Lorch (Württemberg)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lorch
Lorch (Württemberg)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lorch hervorgehoben
48.7983333333339.6883333333333288Koordinaten: 48° 48′ N, 9° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ostalbkreis
Höhe: 288 m ü. NHN
Fläche: 34,28 km²
Einwohner: 10.541 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 307 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73547
Vorwahl: 07172
Kfz-Kennzeichen: AA, GD
Gemeindeschlüssel: 08 1 36 042
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 19
73547 Lorch
Webpräsenz: www.stadt-lorch.de
Bürgermeister: Karl Bühler
Lage der Stadt Lorch im Ostalbkreis
Schwäbisch Gmünd Landkreis Heidenheim Landkreis Schwäbisch Hall Rems-Murr-Kreis Landkreis Göppingen Aalen Abtsgmünd Adelmannsfelden Bartholomä Böbingen an der Rems Bopfingen Durlangen Ellenberg (Württemberg) Ellwangen (Jagst) Eschach (bei Schwäbisch Gmünd) Essingen (Württemberg) Göggingen (Württemberg) Gschwend Heubach Heuchlingen Hüttlingen (Württemberg) Hüttlingen (Württemberg) Iggingen Jagstzell Kirchheim am Ries Lauchheim Leinzell Lorch (Württemberg) Mögglingen Mutlangen Neresheim Neuler Obergröningen Oberkochen Rainau Riesbürg Riesbürg Rosenberg (Württemberg) Ruppertshofen (Ostalbkreis) Schechingen Schwäbisch Gmünd Spraitbach Stödtlen Täferrot Tannhausen Tannhausen Unterschneidheim Waldstetten (Ostalbkreis) Waldstetten (Ostalbkreis) Westhausen (Württemberg) Wört BayernKarte
Über dieses Bild

Die Stadt Lorch liegt im oberen Remstal im Ostalbkreis (Baden-Württemberg). Sie gehört zur Randzone der Metropolregion Stuttgart.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Lorch liegt im Tal der Rems, eines rechten Nebenflusses des Neckars zwischen Schwäbisch Gmünd im Osten und Schorndorf im Westen. Nördlich von Lorch liegt der Schwäbisch-Fränkische Wald und südlich die Schwäbische Alb. Lorch ist Mitgliedsgemeinde des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald und liegt am Limes-Wanderweg (HW 6) des Schwäbischen Albvereins.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An das Gebiet Lorchs grenzen im Norden Alfdorf, im Osten Schwäbisch Gmünd, im Süden Wäschenbeuren und Börtlingen, und im Westen Plüderhausen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Lorch mit der ehemals selbstständigen Gemeinde Waldhausen gehören neben Lorch 35 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser. Zur Stadt Lorch in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 gehören die Stadt Lorch, die Weiler Bruck, Klotzenhof, Metzelhof, Oberkirneck, Schnellhöfle, Strauben und Unterkirneck, die Höfe Hetzenhof, Maierhof im Remstal, Reichenhof, Sägreinhof, Schafhaus, Schwefelhütte, Trudelhöfle und Ziegelhütte und die Häuser Brucker Sägmühle, Edenhof, Götzenmühle, Hohenlinde, Hollenhof, Kloster Lorch, Muckensee, Seemühle, Wachthaus und Walkersbacher Tal sowie die abgegangene Ortschaft Schweizermühle. Zur ehemaligen Gemeinde Waldhausen gehören das Dorf Waldhausen, die Weiler Rattenharz, Vogelhof, Weitmars und die Häuser Elisabethenberg, Erlenhof, Pulzhof, Waldhäuser Mühle, Walkersmühle und Weitmarser Sägmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Marbächle (möglicherweise in Rattenharz aufgegangen) und Wursthof.[2]

Zum Stand 2012 ist Lorch in die fünf Stadtteile Kirneck (396 Einwohner), Lorch (6492 Einwohner), Rattenharz (251 Einwohner), Waldhausen (2698 Einwohner) und Weitmars (1030 Einwohner) gegliedert.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Römerzeit[Bearbeiten]

Lage Lorchs am Obergermanisch-Raetischen Limes

Das Römische Reich verschob unter Kaiser Augustus kurz vor der Zeitenwende (15 v. Chr.) seinen Machtbereich nach Norden über die Alpen in die Räume der heutigen Schweiz, Süddeutschlands und Österreichs. Zunächst bildeten die obere Donau und der Hochrhein die Reichsgrenze. Etwa 100 Jahre später eigneten sich die Römer das von ihnen so genannte Dekumatenland und damit das Gebiet von Lorch an. Die beiden Provinzen Raetia (Rätien) und Germania superior (Obergermanien) wurden eingerichtet. Die neue Außengrenze des Reiches wurde nach Norden und Osten verlegt und markiert. Im Laufe der Jahrzehnte wurde diese neue Grenze immer stärker gesichert. Der Obergermanisch-Raetische Limes entstand. Dabei trafen die Ostgrenze Obergermaniens und die Nordgrenze Rätiens, die zugleich Außengrenze des römischen Reiches waren, in einem Limesknie genannten Knick zwischen den heutigen Städten Lorch und Schwäbisch Gmünd zusammen.[4]

Das Kastell Lorch wurde unter Kaiser Antoninus Pius (Regentschaft 138–161 n. Chr.) als Kohortenkastell zur Sicherung des Limes eingerichtet. Es war das südlichste Kastell des Obergermanischen Limes; östlich schloss sich der Raetische Limes an. Das Zentrum des Kastells lag auf dem Hof der heutigen evangelischen Stadtkirche, die Seiten des Kastells waren rund 150 bis 160 Meter lang. Dem Kastell schloss sich eine Zivilsiedlung (vicus) an, die sich auf ungefähr einem Kilometer entlang der durch das Remstal geführten römischen Fernstraße entwickelte.[4] Die damals strategisch wichtige Straße führte von Augsburg (Augusta Vindelicorum) über das heutige Stuttgart-Bad Cannstatt nach Mainz (Mogontiacum).

Der Name Lorchs zur römischen Zeit ist nicht gesichert; oft wird Lauriacum angenommen aufgrund der mittelalterlichen Bezeichnung und durch Analogieschluss mit dem heute ebenfalls Lorch heißenden Lauriacum in Oberösterreich. Zwischen 260 und 268 gaben die Römer unter dem Druck der Alamannen den Nordwestteil Raetiens und den Ostteil Obergermaniens und damit auch den Limes und das Kastell Lorch auf[4] (Limesfall); die Römer zogen sich nach Westen hinter den Rhein, nach Süden hinter den Bodensee und den Hochrhein und nach Osten hinter die Iller zurück (Donau-Iller-Rhein-Limes). Germanen, von den Römern Alamannen genannt, rückten nach und ließen sich in dem von den Römern geräumten Gebiet nieder.

Mittelalter[Bearbeiten]

Umbettung Friedrichs I. in das Kloster (Wandmalerei von Hans Kloss)

Die frühmittelalterliche Ortsgeschichte liegt im Dunklen; es ist unklar, ob der Ort fortwährend besiedelt war.[4] In der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde ein Kollegiatstift an der im Dorf gelegenen Pfarrkirche gegründet. Es war Grabstätte der Vorfahren der Staufer. Ungesicherter Überlieferung zufolge befand sich auf den Berg, auf dem später das Kloster Lorch gegründet wurde, eine Burg.[5]

Um 1100 gründeten die Staufer das Kloster Lorch, ihr Hauskloster und eine Benediktinerabtei. Das Kloster bestimmte von nun ab die Geschicke des Ortes. Konrad III. ließ seine in der Pfarrkirche begrabenen Vorfahren in das Kloster umbetten. Lorch wurde im 12. Jahrhundert in verschiedenen Schriftstücken unter den Namen Loricha und Lorche geführt, auf lateinisch als Laureacus und Laureacum monasterium.[5]

Das Kloster kam im 13. Jahrhundert unter die Vogtei der Grafen von Württemberg. Das Stift an der Pfarrkirche wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgehoben. Das Dorf hatte im ausgehenden Mittelalter das Marktrecht. An zentralen Einrichtungen bestanden ein Gericht und eine Badestube.[5]

Neuzeit[Bearbeiten]

Ortsansicht von Andreas Kieser, 1685

Herzog Ulrich ließ 1535 die Reformation in Lorch einführen. Im Gefolge des Schmalkaldischen Krieges wurden 1548 zunächst wieder katholische Gottesdienstformen eingeführt, aber ab 1553 waren wieder evangelische Pfarrer eingesetzt. Ein weiteres Ergebnis der Reformation war die Einführung einer Schule, für die um 1560 ein eigenes Gebäude gebaut wurde. Als Kloster des Herzogtums Württemberg wurde das Kloster Lorch im 16. Jahrhundert aufgehoben.[6]

Durch den Dreißigjährigen Krieg ging die Einwohnerzahl Lorchs auf ein Drittel zurück. In den folgenden Jahrzehnten setzte ein reger Wiederaufbau ein. 1660 konnte Lorch das vor dem Krieg verlorene Recht wieder erlangen, zwei Jahrmärkte abzuhalten. Von 1810 bis 1819 war Lorch Sitz eines Oberamtes, das danach nach Welzheim verlegt wurde. 1831 und 1832 erhielt Lorch Berechtigungen für weitere zwei Märkte.[7][8]

Ansicht vom Kloster, um 1895

Mit der Eröffnung des Abschnittes Bad Cannstatt–Wasseralfingen der Remsbahn 1861 gewann der Fremdenverkehr wirtschaftliche Bedeutung; Unterkunftsmöglichkeiten wurden aus- und neugebaut. Am 22. Juni 1865 erhob König Karl Lorch zur Stadt. Neben der Stadtverwaltung förderte ein Verschönerungsverein den Fremdenverkehr, und Lorch stellte sich als Luftkurort auf. Für 1898 waren 464 Kurgäste ausgewiesen, darunter 64 Ausländer.[9][10]

Parallel dazu wurden Industriebetriebe gegründet. Die 1876 gegründete Nudelfabrik Gebrüder Daiber hatte 1904 125 Beschäftigte und war damit wichtigster Arbeitgeber am Ort. Sie wurde 1893 auch der erste Verwender von Elektrizität am Ort. Der selber generierte Strom wurde auch an Privathäuser im Ort geleitet.[9][10]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Bei den Wahlen zu Beginn der 1930er Jahre schnitt die NSDAP in Lorch und Waldhausen deutlich überdurchschnittlich ab; so erhielt sie bei der Reichstagswahl 1933 in Lorch 56,5 % der Stimmen, gegenüber 41,9 % im Land Württemberg und 43,9 % im Reich.[11] Im Hintergrund stand die hohe Arbeitslosenzahl, die für Lorch im Januar 1932 340 betrug. Dazu trug die Stilllegung des größten Arbeitgebers, der Nudelfabrik Daiber, durch einen Großbrand 1930 bei.[12] Dagegen befand sich unter acht Gründungsmitgliedern der NSDAP-Ortsgruppe von 1932 kein einziger Arbeitnehmer; die Partei wurde in Lorch von mittelständischen Unternehmerfamilien getragen, die sechs der Gründungsmitglieder stellten;[11] Ortsgruppenleiter war der Briefmarkenhändler Hermann E. Sieger.[13]

Infolge der Gleichschaltung wurde zunächst der Gemeinderat von 16 auf 10 Mitglieder reduziert. In der ersten Sitzung wurden Straßen und Plätze nach Hindenburg, Hitler und Wilhelm Murr umbenannt. Bis Mai 1934 gelang es der NSDAP, alle Gemeinderäte, die nicht NSDAP-Mitglied waren, aus dem Amt zu drängen.[13]

In Lorch lebten zu Beginn der NS-Herrschaft, soweit bekannt, keine Juden. Der NS-Rassenhygieneideologie fielen jedoch mehrere behinderte Menschen aus Lorch und den heutigen Stadtteilen in der Tötungsanstalt Grafeneck zum Opfer.[14]

Am 19. April 1945 marschierten Soldaten der 44. Infanteriedivision[15] der US-Armee, von Norden über das Gehöft Bruck kommend, in Lorch ein. Bürgermeister Scheufele hatte zusammen mit Teilen der örtlichen NS-Spitze eine geplante Verteidigung der Stadt durch den Volkssturm verhindern können. So wurden die Amerikaner mit weißer Fahne am Kloster empfangen.[16] Durch den Zweiten Weltkrieg starben insgesamt 256 Menschen aus den heutigen Lorcher Stadtteilen; 64 blieben vermisst.[17]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Am 17. September 1945 setzte die amerikanische Besatzungsmacht den seit 1910 amtierenden Bürgermeister Wilhelm Scheufele ab und setzte provisorisch Theo Lauber ein, den am 2. April 1946 der vom ersten Nachkriegsgemeinderat gewählte Otto Bareiß ablöste.

1945 und 1946 brachten eine starke Zuweisung von Flüchtlingen nach Lorch; im Frühjahr 1946 waren rund 650 Personen aufgenommen.[18]

Die heutige Stadt wurde am 1. Januar 1972 durch Vereinigung der Stadt Lorch mit der Gemeinde Waldhausen gebildet.

Religionen[Bearbeiten]

Seit Einführung der Reformation 1535 ist Lorch vorwiegend evangelisch geprägt. Es gibt drei evangelische Gemeinden (Lorch, Waldhausen, Weitmars) mit jeweils einer Kirche sowie einer Kapelle in Rattenharz. Es bestehen zwei römisch-katholische Gemeinden (Lorch und Waldhausen) mit jeweils einer Kirche. Die neuapostolischen Gemeinden von Lorch und Waldhausen haben sich 2008 anlässlich des Neubaus einer gemeinsamen Kirche vereinigt.[19].

Zu den Kirchenbauten siehe: in Lorch, in Waldhausen, in Rattenharz

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 54,4 %
 %
40
30
20
10
0
34,1 %
32,7 %
28,2 %
5,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-6,1 %p
+0,7 %p
+0,4 %p
+5,0 %p

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis:

  1. FWV 34,1 % – 8 Sitze (−2)
  2. CDU 32,7 % – 7 Sitze (−1)
  3. SPD 28,2 % – 6 Sitze (±0)
  4. FDP 5,0 % – 1 Sitz (+1)

Der Arbeitskreis Ökologie und Umwelt (AKÖ) ist ein vom Gemeinderat eingerichtetes aus Bürgern bestehendes Gremium, das den Gemeinderat in ökologischen Fragen berät und das öffentliche Umweltbewusstsein fördern soll. Es trat am 22. Juni 1990 zum ersten Mal zusammen und hielt seitdem bis Juni 2010 81 Sitzungen.[20]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1910–1945: Wilhelm Scheufele
  • 1945–1946: Theo Lauber
  • 1946–1954: Otto Bareiß
  • 1954–1972: Walter Frank
  • 1972–1980: Walter Kübler
  • 1980–1996: Werner Steinacker
  • Seit 1996: Karl Bühler

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In gespaltenem Schild vorne in Gold der schwarze Großbuchstabe L, hinten in Schwarz ein goldener Löwe.“ Der Buchstabe L ist seit dem 15. Jahrhundert im Siegel des damaligen Fleckens bezeugt. Der staufische Löwe in verwechselten Farben soll an die Zugehörigkeit der Stadt zum staufischen Kernland erinnern. Das Wappen wurde 1934 eingeführt.[21]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Aufgrund der gemeinsamen staufischen Vergangenheit ist die Stadt Oria (Apulien) seit 1972 Partnerstadt von Lorch. Bekannt wurden die Fahnenschwinger von Oria, welche auch gelegentlich bei größeren Veranstaltungen in Lorch auftreten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Hauptattraktion ist das Kloster Lorch auf dem Klosterberg. Im Kapitelsaal des Klosters zeigt ein 100 m² großes Rundbild die Geschichte des Staufergeschlechts. Es ist ein 2002 fertiggestelltes Werk des Lorcher Künstlers Hans Kloss.
  • Neben den Klostergebäuden erinnert eine Nachbildung eines hölzernen, römischen Wachtturmes an den Verlauf des Obergermanisch-Raetischen Limes. Ganz in der Nähe lag die Grenze zwischen den römischen Provinzen Obergermanien und Rätien. Die Nachbildung des Wachtturmes ist nicht originalgetreu, so sind an allen Limes-Abschnitten südlich des Mains nur steinerne Wachttürme verbürgt. In der Regel befand sich der Eingang im ersten Stockwerk und war über eine Leiter zu erreichen. Die hier gezeigte Blockbauweise war für römische Holzbauwerke untypisch.
  • Beim heutigen Elisabethenberg oberhalb des Ortsteils Waldhausen befand sich eine Burg staufischer Dienstleute.
  • Die in moderner Architektur ausgeführte katholische Kirche St. Konrad wurde im November 1961 geweiht. Eine Vorgängerkirche bestand seit 1910, sie war jedoch durch den Zuzug von Katholiken nach dem Zweiten Weltkrieg zu klein geworden.[22]
  • Das am 18. Juli 1892 eingeweihte Schulhaus[9] am Schillerplatz hatte getrennte Gebäudehälften für Mädchen und Jungen. Heute dient ein Teil als Bürgerhaus, ein Teil als Stadtbücherei.
  • Das Schillerhaus gilt irrtümlicherweise als das Haus, in dem der Dichter Friedrich Schiller als Kind von 1764 bis 1766 in Lorch lebte.

