Rühstädt

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Rühstädt führt kein Wappen
Rühstädt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rühstädt hervorgehoben
52.91945411.87044722Koordinaten: 52° 55′ N, 11° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Prignitz
Amt: Bad Wilsnack/Weisen
Höhe: 22 m ü. NHN
Fläche: 28,8 km²
Einwohner: 487 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19322
Vorwahl: 038791
Kfz-Kennzeichen: PR
Gemeindeschlüssel: 12 0 70 348
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Am Markt 1
19336 Bad Wilsnack
Bürgermeister: Jürgen Herper
Lage der Gemeinde Rühstädt im Landkreis Prignitz
Lenzerwische Lenzen (Elbe) Lanz Cumlosen Groß Pankow (Prignitz) Pritzwalk Gumtow Plattenburg Legde/Quitzöbel Rühstädt Bad Wilsnack Breese Weisen Wittenberge Perleberg Karstädt Gülitz-Reetz Pirow Berge Putlitz Kümmernitztal Gerdshagen Halenbeck-Rohlsdorf Meyenburg Marienfließ Triglitz Landkreis Ostprignitz-Ruppin Putlitz Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild

Rühstädt ist eine Gemeinde im Landkreis Prignitz im nordwestlichen Brandenburg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Rühstädt liegt im nordwestlichen Brandenburg in der Prignitz, ca. 12 km südöstlich der Stadt Wittenberge, nahe der Havelmündung in die Elbe. Das Dorf Rühstädt selbst hat ca. 240 Einwohner. Die Gemeinde ist Teil des Amtes Bad Wilsnack/Weisen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Rühstädt besteht aus den Gemeindeteilen:

  • Rühstädt
  • Abbendorf
  • Bälow
  • Gnevsdorf

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[2][3]
Wahlbeteiligung: 66,6 % (2003: 74,20 %)
 %
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57,21 %
23,72 %
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n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
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Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2003: PDS

Die Gemeindevertretung besteht aus 8 Gemeindevertretern:

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Bürgermeister der Gemeinde Rühstädt ist gegenwärtig Jürgen Herper (parteilos).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name des Dorfes Rühstadt geht vermutlich auf das Wort Ruhestätte zurück und hängt damit zusammen, dass sich in der Krypta der Dorfkirche die letzte Ruhestätte der alten märkischen Ritterfamilie derer von Quitzow befindet, die im Spätmittelalter eine wichtige Rolle in der Geschichte der Mark Brandenburg spielte.

Das Dorf lag früher im Burgbezirk von Nitzow des Bistums Havelberg. 1384 wurden die Herren von Quitzow damit vom Bischof von Havelberg Dietrich II. von Man belehnt. Die Quitzows besaßen bis 1719 die Burg und das Dorf mit der dazugehörigen Elbfähre.

Die alte Kirche, deren Kern noch aus dem 13. Jahrhundert stammt, wurde im 18. Jahrhundert von Friedrich Wilhelm von Grumbkow im Barockstil umgestaltet.

Die Wasserburg Rühstädt befand sich ursprünglich im Besitz der Familie von Stendal und 1384 wurde die Familie von Quitzow erstmals urkundlich als hier erbgesessen erwähnt. Die Quitzows waren in Rühstädt, Bälow und Gnevsdorf Lehnsträger des Havelberger Bischofs und haben 1552 auf älteren Fundamenten ein durch einen Wall und nassen Graben geschütztes neues Schloss im Stil der Renaissance mit einem hohen Treppenturm errichtet.

Schloss Rühstädt um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Nachdem der letzte Quitzow-Spross aus der Rühstädter Linie, Cuno Hartwig von Quitzow, 1719 starb, belieh König Friedrich Wilhelm I. in Preußen Friedrich Wilhelm von Grumbkow (1678–1739) mit Rühstädt. Schon 1709 zum Generalmajor befördert, wurde er 1723 Vizepräsident des Generaldirektoriums und gehörte auch dem berühmten Tabakskollegium des Soldatenkönigs an. 1737 erfolgte seine Ernennung zum Generalfeldmarschall. Zur Erinnerung an die Belehnung mit Rühstädt ließ er um 1720 einen zehn Meter hohen Sandsteinobelisken am westlichen Ende des Schlossparks errichten. Das alte ruinöse Schloss ließ er abreißen und durch eine symmetrische eingeschossige Dreiflügelanlage ersetzen. Die Erben des Ministers von Grumbkow konnten Rühstädt nicht halten und so erwarb 1780 Magdalene von Jagow, geb. von Bismarck (1743−1802), das Gut und baute gemeinsam mit ihrem Mann, Georg Otto Friedrich von Jagow (1742–1810), auf der Stelle des 1780 abgebrannten Grumbkow-Schlosses bis 1782 das noch heute stehende einflügelige spätbarocke Schloss neu auf. Allein der Wassergraben blieb als dekoratives Element erhalten und wurde mit einer prächtigen figurengeschmückten Brücke überspannt. Erst 1823 wurde mit der Umgestaltung des barocken Lustgartens in einen Landschaftspark der Wassergraben auf der Gartenseite des Schlosses verfüllt, 1856 erfolgte der Bau der die gesamte Gartenfront des Schlosses beherrschenden Terrasse. 1911 wurde das Schloss durch einen Anbau am Südgiebel erweitert, 1991 wurde ein entsprechender Anbau auf der Nordseite ausgeführt.

Der letzte Besitzer, Carl von Jagow (1882–1955), musste im Oktober 1945 Rühstädt mit seiner Familie zwangsweise verlassen, nachdem er noch die Wirtschaft und die Erntearbeiten bis September leiten durfte und der Besitz im Zuge der Bodenreform entschädigungslos enteignet worden war. Schloss und Gut wurden geplündert, so dass nahezu das gesamte Inventar sowie Archiv und Bibliothek verloren gingen. Die barocken Brückenfiguren wurden in den Graben gestoßen und zerstört, ebenso das Allianzwappen und die beiden Attikafiguren vom Mittelrisalit des Schlosses.

Nach Kriegsende wurde das Schloss von Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten bewohnt, bevor dann schließlich ein Altenpflegeheim des Kreises Westprignitz einzog. Auch der Park, obwohl ungepflegt, blieb erhalten, ebenso der Obelisk, von dem nur die Wappen und die Inschriften abgeschlagen worden waren. In bekannter Weise wurde jedoch ein Großteil der Gutsgebäude abgebrochen. Dadurch ging die weiträumige Hofanlage größtenteils verloren. Im Laufe der Jahre ist auch der Wassergraben vor dem Schloss verfüllt worden. Dennoch stellte man Schloss und Park 1977 unter Denkmalschutz. Nach 1990 begannen Landkreis und Gemeinde mit der Instandsetzung des Schlosses und der Parkanlage. 1998 zog schließlich das Altenheim aus und das Schloss wurde verkauft. Der neue Eigentümer hat es grundlegend saniert und betreibt hier seit den 2000er Jahren gemeinsam mit seiner Tochter ein Schlosshotel.

Gutsanlage[Bearbeiten]

Nach dem 1782 von J. Wichmann gezeichneten Plan der Schloss- und Gutsanlage bestand diese damals aus einer ganzen Reihe von massiven Gebäuden, die den geräumigen Gutshof im Rechteck umschlossen: Amtshaus, Brauhaus, Reit- und Viehstall, Holländerhaus, Back- und Taubenhaus sowie einer Scheune. Der Zugang zur Schlossinsel, gleichzeitig mit dem Schlossbau 1782 angelegt, führte über eine steinerne prächtige Bogenbrücke aus verputztem Ziegelmauerwerk. Die Brückenwangen, ehemals mit Sandsteinabdeckungen und geschwungenen Abschlüssen, hatten eine Höhe von 1,30 Metern. Sie waren mit Pilastern gegliedert, die als Postamente für ursprünglich acht Sandsteinfiguren griechischer Götter dienten. Die Brücke überspannt den Graben im Bogen und liegt in der Mittelachse des Schlosses. Sie wurde 1991 unvorteilhaft überarbeitet, wobei die Sandsteinabdeckungen beseitigt wurden. Die Zufahrt ist mit Naturstein gepflastert. Auch auf der Parkseite gab es eine Brücke, die den Zugang zum Lustgarten erschloss, deren Aussehen aber unbekannt ist.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfuhr der Gutshof unter Friedrich von Jagow wesentliche Erweiterungen und Veränderungen, was mit den Dienstablösungen und der Umstrukturierung der Landwirtschaft zusammenhing. So entstanden beispielsweise am Eingang zur Gutsanlage - längs der Dorfstraße gegenüber der Kirche - mehrere große aneinandergereihte Backsteinbauten, die den Schafstall und die Scheune enthielten und in Resten noch heute vorhanden sind. In den 1880er Jahren kamen unter Carl von Jagow weitere große Gebäude in der für die Zeit typischen Backsteinarchitektur mit Schieferdächern auf dem Gutshof und im Dorf hinzu: ein großer Pferdestall mit Speicherböden, ein langgestreckter großer Rinderstall am Küchengarten, eine neue Orangerie nördlich vom Schloss, ein Eiskeller im Park, ein Schweinestall am südlichen Hofende, mehrere Tagelöhnerhäuser, der Wasserturm im Küchengarten, ein neues Pfarrhaus und die Küsterei. Viele dieser Gebäude wurden nach 1945 abgerissen Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges umfasste das Gut Rühstädt die Betriebe Rühstädt mit 380 ha, Quitzöbel mit 290 ha und die Friedrichswalder Forst mit 1500 ha.

In Rühstädt lag der Schwerpunkt auf der Milch- und Fleischproduktion, für die Weidehaltung der Rinder standen ausgedehnte Flächen des Elb-Werder zur Verfügung. Gezüchtet wurde ausschließlich schwarzbuntes Herdbuch-Vieh, die Bullen wurden in Ostfriesland gekauft. Die ca. 200 Schafe wurden auf den Elbdeichen gehütet. Vor der Mechanisierung waren 24 Pferde zur Bewirtschaftung des Gutes erforderlich, dazu kamen 4 Kutsch- und 1-2 Reitpferde. In Quitzöbel wurden vorwiegend Jungrinder aufgezogen. Daneben hatte es besonders viel Wald, insbesondere junge Eichenbestände. Friedrichswalde war ausschließlich ein Forstgut und bestand aus fast reinem Kiefernforst, der von zwei Förstern betreut wurde. Die Zahl der in Rühstädt ganzjährig beschäftigten männlichen Arbeitskräfte betrug vor dem Zweiten Weltkrieg ca. 23, vom Inspektor über den Rechnungsführer, Schweizer, Schäfer, Kutscher und Förster bis zum einfachen Tagelöhner. In der Saison kamen 12-15 Frauen dazu. Für den Schlosshaushalt waren 10 Personen erforderlich: 1 Diener, 1 Kutscher, 1 Köchin, 1 Jungfer, 2 Küchen-Gehilfinnen, 2 Dienstmädchen und 2 Gärtner.

Der Schlosspark[Bearbeiten]

Mit der Übernahme von Rühstädt durch Friedrich Wilhelm von Grumbkow wurde Anfang des 18. Jahrhunderts auch der bescheidene Renaissance-Garten des 16. Jahrhunderts neu gestaltet. Diesen „verschönerte und bereicherte er durch mancherlei Anlagen, seltene Bäume, Laubengänge, Spalier und anderes Obst.“ An das westliche Ende des Parks ließ von Grumbkow als Point de vue in die Mittelachse einen zehn Meter hohen Sandsteinobelisken setzen. Den Sockel zierten ursprünglich vier Grumbkowsche Wappen, außerdem gab es vergoldete Inschriften an drei Seiten und der Obelisk war von einem weißen Gitter mit gelben Spitzen umgeben. 1881 wurde hier zuletzt eine Restaurierung durchgeführt.

Mit dem Neubau des Schlosses 1782 unter Georg Otto Friedrich von Jagow kam es schließlich zur Neuprojektierung des Parkes, die J. Wichmann übernahm. Dieser Lustgarten war noch ganz im Stil französischer Barockanlagen gestaltet: Zu beiden Seiten der Hauptachse des Parterres lagen mehrere Kompartimente, die durch eine große Querachse, an deren nördlichen Ende eine Orangerie („Orangen-Saal“) stand, gebildet wurden. Seitlich schlossen sich Heckenquartiere, Laubengänge (Hainbuchen), Bosketts und Partien für die Orangerie an. Die vier zentralen Kompartimente besaßen Rasenstücke mit schmalen Kieswegen und Bordürenrabatten und wurden von schmalen Rasenstreifen mit phantasievoll geschnittenen Formbäumchen (Buchs, Eibe, Fichte) eingefasst. Am nordwestlichen Ende des Parterres gab es einen Gartenpavillon, ein rundes „Lusthaus“. Südlich des Schlosses, auch außerhalb des Grabens, lag der Küchengarten, der gleichfalls in symmetrische Kompartimente aufgeteilt war. Eingefasst von Baumpflanzungen lagen hier die Obst- und Gemüsebeete, deren Flächen noch heute beim Wasserturm zu sehen sind. Der im 16. Jahrhundert angelegte Wassergraben, der ursprünglich Verteidigungszwecken gedient hatte, wurde, wie schon zu Grumbkows Zeiten, als dekoratives Element beibehalten.

1823 ließ Friedrich von Jagow den barocken Garten in einen Landschaftspark umgestalten. In diesem Zusammenhang wurde der Schlossgraben an der Parkseite verfüllt, um Raum für den Pleasureground zu gewinnen. Das Urmesstischblatt aus dem Jahre 1843 zeigt bereits diesen Zustand. Außerdem wurde das barocke regelmäßige Achsensystem aufgelöst und der Gartenraum verselbständigt. Allein die Hauptachse zum Obelisk sowie die parallel dazu geführte Achse zum Eiskellerberg, die ursprünglich als Laubengang ausgebildet war, wurden beibehalten. Die Mittelachse, die hinter dem Pleasureground begann, war anfangs von Kastanien und nach 1926 von Linden eingefasst. Neue Gehölzgruppen, u. a. Wellingtonie, Lärche, Buche, Platane, Akazie, Eibe, Lebens- und Mammutbaum fanden Aufnahme im Park und in die weite Elbniederung wurden Sichtachsen angelegt. Elegant geschwungene Kieswege um Teich und Parkgrenzen erschlossen nun das Gelände. Der Teich, der sich an die südliche Langseite des barocken Lustgartens anschloss, war nun mit dem dahinter liegenden Wiesenstück in die Gesamtgestaltung einbezogen und seine baumbestandenen Ufer zur wirkungsvollen Kulisse gestaltet.

Carl von Jagow legte nach dem frühen Tod seiner ersten Frau, Louise von Gayl, 1863–65 am südwestlichen Parkende einen Begräbnisplatz für die Familie anlegen. Er liegt in der Blickachse zur weißen Brücke am Schloss und jenseits des Teiches. Eine Backsteinmauer umgibt die Anlage und eine apsisartige Altarnische mit Kruzifix wird von zwei Gipsreliefs nach Bertel Thorwaldsen eingefasst.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Scheunendach mit Storchennestern

In der Liste der Baudenkmale in Rühstädt stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Baudenkmale.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

Am Ortsausgang von Abbendorf Richtung Rühstädt besteht seit 1977 ein Denkmal für 200 Häftlinge, die im Außenlager Abbendorf des Zuchthauses Brandenburg-Görden zwischen 1937 und 1940 Zwangsarbeit verrichten mussten.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Der alte Wasserturm, 1883 erbaut, versorgte er den Gutshof, den Küchengarten und das Schloß mit Wasser. Heute ist er ein Wahrzeichen Rühstädts, nachdem er 1991 mit Hilfe des Otto-Versands restauriert werden konnte.
  • Das barocke Schloss, 2002 zum Hotel umgebaut.
  • Die evangelische Dorfkirche aus dem späten 15. Jahrhundert, 1662 wurde die Kirche erneuert. In der Kirche steht eine 1738 von Joachim Wagner erbaute Orgel[4].
  • Besucherzentrum des NABU

Grabdenkmale[Bearbeiten]

Vom mittelalterlichen Kirchenbau haben sich in der Apsiskuppel die Reste einer bedeutenden spätgotischen Freskomalerei mit einer Weltgerichtsdarstellung und Wappen (v. Quitzow/v. d. Schulenburg) erhalten, die nach ihrer zufälligen Freilegung beim Abputzen der Apsis im Mai und Juni 1890 von dem von der königlichen Regierung beauftragten Maler A. Olbers restauriert wurden. Auch der Schnitzaltar ist erhalten, er stammt vom Anfang des 15. Jahrhunderts und zeigt im Schrein eine Marienkrönung mit Petrus und Paulus und in den Flügeln Johannes den Täufer und den Heiligen Georg sowie eine Verkündigung. Auch auf den Flügelaußenseiten ist die Verkündigung Mariä dargestellt. Vor allem sind neben diesen Dingen auch die ganz hervorragenden Grabdenkmäler der Patronatsfamilien von Quitzow und von Jagow in der Kirche zu sehen. Bedeutend sind vor allem die rechts und links neben der Apsis stehenden Epitaphe aus Sand- und Kalkstein, rechts für den Hauptmann der Prignitz und kaiserlichen Feldmarschall Dietrich VIII. von Quitzow (1515–1569), der als überlebensgroße Gestalt in voller Rüstung in einer rundbogigen Nische steht, die von reichem Wappenschmuck eingefaßt ist. Die Bekrönung zeigt ein Relief mit Christus und der Siegesfahne, den Sockel ziert eine Inschrift in Rollwerkrahmung. Links befindet sich das Epitaph für Dietrich X. von Quitzow, der am 25. Oktober 1593 von plündernden Landsknechten in Legde erschlagen wurde, ebenfalls in Rüstung und in einer Nische stehend. Die Nische wird von reich ornamentierten korinthischen Säulen mit Gebälk und von figürlich allegorischem Beiwerk gerahmt, über dem Gebälk erhebt sich ein Auferstehungsrelief. An die Bluttat erinnert in Legde ein Monument in ganz ähnlicher Komposition aus Kalkstein, der sog. Quitzowstein. Bemerkenswert ist auch das Wandgrab für Thomas Günther von Jagow (1703–1777). 1788 datiert, ist es ein schöner klassizistischer Säulenaufbau in Form einer antiken Tempelfassade mit trauernden Putten, dem Bildnis und dem Wappen des verstorbenen über dem Gebälk. Der Berliner Bildhauer Friedrich Drake schuf das entzückende Relief aus schlesischem Marmor mit Mutter und Kind als Denkmal für die jung verstorbene Berta von der Schulenburg, geb. von Jagow (1813–1835). Es zählt neben dem Grabmonument für den 1794 verstorbenen Grafen H. c. A. M. von Blumenthal von Johann Gottfried Schadow in der Kapelle in Horst (bei Kyritz) zu den Hauptwerken der Berliner Bildhauerschule des Klassizismus in der Prignitz. Der Bildhauer Karl Friedrich Wichmann schuf 1827 die sehr schöne Büste von Georg Otto Friedrich von Jagow, die ihn in antikem Gewand zeigt und seinem Antlitz fast caesarische Züge verleiht. Die Büste für Friedrich von Jagow modellierte 1856 der Bildhauer Carl Cauer. Die Berliner Bildhauerin Anna von Kahle schuf 1889 das Grabdenkmal des Erbjägermeisters Carl von Jagow-Rühstädt (1818–1888).

Storchendorf Rühstädt[Bearbeiten]

Rühstädter Wasserturm mit Storchennest

Rühstädt ist das storchenreichste Dorf Deutschlands, es gibt dort in manchen Jahren bis zu 40 brütende Storchenpaare, hinzu kommen noch zahlreiche einzelne Störche.

Bereits in den 1970er Jahren wurde begonnen, mit Hilfe von Nisthilfen den durch reich ausgestatteten Futterplätze an den Elb- und Havelauen begünstigten natürlichen Storchenreichtum zu unterstützen. Teilweise sind bis zu fünf Storchennester auf einem Dach zu sehen.

1996 bekam Rühstädt von der Stiftung Europäisches Naturerbe den Titel „Europäisches Storchendorf“ verliehen. Im selben Jahr nisteten hier sogar 44 Storchenpaare. Für jedes Nest wurden Informationstafeln angebracht, die darüber informieren, wann die einzelnen Störche jeweils aus ihrem Winterquartier eingetroffen oder dann auch wieder abgeflogen sind, sowie wie viel Nachwuchs jeweils großgezogen wurde.

Spätestens seit dem offiziellen Titel ist man an den Wochenenden zwischen April, wenn die Störche einfliegen, und Ende August, wenn sie wieder abfliegen, selten allein im Ort. Pro Saison kommen 55.000 bis 65.000 Besucher wegen der Störche nach Rühstädt. Der Störchereichtum ist damit auch ein Wirtschaftsfaktor, derzeit hängen ca. 130 Arbeitsplätze in Gastronomie und Hotellerie am Interesse der Besucher.

Dokumentationstafeln zu den Storchen (1989)
Jahr Storchenpaare Storchenpaare
mit Nachwuchs
Jungvögel[5]
1970 7 9
1980 16 24
1990 26 56
2000 39 71
2004 34 27 68
2008 29 58

Literatur[Bearbeiten]

  • Torsten Foelsch: Schloss Rühstädt. In: Schlösser und Gärten der Mark, hrsg. von Sibylle Badstübner-Gröger, Berlin 1998
  • Torsten Foelsch: Forst und herrschaftliche Jagd auf dem Lande am Beispiel der Rittergüter Wolfshagen und Rühstädt. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Band 12, Perleberg 2012, S. 61–90.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rühstädt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2008/SB_B7-3-5_j05-08_BB.pdf#page=128
  3. http://www.wahlen.brandenburg.de/kw2003/kg/ergebnisse/gemeinde/1340.html
  4. Beschreibung der Kirche auf der Webseite des Amtes Bad Wilsnack, abgerufen am 19. Februar 2013
  5. Siehe detaillierte Geburtenstatistik des Storchenclub Rühstädt e.V.; 2008 gemäß aktueller Angabe am Storchenhaus in Rühstädt. Abgerufen am 6. Februar 2011.