Patrick Stewart

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Patrick Stewart (2012)

Sir Patrick Stewart, OBE (* 13. Juli 1940 in Mirfield, West Yorkshire, England) ist ein britischer Schauspieler, Produzent, Regisseur und Professor. Seit 1966 ist er Darsteller der Royal Shakespeare Company (RSC), bis 1982 im Schauspieler-Kernteam, heute als Honorary Associate Artist.[1] International bekannt wurde er vor allem durch seine Hauptrolle als Captain Jean-Luc Picard in der Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert.

Leben[Bearbeiten]

Patrick Stewart wurde am 13. Juli 1940 in Mirfield als dritter Sohn der Weberin Gladys Stewart und des Soldaten Alfred Stewart geboren. Als Kind litt er unter der Gewalttätigkeit seines Vaters, weswegen er sich heute gegen Häusliche Gewalt einsetzt.[2][3] Heute weiß er, dass diese Gewalt durch eine Kriegsneurose seines Vaters ausgelöst wurde, die dieser im Zweiten Weltkrieg erlitt, weshalb er sich ebenfalls in einer Organisation namens "Combat Stress" engagiert.[4] Bereits im Alter von zwölf Jahren begann er, Theater zu spielen. Die Schule verließ er in seinem 16. Lebensjahr und arbeitete fortan als Journalist. Ein Stipendium eröffnete ihm die Möglichkeit, die Old Vic Theatre School nahe Bristol zu besuchen, und mit 19 Jahren begann er seine Karriere im professionellen Theater, wo er immer größere Erfolge erzielte.

1966 heiratete Stewart die Choreographin Sheila Falconer, mit der er einen Sohn (* 1968) und eine Tochter (* 1973) hat. 1990 trennte er sich von seiner Frau und heiratete im August 2000 Wendy Neuss, die Produzentin zahlreicher Folgen der Fernsehserie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert, in der Stewart eine Hauptrolle spielte. Trauzeuge bei dieser Hochzeit war sein Serienkollege Brent Spiner. Die Ehe wurde 2003 geschieden. Bis gegen Ende des Jahres 2007 war er mit der britischen Schauspielerin Lisa Dillon liiert, die er während der Scheidung von Wendy Neuss kennengelernt hatte. Am 8. September 2013 heiratete er seine 38 Jahre jüngere Freundin Sunny Ozell, Sir Ian McKellen traute das Paar.

Stewart ist Kanzler der britischen University of Huddersfield. Nachdem er 2007 Cameron Mackintosh Visiting Professor of Contemporary Theatre am St. Catherine’s College der University of Oxford war,[5] übernahm er 2008 eine Professur für Darstellende Künste an der University of Huddersfield.[6]

Patrick Stewart lebt in New York. In seiner Freizeit liest er gerne und ist Fan des englischen Fußballclubs Huddersfield Town. Politisch steht Stewart auf Seiten der Labour Party, die er seit Jahren unterstützt.

Werk[Bearbeiten]

Royal Shakespeare Company und Star Trek[Bearbeiten]

Patrick Stewart (2004)
Patrick Stewart (2009)

Als Schauspieler wirkte Stewart in vielen Theaterstücken und Filmen mit, 1966–1982 spielte er zahlreiche Shakespeare-Rollen als Mitglied des Kernteams der Royal Shakespeare Company.[1]

1986 wurde er für die Hauptrolle des Captain Jean-Luc Picard in der von 1987 bis 1994 produzierten Star Trek-Fernsehserie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert verpflichtet. Star-Trek-Produzent Robert Justman sah Patrick Stewart erstmals 1987 bei einer Dramatik-Vorlesung der UCLA; er erschien ihm als Idealbesetzung für die Rolle des neuen Kapitäns des Raumschiffs Enterprise, da Stewart bereits damals sehr häufig Führungspersönlichkeiten dargestellt hatte. Nach Diskussionen darüber, ob man Stewart einen amerikanischen Akzent beibringen solle, entschied man sich dafür, dass er seinen englischen Akzent auch in der Serie verwenden sollte. Man erhoffte sich, dadurch die europäische Herkunft von Jean-Luc Picard zu unterstreichen. In die Rolle des Raumschiffcaptains Picard durfte Stewart seine Begeisterung für Shakespeare einbringen. Daher rezitiert Jean-Luc Picard in der Sci-Fi-Fernsehserie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert häufig Stellen aus Shakespeares Werken und nutzt diese zur Argumentation. In dieser Rolle gelang es ihm mühelos, die Kluft zwischen den klassischen Theaterstücken und einer futuristischen Welt zu überbrücken. Seine Ausbildung am Theater verhalf ihm in der Serie zu einer sehr tiefgründigen Darstellung des Captains. In der Star-Trek-Fangemeinde gilt er als eine der wichtigsten Figuren des Star-Trek-Universums.

Die Rolle des Captain Picard spielte Stewart auch zwischen 1994 und 2002 in den Star Trek-Kinofilmen Nr. 7–10. Im Juli 2006 erklärte Stewart gegenüber der britischen Tageszeitung Daily Telegraph, dass er nicht glaube, noch einmal in einem Star-Trek-Film mitzuspielen. Grundsätzlich ausschließen wollte er dies jedoch nicht.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Seine ersten größeren Fernsehauftritt hatte Stewart in der 1976 erschienen BBC-Serie Ich, Claudius – Kaiser und Gott, wo er Seianus darstellte. In den 1980er Jahren war Stewart in mehreren kleinen Nebenrollen im Kino zu sehen, beispielsweise in Der Wüstenplanet und Lifeforce – Die tödliche Bedrohung. Während seiner Star-Trek-Zeit übernahm er einzelne, meist kleinere Rollen in Filmen wie L.A. Story oder Death Train. Nach dem Ende der Star-Trek-Fernsehserie folgten neben seinen Auftritten in den Star-Trek-Kinofilmen Haupt- und größere Nebenrollen in Kino- und Fernsehfilmen wie Das Gespenst von Canterville und Fletchers Visionen. Im 1998 erschienenen zweiteiligen Fernsehfilm Moby Dick spielte Stewart den rachsüchtigen Kapitän Ahab, mit dem sein Charakter Picard in Star Trek: Der erste Kontakt (1996) einmal verglichen wurde.

Seit 2000 trugen die X-Men-Verfilmungen zu Stewarts internationaler Bekanntheit bei, in denen er die Hauptrolle des Professors Charles Francis Xavier spielte. In der Verfilmung des Jules-Verne-Romans Die geheimnisvolle Insel spielte Stewart 2005 erneut einen Captain. Seit 2005 spricht er die optisch an ihn angelehnte Figur des Avery Bullock in der Serie American Dad. Seit dieser Zeit übernahm er auch weitere Sprechrollen, etwa in Zeichentrickserien oder Computerspielen.

Rückkehr zum Theater[Bearbeiten]

Nach dem letzten Film der X-Men-Trilogie, X-Men: Der letzte Widerstand (2006), konzentriert sich Stewart überwiegend auf seine Theaterkarriere. In den vergangenen Jahren war er in unterschiedlichen Bühnenrollen zu sehen, vor allem am Londoner Westend und im Royal Shakespeare Theatre in Stratford-upon-Avon (z. B. im Sommer 2006 als Zauberer Prospero in Shakespeares Der Sturm). Anfang 2007 trat er am Londoner Westend/Novello Theatre im Rahmen der Complete Works Tour der Royal Shakespeare Company (RSC) nochmals als Prospero auf, ferner als Antonius in Antonius und Cleopatra.

Außerdem folgten im Sommer 2007 während des Chichester Festival Theatre Events (West Sussex) die Rollen des eloquenten Butlers Malvolio in Shakespeares Twelfth Night (Was ihr wollt) sowie als Titelfigur in Macbeth. 2008 stand er erneut für die RSC auf der Bühne, diesmal als brudermordender Claudius in Shakespeares Hamlet am Courtyard Theatre, Stratford-upon-Avon.

Bis August 2009 spielte Stewart im Londoner Theatre Royal Haymarket zusammen mit Ian McKellen in Samuel Becketts Warten auf Godot unter der Regie von Sean Mathias. Stewart und McKellen arbeiteten bereits 1977 bei Tom Stoppards Every Good Boy Deserves Favour, damals für die RSC, ihre bekannteste Zusammenarbeit ist jedoch die X-Men-Reihe.

Von Mai bis September 2011 war er in Stratford-upon-Avon für die RSC erneut in einem Shakespeare-Werk zu sehen. In Der Kaufmann von Venedig spielte er die Rolle des Shylock und die Regie übernahm wieder Rupert Goold, der mit Stewart schon in mehreren Produktionen zusammengearbeitet hat.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Patrick Stewarts Stern auf dem Hollywood Walk of Fame

Aufgrund seiner Leistungen in mehreren Filmen und in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert, erhielt Stewart Auszeichnungen wie eine Nominierung als bester Darsteller in einer Drama-Fernsehserie zum Screen Actors Guild Awards 1995. 1996 erhielt er den Will Award als Anerkennung seiner Karriere als Theaterschauspieler. Wiederholt wurde Stewart zum “sexiest man on television” gewählt,[8] unter anderem bei der Leser-Befragung der Fernsehzeitschrift TV Guide 1992,[9] gefolgt von seiner Wahl zum großartigsten Mann im Fernsehen 1993.[9] Seit 1996 befindet sich ein Stern mit seinem Namen auf dem Hollywood Walk of Fame.

Die meisten Nominierungen und Auszeichnungen erhielt Stewart jedoch nach Ende seiner Star-Trek-Serien-Hauptrolle: 1996 erhielt seine Vertonung von Peter und der Wolf einen Grammy für das beste gesprochene Kinder-Album. 1998–2006 wurde er dreimal für einen Emmy nominiert, 1999 und 2005 als TV-Schauspieler für einen Golden Globe und 2008 für einen Tony Award für seine Darstellung des Macbeth.[9] 2008 erhielt er für seine Theaterdarstellungen den Gielgud Award.[10]

Seit dem Jahr 2001 trägt Stewart den Titel eines Officer of the Order of the British Empire (OBE).[11] In der New Year Honours List gab Königin Elisabeth II. am 30. Dezember 2009 Stewarts Ernennung zum Knight Bachelor bekannt, seit der er sich Sir Patrick Stewart nennen darf.[12] Der zeremonielle Ritterschlag für seine Verdienste um die Schauspielkunst[13] folgte am 2. Juni 2010 im Buckingham Palace.[14] Bei diesem Anlass verwies Stewart auf seine Vorbilder “Sir Laurence Olivier, Sir John Gielgud, Sir Alec Guinness und betonte, es sei “the grandest thing that has professionally happened to me”, dass er durch den Ritterschlag mit diesen in einer Reihe stehe.[15]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Serien[Bearbeiten]

Computerspiele[Bearbeiten]

  • Lands of Lore (Stimme von King Richard of Gladstone)
  • Forgotten Realms: Demon Stone (Stimme von Khelben „Blackstaff“ Arunsun)
  • The Elder Scrolls IV: Oblivion (Stimme von Kaiser Uriel Septim VII)
  • Star Trek: A Final Unity (Stimme von Captain Jean-Luc Picard)
  • Star Trek: Elite Force 2 (Stimme von Captain Jean-Luc Picard)
  • Star Trek: Armada (Stimme von Captain Jean-Luc Picard)
  • Star Trek: Bridge Commander (Stimme von Captain Jean-Luc Picard)
  • Star Trek:Starfleet Command III (Stimme von Captain Jean-Luc Picard)
  • Star Trek: Legacy (Stimme von Captain Jean-Luc Picard)
  • Castlevania: Lords of Shadow (XBOX 360, PS3, Stimme von Zobek/ Dunkler Fürst der Toten)
  • Castlevania: Lords of Shadow 2 (XBOX 360, PS3, erneut als Stimme von Zobek)

Deutsche Synchronstimmen[Bearbeiten]

In Deutschland wurde Stewart abwechselnd von Rolf Schult und Ernst Meincke gesprochen. 1980 wurde er im Film Der kleine Lord von Friedrich G. Beckhaus synchronisiert. In Robin Hood – Helden in Strumpfhosen (1993) hört man ihn mit der Stimme von Gert Günther Hoffmann und in Masterminds – Das Duell (1997) mit der Stimme von Christian Rode.

Literatur[Bearbeiten]

  • James Hatfield, George Burt: Patrick Stewart. Der neue Captain. Seine Erfolge, seine Abgründe, seine unautorisierte Biographie, Heyne 1997, ISBN 3453125428.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patrick Stewart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Patrick plays the Ghost and Claudius in Hamlet. In: Royal Shakespeare Company. Archiviert vom Original am 2. Januar 2010, abgerufen am 2. Juni 2010 (englisch).
  2. Patrick Stewart: the legacy of domestic violence. In: The Guardian, 27. November 2009.
  3. www.huffingtonpost.com:Exclusive: Patrick Stewart Calls on Men to End Violence Against Women. Abgerufen am 25. März 2013 (englisch)
  4. Sir Patrick Stewart speaks out against domestic violence Q&A at Comicpalooza, 31. Mai 2013
  5. Patrick Stewart named Cameron Mackintosh Visiting Professor at Oxford, University of Oxford, 17. Januar 2007.
  6. Patrick Stewart wird Professor. In: Südkurier, 15. Juli 2008. Chancellor Patrick Stewart accepts new ‘role’ as Huddersfield Professor, University of Huddersfield, 8. Juli 2008.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStewart and Goold Reunite for RSC's 50th Birthday. In: WhatsOnStage.com. 31. Januar 2011, abgerufen am 31. Januar 2011 (englisch).
  8. Patrick Stewart: The spirit of Enterprise. In: The Independent, 30. Juni 2003, abgerufen am 2. Juni 2010.
  9. a b c Patrick Stewart Biography. In: TVGuide.com, abgerufen am 2. Juni 2010.
  10. Patrick Stewart receives the 2008 Gielgud Award, University of Huddersfield, 8. März 2008.
  11. Star Trek captain collects OBE. In: BBC News. 12. Juli 2001, abgerufen am 2. Juni 2010.
  12. Ritterschlag für „Captain Picard“. Schauspieler Patrick Stewart kann sich jetzt Sir nennen. In: Heute.de, 31. Dezember 2009, abgerufen am 2. Juni 2010.
  13. Tim Masters: Star Trek star ‘getting used to knighthood’. In: news.BBC.co.uk, 15. Februar 2010, abgerufen am 3. Juni 2010 (“for his services to drama”).
  14. Star Trek star Patrick Stewart knighted at Palace. In: news.BBC.co.uk, 2. Juni 2010, abgerufen am 3. Juni 2010.
  15. Sir Patrick Stewart? Queen of England makes it so. In: The Christian Science Monitor, 2. Juni 2010, abgerufen am 3. Juni 2010.