Milbertshofen-Am Hart

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Milbertshofen ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Eine gleichnamige Gemarkung existiert in der Gemeinde Vierkirchen (Oberbayern).

48.19833333333311.576388888889Koordinaten: 48° 11′ 54″ N, 11° 34′ 35″ O

Milbertshofen-Am Hart
Landeshauptstadt München
Postleitzahlen: 80807, 80809, 80937, 80939
Vorwahl: 089
Karte

Lage des Stadtbezirks 11 in München

Milbertshofen und Am Hart sind Stadtteile im Norden Münchens. Zusammen bilden sie den Stadtbezirk 11 Milbertshofen-Am Hart mit einer Fläche von ca. 1.300 Hektar. Hier leben beinahe 68.000 Menschen (Anteil Kinder/Jugendliche: 13 %, Anteil Senioren über 65 Jahre: 16 %, Ausländeranteil: 38 %[1]), wobei in Milbertshofen und Am Hart die Arbeiterschaft in der Wohnbevölkerung stark vertreten ist. Die Mittelschicht – darunter viele Beamte und Akademiker – ist im Olympiadorf mehrheitlich vertreten. Zusammen haben die beiden Stadtteile den höchsten Ausländeranteil Münchens.

Lage[Bearbeiten]

Der Bezirk 11 erstreckt sich als schmaler Streifen zwischen Ingolstädter und Schleißheimer Straße von der Stadtgrenze im Norden bis zum Petuelring, einem Teilstück des Mittleren Rings im Süden. Zwischen Heidemannstraße und Euro-Industriepark gehört auch eine kleine Fläche östlich der Ingolstädter Straße zu diesem Stadtbezirk. Im Südwesten umfasst Milbertshofen-Am Hart auch den größten Teil des Olympiageländes bis hin zur Landshuter Allee.

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten]

KZ-Mahnmal in der Knorrstraße

Zum ersten Mal erwähnt wurde Milbertshofen im Jahre 1149 beziehungsweise 1152 als „Ilmungeshoven“. Das Wort geht wohl aus bewusst undeutlicher Aussprache von „Illungshof“ hervor. Illungshof war die Bezeichnung für einen Einsiedlerhof, auf den man zwangsweise ausgesiedelt wurde wegen Krankheit oder als Strafe. Verständlich, dass die Bewohner dies nicht unbedingt kundtun wollten. Das Zentrum des frühen Milbertshofen liegt in der heutigen Motorstraße im nördlichen Teil des Stadtteils. Dort steht noch heute die Kirche Alter St. Georg.

In einem Aquarellzyklus hielt G. Reitz die Zerstörung der Münchner Kirchen fest. Als "Bausteine für den Wiederaufbau" wurden die Motive, auch das der Alten St. Georgskirche in Milbertshofen, auf Postkarten verkauft und auf diese Art Geld für den Wiederaufbau gesammelt.

Im Jahre 1910 erhielt Milbertshofen den Status einer Stadt. Bereits drei Jahre später, am 1. April 1913, wurde die Stadt Milbertshofen nach München eingemeindet.[2] Während der Nazi-Diktatur befand sich ab 1941 in Milbertshofen ein Barackenlager für jüdische Mitbürger, die von dort aus in die verschiedensten KZ deportiert wurden.

Ausgedehnte Industrie- und Gewerbeflächen finden sich neben Mietwohnanlagen, häufig aus den Nachkriegszeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges, sowie Einfamilienhausgebieten. Stadtbildprägend sind eine Reihe von Arbeitersiedlungen (Am Hart, Kaltherberge, Neuherberge), die in der Zwischenkriegszeit entstanden sind.

Der südliche Teil des Stadtbezirks umfasst das Gebiet der 1913 nach München eingemeindeten Stadt Milbertshofen mit vielen lndustrieanlagen. Da hier die Industrialisierung relativ früh einsetzte, entstand eine Mischung von Industrie, Gewerbe und Wohnen mit einem hohen Anteil an Sozialbauten. Durch Sanierung vieler Wohnanlagen und Neubau moderner, lockerer Wohnungen verwischen in jüngerer Zeit die Unterschiede zum benachbarten nördlichen Schwabing. Seit der Verkehr auf dem stark befahrenen Petuelring durch die Eröffnung des Petueltunnels unterirdisch geführt wird, sind Schwabing und Milbertshofen durch einen Grünzug (Petuelpark) verbunden.

Im Westen des Bezirks liegt der Olympiapark mit dem ehemaligen Olympischen Dorf, dem Sportzentrum der Technischen Universität und dem Olympiaberg. Die verdichtete Bebauung im Olympiadorf ermöglicht ruhiges, kindgerechtes Wohnen, da der Autoverkehr innerhalb des Wohngebiets im überbauten Tiefgeschoss unterhalb der Fußgängerebene läuft. Bevor das Gelände 1966–1972 anlässlich der XX. Olympiade 1972 vollständig neu konzipiert wurde, wurde es Oberwiesenfeld genannt und beherbergte ein großes Flugfeld, auf dem bis 1945 die im benachbarten Werk von BMW gefertigten Flugmotoren getestet wurden.

Der nördliche Bezirksteil hat früher überwiegend zur Gemeinde Feldmoching gehört; nur Kaltherberge und angrenzende Gebiete an der heutigen Ingolstädter Straße waren Teil der Gemeinde Milbertshofen. Auf einem Teil der dort noch vorhandenen Freifläche, der Panzerwiese, entsteht gegenwärtig eine neue Siedlung für mehrere tausend Bewohner.

Prägend ist eine Reihe ehemaliger Arbeitersiedlungen aus der Zwischenkriegszeit, wie die Siedlung Am Hart (landschaftlich Hart bewaldete Anhöhe), Kaltherberge und Neuherberge. Milbertshofen hat unter Münchens Stadtbezirken die höchste Zahl an Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe aufzuweisen. Maßgeblichen Anteil daran hat das Stammwerk von BMW und das zugehörige Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ).

Gegenüber dem FIZ, an der Ecke Knorrstraße/Troppauer Straße erinnert eine Skulptur an die so genannte „Judensiedlung Milbertshofen“. Vom März bis August 1941 errichtet, diente sie ab September 1941 bis zum August 1942 als Wohngetto für die zwischenzeitlich „entmieteten“ jüdischen Münchner und schließlich als Sammellager für die Deportationen. Die ersten beiden großen Deportationen aus München am 20. November 1941 nach Kaunas (Litauen), sowie am 4. April 1942 nach Piaski (Polen) erfolgten vom nahe gelegenen Bahnhof Milbertshofen.

Der Dienstleistungssektor vor allem im westlichen Teil des Euro-Industrieparks und der öffentliche Bereich mit dem neuen Polizeipräsidium Oberbayern sind inzwischen auch stärker vertreten. Das früher starke Gefälle in der Sozialstruktur zwischen den einzelnen Bezirksteilen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten ausgeglichen. Nach wie vor hat der Stadtbezirk einen hohen Anteil von Familien mit Kindern und den zweithöchsten Ausländeranteil der Stadt.

Am 20./21. Oktober 2007 eröffnete am Petuelring die BMW Welt ihre Pforten. Dort befindet sich auch das BMW-Museum.

Am 11. Juni 2008 beschloss der Bezirksausschuss des Stadtbezirks die Umbenennung in Milbertshofen-Am Hart-Olympiadorf, was jedoch in einer späteren Sitzung auf Antrag der Stadtverwaltung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Man wollte damit verhindern, dass es bei einem etwaigen Zuschlag für die Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018 und dem dann nötigen Bau eines neuen Olympiadorfes zu Verwechslungen käme.

Die Nordheide ist eine seit den 1990er Jahren gebaute Siedlung auf dem südlichen Teil der Panzerwiese.

Politik[Bearbeiten]

Bezirksausschusswahl März 2008
(Stimmen in Prozent) [3]
 %
50
40
30
20
10
0
48,2 %
30,1 %
14,5 %
7,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2002 [3]
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-0,2 %p
-8,7 %p
+5,8 %p
+3,1 %p

Die Wahl zum Bezirksausschuss vom 2. März 2008 ergab folgende Sitzverteilung: SPD 15, CSU 10, GRÜNE 4, und FDP 2.

Kultur[Bearbeiten]

  • BMW-Museum und BMW Welt, Petuelring 130
  • Kulturhaus Milbertshofen, Curt-Mezger-Platz 1 (Keferloher/Ecke Schleißheimer Straße)
  • Theater Unterwegs (Tourneetheater) Dieter Henkel GmbH, Connollystraße 20
  • Münchner Stadtbibliothek Milbertshofen, Schleißheimer Str. 340. 80809 München

Bildung[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten]


(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz)

Jahr Einwohner davon Ausländer Fläche in ha EW pro ha Quelle mit weiteren Daten
2000 060.265 020.094 (33,3 %) 01.337,33 045 Statistisches Taschenbuch München 2001. pdf-Download
2001 061.034 020.372 (33,4 %) 01.337,33 046 Statistisches Taschenbuch München 2002. pdf-Download
2002 061.655 020.800 (33,7 %) 01.337,33 046 Statistisches Taschenbuch München 2003. pdf-Download
2003 061.886 021.154 (34,2 %) 01.337,34 046 Statistisches Taschenbuch München 2004. pdf-Download
2004 063.076 021.773 (34,5 %) 01.337,34 048 Statistisches Taschenbuch München 2005. pdf-Download
2005 064.612 022.896 (35,4 %) 01.337,34 048 Statistisches Taschenbuch München 2006. pdf-Download
2006 066.992 023.355 (34,9 %) 01.337,34 050 Statistisches Taschenbuch München 2007. pdf-Download
2007 067.864 023.903 (35,2 %) 01.337,11 051 Statistisches Taschenbuch München 2008. pdf-Download
2008 068.198 024.105 (35,3 %) 01.338,31 051 Statistisches Taschenbuch München 2009. pdf-Download
2009 068.023 023.683 (34,8 %) 01.341,64 051 Statistisches Taschenbuch München 2010. pdf-Download
2010 068.970 024.373 (35,3 %) 01.341,64 051 Statistisches Taschenbuch München 2011. pdf-Download
2011 070.470 025.517 (36,2 %) 01.341,64 053 Statistisches Taschenbuch München 2012. pdf-Download
2012 072.506 027.197 (37,5 %) 01.341,64 054 Statistisches Taschenbuch München 2013. pdf-Download

Literatur[Bearbeiten]

  • Beate Freytag, Alexander Franc Storz: Milbertshofen - Die Geschichte des Stadtteils von der Schwaige zur Vorstadt Münchens. Buchendorfer Verlag München, München 2004, ISBN 3-934036-80-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Bevölkerung in den Stadtbezirken nach dem Migrationshintergrund am 31.12.2013 (PDF; 425 kB). Statistisches Amt. Landeshauptstadt München. Abgerufen am 24. März 2014.
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 601
  3. a b muenchen.de - Bezirksausschusswahl 2008, abgerufen am 18. Dezember 2010