Hirschhorn (Neckar)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hirschhorn (Neckar)
Hirschhorn (Neckar)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hirschhorn (Neckar) hervorgehoben
49.4463888888898.8972222222222126Koordinaten: 49° 27′ N, 8° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 126 m ü. NHN
Fläche: 30,86 km²
Einwohner: 3424 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 111 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 69434,
64757 (Unter-Hainbrunn),
69412 (Igelsbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 06272, 06271, 06275
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 012
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 17
69434 Hirschhorn (Neckar)
Webpräsenz: www.hirschhorn.de
Bürgermeister: Rainer Sens (Unabhängig)
Lage der Stadt Hirschhorn (Neckar) im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild

Hirschhorn (Neckar) ist eine kleine Stadt im hessischen Odenwald und bildet zusammen mit dem südwestlich benachbarten Neckarsteinach als Exklave des Kreises Bergstraße im Neckartal den südlichsten Teil Hessens. Hirschhorn ist anerkannter Erholungs- und Luftkurort[2] und liegt im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Blick auf den historischen Ortskern mit Burg Hirschhorn vom östlichen Neckarufer.

Hirschhorn liegt ungefähr 15 km ostnordöstlich von Heidelberg (Entfernung auf der Straße ca. 22 km) im Odenwald-Neckartal. Der Fluss hat sich hier in einer Doppelschleife tief in die bewaldeten Höhen des Buntsandstein-Odenwaldes eingegraben. Der Feuerberg (341,1 m ü. NN), der sich zwischen Hirschhorn und Igelsbach über dem Neckartal erhebt, ist der Beginn eines Höhenzuges, der von hier unter dem Namen Hirschhorner Höhe 13 Kilometer weit nach Norden über den Steinernen Tisch (390 m ü. NN) und den Langen Wald (474 m ü. NN) nach Rothenberg (420 m ü. NN) und zur Main-Neckar-Wasserscheide bei Beerfelden führt. Den Stadtteil Ersheim ausgenommen, der südlich des Neckars auf dem flach auslaufenden Sporn seiner Nordschleife steht, liegt Hirschhorn nördlich des Flusses; Ersheim ist auch der einzige Teil Hessens, der südlich des Neckars liegt. In Hirschhorn mündet der sehr kurze Laxbach in ihn, der erst im Ortsbereich aus dem Zusammenfluss der langgestreckten Odenwaldbäche Ulfenbach und Finkenbach entsteht, die sein Einzugsgebiet über 20 km weiter nördlich beginnen lassen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Hirschhorn grenzt im Norden an die Gemeinde Heddesbach und die Stadt Eberbach (Stadtteil Brombach) (beide Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) und die Gemeinde Rothenberg (Odenwaldkreis), im Osten an die Kernstadt Eberbach, im Süden an die Gemeinde Schönbrunn (Rhein-Neckar-Kreis) und die Stadt Neckarsteinach sowie im Westen an das gemeindefreie Gebiet Michelbuch und die Städte Neckarsteinach und Schönau (Rhein-Neckar-Kreis).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Hirschhorn besteht aus folgenden Stadtteilen:

  • Hirschhorn
  • Ersheim, gelegen auf der Landspitze in der Neckarschleife am südlichen Ufer
  • Igelsbach, genauer: die südwestliche Hälfte der Ortschaft, das „Hessische Igelsbach“ die nordöstliche Hälfte gehört zu Eberbach
  • Langenthal im Ulfenbachtal
  • Unter-Hainbrunn im Norden des Stadtgebietes an der Grenze zu Ober-Hainbrunn (Gemeinde Rothenberg).

Geschichte[Bearbeiten]

Ersheim als Ursprung der Siedlung[Bearbeiten]

Älteste Funde belegen, dass die Gegend um die Hirschhorner Neckarschleife bereits vor 6.000 Jahren von Menschen bewohnt war. Die erste Erwähnung des auf der von der Neckarschleife umflossenen Landzunge liegenden Ortsteils Ersheim erfolgte im Lorscher Codex mit einer auf 773 datierten Stiftung (Lorscher Urkunden, Nr. 2624). Die Siedlung, die 1023 als Erasam zum Zubehör eines Lorscher Tochterklosters, des Michaelsklosters auf dem Heiligenberg bei Heidelberg gehörte, zählt zu den ältesten Siedlungen im Neckartal. Während das Umland im 11. Jahrhundert fast vollständig in den Besitz des Bistums Worms kam, blieb Ersheim zusammen mit dem nördlich davon gelegenen Dorf Ramsau eine Lorscher Exklave. Von hier aus erfolgte ab dem 12. Jahrhundert die Gründung von mehreren Rodungssiedlungen, darunter die später größtenteils wieder aufgegebenen Orte Weidenau, Unter-Hainbrunn, Igelsbach und Krautlach.

Grabplatte von Hans V. von Hirschhorn, Ortsherr um 1400

Stadtgründung durch die Herren von Hirschhorn[Bearbeiten]

Hirschhorn, das als heutiger Hauptort auf der anderen Neckarseite südwestlich von Ersheim liegt, hat seinen Namen vom Wappensymbol der Herren von Hirschhorn, die hier auf ursprünglich Lorscher Lehensgrund um 1200 die Burg Hirschhorn errichteten. Die Oberlehensherrschaft ging nach Auflösung der Lorscher Reichsabtei 1232 an das Erzstift Mainz. Der von 1336 bis 1361 nachgewiesene Engelhard I. von Hirschhorn erlangte durch Pfandschaften und Reichslehen Einfluss und große Besitztümer. Sein Sohn Engelhard II. führte diverse Fehden und fiel unter die Reichsacht, doch konnten seine Söhne den Familienbesitz wieder mehren. 1391 wurde Hirschhorn (Hirtzhorn) mit einer Stadtmauer umgeben und erhielt von König Wenzel das Stadtrecht, zu Händen der Brüder Hans V. und Albrecht und Eberhard von Hirschhorn. Nach der Wahl Pfalzgraf Ruprechts III. zum König wurde Hans V. von Hirschhorn ab 1400 mit Reichsaufgaben betraut. Der König stiftete 1404 das Recht, einen Wochenmarkt abzuhalten. Das älteste Stadtsiegel datiert vom 25. Juli 1406, um diese Zeit erfolgte durch die Ortsherren auch die Stiftung des Karmeliterklosters mit der Karmeliter-Klosterkirche Mariä Verkündigung unterhalb der Burg. 1413 wird mit der Vorstadt bereits eine erste Erweiterung der Stadt erwähnt. 1417 erhielt die Stadt von König Sigismund das Recht auf zwei Jahrmärkte. Die Bürger der zugehörigen Dörfer suchten den Schutz der befestigten Stadt, darum wurden Ersheim, Ramsau, Krautlach und Weidenau bald nach der Stadtgründung aufgegeben. In Ersheim war die 1553 errichtete Ziegelhütte über Jahrhunderte neben der dortigen Kirche noch das einzige Anwesen.

Zwischen 1522 und 1529 traten die Ritter von Hischhorn zum protestantischen Glauben über, nach Streitigkeiten mit dem Karmeliterkloster wurde dieses 1543 aufgehoben. 1556 hat ein verheerender Stadtbrand besonders das so genannte Hinterstädtchen fast völlig vernichtet, 1565 riss Hochwasser mit Eisgang Teile der Stadtmauer nieder.

Niedergang im Dreißigjährigen Krieg[Bearbeiten]

Während sich der Bauernkrieg nicht auf die Stadt auswirkte, erfuhr Hirschhorn durch den Dreißigjährigen Krieg große Veränderungen. Nach dem Aussterben der Herren von Hirschhorn mit dem Tode des vor den Kriegswirren nach Heilbronn geflüchteten Friedrich III. im September 1632 fielen Burg und Ort an das Erzbistum Mainz, das die Stadt nach Ende der schwedischen Besatzung 1636 an den Kurkölner Hofbeamten Rudolf Raitz von Frentz weiter verpfändete, der die ohnehin durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogene Bevölkerung rücksichtslos ausbeutete und verarmen ließ. Auch die Karmeliten zogen wieder in das Kloster ein. 1635 führte eine Pestepidemie zu weiterem Bevölkerungsrückgang. Der nahezu entvölkerte Ort wurde nach dem Westfälischen Frieden 1648 mit Neubürgern aus der Pfalz, Kurmainz, Kurtrier, Lothringen, Tirol und der Schweiz aufgesiedelt. Ab 1676 war Hirschhorn an den westfälischen Freiherrn Johann Wilhelm von der Reck verpfändet.

Ab dem Jahr 1700 übte Kurmainz seine Herrschaft selbst aus und der Ort wurde Sitz der Amtskellerei Hirschhorn.

Hirschhorn 1810
Hirschhorn 1848
Hirschhorn 1896
Die Steinerne Brücke in Hirschhorn um 1900. Im Hintergrund die Burg Hirschhorn

Übergang zu Hessen 1803[Bearbeiten]

Mit dem „Reichsdeputationshauptschluss“ vom 25. Februar 1803 wurden die territorialen Verhältnisse im Reich neu geregelt. Anlass waren die Eroberungen Napoleons, der die französische Staatsgrenze bis an den Rhein ausgedehnt hatte. Dieses letzte Gesetzeswerk des alten Reiches setzte Bestimmungen des Friedens zu Lunéville um, nach denen das Amt Hirschhorn zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt kam. Während der Napoleonischen Kriege entsteht auf Druck Napoleons 1806 das Großherzogtum Hessen, in dem die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt aufging. Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen.

1803 wurde mit dem Übergang zu Hessen das Kloster erneut aufgelöst. 1821 bis 1832 war Hirschhorn Landratssitz des Landratsbezirks Hirschhorn, der dann zusammen mit dem Landratsbezirk Lindenfels im Kreis Lindenfels aufging. Der Kreis wurde aber bereits 1832 in Kreis Heppenheim umbenannt. Infolge der Märzrevolution 1848 wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt. Dabei ging der Kreis Heppenheim zusammen mit den Kreis Bensheim im Regierungsbezirk Heppenheim auf. Diese Gliederung hatte aber nur vier Jahre bestand, denn 1852 wurden die Regierungsbezirke wieder abgeschafft und zur Kreiseinteilung zurückgekehrt, wobei Hirschhorn jetzt zum neuen Kreis Lindenfels gehörte. Bei einer weiteren Verwaltungsreform 1874 wird der Kreis Lindenfels aufgelöst und die Stadt dem Kreis Heppenheim, dem späteren Kreis Bergstraße zugeschlagen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über die jetzt zum Großherzogtum Hessen gehörige Stadt[3]:

»Hirschhorn (L. Bez. gl. N.) Stadt; liegt dicht am rechten Neckarufer. 14 St. südöstlich von Darmstadt, und hat 201 Häuser und 1507 Ein., die bis auf 24 Luth., 1 Reform. und 58 Juden, alle katholisch sind. Hirschhorn ist der Sitz des Landraths, des Landrichters, des Steuerkommissairs und des Receptors (Rentamt); auch ist hier ein Grenznebenzollamt II. Classe. Man findet hier einige Kirchen, ein 1805 aufgehobenes Karmeliterkloster, eine Burg (Hirschhorn), 1 Hospital, 1 Eisenhammer, 3 Mahlmühlen, mit denen 1 Schneide, und 1 Oelmühle verbunden sind, 1 Apotheke, sodann auf dem jenseitigen Ufer 1 Kapelle, die Erschheimer Kire genannt, und 2 Ziegelhütten mit einigen Häusern. Die Stadt liegt malerisch schon zwischen dem Neckar und einem steilen Berge, besteht von oben herab aus einer Straße, dehnt sich aber unten weiter aus, wie sich der Neckar vom Berge entfernt. Das Innere entspricht aber dem Aeußern nicht. Hirschhorn hat eine Vorstadt in welcher sich der Finkenbach mit dem Ulvenbach vereinigt. Ueber der Stadt liegt auf einem steilen Berge die kühngebaute Burg Hirschhorn, die zum Theil verfallen ist, zum Theil noch bewohnbare Gebäude aus spätern Zeiten hat, in welchen die Bezirksbehörde ihren Sitz hat. Jährlich werden 5 Märkte gehalten Die Geschichte giebt erst sichere Kunde von einem Hans von Hirzhorn von 1232–1307; vor ihm wird der Burg Hirschhorn nicht erwähnt. Die Familie von Hirschhorn war in der Folge eine der angesehensten der Gegend, stand in allgemeiner Achtung und besaß sehr bedeutende Reichthümer. Sie trug Burg und Ort Hirschhorn von Mainz zu Lehen, welchem letzteren König Wenzel 1391 Stadtprivilegien ertheilte und Mauern und Thürme erlaubte. Etwas später, 1404 ertheilte König Rubrecht der Familie von Hirschhorn das Recht eines Wochen Markts für das Städtchen und 1406 stifteten Hans von Hirschhorn seine Gemahlin und Brüder das Karmeliterkloster. Die größere Pfarrkirche war ehedem eine protestantische Kirch, da die Familie von Hirschhorn den protestantischen Glauben angenommen hatte und der größere Theil der Unterthanen ihr darin gefolgt war. Nachdem aber mit Friedrich von Hirschhorn diese Familie 1632 erloschen, Burg und Stadt als eröffnetes Lehen an das Erzstift Mainz zurückgefallen war, die Baiern überdieß im 30jährigen Krieg den Protestantismus verdrängten, so wurde der katholische Kultus wieder eingeführt. Im Jahr 1802 kam Hirschhorn von Mainz an Hessen. Im Oktober 1824 stieg der Neckar, fast von dem niedrigsten Stande, in einem Zeitraum von 24 Stunden, nach einem 3-stündigem Regen, bis 2 Fuß über den bisherigen höchsten Wasserstand von 1789. Es wurden mehrere Gebäude weggerissen, und die sämtlichen Häuser in den unteren Straßen bis an die Dächer mit Wasser gefüllt; 14 Familien verloren ihr Obdach.«

Von 1821 bis 1968 war Hirschhorn Sitz eines Landgerichtes bzw. ab 1879 Amtsgerichtes und danach bis 2003 Sitz einer Zweigstelle des Amtsgerichts Fürth.

1849 ereigneten sich Kampfhandlungen zwischen der Hanauer Turnerwehr, badischen Freischärlern und Bundestruppen in der Stadt und um Hirschhorn herum im Rahmen der Badischen Revolution.

1841 brachte der Beginn der Neckar-Dampfschifffahrt einen gewissen Aufschwung. 1878 löste die Kettenschifffahrt die unrentable Treidelschifffahrt ab, machte aber deren Berufsstand arbeitslos. 1879 nahm die Neckartalbahn den Betrieb auf, die Hirschhorn mit Heidelberg und Mosbach verbindet. Der außerhalb des historischen Stadtkerns in Richtung Neckarsteinach errichtete Bahnhof gab den Impuls zur weiteren Ausdehnung der Bebauung in diese Richtung. Die Neckarstaustufe mit Schleuse und der Neckarbrücke, die Hirschhorn mit Ersheim verbindet, wurde 1933 eingeweiht und 1959 zur Doppelschleuse ausgebaut. Die durch die Brücke geschaffene Straßenanbindung in das seit Jahrhunderten aufgegebene Ersheim führte noch in den 1930er Jahren dort zum Bau der Schule und einiger Wohnhäuser. 1937 erhielt Hirschhorn den Namenszusatz (Neckar).

Hirschhorn seit dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden dem Ort zahlreiche Evakuierte und auch Vertriebene, hauptsächlich aus dem Sudetenland, zugewiesen. Ende 1946 wurden rund 400 Evakuierte und rund 415 Flüchtlinge gezählt. Die Enge in der historischen Stadt führte dazu, dass nun insbesondere in Ersheim viel Bauland erschlossen wurde, so dass dort bis 1982 knapp 1000 Wohnungen erbaut wurden und die Einwohnerzahl des ehemals verödeten Ortes heute die der Altstadt übersteigt. 1960 wurde Hirschhorn zum Luftkurort ernannt. Die Fertigstellung des Schulerweiterungsbaus erfolgte 1970. Im Jahr 1976 war der Beginn der Bauarbeiten am Projekt „Brücke-Tunnel-Brücke“, das 1982 fertiggestellt wurde und den Verkehr der Bundesstraße 37 am Ort vorbei leitet. 1980 baute man eine Kläranlage, 1983 wurde die Sporthalle Jahnstraße eingeweiht. Das Jahrhunderthochwasser am Neckar 1993 hinterließ etliche Zerstörungen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde Langenthal wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. April 1972 zum Stadtteil von Hirschhorn.[4]

Religionen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung ist fast zu gleichen Teilen evangelisch–lutherisch und katholisch. Eine kleinere Gruppe muslimischer sowie neuapostolischer Mitbürger wohnen in Hirschhorn. Im Jahr 2009 zogen nach über 200 Jahren wieder drei indische Karmeliter in das seit 1803 verwaiste Karmeliterkloster ein. Sie stellen auch den katholischen Pfarrer.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

Historische Namensformen waren:[5]

Dorf unter Hirtzhorn, das (1391) Stedtel under Hirtzhorn der Festen, das (1404) Hirßhorn, zum (1406)
Hirßhorn, tzum (1418) Hirßhorn (1422) Hirtzshorn (1422)
Hirschorn, zum (1563) Hirschhorn (1611)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgenden Einwohnerzahlen sind dokumentiert[5]:

  • 1806: 1130 Einwohner[6]
  • 1869: 1684 Einwohner[7]
  • 1939: 2196 Einwohner
  • 1961: 3121 Einwohner
  • 1970: 3585 Einwohner
Hirschhorn: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
1.790
1840
  
1.853
1846
  
1.921
1852
  
1.835
1858
  
1.854
1864
  
1.881
1871
  
1.762
1875
  
1.838
1885
  
2.007
1895
  
1.938
1905
  
2.057
1910
  
2.203
1925
  
2.271
1939
  
2.196
1946
  
3.065
1950
  
3.081
1956
  
3.048
1961
  
3.121
1967
  
3.639
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten]

Marktplatz mit kath. Pfarrkirche Maria Immaculata

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [8]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
38,5 %
31,1 %
30,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,6 %p
+2,9 %p
+0,8 %p
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,5 7 42,1 7 56,7 10
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 31,1 5 28,2 5 43,3 7
Profil Hirschhorn Profil Hirschhorn[9] 30,4 5 29,6 5
gesamt 100,0 17 100,0 17 100,0 17
Wahlbeteiligung in % 58,6 53,2 57,3

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 27. März 2011 wurde Rainer Sens mit 64 % aller Stimmen zum neuen Bürgermeister der Stadt Hirschhorn gewählt und löste damit Ute Stenger ab. Als weitere Kandidaten erreichten Hermann Peter Arnold 32,9 % aller Stimmen und Stephanie Hermann 3,9 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,5 %.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stadtwappen zeigt einen springenden Hirsch. Der frühere Ortsadel, die Herren von Hirschhorn, hatten eine aufrechte Hirschstange mit fünf Enden als Wappen. An den historischen Gebäuden des Ortes ist üblicherweise das Wappen des Ortsadels zu sehen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Hirschhorn unterhält seit 1981 eine Städtepartnerschaft mit Château-Landon in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kath. Pfarrkirche mit Torturm

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die mittelalterliche Burg Hirschhorn erstreckt sich auf einem Bergsporn oberhalb des Städtchens. In der ummauerten und von Türmen bewehrten Burg sind Bergfried, Palas, Marstall sowie mehrere Tor- und Wirtschaftsgebäude erhalten.
  • Unterhalb der Burg befindet sich die ehemalige Karmeliter-Klosterkirche Mariä Verkündigung, geweiht 1406, mit St.-Anna-Kapelle von 1513. Die Kirche ist reich an mittelalterlichen Epitaphen derer von Hirschhorn und weist einen gotischen Sandstein-Lettner auf. Zur rechten der Kirche ist das ehemalige Klostergebäude erhalten.
  • Die Pfarrkirche zur Unbefleckten Empfängnis Maria wurde 1628 bis 1630 als lutherische Kirche erbaut, im Zuge der Gegenreformation 1636 geschlossen, 1730/31 als katholische Stadtkirche neu erbaut und am 2. Juli 1732, samt neuen Altären vom Wormser Weihbischof Johann Anton Wallreuther geweiht.[10] Die Kirche nutzt als Kirchturm den wesentlich älteren Torturm des ehemaligen Mitteltors von 1392. Im Ort sind weitere Reste der Stadtmauer erhalten, darunter das bis 1830 genutzte Osttor.
  • Die dritte Kirche des Ortes ist die Evangelische Kirche an der Mündung der Grabengasse, geweiht 1892.
  • In der Altstadt von Hirschhorn sind zahlreiche alte Fachwerkhäuser erhalten.
  • Die Staustufe Hirschhorn mit Schleusen- und Brückenfunktion wurde vom Architekten Paul Bonatz entworfen, einem der Hauptvertreter der Stuttgarter Schule. Zwischen 1926 und 1928 war er für die Entwürfe sämtlicher Neckarstaustufen verantwortlich. Die Umsetzung, die teilweise bis 1933 andauerte, erfolgte durch Otto Hirsch und Otto Konz. Die Staustufe in Hirschhorn zählt trotz ihrer infrastrukturellen Funktion zu den markanten Bauwerken der Stadt.
  • Auf einer Spornspitze im auf der gegenüberliegenden Neckarseite gelegenen Stadtteil Ersheim befindet sich die Ersheimer Kapelle, die urkundlich 773 im Lorscher Codex erwähnt wurde und als älteste Kirche des Neckartals gilt.
  • Außerhalb von Hirschhorn befindet sich bei der Waldbrudershütte im Ulfenbachtal ein historisches Felsbild.

Museen[Bearbeiten]

Das Langbeinmuseum beherbergt die „Naturalien- und Altertümersammlung“ des Hirschhorner Gastwirtes Carl Langbein (1816 bis 1881) an der Alleestraße Ecke Grabengasse im Haus des Gastes, dem ehemaligen Forstamtsgebäude. In diesem befindet sich auch eine kleine Touristen-Information und hier beginnen die an den Samstagen zwischen Mai und September stattfindenden geführten Stadt-/Schlossrundgänge.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Netzplan der S-Bahn RheinNeckar
Neckarschleuse

Hirschhorn liegt an der Neckartalbahn (HeidelbergBad Friedrichshall-Jagstfeld), die seit 2003 von der S-Bahn RheinNeckar halbstündlich bedient wird.

Bei Hirschhorn kürzt die Bundesstraße 37 über zwei Brücken und einen Tunnel die große Flussschleife des Neckars ab. Die Westbrücke führt in einer Kurve über den Fluss.

Seit 1933 gibt es die Hirschhorner Neckarstaustufe mit Schleuse. Das Bauwerk dient gleichzeitig als Brücke über den Neckar, mittels derer die südlich des Neckars liegenden Ortsteile bzw. der Kleine Odenwald erreicht werden können. Bis auf den historischen Ortskern von Ersheim sind die südlich des Neckars gelegenen Ortsteile erst nach dem Bau der Schleuse entstanden.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet und entlang des Neckars führen folgende Radwanderwege:

  • Der Neckartal-Radweg führt über 410 Kilometer vom Neckarursprung in Villingen-Schwenningen entlang des Neckars bis zu dessen Mündung in den Rhein bei Mannheim.
  • Der 225 km lange 3-Länder-Radweg führt als Rundweg durch das Dreiländereck von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Entlang von Mümling, Neckar und Main erkundet die Route den Odenwald.
  • Der Hessische Radfernweg R4 beginnt in Hirschhorn am Neckar und verläuft mit einer Gesamtlänge von 385 Kilometern von Süd nach Nord durch Hessen, entlang von Mümling, Nidda und Schwalm nach Bad Karlshafen an der Weser.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Checkpoint Systems International GmbH
  • GH-Induction Deutschland Induktions-Erwärmungs-Anlagen GmbH
  • ITG Induktionsanlagen GmbH
  • Ajax Tocco Magnethermic GmbH
  • K. Biesinger GmbH – Stromzähler, Wasserzähler, Prüfstelle
  • Contact GmbH
  • Dekodur GmbH & Co. KG
  • Deutsches Factoring-Institut
  • Barefoot – For Riders Who Care

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Zulassungsstelle des Kreises Bergstraße bis 2007 (danach für 10 Jahre in Neckarsteinach)

Staatliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Außenstelle des Arbeitsamtes Darmstadt
  • Polizeiposten der Polizei Wald-Michelbach (nur Werktags)

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Neckartalschule Hirschhorn (Grundschule)

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Sporthalle und Sportplatz Jahnstraße
  • Sporthalle der Grundschule
  • Campingplatz mit Freibad
  • Neckartalradweg
  • Stoppomat: Von der Gemeinde Hirschhorn wurde eine permanente Zeitnahme für Radsportler, Läufer, Skater, Nordic Walker und Handbiker aufgebaut.

Literatur[Bearbeiten]

  • Magistrat der Stadt Hirschhorn (Hrsg.): Hirschhorn/Neckar 773–1973, Eberbach 1973
  • Christina Kimmel: Hans V. von Hirschhorn im Dienst der Kurpfalz, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, ISBN 978-3-89735-124-0
  • Alfred Röder: Von Ersheim zu Hirschhorn, Magistrat der Stadt Hirschhorn 1984
  • Ulrich Spiegelberg: Hirschhorn und seine Kirchen, Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2006
  • Ulrich Spiegelberg: Hirschhorn – Stadt und Umgebung, Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2007
  • Ulrich Spiegelberg: Das Schloss Hirschhorn am Neckar – Von der Ritterburg des 13. Jahrhunderts zum Renaissanceschloss, Broschüre 29, Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Schnell und Steiner GmbH, Regensburg 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  78. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 15. November 2012. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2013, S. 309.
  3. Georg W. Weber: Oktober 1829: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1, Seite 110ff (digitale Ansicht)
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 200
  5. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Hirschhorn (Neckar), Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 25. Juni 2014, abgerufen am 11. Juli 2014.
  6. Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch …
  7. Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen: Mit Angabe d. Zahlen d. Bewohner u. d. bewohnten Gebäude … zu welchem jeder einzelne Wohnplatz gehört. Nebst e. Übersicht. d. Eintheilung d. Landes. Jonghaus, 1869
  8. Hessisches Statistisches Landesamt
  9. Profil Hirschhorn, offizielle Webpräsenz
  10. Quelle zur Weihe der Pfarrkirche Hirschhorn, 1732

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hirschhorn (Neckar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hirschhorn am Neckar – Quellen und Volltexte