Die Frau ohne Schatten

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Dieser Artikel behandelt die Oper; zur gleichnamigen Erzählung siehe Die Frau ohne Schatten (Erzählung)
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Werkdaten
Titel: Die Frau ohne Schatten
Originalsprache: Deutsch
Musik: Richard Strauss
Libretto: Hugo von Hofmannsthal
Uraufführung: 10. Oktober 1919
Ort der Uraufführung: Wiener Staatsoper
Spieldauer: ca. 3¼ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Märchenland, zur Märchenzeit
Personen
  • Der Kaiser (Tenor)
  • Die Kaiserin (Dramatischer Sopran)
  • Die Amme (dramatischer Mezzosopran)
  • Der Geisterbote (Bariton, Hoher Bass)
  • Der Hüter der Schwelle des Tempels (Sopran)
  • Die Stimme des Jünglings (Tenor)
  • Falke (Sopran)
  • Stimme von oben (Alt)
  • Barak, der Färber (Bassbariton)
  • die Färberin (dramatischer Sopran)
  • Baraks Brüder (Tenor/Bariton/Bass)
  • Stimmen der Wächter (Tenor/Bariton/Bass)
  • Sechs Kinderstimmen, Dienerinnen

(Hauptpartien kursiv)

Die Frau ohne Schatten (op. 65) ist eine Oper in drei Aufzügen von Richard Strauss, deren Text von Hugo von Hofmannsthal stammt.

Das Werk wurde am 10. Oktober 1919 an der Wiener Staatsoper uraufgeführt (Dirigent: Franz Schalk, Regie: Hans Breuer, Bühne: Alfred Roller); einige Tage später fand die zweite Aufführung an der Semperoper in Dresden statt.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Hofmannsthals erste Einfälle zu diesem Werk datieren aus dem Jahr 1911, basierend auf den Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter von Johann Wolfgang von Goethe (1795). Die Entstehung der Oper geht nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten, was ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Hofmannsthal und Strauss bezeugt. Die Vorlage Goethes behandelt Hofmannsthal frei, er erfindet zwei Paare, einen Kaiser und eine Kaiserin aus einem Traumreich bzw. einer Jenseits-Welt, und ein Färber-Ehepaar aus der irdischen Welt. Neben Goethe zieht der belesene Hofmannsthal weitere Vorlagen heran – etwa Teile aus Tausendundeiner Nacht oder Grimms Märchen – und zitiert sogar einmal wörtlich den Mephistopheles aus dem Faust (Amme: „Her zu mir“). In der gesamten Textanlage ist die Oper als Märchen mit dem Thema des Segens der Liebe durch Geburt der Kinder konzipiert. Hofmannsthal verglich sie in einigen Briefen mit Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte, zumindest die doppelten Paare sind dort ebenfalls angelegt. Erste Briefe datieren auf das Jahr 1911; Strauss fing sogleich zu komponieren an, die Arbeit an Text und Musik lief parallel und gegenseitig inspirierend. Die Frau ohne Schatten entstand während des Ersten Weltkrieges. Strauss war glücklich über den hervorragenden Text von Hofmannsthal, haderte jedoch mehrfach mit der Partitur und vielen Details, die er um der dramatischen Wirkung willen geändert haben wollte. 1915 war die Oper fertig, doch erst 1919 wurde sie uraufgeführt.

„Ich freue mich unsäglich aufs Hören. Die gewissen Schwierigkeiten mit dem Stoff, stupide Versuche, zu deuten und herumzurätseln, wo alles einfach Bild und Märchen ist, auf das alles bin ich gefasst. Das geht vorüber, und was bleiben soll, bleibt.“ (Hofmannsthal an Strauss, 18. September 1919)

Strauss selbst bezeichnete sie als sein „Sorgenkind“, da die Arbeit selbst aufgrund der Komplexität von Text und Stoff während des Weltkrieges sehr anstrengend war. Abgesehen davon war Strauss unzufrieden mit den ersten Inszenierungen, die seinem Anspruch offenbar nicht gerecht wurden. Musikalisch gesehen gehört Die Frau ohne Schatten zu Strauss’ kompliziertesten und farbenreichsten Partituren. Im Gegensatz zu der Dichte der verwandten Werke Salome und Elektra gibt Strauss in der Frau ohne Schatten wieder größeren Monologen und Szenen Raum. Gleich fünf enorme Hauptpartien (Kaiser, Kaiserin, Färber, Färbersfrau, Amme) und ein sehr großes Orchester sowie die verschiedenen Wirklichkeits-/Traumdarstellungen auf der Bühne machen die Oper auch heute noch zu einer Herausforderung für größere Opernhäuser.

Handlung[Bearbeiten]

1. Akt[Bearbeiten]

Der Kaiser und die Kaiserin sind Herrscher der südöstlichen Inseln, eines Traumlands. Seit ihrer Vermählung kann die Kaiserin, Tochter des Geisterkönigs Keikobad, sich nicht mehr in ein Tier verwandeln, aber sie gehört auch nicht zu den Menschen, denn sie wirft keinen Schatten und fühlt sich nicht als Mutter, was als Zeichen ein und dasselbe ist. Ihnen folgt die Amme, die alles Menschliche hasst. Ein Geisterbote verkündet ihr: Die Frist ist bald um; wenn die Frau dann keinen Schatten wirft, muss der Kaiser versteinern. Für die fehlende Fruchtbarkeit trifft ihn, nicht sie der Fluch. Die Kaiserin will den Schatten gewinnen, gemeinsam mit der Amme macht sie sich auf zu den Menschen. Der Färber Barak lebt mit seiner Frau und seinen drei zurückgebliebenen Brüdern in Armut, aber zufrieden. Auch diese Ehe ist unfruchtbar. Die Färbersfrau, ebenso unglücklich wie die Kaiserin, wird von dieser und der Amme umworben, sie soll den Schatten und die ungeborenen Kinder gegen Reichtum abgeben. Sie schließt den Pakt mit der Amme, die Kaiserin versteht den schlimmen Handel, kann ihn aber nicht verhindern. Aus einer Pfanne, in der die Färbersfrau Essen kocht, hört sie die Stimmen der ungeborenen Kinder weinen und klagen. Doch sie trennt die Betten, der Pakt ist geschlossen.

2. Akt[Bearbeiten]

Die Amme lockt das Weib mittels eines schönen Jünglings auf den bösen Weg. Barak weiß nicht, was im Haus und in seiner Frau vorgeht. Angst umgibt die Kaiserin, wie lange ist noch die Frist? Welches Geschick wird ihr begegnen? In der dritten Nacht schafft es die Amme, dass die Färbersfrau ihren Mann angreift, sie kündigt ihm die Treue und erklärt ihm, sie habe ihren Schatten und die ungeborenen Kinder verkauft. Barak reagiert furchterregend: Ihm fällt ein Richtschwert in die Hand, das er gegen seine Frau erhebt. In diesem Moment entgleiten der Amme ihre bösen Geschicke („Übermächte sind im Spiel“). Die Erde tut sich auf, verschlingt das Färberpaar, ein Kahn taucht auf, in den die Amme die beiden legt.

3. Akt[Bearbeiten]

Die Geprüften landen in der Geisterwelt, zu einer letzten Prüfung. In einem Tempel sitzt die Kaiserin und harrt des Gerichtes. Das Färberpaar, nunmehr mit Einsicht und gegenseitiger Liebe beflügelt, steht davor; man verwehrt ihnen Einlass. Die Amme entzweit die beiden erneut. „Trink von dem Wasser“, ruft eine Stimme der Kaiserin zu, „und der Schatten wird dein sein“. Die Kaiserin ist verzweifelt, sie hat Mitleid mit den Menschen und fühlt sich ihnen zugehörig. Sie trinkt nicht, da erscheint der Kaiser auf einem Sockel aus Stein.

