Savielly Tartakower

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Savielly Tartakower

Savielly Grigoriewitsch Tartakower (auch Xavier Tartakower, Ksawery Tartakower; * 21. Februar 1887 in Rostow am Don; † 5. Februar 1956 in Paris) war ein polnisch-französischer Schachmeister und Buchautor.

Leben[Bearbeiten]

Savielly Tartakower wurde in Rostow am Don als Sohn eines österreichischen Vaters und einer polnischen Mutter geboren. Im Alter von zwölf Jahren erlebte er, dass seine jüdischen Eltern bei einem Pogrom ermordet wurden. Tartakower floh nach Genf, besuchte dort das Gymnasium und studierte Rechtswissenschaft und Literaturwissenschaft an der Universität Genf und in Wien, wo er auch zum Doktor der Rechte promoviert wurde. Am Ersten Weltkrieg nahm Tartakower als Offizier der österreichisch-ungarischen Armee teil.

Das Schachspiel betrieb Tartakower als Berufsschachspieler. Er gewann zahlreiche Turniere, darunter in den Jahren 1927 und 1928 das Turnier von Hastings. Stilistisch gehörte er mit Meistern wie Aaron Nimzowitsch und Richard Réti zur sogenannten hypermodernen Schule.

Tartakower war ein begnadeter Schachschriftsteller. Sein Hauptwerk ist Die hypermoderne Schachpartie. Ab 1924 lebte Tartakower in Frankreich. Während des Zweiten Weltkrieges war er unter dem Pseudonym G. Cartier Angehöriger der Freien Französische Streitkräfte und hatte dort den Rang eines Leutnants inne. Nach dem Fall Frankreichs konnte er sich nach England retten.[1]

Er war für seine Aphorismen bekannt, die nach seinem Namen Tartakowerismen genannt werden, zum Beispiel:

  • „Die Drohung ist stets stärker als die Ausführung.“
  • „Es ist immer besser, die Steine seines Gegners zu opfern.“
  • „Die Fehler sind da, um gemacht zu werden.“
  • „Der vorletzte Fehler gewinnt.“

Der Schachgroßmeister und Psychologe Reuben Fine charakterisierte ihn als einen „Mann von breiter kultureller Bildung, meisterhaften Sprachkundler, Dichter, hellen Kopf, Philosophen und ergötzlichen Unterhalter“.[2]

Tartakower vertrat Polen bei den Schacholympiaden 1930, 1931, 1933, 1935, 1937 und 1939, wobei er 1930 in Hamburg mit der polnischen Mannschaft Olympiasieger wurde. Zudem nahm er an den polnischen Landesmeisterschaften 1927, 1935 und 1937 teil. Er wurde bei seinen beiden letzten Teilnahmen polnischer Meister. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges spielte er für die französische Nationalmannschaft an der Schacholympiade 1950. Im gleichen Jahr verlieh ihm der Weltschachbund FIDE den neu geschaffenen Großmeistertitel in Würdigung seiner erfolgreichen Schachlaufbahn. 1953 gewann er in Paris die französische Landesmeisterschaft.

Seine beste historische Elo-Zahl betrug 2719 im Januar 1921. Wenig später, im März 1921, belegte er zeitweilig den dritten Platz auf der nachträglich berechneten Weltrangliste.

Beiträge zur Schachtheorie[Bearbeiten]

Nach Tartakower sind zahlreiche Varianten in verschiedenen Eröffnungen benannt:

  • Am bekanntesten ist die Tartakower-Variante im Abgelehnten Damengambit, die nach den Zügen 1.d2-d4 d7-d5 2.c2-c4 e7-e6 3.Sb1-c3 Sg8-f6 4.Lc1-g5 Lf8-e7 5.e2-e3 0-0 6.Sg1-f3 h7-h6 7.Lg5-h4 b7-b6 entsteht und von Tartakower in London 1922 gegen José Raúl Capablanca eingeführt wurde
  • In der Caro-Kann-Verteidigung die Zugfolge 1.e2-e4 c7-c6 2.d2-d4 d7-d5 3.Sb1-c3 d5xe4 4.Sc3xe4 Sg8-f6 5.Se4xf6+ e7xf6
  • In der Französischen Verteidigung die Variante 1.e2-e4 e7-e6 2.d2-d4 d7-d5 3.Sb1-c3 Sg8-f6 4.Lc1-g5 Lf8-e7 5.e4-e5 Sf6-e4 (von Tartakower erstmals 1907 in Wien gegen Rudolf Spielmann angewandt)
  • In der Aljechin-Verteidigung das Abspiel 1.e2-e4 Sg8-f6 2.e4-e5 Sf6-d5 3.d2-d4 d7-d6 4.c2-c4 Sd5-b6 5.f2-f4 d6xe5 6.f4xe5 Sb8-c6 7.Lc1-e3 Lc8-f5 8.Sb1-c3 e7-e6 9.Sg1-f3 Dd8-d7

Auch die Katalanische Eröffnung verdankt ihre Bezeichnung Savielly Tartakower. Denn bei dem Schachturnier von 1929 in Barcelona baten ihn die Organisatoren dieses Turniers, eine Eröffnung zu schaffen, die nach ihrer Region Katalonien benannt werden sollte. Tartakower selber wird nicht als tatsächlicher Urheber dieser Eröffnung beschrieben. Sein besonderes Verdienst war es aber, dass er diese Spielweise systematisch untersucht und salonfähig gemacht hat.

Partien[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chesshistory.com: Tartakower/Cartier (C.N. 4331)
  2. „… Tartakower was a student of law and literature before the First World War. He was a man of broad cultural attainement, a master linguist, a poet, a wit, a philosopher, and a most delightful conversationalist.“, Reuben Fine: The World’s greatest chess games, Courier Cover 1983, Seite 141

Literatur[Bearbeiten]

  • Savielly Tartakower: Tartakowers Glanzpartien 1905–1930. De Gruyter, Berlin 1956 (französischer Originaltitel: Tartakover vous parle)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Savielly Tartakower – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien