Kecskemét

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Kecskemét
Wappen von Kecskemét
Kecskemét (Ungarn)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Ungarn
Region: Südliche Große Tiefebene
Komitat: Bács-Kiskun
Kleingebiet bis 31.12.2012: Kecskemét
Koordinaten: 46° 54′ N, 19° 42′ O46.90694444444419.693333333333122Koordinaten: 46° 54′ 25″ N, 19° 41′ 36″ O
Höhe: 122 m
Fläche: 32,136 km²
Einwohner: 113.275 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte: 3.525 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 76
Postleitzahl: 6000
KSH kódja: 26684
Struktur und Verwaltung (Stand: 2014)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeisterin: Klaudia Szemereyné Pataki (Fidesz-KDNP)
Postanschrift: Kossuth tér 1
6000 Kecskemét
Webpräsenz:
(Quelle: A Magyar Köztársaság helységnévkönyve 2011. január 1. bei Központi statisztikai hivatal)
Luftaufnahme von Kecskemét

Kecskemét [ˈkɛʧkɛmeːt] (deutsch: Ketschkemet) ist der Komitatssitz des ungarischen Komitates Bács-Kiskun (in der Großen Ungarischen Tiefebene) und bedeutet so viel wie „Ziegengang“.

Die Stadt liegt 122 m ü.d.M., erstreckt sich über 3213,60 ha und ist mit rund 110.000 Einwohnern (Schätzung von 2007) die achtgrößte Stadt Ungarns. Sie liegt etwas südöstlich des geographischen Mittelpunktes des Landes, südöstlich der Hauptstadt Budapest und nordwestlich der drittgrößten ungarischen Stadt, Szeged, von beiden jeweils ca. 85 km entfernt, und ca. 95 km nördlich der Grenze zu Serbien (bei Röszke).

Geschichte[Bearbeiten]

Kecskemét war bereits um 3000 v. Chr. besiedelt. Bei Ausgrabungen fanden Archäologen ein Urnenfeld aus der Bronzezeit, weiterhin entdeckte man beim Bau eines Piaristen-Gymnasiums avarische Gräber.

Als Stadt wird die Gemeinde 1368 erstmals erwähnt.

Auch in der Türkenherrschaft blühte die Stadt und genoss das Privileg der Selbstverwaltung. Grundlage des Wohlstandes war die Rinderzucht sowie, darauf aufbauend, der Viehhandel, das Kürschner- und das Kunstschmiedehandwerk.

1710 fiel Kecskemét an Österreich und blieb bis 1867 unter der Herrschaft Wiens. Ab 1867 erhielt Ungarn Gleichberechtigung im Staat und formell die Herrschaft über einen Teil des Habsburgerreiches (Ungarische Reichshälfte), das nun Österreich-Ungarn hieß.

1834 befreite sich die Stadt aus eigener Kraft aus der Abhängigkeit der Grundherrn mit ihren Lehnspflichten. Man begann, den auf Gemeindeboden liegenden Großgrundbesitz in Parzellen aufzuteilen und es entstanden in der Puszta viele dauernd bewohnte Einzelhöfe (Tanyas). Um den brachliegenden Sandboden zu binden, wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Millionen von Obstbäumen angepflanzt. Um 1900 lebte bereits die Hälfte der Stadtbevölkerung in solchen Einzelgehöften.

Die blühende Landwirtschaft und der seit dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 einsetzende Aufschwung des Gewerbes ließen ein Großbürgertum entstehen, das um die Jahrhundertwende das Stadtzentrum mit vielen Bauwerken des Jugendstils bereicherte.

Am 8. Juli 1911 wurde Kecskemét von einem schweren Erdbeben erschüttert, das große Zerstörungen anrichtete.

Ab 1918 bzw. 1920 war Kecskemét Teil des nun von Österreich unabhängigen Königreich Ungarn, von 1946 bis 1989 der Volksrepublik Ungarn, seit 1989 der Republik Ungarn, die 2004 Mitglied der EU wurde.

1950 gewann die Stadt an administrativer Bedeutung: Sie wurde zum Komitatssitz des flächenmäßig größten Komitats (ungarisch megye) Bács-Kiskun. Diese Rolle behauptete sie auch im post-kommunistischen System nach der Grenzöffnung und dem Ende des Kalten Krieges 1988/89.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Rot ein aufgerichteter silberner Ziegenbock auf einem grünen Berg im Schildfuß. Auf den Schild ruht die Stephanskrone.

Bedeutung[Bearbeiten]

Kecskemét ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der zwischen Donau und Theiß gelegenen Region. Die Stadt, die genau zwischen der Hauptstadt Budapest und der viertgrößten ungarischen Stadt Szeged liegt (sie ist von beiden jeweils 85 km entfernt), besitzt die Hochschule Kecskemét, eine Fachhochschule mit drei Fakultäten, außerdem ein Wissenschaftliches Institut für die Große Ungarische Tiefebene (Alföldi Tudományos Intézet) und das Musikpädagogische Institut "Zoltán Kodály" (Kodály Zoltán Zenepedagógiai Intézet)

Kecskemét liegt nach wie vor inmitten eines intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebietes (v.a. Obst-, Gemüse- und Weinbau), dessen Erträge in Kecskemét verarbeitet werden. Deshalb ist die Lebensmittelindustrie der bedeutendste Industriezweig der Stadt. Sie ist die Heimat des berühmten ungarischen Aprikosenschnapses "Barackpálinka". Mercedes-Benz hat beschlossen für 800 Mio. Euro hier ein neues Werk zu errichten und an diesem Standort die Nachfolgemodelle für die B-Klasse zu fertigen und somit knapp 3.000 neue Arbeitsplätze in die Region zu generieren.

Militärisch gesehen ist Kecskemét eine der wichtigsten Städte Ungarns neben Szolnok und Veszprém, in erster Linie, weil der Luftwaffenstützpunkt Kecskemét im Nordosten der Stadt liegt. Dort wurden NATO-Übungen wie Dragon Nest im Jahr 2004 und 2005 sowie das Ample Train 2003 durchgeführt. Auf dem Flughafen finden jährlich internationale Flugshows statt.

Verkehr[Bearbeiten]

Kecskemét liegt an der Bahnstrecke von Budapest nach Szeged. Vom Westbahnhof von Budapest (Budapest Nyugati pályaudvar) benötigt man mit einem InterCity-Zug 77 Minuten, von Szeged 61 Minuten nach Kecskemét. Zudem liegt die Stadt an der 2006 fertiggestellten großen Nord-Süd-Autobahn, der M5 (die südlich der Grenze zu Serbien als Autoput A1 in Richtung Novi Sad und Belgrad führt), auf der man Budapest oder Szeged in jeweils ca. 70 Minuten erreicht (Novi Sad in ca. 3:15, Belgrad in 4 Std.).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Juni 2008 gab die deutsche Daimler AG bekannt, dass ihr Geschäftsbereich Mercedes-Benz Cars plant, bis 2012 ein neues Automobilwerk in der Region Kecskemét zu eröffnen. Baubeginn war Oktober 2009. Die Investitionen beliefen sich auf 800 Millionen Euro. Es sollen jährlich 100.000 Autos dort montiert werden und ca. 2.500 neue Arbeitsplätze entstehen. Die eigentlich wirtschaftlich strukturschwache und von Landwirtschaft geprägte Region Kecskemét setzte sich aufgrund geringerer Logistikkosten, einem bestehenden Zulieferernetz und einer durchgehende Autobahnverbindung zu den Mercedes-Stammwerken in Baden-Württemberg trotz (geringfügig) höherer Löhne gegen konkurrierende Standorte in Polen und Rumänien durch.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Palais Cifra

Kecskemét zeigt die für die Große Ungarische Tiefebene typische Bebauungsstruktur mit einer weitläufigen Peripherie von Einzelgehöften, dann dörflichen Wohnsiedlungen, sozialistischen Trabantenstädten und einem relativ kleinen, großstädtisch wirkenden Zentrum.

Aufgrund der langsamen Stadtentwicklung und mehrerer Großbrände im Zentrum stammen die meisten Sehenswürdigkeiten aus der Zeit des Jugendstils. Der berühmteste ungarische Architekt dieser Epoche, Ödön Lechner, schuf hier das für ganz Ungarn stilbildende Rathaus (1893–1896). Aus der Reihe von repräsentativen Bürgerpalästen ist das Palais Cifra ("Cifrapalota") hervorzuheben. In letzterem finden unterschiedliche Ausstellungen ein temporäres Zuhause.

30 km südwestlich von Kecskemét befindet sich die Bugac-Puszta, der touristisch ausgebaute Teil des Nationalparks Kiskunság, der die Landschaft so zeigt, wie sie vor der Urbarmachung mit Einzelgehöften im 19. Jahrhundert bestand (siehe Abschnitt: Geschichte). Diese Region wurde von einer Schmalspurbahn erschlossen, die in Kecskemét ihren Ausgangspunkt hatte.

Nagytemplom (Große Kirche, 2007)
Synagoge (2007)

Demographie[Bearbeiten]

Kecskemét hat 107.267 Einwohner (2001). Die Bevölkerung ist mit einer großen ungarischen Mehrheit homogen. Ein paar tausend Angehörige der Roma-Minderheit leben in der Stadt, sie bilden seit 1994 ihre unabhängige Minderheitsregierung. Die Bevölkerung verteilt sich wie folgt auf die verschiedenen ethnischen Gruppen bzw. Muttersprachen: 95 % Ungarisch, 0,8 % Roma, 0,4 % Deutsch; 0,2 % Slowakisch; 4,8 % andere. Die Stadt hatte vor dem Zweiten Weltkrieg eine blühende jüdische Gemeinde, als diese auch durch ihre große Synagoge vertreten waren. Die meisten Juden wurden während der deutschen Besetzung Ungarns im Jahr 1944 von den Nazis in Konzentrationslager deportiert, wo sie getötet wurden.

Stadtbezirke[Bearbeiten]

  • Belváros (Innenstadt)
  • I. Árpádváros
  • II. Máriaváros
  • III. Széchenyiváros
  • IV. Bethlenváros
  • V. Rákócziváros
  • VI. Erzsébetváros
  • VII. Kossuthváros
  • VIII. Hunyadiváros
  • IX. Szent István-város (Műkertváros, Szolnoki-hegy)
  • X. Szent László-város (Rendőrfalu)
  • XI. Alsószéktó (Szeleifalu)
  • XII. Felsőszéktó (Petőfiváros, Sutusfalu)
  • XIII. Talfája
  • XIV. Katonatelep
  • XV. Repülőtér (Reptéri-lakótelep)
  • XVI. Matkó
  • XVII. Kadafalva
  • XVIII. Szarkás
  • XIX. Hetényegyháza
  • XX. Méntelek
  • XXI. Borbáspuszta

Bekannte Bürger[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es bestehen Städtepartnerschaften mit 24 in- und ausländischen Städten, darunter:

Belege[Bearbeiten]

  1. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/das-wunder-von-kecskemet;1446834;3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kecskemét – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kecskemét – Reiseführer