Schurwald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schurwald
Blick vom Kernenturm über den Schurwald zur Ostalb

Blick vom Kernenturm über den Schurwald zur Ostalb

Höchster Gipfel Hintere Schur (513,2 m ü. NN)
Lage Landkreise Esslingen, Göppingen, Rems-Murr-Kreis, Stuttgart; Land Baden-Württemberg (Deutschland)
Teil des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes
Schurwald (Baden-Württemberg)
Schurwald
Koordinaten 48° 47′ N, 9° 19′ O48.7827777777789.3111111111111513.2Koordinaten: 48° 47′ N, 9° 19′ O
Typ Schichtstufe
Gestein Keuper, Stubensandstein, Unterer Jura
dep1
p1
p5

Der Schurwald ist ein maximal 513,2 m ü. NN[1] hoher, bewaldeter Höhenzug in Baden-Württemberg, Deutschland.

Zusammen mit dem Welzheimer Wald bildet der Schurwald den Naturraum 107 Schurwald und Welzheimer Wald. Über Jahrhunderte versorgten seine Wälder die Gemeinden und Städte der Umgebung mit Holz als Brenn- und Baumaterial. Dementsprechend rührt der Name „Schurwald“ von dem mittelhochdeutschen Wort „schure“ her, das so viel wie die Schur, das Scheren oder Kahlschlag bedeutet. Er dient auch als Naherholungsgebiet für den Großraum Stuttgart.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Schurwald liegt im Stadtgebiet von Stuttgart, in den Landkreisen Esslingen und Göppingen, im Rems-Murr-Kreis und im Ostalbkreis. Sein Höhenzug beginnt östlich von Stuttgart und zieht sich in Ostrichtung unter anderem vorbei an Esslingen am Neckar im Südwesten und Schorndorf im Norden bis hin zum südwestlichen Lorcher Stadtteil Rattenharz an den Vorbergen der Schwäbischen Alb. Er befindet sich zwischen Neckar- und Filstal im Süden und dem Remstal im Norden. Im Ostteil des Schurwaldes, der von zahlreichen Bächen durchzogen ist, befindet sich der Herrenbachstausee.

Geologie[Bearbeiten]

Geologisch stellt der Schurwald mit seinen zahlreichen Einschnitten eine durch rückschreitende Erosion zergliederte Schichtstufe dar, seine Gesteine sind Tone, Mergel und Sandsteine des Keupers (Keuperbergland). Nur auf der Hochebene sind örtlich die Schichten der Psilonotenton-Formation (früher als Lias alpha bezeichnet) des Unteren Juras zu finden.

Geschichte und Wirtschaft[Bearbeiten]

Früher[Bearbeiten]

In der frühen Ausbauzeit nach der alemannischen Landnahme blieb das Gebiet des Schurwaldes mit seinen ausgedehnten Höhenzügen siedlungsleer, während die umliegenden Täler gerodet und besiedelt wurden. In der späten Ausbauzeit im 8. und 9. Jahrhundert war die Besiedlung der umliegenden Täler im Wesentlichen abgeschlossen, während erste Rodungssiedlungen auf Hochflächen im Waldgebiet entstanden, die urkundlich im 12. Jahrhundert erstmals greifbar werden (Oberberken 1110, Adelberg 1143, Schlichten 1185). Die Etter der Rodungssiedlungen waren dabei von weiteren gerodeten Feldflächen für den Ackerbau umgeben. Neben der dörflichen Besiedlung entstanden auch verschiedene Einzelhöfe, die jedoch größtenteils wieder eingegangen sind.

Im 15. Jahrhundert entstanden schließlich bei der Erschließung von engeren Tälern waldgewerbliche Siedlungen, in denen mit Holzkohle insbesondere Waldglashütten betrieben wurden. Diese Siedlungen waren oft nur von kurzer Dauer und wechselten ihren Standort, sobald die Umgebung abgeholzt war. Nur einige der früheren Hüttensiedlungen bzw. die sich daran anschließenden ärmlichen Wohnsiedlungen haben sich erhalten, dazu zählen Unterhütt und Baiereck im Nassachtal, einst eine der ärmsten Regionen Württembergs. Siedlungen mit städtischem Charakter haben sich im Schurwald nicht entwickelt. Verschiedene Versuche zur Gewinnung von Bodenschätzen im Schurwald, z. B. Steinkohle und Gold, scheiterten an den geringfügigen Lagerstätten. Lediglich der Abbau von Sandstein, Kies und Sand hat sich bis in die Gegenwart etablieren können.

Durch das Aufblühen der Städte ab dem ausgehenden Mittelalter setzte eine Landflucht ein, die zum Untergang zahlreicher Ortschaften im Schurwald führte. In den einst zum Kloster Adelberg zählenden Orten des Schurwaldes wurden die bäuerlichen Gehöfte als Fallgüter verliehen und blieben in ihrer Größe erhalten, allerdings hatte dadurch auch nur ein Teil der Bevölkerung die Chance auf ein eigenes bäuerliches Gut. In den altwürttembergischen Schurwaldorten führte die Erbteilung der als Erblehen vergebenen Güter zu einer starken Parzellierung und zu ärmlichen landwirtschaftlichen Verhältnissen. Beide Faktoren führten im 18. Jahrhundert zum Aufkommen der Weberei als häuslichem Nebengewerbe. Im frühen 19. Jahrhundert gab es viele „Bauernhandwerker“, die neben der Landwirtschaft ein Handwerk ausübten. Die Industrialisierung hat sich auf die Schurwaldorte nicht direkt ausgewirkt, sondern führte vielmehr zu einer weiteren Abwanderung der Bevölkerung in die industrialisierten Orte in umliegenden Tälern, wodurch auch die Zahl der ansässigen Handwerker wieder stark abnahm.

Bühleiche am Schurwaldrand bei Plochingen-Stumpenhof (ca. 1648)
Eine Ruhbank am Schurwaldrand bei Esslingen-Liebersbronn (1846)

Heute[Bearbeiten]

Inzwischen spielen auf dem Schurwald die Weberei, das Handwerk, die Glasherstellung und die Landwirtschaft keine große Rolle mehr. Die angebauten Pflanzen sind wegen des kühleren Klimas typischerweise diverse Getreidearten und Hackfrüchte wie Zuckerrüben und Kartoffeln. Beeren- und Obstanbau (Streuobstwiesen) findet lediglich im vorderen Schurwald günstige Bedingungen. Der Wandel der Dörfer hin zu Arbeiterwohngemeinden hat nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Aufkommen des Individualverkehrs zu einem Wachstum der Orte geführt. Die meisten Einwohner pendeln zwischen Esslingen am Neckar, Göppingen, Stuttgart oder dem Remstal und ihrem Wohnort.

Berge[Bearbeiten]

Zu den höchsten Erhebungen (usw.) im und am Rand des Schurwaldes gehören – nach Höhe in Meter (m) über Normalnull (NN)[1] sortiert:

Ortschaften[Bearbeiten]

Zu den Ortschaften am oder innerhalb des Schurwaldes gehören:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)

Literatur[Bearbeiten]

  • Egon Schraitle, Ernst Waldemar Bauer et al.: Schurwald – Esslingen – Filder. Natur – Heimat – Wandern. Schwäbischer Albverein e. V., Stuttgart. 2., neubearbeitete Auflage. Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-1344-5.
  • Werner Kienzle: Der Schurwald. Eine siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung. Tübinger geographische Studien, Heft 3. Natur-Rems-Murr-Verlag, Remshalden-Buoch 1991, ISBN 3-927981-08-7.
  • Werner Schmidt: Rundwanderungen Schwäbischer Wald und Schurwald. Berglen, Ellwanger Berge, Frickenhofer Höhe, Limpurger Berge, Löwensteiner Berge, Mainhardter Wald, Murrhardter Wald, Schurwald, Waldenburger Berge, Welzheimer Wald. 5., aktualisierte Auflage. Schneider-Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2002, ISBN 3-89676-576-0.
  • Manfred Langhans: Der Schurwald. Land und Leute einst und jetzt. 2. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005680-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schurwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien