Plattenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Plattenburg, zur dortigen Burg siehe Plattenburg (Burg).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Plattenburg
Plattenburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Plattenburg hervorgehoben
52.95850212.02927532Koordinaten: 52° 58′ N, 12° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Prignitz
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 200,76 km²
Einwohner: 3449 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19339
Vorwahlen: 038796 (Viesecke), 033982 (Hoppenrade), 038787 (Glöwen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PR
Gemeindeschlüssel: 12 0 70 302
Webpräsenz: www.plattenburg.de
Bürgermeisterin: Anja Kramer
Lage der Gemeinde Plattenburg im Landkreis Prignitz
Lenzerwische Lenzen (Elbe) Lanz Cumlosen Groß Pankow (Prignitz) Pritzwalk Gumtow Plattenburg Legde/Quitzöbel Rühstädt Bad Wilsnack Breese Weisen Wittenberge Perleberg Karstädt Gülitz-Reetz Pirow Berge Putlitz Kümmernitztal Gerdshagen Halenbeck-Rohlsdorf Meyenburg Marienfließ Triglitz Landkreis Ostprignitz-Ruppin Putlitz Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild
Gutshaus Hoppenrade, um 1860

Plattenburg ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Prignitz (Brandenburg). Namengebend war die im Gemeindegebiet liegende Wasserburg Plattenburg. Die Gemeinde Plattenburg entstand 2001 durch den Zusammenschluss von acht Gemeinden, die vorher dem von 1992 bis 2001 existierenden Amt Plattenburg angehörten. Dieses Amt stand nicht in der Rechtsnachfolge des älteren kurfürstlich-brandenburgischen Amtes Plattenburg und hatte auch einen anderen territorialen Zuschnitt.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Plattenburg grenzt im Norden an die Stadt Perleberg und die Gemeinde Groß Pankow (Prignitz), im Osten an die Gemeinde Gumtow, im Südosten an die Städte Kyritz und Neustadt (Dosse), im Süden an das Land Sachsen-Anhalt und im Westen an das Amt Bad Wilsnack/Weisen.

Gliederung der Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Plattenburg gliedert sich laut Hauptsatzung in acht Ortsteile mit 14 Gemeindeteilen[2]:

  • Bendelin mit dem Gemeindeteil Zichtow,
  • Glöwen mit den Gemeindeteilen Groß Leppin, Storbeckshof und Zernikow,
  • Hoppenrade mit dem Gemeindeteil Garz,
  • Kleinow mit den Gemeindeteilen Burghagen, Ponitz und Uenze,
  • Kletzke mit dem Gemeindeteil Plattenburg,
  • Krampfer mit dem Gemeindeteil Groß Gottschow,
  • Netzow mit den Gemeindeteilen Klein Leppin und Söllenthin,
  • Viesecke mit den Gemeindeteilen Groß Werzin und Rambow.

Dazu kommen noch die Wohnplätze: Ausbau Nord, Feuerherdshof, Friedrichswalde, Kahlhorst, Karlsruhe, Klein Welle, Kleinower Ziegelei, Neu Kleinow, Schwanensee und Stölkenplan.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinde Plattenburg entstand erst zum 31. Dezember 2001 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Bendelin, Glöwen, Hoppenrade, Kleinow, Kletzke, Krampfer, Netzow und Viesecke. Diese Gemeinden waren vorher unter der Verwaltung des Amtes Plattenburg. Die Geschichte der Gemeinde ist somit die Geschichte der acht heutigen Ortsteile.

Amt Plattenburg[Bearbeiten]

Der Minister des Innern des Landes Brandenburg gab am 31. Juli 1992 seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Plattenburg. Zum Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 10. August 1992 festgelegt.[4] Das Amt hatte seinen Sitz in Kletzke und bestand aus den Gemeinden Bendelin, Glöwen, Kleinow, Kletzke, Krampfer, Netzow, Viesecke und Hoppenrade, die damals zu den Kreisen Perleberg und Pritzwalk gehörten. Amtsdirektorin wurde Gudrun Hoffmann, die nach der Auflösung des Amtes Bürgermeisterin der Gemeinde Plattenburg wurde.

Mit dem freiwilligen Zusammenschluss der amtsangehörigen Gemeinden zur neuen Gemeinde Plattenburg zum 31. Dezember 2001 wurde das Amt Plattenburg aufgelöst.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl des heutigen Gebietes von Plattenburg stagnierte vom Ende des 19.Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Dann brachten die Flüchtlinge aus den ehemaligen, deutschen Ostgebieten einen erheblichen Bevölkerungsschub. Seit den 1950er Jahren fällt die Bevölkerung kontinuierlich. Die Prognosen gehen von einem weiteren deutlichen Bevölkerungsrückgang aus. Dabei werden 2030 genauso viel Senioren in Plattenburg leben wie Einwohner im Erwerbsalter.

Plattenburg:
Bevölkerungsentwicklung in den Grenzen von 2013
Jahr Einwohner
1875 6 113
1890 5 589
1910 5 592
1925 5 852
1933 5 505
1939 5 384
1946 8 816
1950 8 827
1964 6 571
1971 6 351
Jahr Einwohner
1981 5 141
1985 5 265
1989 5 270
1990 5 146
1991 4 973
1992 4 889
1993 4 933
1994 4 782
1995 4 693
1996 4 600
Jahr Einwohner
1997 4 390
1998 4 317
1999 4 197
2000 4 177
2001 4 165
2002 4 134
2003 4 092
2004 4 041
2005 3 977
2006 3 954
Jahr Einwohner
2007 3 867
2008 3 815
2009 3 750
2010 3 712
2011 3 542
2012 3 471
2013 3 449

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[6].

Wappen[Bearbeiten]

Das Gemeindewappen wurde am 28. Januar 2002 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein gemauerter roter Stufengiebel mit einem Kreuz bekrönt und von drei (1:2) offenen gotischen Fenstern durchbrochen.“[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kletzker Kirche ist eine der ältesten und bedeutendsten Kirchen der Region.

In der Liste der Baudenkmale in Plattenburg stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

Denkmal von 1947 in der Bahnhofstraße des Ortsteils Glöwen an 800 jüdische Frauen und Männer, die von August 1944 bis April 1945 in einem Außenlager des KZ Sachsenhausen in der Rüstungsproduktion der Dynamit AG (DAG) arbeiten mussten. Die jüdischen Häftlinge wurden besonders gequält. Nach jüngsten Recherchen starben fünf bis sieben Häftlinge.

Vor dem „Knappenhaus“ auf der Plattenburg erinnert ein 1995 vom BdV, Kreisverband Perleberg, errichteter Gedenkstein an die Opfer von Flucht und Vertreibung 1945 aus den deutschen Ostgebieten. Plattenburg war 1945 ff. eine der zentralen Sammelstellen des Kreises Westprignitz für Flüchtlinge und Vertriebene aus Ost- und Westpreußen, Ostbrandenburg, Pommern, dem Warthegau, dem Netzedistrikt und Schlesien.

Baudenkmale[Bearbeiten]

Die aus der Zeit um 1200 stammende, 1319 erstmals erwähnte Plattenburg, Station auf dem Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack, beherbergt heute unter anderem ein Museum, dient als Standesamt und bietet Räume für Seminare und Ausstellungen. Sie gilt als älteste Wasserburg Norddeutschlands.

Auf dem Gelände des 1803 vom Bistum Havelberg an privat verkauften, aus dem Jahr 1729 stammenden Vorwerks Hoppenrade entstand 1830 das klassizistische Guts- und Herrenhaus Hoppenrade und um 1847 ein dazugehörender Park. Ab 1900 als „Perle der Prignitz“ bekannt, wurde die Anlage in den 1920er Jahren umgestaltet und erweitert. Sie gehört seit 1995 der Gemeinde Plattenburg; der Landschaftspark wird seit dieser Zeit durch einen Förderverein betreut, um das 1998 als Gartendenkmal geschützte Gelände als Kulturgut und Erholungsraum für die Öffentlichkeit zu erhalten.

Die Plattenburg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Plattenburg (Burg)

Die in einem Waldgebiet an der Karthane von den brandenburgischen Markgrafen um 1200 angelegte Wasserburg wurde 1319 erstmals erwähnt, als sie an den Havelberger Bischof verkauft wurde. Infolge der Reformation und der Säkularisation kirchlicher Güter gelangte sie 1548 wieder in den Besitz des Landesherrn, dann aber 1560 endgültig an die Familie von Saldern, die bis 1945 hier verwurzelt war.

Um zwei getrennt liegende Höfe gruppieren sich die mächtigen backsteinernen Gebäude der Ober- und Unterburg. Südlich davon schließt sich das weiträumige Gelände der Vorburg an, die von einem weiteren, dem äußeren Burggraben umgeben ist. Die Gebäude der Unterburg lehnen sich an die den unteren Burghof umgebende starke Wehrmauer an, die ursprünglich als freistehende Ringmauer mit Wehrgang und gotischem Torbogen errichtet wurde. Zusätzlichen Schutz boten doppelte Wassergräben und Wälle. Der in mehreren Jahrhunderten entstandene Gebäudekomplex umfasste Stallungen, Torhaus, Wirtschaftsgebäude und Zugbrücke auf der Vorburg, Back- und Brauhaus, Speicher- und Stallgebäude, Verlies, Torhaus, Archiv, Knappenhaus (auch Wasch- und Rollhaus) und Zugbrücke auf der Unterburg sowie Palas, Bergfried und Gesinde- und Küchenhaus auf der Oberburg. Mehrere eingreifende Um- und Neubauten vom 16. bis zum 19. Jahrhundert gaben der Burg ihr heutiges architektonisches Gesicht.

Burchard von Saldern (1568–1635) ließ die Burg um 1600 im Stil der Spätrenaissance erneuern und vor allem die Wohn- und Festräume im Palas umgestalten. Diese großzügigen Veränderungen im Bischofsflügel gehören zu den schönsten und bedeutendsten handwerklichen Leistungen der Innendekoration der Renaissance in der Prignitz. Vor allem verleihen die meisterhaften und außerordentlich qualitätsvollen Tischlerarbeiten dem Wohnsitz höfische Eleganz. Ebenso beachtlich sind auch die formenreichen Steinmetz- und Stukkateurarbeiten, die wohl als Werke der Magdeburger Bildhauergenerationen um Sebastian Ertle und Christoph Dehne gelten dürfen.

Der Rittersaal besitzt vier aufwändig stukkierte Kreuzgratgewölbe über einer Sandstein-Mittelsäule und enthält als hervorragenden Schmuck einen prachtvollen Kamin mit wappengeschmücktem Aufsatz in besten Renaissanceformen. Eine Sandsteintreppe mit sechs Löwenfiguren, die die Handläufe tragen, führt zu der reichgeschnitzten Renaissancetür von 1609.

Unter Adolf Friedrich von Saldern (1802–1862) kam es schließlich von 1861 bis 1865 nach Plänen Friedrich August Stülers zu Umbauten an den Gebäuden der Oberburg, die die Burg bis heute prägen. Im Mittelpunkt der Arbeiten standen die Neugestaltung des Rittersaales und einiger angrenzender Räume, die Erneuerung des Wohnflügels sowie die Erbauung eines neuen Turmes. Dieser war ein Stockwerk tiefer als der jetzige und ist erst 1883 nach einem Brand von Baurat Wilhelm Martens durch einen Aufbau zur heutigen Form erhöht worden.

Vom Ende der 1950er Jahre bis 1991 wurde die Oberburg als Kinderferienheim genutzt, die Gebäude der Unterburg gerieten in Verfall, Teile der Vorburg wurden unmittelbar nach 1945 abgerissen. Erst 1991 setzen unter der Regie eines Fördervereins umfangreiche Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten ein, die bis heute (Stand 2012) anhalten. Auch der Burggarten konnte wieder rekonstruiert werden. Heute stellt die Burg als privat betriebene Herberge als Tagungs- und Veranstaltungsort und als Museum und Restaurant einen wichtigen kulturtouristischen Schwerpunkt in der Prignitz dar.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet Plattenburg verlaufen in West-Ost-Richtung die Bundesstraße 5 HamburgBerlin und in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 107 PritzwalkGenthin. Plattenburg liegt im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Am Bahnhof Glöwen an der Berlin-Hamburger Bahn hält stündlich der Regionalexpress (Wismar–)WittenbergeBerlinLudwigsfelde der DB Regio AG. Außerdem ist Glöwen an den öffentlichen Personennahverkehr des benachbarten Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt angebunden. Es verkehren von den Haltestellen Glöwen/Bahnhof und Glöwen/Schule Linienbusse und Rufbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Siegfried von Saldern (1843–1913), Majoratsherr auf Plattenburg, Ritterschaftdirektor und Mitglied des Reichstags

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Rudloff: Plattenburg und die Familie von Saldern. In: Prignitzer Volksbücher, Nr. 64/65, Pritzwalk 1926
  • Torsten Foelsch: Plattenburg. In: Schlösser und Gärten der Mark, hrsg. von Sibylle Badstübner-Gröger, Berlin 1993 (1. Aufl.), 2012 (4. überarb. und erg. Aufl.)
  • Theodor Goecke/ Paul Eichholz / Friedrich Solger / Willy Spatz: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Teil I, Bd. 1, Die Kunstdenkmäler des Kreises Westprignitz, Berlin 1909
  • Otto Grotefend: Urkunden der Familie von Saldern, 2 Bände, Hildesheim 1932 und 1938
  • Jan Peters: Märkische Lebenswelten. Gesellschaftsgeschichte der Herrschaft Plattenburg-Wilsnack, Prignitz 1550–1800. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Bd. 53, Berlin 2007.
  • Torsten Foelsch: Adel, Schlösser und Herrenhäuser in der Prignitz. Ein Bei-trag zur Kunst- und Kulturgeschichte einer märkischen Landschaft, Leipzig, Perleberg 1997
  • Torsten Foelsch: Die von Saldern’sche Bildersammlung auf der Plattenburg – Geschichte und Schicksal einer Kunstsammlung in der Prignitz. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Bd. 10, Perleberg 2010
  • Torsten Foelsch: Die Plattenburg in der Prignitz. In: Die Mark Brandenburg. Zeitschrift für die Mark und Brandenburg, Heft 84, Berlin 2012, S. 18-25.

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Plattenburg vom 27. Oktober 2008 PDF
  3. Gemeinde Plattenburg auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung
  4. Bildung des Amtes Plattenburg. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 31. Juli 1992. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 62, 25. August 1992, S.1054/5.
  5. Bildung einer neuen Gemeinde Plattenburg. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 14. Dezember 2001. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, Nummer 52, 27. Dezember 2001, S.904 PDF
  6. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  7. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plattenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien