † 1219)
- Hugo I. (III. von Tübingen, † 1228); Gründungsvater der Grafen von Montfort
- Rudolf I. (von Montfort bzw. Werdenberg, II. von Tübingen, † 1243) → Werdenberger
- Heinrich (III. von Tübingen, I. von Montfort, † 1272); Bischof von Chur, Dominikaner
- Friedrich (o.Z.)
- Hugo II. († 1257)
- Rudolf II. (I. von Feldkirch, † 1302); Graf von Montfort-Feldkirch → Feldkircher Linie
- Hugo IV. († 1310); Graf von Montfort-Feldkirch
- Rudolf III. († 1334)[6]
- Ulrich II. († 1350)[6]
- Ulrich I. († 1287); Graf von Montfort-Bregenz → Bregenzer Linie
- Hugo (o.Z., † 1338)
- Hugo III. (I. von Tettnang, † 1309); Graf von Montfort-Tettnang → Tettnanger Linie
- Friedrich I. († 1290); Bischof von Chur
- Wilhelm I. († 1301); Fürstabt von St. Gallen
- Rudolf II. (I. von Feldkirch, † 1302); Graf von Montfort-Feldkirch → Feldkircher Linie
Weitere Familienangehörige [Bearbeiten]
(chronologisch nach Sterbedatum)
- Heinrich (1287-1307), Dompropst in Chur
- Rudolf III. (* um 1260; † 1334), Bischof von Chur und Konstanz
- Hugo V. († 1338), Gründer des Kollegiatstifts Staufen
- Wilhelm VII. († 1422)
- Elisabeth ∞ (I) Eberhard von Nellenburg, ∞(II) Markgraf Wilhelm von Hachberg (Hochberg) (Trennung 1436), verkauft 1443 halb Bregenz an Siegmund von Habsburg zu Tirol
- Hugo XII. (VIII. von Bregenz, 1357–1423), Dichter, Staatsmann
- Klara von Montfort, (vor 1412−1449), Äbtissin Damenstift Buchau
- Ulrich VII. von Montfort zu Tettnang (* 1495; † 1520), der letzte Vertreter im Mannesstamm der Grafen von Montfort-Tettnang
- Wolfgang I. von Montfort-Rothenfels (* um 1489; † 1541), Graf von Montfort in Tettnang und Rothenfels sowie Hofrat und oberösterreichischer Statthalter
- Georg III. (Bregenz-Pfannberg, ca. 1475/80–1544), Begründer der steirischen Linie[7]
- Sibylle (Montfort-Rothenfels, † 1551), Fürstäbtissin von Essen
- Margarete von Montfort († 1556), Äbtissin des freiweltlichen Damenstifts Buchau
- Ulrich IV. († 1574), Diplomat
- Eleonore von Montfort († 1610), Äbtissin des freiweltlichen Damenstifts Buchau
- Johann VI., (1557–1619), Reichskammergerichtspräsident
- Johanna Katharina (1678–1759), Fürstin und Regentin von Hohenzollern-Sigmaringen
- Anton III. von Montfort (* 1670; † 1733), Graf zu Tettnang und Langenargen
- Johann Nepomuk († 1775), Domherr zu Köln und zu Konstanz
- Franz Xaver von Montfort (* 1722; † 1780), der letzte regierende Graf aus dem Hause Montfort vor der Übernahme der Grafschaft durch Österreich
- Anton IV. von Montfort (* 1723; † 1787), der letzte Vertreter im Mannesstamm des Adelsgeschlechts Montfort
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Martin Leonhard: Montfort, von im Historischen Lexikon der Schweiz
- Karl Heinz Burmeister: Montfort. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 51–54 (Digitalisat).
- Karl Heinz Burmeister, Elmar L. Kuhn, Eva Moser u.a.: Die Grafen von Montfort. Geschichte und Kultur. Friedrichshafen 1982 (Kunst am See 8). ISBN 3-922137-16-4.
- Karl Heinz Burmeister: Die Grafen von Montfort. Geschichte, Recht, Kultur. Festgabe zum 60. Geburtstag. Hg. von Alois Niederstätter. Konstanz 1996 (= Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs NF 2). ISBN 3-87940-560-3.
- Alois Niederstätter: Herrschaftliche Raumorganisation im nachmaligen Vorarlberg während des Mittelalters. Ein Überblick. In: Montfort, 4/2009, S. 231–258.
- Otto Roller: Die Stammtafel der Grafen von Montfort bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. In: Mitteilungen der badischen historischen Kommission, Bd. 21
- Harald Schukraft: Kleine Geschichte des Hauses Württemberg. Tübingen 2006. ISBN 978-3-87407-725-5.
- Konrad Vögele: Grafen und Gräfinnen von Montfort im 17. und 18. Jahrhundert. Ihre Beziehung nach Salzburg. Senn, Tettnang 2010, ISBN 978-3-88812-225-5, S. 146–152
Ältere Quellen:
- Johann Nepomuk von Vanotti: Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg. Ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündens, der Schweiz und Vorarlbergs. Belle-Vue bei Konstanz 1845 (Digitalisat in der Google Buchsuche; Zusammenfassung auf ZVAB).
- Konrad Roller: Grafen von Montfort und Werdenberg. In: Genealogisches Handbuch der Schweiz, Bd. 1, Zürich 1900/08, S. 149-187.
Weblinks [Bearbeiten]
- Die Grafen von Montfort. Karl-Heinz Burmeister in Vorarlberg-Chronik
- Montfort, Grafen von. Alois Niederstätter in Historisches Lexikon Bayerns
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Hugo I. von Tübingen, Graf von Bregenz und Montfort, nach Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte, Band I, Seite 150, auf genealogie-mittelalter.de
- ↑ Ulrich Nachbauer: Das Vorarlberger Landeswappen von 1864. Ein Beitrag zur Staats- und Landessymbolik. In: Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs Jg. 60, Heft 4, 2008, ISBN 978-3-85430-343-5, Grafik 4: Das Haus Montfort und seine regierenden Linien (ohne Werdenberg). S. 249. (Artikel, pdf, vorarlberg.at, S. 17);
eine ältere Wappentafel der Grafen von Montfort findet sich in: P. Andreas Arzet: Montfortischer Ceder oder Unverwesner Stammenbaum der Uhralten Hochberühmten Grafen zu Montfort. Konstanz 1660/70; Bayerische Staatsbibliothek München, cgm 6364 (Abbildung, jpg in: Alois Niederstätter: Montfort, Grafen von. In: Historisches Lexikon Bayerns, historisches-lexikon-bayerns.de - ↑ Nachbauer: Das Vorarlberger Landeswappen. 2008, Rot in Silber – Stammfarben des Hauses Montfort? S. 249f. (pdf S. 17/18)
- ↑ Angabe Walter P. Liesching: Das Stammwappen der Pfalzgrafen von Tübingen. Bemerkungen zu einer Wappentradition. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 48, 1989, S. 69-86, hier S. 83-86. Zitiert in Nachbauer 2008, S. 249
- ↑ Benedikt Bilgeri: Geschichte Vorarlbergs Band 1: Vom freien Rätien zum Staat der Montforter, Graz 1971, ISBN 3-205-07080-1, S. 146
- ↑ a b Die Grafen von Montfort.
- ↑ Karl Heinz Burmeister: Graf Georg III. von Montfort-Bregenz-Pfannberg (ca. 1475/80 – 1544). Eine biographische Skizze. In: Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs Jg. 61, Heft 1, 2009, 978-3-85430-344-2, Abschnitt Der Verlust von Bregenz, S. 20 (Artikel S. 7–25, Artikel, pdf, vorarlberg.at, dort S. 17)