Milbertshofen-Am Hart

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Milbertshofen ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Eine gleichnamige Gemarkung existiert in der Gemeinde Vierkirchen (Oberbayern).

48.19833333333311.576388888889Koordinaten: 48° 11′ 54″ N, 11° 34′ 35″ O

Milbertshofen-Am Hart
Landeshauptstadt München
Fläche: 13,42 km²
Einwohner: 73.617 (31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahlen: 80807, 80809, 80937, 80939
Vorwahl: 089
Karte

Lage des Stadtbezirks 11 in München

Milbertshofen-Am Hart ist der Stadtbezirk 11 der bayerischen Landeshauptstadt München.

In Milbertshofen und Am Hart ist die Arbeiterschaft in der Wohnbevölkerung stark vertreten. Die Mittelschicht – darunter viele Beamte und Akademiker – ist im Olympiadorf mehrheitlich vertreten. Der Stadtbezirk verzeichnet mit 38,4 Prozent den höchsten Ausländeranteil Münchens.[2]

Lage[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk 11 erstreckt sich als schmaler Streifen zwischen Ingolstädter und Schleißheimer Straße von der Stadtgrenze im Norden bis zum Petuelring, einem Teilstück des Mittleren Rings im Süden. Zwischen Heidemannstraße und Euro-Industriepark gehört auch eine kleine Fläche östlich der Ingolstädter Straße zu diesem Stadtbezirk. Im Südwesten umfasst Milbertshofen-Am Hart auch den größten Teil des Olympiageländes bis hin zur Landshuter Allee.

Nachbarbezirke sind Schwabing-Freimann im Osten, Schwabing-West im Süden, Neuhausen-Nymphenburg im Südwesten sowie Moosach und Feldmoching-Hasenbergl im Westen. Im Norden grenzt die Gemeinde Oberschleißheim an.

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten]

KZ-Mahnmal in der Knorrstraße

Zum ersten Mal erwähnt wurde Milbertshofen im Jahre 1149 beziehungsweise 1152 als Ilmungeshoven. Das Wort geht wohl aus bewusst undeutlicher Aussprache von Illungshof hervor. Illungshof war die Bezeichnung für einen Einsiedlerhof, auf den man zwangsweise ausgesiedelt wurde wegen Krankheit oder als Strafe. Verständlich, dass die Bewohner dies nicht unbedingt kundtun wollten. Das Zentrum des frühen Milbertshofen liegt in der heutigen Motorstraße im nördlichen Teil des Stadtteils. Dort steht noch heute die alte St. Georgskirche, das älteste erhaltene Bauwerk Milbertshofens.

In einem Aquarellzyklus hielt G. Reitz die Zerstörung der Münchner Kirchen fest. Als „Bausteine für den Wiederaufbau“ wurden die Motive, auch das der Alten St. Georgskirche in Milbertshofen, auf Postkarten verkauft und auf diese Art Geld für den Wiederaufbau gesammelt.

Im Jahre 1910 erhielt Milbertshofen den Status einer Stadt. Bereits drei Jahre später, am 1. April 1913, wurde die Stadt Milbertshofen nach München eingemeindet.[3] Während der Nazi-Diktatur befand sich ab 1941 in Milbertshofen ein Barackenlager für jüdische Mitbürger, die von dort aus in die verschiedensten Konzentrationslager deportiert wurden.

Ausgedehnte Industrie- und Gewerbeflächen finden sich neben Mietwohnanlagen, häufig aus den Nachkriegszeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges, sowie Einfamilienhausgebieten. Stadtbildprägend sind eine Reihe von Arbeitersiedlungen (Am Hart, Kaltherberge, Neuherberge), die in der Zwischenkriegszeit entstanden sind.

Der südliche Teil des Stadtbezirks umfasst das Gebiet der 1913 nach München eingemeindeten Stadt Milbertshofen mit vielen lndustrieanlagen. Da hier die Industrialisierung relativ früh einsetzte, entstand eine Mischung von Industrie, Gewerbe und Wohnen mit einem hohen Anteil an Sozialbauten. Durch Sanierung vieler Wohnanlagen und Neubau moderner, lockerer Wohnungen verwischen in jüngerer Zeit die Unterschiede zum benachbarten nördlichen Schwabing. Seit der Verkehr auf dem stark befahrenen Petuelring durch die Eröffnung des Petueltunnels unterirdisch geführt wird, sind Schwabing und Milbertshofen durch einen Grünzug (Petuelpark) verbunden.

Im Westen des Bezirks liegt der Olympiapark mit dem ehemaligen Olympischen Dorf, dem Sportzentrum der Technischen Universität und dem Olympiaberg. Die verdichtete Bebauung im Olympiadorf ermöglicht ruhiges, kindgerechtes Wohnen, da der Autoverkehr innerhalb des Wohngebiets im überbauten Tiefgeschoss unterhalb der Fußgängerebene läuft. Bevor das Gelände 1966–1972 anlässlich der XX. Olympiade 1972 vollständig neu konzipiert wurde, wurde es Oberwiesenfeld genannt und beherbergte ein großes Flugfeld, auf dem bis 1945 die im benachbarten Werk von BMW gefertigten Flugmotoren getestet wurden.

Der nördliche Bezirksteil hat früher überwiegend zur Gemeinde Feldmoching gehört; nur Kaltherberge und angrenzende Gebiete an der heutigen Ingolstädter Straße waren Teil der Gemeinde Milbertshofen. Auf einem Teil der dort noch vorhandenen Freifläche, der Panzerwiese, entsteht gegenwärtig eine neue Siedlung für mehrere tausend Bewohner.

Prägend ist eine Reihe ehemaliger Arbeitersiedlungen aus der Zwischenkriegszeit, wie die Siedlung Am Hart (landschaftlich Hart bewaldete Anhöhe), Kaltherberge und Neuherberge. Milbertshofen hat unter Münchens Stadtbezirken die höchste Zahl an Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe aufzuweisen. Maßgeblichen Anteil daran hat das Stammwerk von BMW und das zugehörige Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ).

Gegenüber dem FIZ, an der Ecke Knorrstraße/Troppauer Straße erinnert eine Skulptur an die sogenannte „Judensiedlung Milbertshofen“. Vom März bis August 1941 errichtet, diente sie ab September 1941 bis zum August 1942 als Wohngetto für die zwischenzeitlich „entmieteten“ jüdischen Münchner und schließlich als Sammellager für die Deportationen. Die ersten beiden großen Deportationen aus München am 20. November 1941 nach Kaunas (Litauen), sowie am 4. April 1942 nach Piaski (Polen) erfolgten vom nahe gelegenen Bahnhof Milbertshofen.

Der Dienstleistungssektor vor allem im westlichen Teil des Euro-Industrieparks und der öffentliche Bereich mit dem neuen Polizeipräsidium Oberbayern sind inzwischen auch stärker vertreten. Das früher starke Gefälle in der Sozialstruktur zwischen den einzelnen Bezirksteilen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten ausgeglichen. Nach wie vor hat der Stadtbezirk einen hohen Anteil von Familien mit Kindern sowie den höchsten Ausländeranteil[2] der Stadt.

Am 20./21. Oktober 2007 eröffnete am Petuelring die BMW Welt ihre Pforten. Dort befindet sich auch das BMW Museum.

Am 11. Juni 2008 beschloss der Bezirksausschuss des Stadtbezirks die Umbenennung in Milbertshofen-Am Hart-Olympiadorf, was jedoch in einer späteren Sitzung auf Antrag der Stadtverwaltung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Man wollte damit verhindern, dass es bei einem etwaigen Zuschlag für die Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018 und dem dann nötigen Bau eines neuen Olympiadorfes zu Verwechslungen käme.

Die Nordheide ist eine seit den Neunzigerjahren gebaute Siedlung auf dem südlichen Teil der Panzerwiese.

Politik[Bearbeiten]

Bezirksausschusswahl 2014
(Stimmen in Prozent)[4]
 %
50
40
30
20
10
0
40,3 %
33,3 %
14,6 %
8,6 %
3,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008[4]
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,9 %p
+3,2 %p
+14,6 %p
+8,6 %p
-4,0 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Freie Wähler einschließlich ÖDP

Der Bezirksausschuss von Milbertshofen-Am Hart wurde zuletzt am 16. März 2014 gewählt. Die Sitzverteilung lautet wie folgt: SPD 13, CSU 11, Grüne 5, FW 3 und FDP 1.[4] Von den 48.789 stimmberechtigten Einwohnern in Milbertshofen-Am Hart haben 15.489 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 31,7 Prozent lag.

Kultur[Bearbeiten]

  • BMW-Museum und BMW Welt, Petuelring 130
  • Kulturhaus Milbertshofen, Curt-Mezger-Platz 1 (Keferloher/Ecke Schleißheimer Straße)
  • Theater Unterwegs (Tourneetheater) Dieter Henkel GmbH, Connollystraße 20
  • Münchner Stadtbibliothek Milbertshofen, Schleißheimer Straße 340
  • Evangelisch-Lutherische Dankeskirche

Bildung[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten]

(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz)

Jahr Einwohner davon Ausländer Fläche
in km²
Einwohner
je km²
Quelle mit weiteren Daten[5]
2000 60.265 20.094 (33,3 %) 13,3733 4.506 Statistisches Taschenbuch München 2001 (PDF)
2001 61.034 20.372 (33,4 %) 13,3733 4.564 Statistisches Taschenbuch München 2002 (PDF)
2002 61.655 20.800 (33,7 %) 13,3733 4.610 Statistisches Taschenbuch München 2003 (PDF)
2003 61.886 21.154 (34,2 %) 13,3734 4.628 Statistisches Taschenbuch München 2004 (PDF)
2004 63.076 21.773 (34,5 %) 13,3734 4.717 Statistisches Taschenbuch München 2005 (PDF)
2005 64.612 22.896 (35,4 %) 13,3734 4.831 Statistisches Taschenbuch München 2006 (PDF)
2006 66.992 23.355 (34,9 %) 13,3734 5.009 Statistisches Taschenbuch München 2007 (PDF)
2007 67.864 23.903 (35,2 %) 13,3711 5.075 Statistisches Taschenbuch München 2008 (PDF)
2008 68.198 24.105 (35,3 %) 13,3831 5.096 Statistisches Taschenbuch München 2009 (PDF)
2009 68.023 23.683 (34,8 %) 13,4164 5.070 Statistisches Taschenbuch München 2010 (PDF)
2010 68.970 24.373 (35,3 %) 13,4164 5.141 Statistisches Taschenbuch München 2011 (PDF)
2011 70.470 25.517 (36,2 %) 13,4164 5.253 Statistisches Taschenbuch München 2012 (PDF)
2012 72.506 27.197 (37,5 %) 13,4164 5.404 Statistisches Taschenbuch München 2013 (PDF)
2013 73.617 28.243 (38,4 %) 13,4164 5.487 Statistisches Taschenbuch München 2014 (PDF)

Literatur[Bearbeiten]

  • Beate Freytag, Alexander Franc Storz: Milbertshofen – Die Geschichte des Stadtteils von der Schwaige zur Vorstadt Münchens. Buchendorfer Verlag München, München 2004, ISBN 3-934036-80-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Bevölkerung in den Stadtbezirken nach der Einwohnerdichte am 31.12.2013 (PDF; 424 kB). Statistisches Amt der Landeshauptstadt München. Abgerufen am 13. Juni 2014.
  2. a b Die Bevölkerung in den Stadtbezirken nach dem Migrationshintergrund am 31.12.2013 (PDF; 425 kB). Statistisches Amt der Landeshauptstadt München. Abgerufen am 13. Juni 2014.
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 601
  4. a b c Wahl des Bezirksausschusses – Stadtbezirk 11 – Milbertshofen-Am Hart. Landeshauptstadt München. Abgerufen am 13. Juni 2014.
  5. Archiv Stadtteilinformationen. Landeshauptstadt München. Abgerufen am 19. Juni 2014.