Schlacht im Reichswald

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Schlacht im Reichswald
Karte der Schlacht
Karte der Schlacht
Datum 7. bis 22. Februar 1945
Ort Kleve, Goch, Kalkar, Uedem, Rees
Reichswalde, Materborn, Kranenburg, Bedburg-Hau
Ausgang Alliierter Sieg
Konfliktparteien
Kanada 1921Kanada Kanada
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Befehlshaber
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Bernard Montgomery
Kanada 1921Kanada Henry Crerar
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Brian Horrocks
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Alfred Schlemm
Truppenstärke
britische Infanteriedivisionen:
15th (Scottish) Division,
43rd (Wessex) Division,
51st (Highland) Division,
53rd (Welsh) Division
kanadische Infateriedivisionen:
2nd Canadian Infantry Division,
3rd Canadian Infantry Division
britische Panzerverbände:
11th Armoured Division,
Guards Armoured Division
Insgesamt ca. 75.000 Soldaten
7. Fallschirmjäger-Division,
84. Infanterie-Division
Insgesamt ca. 15.000 Soldaten
Verluste
unbekannt unbekannt

Die Schlacht im Reichswald (engl: Operation Veritable) fand im Zweiten Weltkrieg zwischen alliierten Expeditionsstreitkräften der 21st Army Group und Verbänden der deutschen 1. Fallschirm-Armee vom 7. bis 22. Februar 1945 im Raum Kleve am Niederrhein statt. Der ursprüngliche Plan der Alliierten, innerhalb von drei bis vier Tagen bis zur Linie Xanten-Geldern vorzudringen, konnte nicht verwirklicht werden. Die erbitterten Kämpfe um den Klever Reichswald erstreckten sich über zwei Wochen; über 10.000 alliierte und deutsche Soldaten fielen. Auch die Zivilbevölkerung erlitt schwere Verluste. Nach dieser Schlacht konnten die Alliierten bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein schlagen und an die Eroberung des Ruhrgebiets gehen.

Die Ausgangslage[Bearbeiten]

Bernard Montgomery

Ab September 1944 wird sowohl bei Feldmarschall Montgomery wie auch bei General Bradley der Einmarsch in das Ruhrgebiet vorangetrieben. Es galt für die amerikanisch-britisch-kanadisch-polnischen Invasionstruppen, das "industrielle Herz" des deutschen Reiches zu erobern.

Montgomery überredete Eisenhower, ihn einen „einzigen geballten Schlag“ führen zu lassen, mit dem Ziel, bei Arnheim einen Brückenkopf am östlichen Rheinufer zu errichten. Obwohl ein hundert Kilometer langer Keil durch die Niederlande bis zur deutschen Grenze getrieben werden konnte, blieb das Ziel – der entscheidende Brückenkopf bei Arnheim – unerreicht. Der Preis war sehr hoch: „Market Garden“ forderte in den britischen, amerikanischen und polnischen Armeen insgesamt 11.850 Opfer.

Von September 1944 bis Anfang Dezember 1944 fielen noch vor der Eroberung des Waldgebietes 33.000 Amerikaner aus:

  • 24.000 Mann waren gefallen, wurden vermisst, verwundet oder gefangen genommen.
  • 9.000 Mann erlagen den quälenden Existenzbedingungen, der Kälte und Nässe, Erkrankung und Erschöpfung.

Im November 1944 hielt Montgomery Eisenhower vor, die amerikanischen Befehlshaber hätten sowohl die Kontrolle über die Kämpfe als auch das Vertrauen ihrer Truppen verloren – seine eigene Niederlage „Market Garden“ wohlweislich nicht nennend. Er schlug nun vor, die Taktik zu ändern und fast gleichzeitig zwei Schläge gegen das Rheinland zu führen. Montgomerys Operationsplan sah eine Zangenbewegung vor, die Richtung Rhein von Nord nach Süd durchgeführt werden sollte. Ziel war es, das Westufer des Rheins zu besetzen. Außerdem war es geplant, bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein zu errichten. Diese Zangenbewegung von Norden nach Süden trug den Decknamen „Operation Veritable“.

Operation Grenade war das Gegenstück zu Veritable – die Zangenbewegung von Süden nach Norden. Diese Operation wurde von General Simpson geleitet (ebenfalls unter Montgomerys Kommando). Er plante, den Angriff einen Tag nach Veritable zu starten, um durch Aufschließen zur 1. Kanadischen Armee am Rhein die Feindtruppen abzuriegeln. Für Grenade standen seine 300.000 Mann zählende 9. US-Armee und zusätzlich 75.000 Mann aus Hodges 1. Armee zur Verfügung.

Brian G. Horrocks in Rees

Für die „Operation Veritable“ unter dem Befehl General Henry Crerars standen 470.000 Mann zur Verfügung. Crerars Operation sollte in drei Phasen ablaufen, deren jede die vorangegangene weiterführen würde, während sich die Front langsam verbreiterte. Die drei Phasen waren:

  • Ausbruch aus dem Flaschenhals bei Nimwegen,
  • den Westwall (Siegfried-Linie) durchbrechen, sowie
  • die Umgebung säubern. Eine Blitzattacke, deren Ziel es war, den Feind durch den Überraschungseffekt und gleichzeitig durch massive Luftangriffe zu lähmen.

Die Flüsse MaasRurRhein waren natürliche Hindernisse, verstärkt durch den Westwall (die Siegfried-Linie), die behelfsmäßige Maas-Rur-Stellung etwa zwischen Heinsberg und Venlo und den Klever Reichswald.

Weitere Faktoren bei den Alliierten waren:

  • Der Ehrgeiz, als Erster einzumarschieren
  • Operationspläne nur nach Karte ohne genaue Geländekenntnisse
  • Fehlende/falsche Feindlage (oft auch Unterschätzungen der Wehrmacht)
  • Ignorieren der Witterungsverhältnisse
  • Rivalität und Differenzen im alliierten Oberkommando zwischen den Generälen Eisenhower, Bradley und Montgomery

Für den Angriff standen zur Verfügung:

Die deutsche Verteidigung hatte dem wenig entgegenzusetzen. Ihr halfen unter anderem:

  • die natürlichen Hindernisse (vor allem der Reichswald und der Hürtgenwald)
  • der Westwall (von vielen, auch Hitler, maßlos überschätzt)
  • die Wetterlage. Der Herbst 1944 war kalt und der nasseste des Jahrhunderts in Mitteleuropa. Im Frühjahr 1945 regnete und hagelte es viel; der Schnee schmolz, aus Rinnsalen wurden reißende Flüsse. Es blieb lange kalt
  • die Unterstützung der heimischen Bevölkerung und deren Geländekenntnis (siehe auch Volkssturm)

Verbände der Wehrmacht sprengten am 10. Februar 1945 nicht nur Deiche am Niederrhein, sondern auch die Verschlüsse des Kermeterstollens am Kraftwerk Heimbach (woraufhin die Urftttalsperre bis zum Niveau des Kermeterstollens leer lief[1]) und die Verschlüsse der Grundablassstollen der Staumauer Schwammenauel (Rursee). Beides zusammen erzeugte flussabwärts ein Hochwasser, das die Flussaue verschlammte und den Angreifern den Vormarsch erschweren sollte.

Vor dem Angriff auf den Niederrhein – Operation Veritable[Bearbeiten]

Trupp britischer Soldaten im Reichswald, 8. Februar 1945
Britischer Panzer mit Munitionsschlitten auf einem Waldweg, 8. Februar 1945

Die zeitlichen Verschiebungen der „Operation Veritable“ sind mitverantwortlich für das langsame und verlustreiche Vordringen der Alliierten, wurde doch dadurch den deutschen Kräften die Möglichkeit zur Verstärkung ihrer Verteidigung gegeben. Der Angriff musste dann in einer Schlechtwetterperiode durchgeführt werden. Zugleich verdanken es Kleve, Goch, Uedem und Weeze dieser ausgeprägten Schlechtwetterperiode, dass sie bei den die Bodenoffensive vorbereitenden Luftangriffen in der Nacht zum 8. Februar 1945 nicht noch schlimmer zerstört wurden. Tiefhängende Wolken und starker Regen verhinderten den Start von über 300 zusätzlichen Bombern, deren Ziel diese Orte gewesen wären.