„Die Szene des inneren Kampfes der Kaiserin vor dem versteinerten Kaiser müßte einen sichtbaren Knalleffekt haben. Ginge es, dass die Kaiserin nach schwerem inneren Kampfe, sie fühlt sich dem Tode nahe, endlich einen furchtbaren Schrei ausstößt, den ersten Menschschrei, etwa wie der Schrei einer gebärenden Mutter.“
„‚Ich will nicht‘ ist ihre Antwort, damit siegt sie für ihren Mann und für die beiden Menschen. Sie wirft einen langen, scharfen Schatten und hat also durch ihre Zuneigung zum Menschenschicksal die Fähigkeit erlangt, Mutter zu werden; der Kaiser steigt unversteinert vom Sockel. Färber und Färberin sind frei und wenden sich ihrer irdischen Welt zu, die ungeborenen Kinder kündigen im Chor an, dass sie nicht mehr lange ungeboren bleiben werden.“ (Hofmannsthal an Strauss, 18. September 1919)

Musik[Bearbeiten]

Strauss schafft mit seiner hochdramatischen Musik eine klare, kontrastierende Charakterisierung der Personen und Szenen, nahezu filmartig plastisch sind etwa seine Motive für den Falken, die Schwertszene im 2. Akt oder die Ankunft des Kahns im Reich der Herrscher zu Beginn des 3. Aktes. Unterschiedlich ist die Betrachtung des musikalischen Stils, manche meinen, Strauss habe in seiner musikalischen Sprache eine Kehrtwendung hin zur Tonalität gemacht, andere wiederum heben die grell-eruptiven Orchesterfarben und die z. T. atonal wirkende Harmonik hervor. Letztlich zeigt sich in diesem Werk Strauss’ Meisterschaft der musikalischen Psychologisierung der Figuren mit allen (damals) zur Verfügung stehenden Mitteln, sogar eine Glasharmonika und 5 chinesische Gongs finden im Orchester Verwendung.

Bedeutung und Wirkung[Bearbeiten]

In der Rezeption ist Die Frau ohne Schatten ohne Zweifel eine der bedeutendsten Opern von Strauss. Ohne die Vorgänger Elektra und Salome wäre eine solche Handlung, ein solches Ausdruckspotenzial nicht möglich gewesen. Insbesondere Symbolik und psychologische Elemente im Text wie in der Musik sind wesentliche Akzente dieser Oper, die beileibe nicht mehr im Goetheschen Sinne ein Märchen ist. Zu beziehungsreich sind etwa die Funktionen des Schattens, des Themas Fruchtbarkeit und Ehe sowie die auch in der Musikgeschichte zentralen Themen von Prüfung und Erlösung gestaltet.

Bearbeitung[Bearbeiten]

1946, drei Jahre vor seinem Tod, entschloss sich Strauss, aus der Oper eine Orchesterfantasie auszukoppeln, die die Höhepunkte der Musik zusammenfasst. Die Partitur wurde am 30. Mai 1946 in Ouchy (Schweiz) abgeschlossen. Strauss widmete das einsätzige Werk Manfred Mautner Markhof, einem österreichischen Kunstmäzen. Die Orchesterfantasie wurde am 26. April 1947 im Wiener Konzerthaus-Saal von Karl Böhm uraufgeführt.

Besetzung der Uraufführung[Bearbeiten]

Kostümentwurf von Alfred Roller für die Uraufführung an der Wiener Staatsoper, 1919
Rolle Stimmlage Dirigent
(Franz Schalk)
Der Kaiser Tenor Karl Aagard Østvig
Die Kaiserin Hoher dramatischer Sopran Maria Jeritza
Die Amme Dramatischer Mezzosopran Lucie Weidt
Barak, der Färber Bassbariton Richard Mayr
Die Färberin Hoher dramatischer Sopran Lotte Lehmann
Der Einäugige Hoher Bass Viktor Madin
Der Einarmige Bass Julius Betetto
Der Bucklige Hoher Tenor Anton Arnold
Geisterbote Hoher Bariton Josef von Manowarda
Stimme des Falken Sopran Felicie Hüni-Mihacsek
Die Stimme des Jünglings Hoher Tenor
Hüter der Schwelle des Tempels Sopran oder Countertenor Sybilla Blei
Stimme von oben Alt Maria Olczewska

Inszenierungen[Bearbeiten]

CDs (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. San Francisco Opera Performance Archive