Michel Friedman

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Michel Friedman (2009)

Michel Julien Friedman [miˈʃɛl ˈfʁi:tman] (* 25. Februar 1956 in Paris) ist ein deutscher Rechtsanwalt, Politiker (CDU), Kolumnist und Fernsehmoderator. Von 2000 bis 2003 war er stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland und von 2001 bis 2003 Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses.

Familiärer Hintergrund und Ausbildung[Bearbeiten]

Friedman entstammt einer polnisch-jüdischen Familie. Seine Eltern und seine Großmutter wurden von Oskar Schindler gerettet. Seine Familie besaß nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris ein Pelzgeschäft; ein Bruder Friedmans lebt heute in Israel. Ab 1961 besuchte er eine französische Volksschule. 1965 siedelte Friedman mit seinen Eltern von Frankreich nach Frankfurt am Main über.

Friedman war früh Schulsprecher und organisierte Demonstrationen gegen die Sowjetunion. 1974 legte er sein Abitur am Goethe-Gymnasium in Frankfurt ab. Danach studierte er Humanmedizin bis zum Physikum; wechselte dann zur Rechtswissenschaft. Sein erstes juristisches Staatsexamen legte er 1984 „mit Prädikat“ ab. 1987 folgte sein zweites juristisches Staatsexamen. Danach ließ er sich als Rechtsanwalt, spezialisiert auf Immobilien- und Medienrecht, in Frankfurt nieder. 1994 wurde er an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einer Dissertation zum Thema Das Initiativrecht des Betriebsrats zum Dr. iur. promoviert. 2010 wurde Michel Friedman bei Klaus-Jürgen Grün in Philosophie zum Thema Willensfreiheit promoviert.[1]

Seit dem 16. Juli 2004 ist er mit der Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer verheiratet, die zum Judentum konvertierte. Am 10. September 2004 erfolgte die Trauung nach jüdischem Ritus in der Park East Synagoge, dem Gotteshaus einer orthodoxen jüdischen Gemeinde in New York. Das Paar hat zwei Söhne und lebt in Frankfurt, Paris und Cannes.

Karriere als Politiker[Bearbeiten]

1983 trat Friedman in die CDU ein. 1984 wurde er Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt und 1985 CDU-Stadtverordneter in Frankfurt. 1994 wurde Friedman in den Parteivorstand der hessischen CDU gewählt. Wegen der Spendenaffäre um Roland Koch trat er Anfang 2000 aus der hessischen CDU aus. Seitdem ist er Mitglied der saarländischen CDU. Friedman war ab 1994 auch Mitglied im Bundesvorstand der CDU, aus dem er schon nach zwei Jahren wieder abgewählt wurde. Seiner Aussage nach, „weil offensichtlich meine Person und meine politischen Inhalte für viele in der CDU noch nicht genug Identifikation bieten.“[2]

Öffentliches Auftreten[Bearbeiten]

Neben seiner Karriere als Anwalt und Politiker ist Friedman seit 1993 als Fernsehmoderator tätig. Von 1993 bis 1994 moderierte er beim Mitteldeutschen Rundfunk die Talkshow Riverboat, von 1998 bis 2003 beim Hessischen Rundfunk die Sendung Vorsicht! Friedman. Im Jahr 2000 wurde er zum „Krawattenmann des Jahres“ gewählt. Im selben Jahr wurde Friedman mit Frankreichs höchstem Orden, der Offizierswürde der Ehrenlegion, für seine Verdienste um die deutsch-französische Aussöhnung durch Botschafter Claude Martin geehrt. 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie den Deutschen Fernsehpreis.[3] Im Jahre 2002 führte er einen öffentlichen Streit mit dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann, bei dem es um Israel, die Palästinensischen Autonomiegebiete und um Antisemitismusvorwürfe gegenüber Möllemann ging.

Affäre um Zwangsprostitution und Kokain[Bearbeiten]

Im Juni 2003 geriet Friedman im Zuge von Ermittlungen wegen Menschenhandels im Rotlichtmilieu in das Blickfeld der Staatsanwaltschaft. Mehrere Prostituierte, die illegal aus der Ukraine nach Deutschland gebracht und zwangsprostituiert worden waren, sagten aus, er habe mit ihnen mehrmals Sex gehabt, in ihrem Beisein Kokain konsumiert und das Suchtmittel auch ihnen angeboten. Prostituierte und Kokain habe Friedman unter dem Pseudonym Paolo Pinkel (dies sei von der Polizei angeblich falsch verstanden worden, Friedman behauptete später, eigentlich Paolo Pinkas verwendet zu haben – Pinkas ist ein hebräischer Vorname) angefordert.[4] Daraufhin wurden seine Kanzlei und seine Wohnung rechtmäßig durchsucht. Drei szenetypische Päckchen wurden gefunden, die Anhaftungen von Kokain aufwiesen. Die gefundene Menge war zu gering, um den genauen Wirkstoffgehalt zu ermitteln. Das Untersuchungsergebnis einer von Friedman abgegebenen Haarprobe war hingegen positiv, was den rechtlichen Nachweis erbrachte, dass Friedman tatsächlich Kokainkonsument gewesen war. Daraufhin erging am 8. Juli 2003 ein Strafbefehl gegen Friedman wegen Kokainbesitzes über 150 Tagessätze in einer Gesamthöhe von 17.400 Euro, den er widerspruchslos akzeptierte.[5]

Friedman trat im Zuge dieser belastenden Affäre von allen öffentlichen Ämtern zurück. In einer öffentlichen Erklärung bestätigte er, einen „Fehler gemacht zu haben“. Friedman entschuldigte sich bei den Menschen, die er enttäuscht habe, und bat die Öffentlichkeit um „eine zweite Chance“. Da es Friedman vermied, sich ausdrücklich bei den Prostituierten zu entschuldigen, wurde er unter anderem von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes öffentlich kritisiert.[6][7][8]

Beruflicher Neubeginn[Bearbeiten]

Michel Friedman (2004)

In den folgenden Monaten übernahm Friedman ein Aufsichtsratsmandat für die Firma Wall AG. Daneben ist er Herausgeber für den Programmbereich „Politisches Buch“ im Aufbau-Verlag. Bereits Anfang November 2003 nahm Friedman nach längerer Abwesenheit im Fernsehen wieder als Gesprächspartner an der Politdiskussionsrunde von Sabine Christiansen teil. Seit Februar 2004 moderiert er beim Sender „13th Street“ die Sendung „Im Zweifel für… Friedmans Talk“, eine Recht-Talkshow zur US-Serie „Law & Order“. Des Weiteren moderiert Friedman seit Oktober 2004 jeden Donnerstag um 23.10 Uhr den wöchentlichen Talk beim Nachrichtensender N24, „Studio Friedman“,[9] und kommentiert Berichterstattungen zu politischen Themen wie etwa dem 8. Mai, dem Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa. Friedman ist Kolumnist der Zeitung Die Welt, zuvor schrieb er regelmäßig Kommentare in der inzwischen eingestellten Frankfurter Kompaktzeitung NEWS.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Im August 2000 gründete Friedman gemeinsam mit Uwe-Karsten Heye und Paul Spiegel den Verein Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V., der sich bundesweit für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland und gegen Rechtsextremismus einsetzt.[10][11]

Schriften[Bearbeiten]

  • Das Initiativrecht des Betriebsrats. Peter Lang, Frankfurt/M. u.a. 1995, ISBN 3-631-47747-3 (zugl. Diss. Mainz).
  • Zukunft ohne Vergessen. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02437-X.
  • Selbstporträt der Kindheit und Jugend in: Florian Langenscheidt (Hg.): Bei uns zu Hause. Prominente erzählen von ihrer Kindheit. Düsseldorf 1995, ISBN 3430159458.
  • Religionsfreiheit. Müller, Heidelberg 1996, ISBN 3-8114-0897-6.
  • Kaddisch vor Morgengrauen. Aufbau, Berlin 2005, ISBN 3-351-03046-0.
  • Schuldlose Verantwortung. Vorgaben der Hirnforschung für Ethik und Strafrecht. Peter Lang, Frankfurt/M. u.a. 2010, ISBN 978-3-631-60489-2 (zugleich Dissertation Frankfurt/M. Universität 2010).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Michel Friedman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Ich habe Marcuse mit 16 begriffen“ – Interview mit Michel Friedman und Matthias Matussek auf streitbar.org
  2. Ich mache weiter. Der Spiegel, 44/1996, 28. Oktober 1996
  3. Michel Friedman. Abgerufen am 17. November 2012.
  4. Paolo Pinkel - oder: Ab wann ist ein Name kein Deckname mehr? heise.de, 17. Juni 2003
  5. Hamburger Abendblatt: „150 Tagessätze – Warum Friedmann 17 400 Euro zahlt“ in: abendblatt.de, erschienen am 9. Juli 2003
  6. Terre des Femmes kritisiert Michel Friedman Auszug aus Pressemeldung von Terre des Femmes von 2003.
  7. Offener Brief an den ev. Kirchentag der Frauen-Union Niedersachsen vom 28. Februar 2005, abgerufen am 2. März 2011
  8. Kirchentag: Friedman unerwünscht In: Focus.de vom 15. März 2005, abgerufen am 2. März 2011.
  9. Offizielle Seite von Studio Friedman bei N24
  10. Gesicht Zeigen! Verein
  11. Spiegel online am 27. September 2000: Kampf gegen Rechts. Immer mehr Promis wollen „Gesicht zeigen". Abgerufen am 4. Juni 2012.