Spätestens seit der Luftlandung der Alliierten bei Arnheim war der deutschen militärischen Führung bewusst, dass eine Großoffensive zu erwarten war. Nach den Luftangriffen vom 8. Oktober 1944 wurde mit der Räumung der „Roten Zone“, eines etwa 15 km breiten Streifens westlich der Linie Emmerich-Kleve-Goch-Hommersum-Heijen, begonnen. Allerdings ahnte man in der deutschen Führung nicht, wo der tatsächliche Angriffsschwerpunkt sein würde. Seit Dezember 1944 standen immer größere Teile der Rheinniederung unter Wasser, nachdem die Deutschen begonnen hatten, Rhein- und Waal-Deiche zu sprengen.[2] Die Rheinniederung war so für die hier angreifenden Briten und Kanadier zu einem noch schwierigeren Hindernis geworden. Am 31. Januar 1945 hatte dann auch noch Tauwetter eingesetzt. Aus den geplanten drei bis vier Tagen für den Durchbruch wurden zwei Wochen.

Im Kontext anderer Operationen[Bearbeiten]

Operation Blockbuster war eine Nachfolgeoperation der 1. kanadischen Armee unter General Crerar, verstärkt vom britischen XXX Corps. Sie fand Ende Februar – Anfang März 1945 statt. Drei anglo-kanadische Divisionen rückten Richtung Nordwest vor und nahmen deutsche Positionen im Uedemer Hochwald, bevor sie auf Xanten vorrückten. Nördlich von Uedem, am Uedemer Totenhügel, wurden die vorrückenden kanadischen Truppen in die schwerste Panzerschlacht ihrer Geschichte verwickelt. Am 3. März vereinten sie sich in Berendonk bei Geldern mit der 9. US-Armee.[3]

Die 9. US-Armee konnte die Rur schließlich am 23. Februar überqueren. Ab dann kam sie zügig voran: am 6./7. März standen Verbände in Köln am Rhein. Am 7. März gelang es einem US-Kommando, die Ludendorff-Brücke bei Remagen im Handstreich zu erobern. Dies führte zusammen mit der Tatsache, dass sowjetische Streitkräfte bereits kurz vor Berlin standen, zu einer Veränderung der Gewichtung von Eisenhowers Planung zugunsten einer stärkeren Beteiligung der beiden südlichen Heeresgruppen am weiteren Vormarsch.

Gleichwohl erkämpften vom 23. bis 27. März 1945 29 Divisionen im Rahmen der Operation Plunder den Rheinübergang zwischen Emmerich und Wesel.

Der britische Ehrenfriedhof im Reichswald[Bearbeiten]

Eingangsbereich

Aufgrund der verlustreichen Schlacht wurde der Britische Ehrenfriedhof im Reichswald angelegt. Er ist flächenmäßig der größte britische Soldatenfriedhof der 15 in Deutschland liegenden Sammelfriedhöfe und hat 7.654 Gräber. Im rechten hinteren Bereich sind Gräber von Soldaten der 53. Welsh Division, die bei dieser Schlacht fielen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siedlungsprojekt Reichswald 1950-2000, S. 78–86, ISBN 3-89413-194-2, Hrsg. Boss-Verlag Kleve.
  • Krieg am Niederrhein. Eine Dokumentation erstellt von SFw Peter Neckar, Christiane Mill, Werner Hans, Stefan Sjonger und Rudolf Lagarde.
  • Peter Elstob: Battle of the Reichswalde, 1970, Verlag Ballantine’s Books, New York, Reihe „Ballantine’s Illustrated History of World War II“.
  • Denis und Shelagh Whitaker: Endkampf um das Rheinland, 1991, Ullstein Verlag, Berlin/Frankfurt a. M.
  • R. W. Thompsen: Die Schlacht um das Rheinland, 1960, Huber & Co. AG Frauenfeld/Schweiz.
  • Wilhelm Michels und Peter Sliepenbeek: Niederrheinisches Land im Krieg, 1964, Boss-Druck und Verlag, Kleve.
  • Wolfgang Dahms: 40 Jahre Reichswalde, 1990, Boss-Druck und Verlag, Kleve.

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • Krieg am Niederrhein – 3-teiliger, 122 Minuten langer Dokumentarfilm aus dem Jahr 1975 (produziert vom Kreis Kleve) über die Endphase des Zweiten Weltkrieges am Niederrhein, der die Operation Veritable vorstellt und erklärt.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Kermeterstollen 1945. Abgerufen am 29. September 2012.
  2. Hochwasser in der Düffel (2008), Seite 33-44 (PDF; 9,0 MB)
  3. "The Hochwald Gap" at Canadianheroes.org