Hohenzollern-Sigmaringen

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Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen
Wappen Flagge
Wappen von Hohenzollern Flagge von Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen
 
Landeshauptstadt Sigmaringen
Regierungsform Monarchie
Staatsoberhaupt Graf (bis 1623)
Fürst (ab 1623)
Dynastie Haus Hohenzollern
Bestehen 1623–1849
Fläche 906 km² [1]
Einwohner 40.492 (1849) [2]
Bevölkerungsdichte 47 Einw./km² (1849)
Entstanden aus Grafschaft Zollern
Aufgegangen in Preußische Provinz Hohenzollernsche Lande
Karte
Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen 1848
Die Residenzstadt Sigmaringen an der Donau, Mitte des 18. Jahrhunderts
Durch ihre guten Verbindungen zum napoleonischen Hof konnte Fürstin Amalie Zephyrine die Mediatisierung des Fürstentums verhindern.
Karl Anton (1848–1885) war der letzte regierende Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen

Hohenzollern-Sigmaringen ist die schwäbische, katholisch gebliebene Linie der Hohenzollern, eines alten deutschen Adelsgeschlechts, und gleichzeitig der Name der von ihr beherrschten Ländereien, der Grafschaft Hohenzollern-Sigmaringen, die 1623 zum Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen erhoben wurde und bis 1849 bestand. Hohenzollern-Sigmaringen zählte bis 1808 zum Schwäbischen Reichskreis. Ein anderer Teil der Familie regierte das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen.

Geographie[Bearbeiten]

Hohenzollern-Sigmaringen bestand seit 1634 aus den beiden getrennt voneinander liegenden Landesteilen Sigmaringen und Haigerloch, 1802 kam dort die davor dem Kloster Muri gehörende Herrschaft Glatt am oberen Neckar dazu, 1806 neben anderen Gebieten das ehemals zur fürstenbergischen Herrschaft Trochtelfingen gehörende Gebiet um Ringingen, Salmendingen und Melchingen als Exklave, mit einer Gesamtfläche von 906 km². Getrennt wurden die drei Gebiete vom Fürstentum Hohenzollern-Hechingen. Ebenso gehörten zum Fürstentum die acht Exklaven Thalheim, Thiergarten, Igelswies, Tautenbronn, Mühlhausen, Langenenslingen, Bärenthal und Achberg-Esseratsweiler. Nachbarländer waren im Nordosten Württemberg und im Südwesten Baden.

Das zeitweise als Hohenzollern-Haigerloch selbständige Gebiet um Haigerloch, der nordwestliche Landesteil, liegt hauptsächlich auf einer der Schwäbischen Alb vorgelagerten Schichtstufe des Muschelkalks. Dieses Gebiet wird vom Neckar und seinen Nebenflüssen Glatt, Eyach und Starzel entwässert.

Das nur wenige Quadratkilometer große Gebiet um Ringingen, Salmendingen und Melchingen liegt auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb auf einer Höhe zwischen 800 und 900 Metern. Bei Melchingen befindet sich die Quelle der Lauchert.

Das Gebiet um Sigmaringen liegt auf der Schwäbischen Alb und auf dem südlich vorgelagerten Molassegebiet. Die Donau durchfließt das Gebiet von West nach Ost, Nebenflüsse sind hier die Schmeie, die Lauchert und die Ablach.

Geschichte[Bearbeiten]

→ zur Vorgeschichte siehe Schwäbische Hohenzollern

Die Grafen von Zollern sind im 11. Jahrhundert sicher nachweisbar. Eine Abstammung von dem schwäbischen Geschlecht der Burchardinger wurde im alten Schrifttum oftmals vermutet, ist aber nicht belegbar. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts teilte sich das Geschlecht in eine schwäbische und in eine fränkische Linie. Die fränkische Linie, die die Burggrafschaft Nürnberg innehatte, wurde später zu Kurfürsten von Brandenburg erhoben.

Karl I. Graf von Hohenzollern war Reichserbkämmerer und später noch Reichshofratspräsident. Er erhielt 1534 von Kaiser Karl V. die Grafschaften Sigmaringen und Veringen als Reichslehen. Im Jahre 1576 teilte sich die schwäbische Linie der Hohenzollern weiter in Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch. 1623 wurden die Hechinger und Sigmaringer Linie in den Reichsfürstenstand erhoben, nicht aber die Haigerlocher Linie, die Verbindung war als nicht standesgemäß angesehen worden, sie starb aber auch 1634 bereits wieder aus. Die Linie Hechingen starb 1869 ebenfalls aus, während die Familie Hohenzollern-Sigmaringen bis zum heutigen Tage existiert.

Fürstin Amalie Zephyrine konnte zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Mediatisierung durch Napoleon verhindern. 1806 schuf dieser den Rheinbund und zerschlug damit endgültig das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Den beiden hohenzollernschen Fürstenhäusern Sigmaringen und Hechingen gelang es dabei, ihre Souveränität zu erhalten und im Falle Sigmaringens darüber hinaus einen beachtlichen Gebietszuwachs zu erfahren. Das Fürstentum Sigmaringen erhielt 1806 die Besitzungen der Klöster Habsthal und Wald sowie der Deutschordensherrschaften Achberg und Hohenfels. Außerdem erlangte es die Souveränität über die Fürstlich Fürstenbergischen Herrschaften Jungnau und Frohnstetten, die Thurn und Taxisschen Herrschaften Ostrach und Straßberg sowie über die Spethsche Herrschaft in Gammertingen und Hettingen.

In der Folge der Märzrevolution 1848 (regional: Revolution in Sigmaringen) dankten die Fürsten von Sigmaringen und Hechingen 1849 ab, so dass ihre Fürstentümer 1850 als Hohenzollernsche Lande an das Königreich Preußen fielen. Die preußische Besitzergreifung in Sigmaringen erfolgte am 6. April 1850. Die beiden Fürstentümer wurden vereinigt und gehörten als preußischer Regierungsbezirk Sigmaringen zur Rheinprovinz. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand Württemberg-Hohenzollern, das den südlichen Teil des ehemaligen Königreichs Württemberg sowie die „Hohenzollernschen Lande“ umfasste. Mit der Bildung des Südweststaates ging Hohenzollern schließlich in Baden-Württemberg auf.

Die Familie Hohenzollern-Sigmaringen spielte auch nach der preußischen Übernahme weiter eine bedeutende Rolle. Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringens ältester Sohn Leopold kandidierte 1870 für den spanischen Thron. Auch kamen die von 1866 bis 1947 regierenden Könige von Rumänien aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen. Bis heute befinden sich Schloss Sigmaringen, ein Drittel-Anteil der Burg Hohenzollern, Schloss Umkirch, das Jagdschloss Josefslust und Schloss Krauchenwies im Eigentum des Fürstenhauses; ein Seitenzweig besitzt die Burg Namedy.

Verwaltung und Bevölkerung[Bearbeiten]

Das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen gliederte sich in verschiedene hohenzollerische Oberämter. Im Jahr 1822 existierten die Oberämter Sigmaringen, Wald, Ostrach, Straßberg, Gammertingen und Haigerloch sowie die Obervogteiämter Achberg, Hohenfels, Jungnau und Trochtelfingen. Beim Übergang an Preußen bestanden noch die Oberämter Gammertingen, Ostrach, Sigmaringen, Trochtelfingen und Wald. Hohenzollern-Sigmaringen war rein ländlich mit einer in der Regel katholischen Bevölkerung. In Haigerloch und Dettensee gab es jüdische Gemeinden.

Regenten[Bearbeiten]

Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen (1576–1623)[Bearbeiten]

Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen (1623–1849)[Bearbeiten]

Chefs des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen (1849–1869)[Bearbeiten]

Chefs des fürstlichen Hauses Hohenzollern (seit 1869)[Bearbeiten]

Könige von Rumänien (1866-1947)[Bearbeiten]

Wappen des Königreichs Rumänien unter der Dynastie Hohenzollern-Sigmaringen
Carol I. – erster rumänischer König von 1881 bis 1914
Michael I., König von Rumänien (* 1921), im Jahre 1947

Im Februar 1866 wurde Prinz Karl Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen (1866–1914), der zweite Sohn des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, auf Empfehlung von Napoléon III. und nach einer Volksabstimmung am 20. April 1866 zum Fürsten von Rumänien gewählt. Er heiratete am 15. November 1869 die Prinzessin Elisabeth zu Wied (1843–1916). Nachdem Rumänien 1878 im Frieden von San Stefano die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erreicht hatte, wurde Karl am 26. März 1881 zum König von Rumänien proklamiert. Das einzige Kind von Carol und Elisabeth war die Tochter Maria, die 1874 im Alter von drei Jahren starb. Beim Tod König Carols am 10. Oktober 1914 wurde sein Neffe Ferdinand I., ein jüngerer Sohn seines Bruders Fürst Leopold von Hohenzollern, der Nachfolger. 1927 wurde dessen Sohn Kronprinz Carol zum Thronverzicht gezwungen und sein minderjähriger Sohn Mihai I. (Michael I., 1927–1930, 1940–1947) wurde König. Sein Vater bestieg jedoch 1930 doch noch als Carol II. (Karl II., 1930–1940) den Thron. Er regierte bis zum 6. September 1940, als Michael I. erneut zum König ausgerufen wurde. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs regierte Michael als Staatsoberhaupt mit stark eingeschränkten Befugnissen weiter, bis er am 30. Dezember 1947 von der herrschenden Rumänischen Kommunistischen Partei zur Abdankung und zum Verlassen des Landes gezwungen wurde.

  1. Karl Anton Fürst von Hohenzollern (1811–1885), preuß. Ministerpräsident ⚭ Josephine von Baden (1813–1900)
    1. Leopold Fürst von Hohenzollern (1835–1905) ⚭ Antonia Maria von Portugal (1845–1913), Tochter von Königin Maria II. (Portugal) (1819–1853)
      1. Wilhelm Fürst von Hohenzollern (1864–1927) ⚭ (I) Maria Theresia von Neapel-Sizilien (1867–1909), Tochter von Ludwig von Neapel-Sizilien (1838–1886); ⚭ (II) Adelgunde von Bayern (1870–1958), Tochter von König Ludwig III. (Bayern) (1845–1921)
      2. Ferdinand I., König von Rumänien (1865–1927) ⚭ Marie von Edinburgh (1875–1938), Tochter von Alfred (Sachsen-Coburg und Gotha) (1844–1900)
        1. Karl II., König von Rumänien (1893–1953) ⚭ Elena (Griechenland) (1896–1982), Tochter von König Konstantin I. (Griechenland) (1868–1923)
          1. Michael I., König von Rumänien (* 1921) ⚭ Anna von Bourbon-Parma (* 1923), Tochter von Prinz Renato von Bourbon-Parma (1894–1962)
            1. Margarita von Rumänien (* 1949)
            2. Helen (* 1950)
            3. Irina (* 1953)
            4. Sophie (* 1957)
            5. Maria (* 1964)
        2. Elisabeth von Rumänien (1894–1956) ⚭ König Georg II. (Griechenland) (1890–1947)
        3. Maria von Rumänien (1900–1961) ⚭ König Alexander I. (Jugoslawien) (1888–1934)
        4. Nikolaus von Rumänien (1903–1978)
        5. Ileana von Rumänien (1909–1991) ⚭ Anton von Österreich-Toskana (1901–1987)
        6. Mircea (1913–1916)
    2. Karl I. (1839–1914), König von Rumänien, ⚭ Elisabeth zu Wied (1843–1916), gen. Carmen Sylva, Tochter von Fürst Hermann zu Wied (1814–1864)

Weitere Familienmitglieder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]