Weltkulturerbe[Bearbeiten]

Seit dem 15. Juli 2005 ist der Obergermanisch-Rätische Limes mit dem Limesknie in Lorch UNESCO-Weltkulturerbe.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Die Lorcher Baggerseen sind ein am 5. November 1981 ausgewiesenes, 18,5 Hektar großes Naturschutzgebiet, das zwischen Lorch und Waldhausen liegt und von der Bundesstraße 29, der Rems und dem mündenden Walkersbach umschlossen ist. Es umfasst Weichholzauen und Bereiche, die sich zu Hartholzauen entwickeln, und ist Lebensraum stark gefährdeter Pflanzen und Tiere, insbesondere von Vögeln.[23]

Daneben gibt es in Lorch vier Landschaftsschutzgebiete – das Aimersbachtal, die Gebiete um Welzheim und Walkersbacher Tal, das Götzenbachtal und das Haselbachtal; drei SchonwälderKlosterwäldle, Schillergrotte und Steindobel; sowie 19 flächenhafte und 11 Einzel-Naturdenkmäler.[24]

Zu den Naturdenkmälern zählen acht im Wald nordwestlich des Klosters bei 48° 48′ 31″ N, 9° 42′ 33″ O48.8086864569449.7090387344444 stehende Wellingtonien (amtlicher Name: 9 Wellingtonien), die auf eine Sendung von 50 einjährigen Pflanzen im Jahr 1866 von der Wilhelma an das ehemalige in Lorch ansässige Forstamt Welzheim zurückgehen.[25][26]

Bis 1955 stand vor dem Kloster die etwa 1000 Jahre alte Barbarossa-Linde oder Hohenstaufen-Linde.

Die im Wald zwischen Lorch und Alfdorf gelegene Schelmenklinge gilt als älteste Touristenattraktion Lorchs. 1885 legte der örtliche Verschönerungsverein einen Fußweg durch dieses von Sandsteinfelsen umgebene Tal an; seit vermutlich vor 1932 werden dort im Sommerhalbjahr auf 500 Metern Länge Wasserspiele aufgestellt, die der durchfließende Bach antreibt. Seit 1996 betreut der Schwäbische Albverein Weg und Wasserspiele.[27][28]

Vereine[Bearbeiten]

  • Der TSV Lorch 1884 ist ein Mehrspartenverein, u. a. mit den Abteilungen Handball, Leichtathletik und Turnen, und hat nach eigenen Angaben rund 1200 Mitglieder.
  • Der Athletik-Sport-Verein 1900 betrieb früher hauptsächlich Kraft-Sportarten (Gewichtheben, Kraftdreikampf) und nahm an deutschen Meisterschaften im Kugel-Jonglieren und Gewichtwerfen teil. Heute bestehen die Abteilungen Aikido und Karate.
  • Der Fußballverein Sportfreunde Lorch 1911 spielt mit zwei Herrenmannschaften in der Kreisliga A bzw. B (Saison 2010/2011)
  • Der Radfahrer-Verein Lorch 1924 ist im Kunstradfahren aktiv.
  • Die Schützengilde Lorch besitzt ein Schützenhaus im Aimersbachtal und widmet sich dem Schießsport und dem Bogensport. Das Schützenhaus verfügt über Schießstände über 10 m, 25 m, 50 m, 100 m und über eine 90-m-Bogenwiese. Der Verein hat ca. 135 Mitglieder (2014).

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Der nach dem Wappentier benannte Löwenmarkt – jährlich im Mai oder Anfang Juni – ist das größte Stadtfest Lorchs. Es findet seit 1972[7] statt. Weitere Straßenmärkte finden zu Erntedank und zu Martini in der Altstadt statt.

Die Lorcher Fasnetgesellschaft wurde 1997 gegründet und veranstaltet seit 1998 jährlich einen Faschingsumzug; für 2008 wurden 53 Gruppen erwartet.[29]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahnhof Lorch

Verkehr[Bearbeiten]

Öffentliche Verkehrsmittel[Bearbeiten]

Entlang des Remstales verläuft die Remsbahn (StuttgartAalen), die den Bahnhof Lorch und den Haltepunkt Waldhausen bedient. Buslinien werden vom Omnibusverkehr Göppingen und weiteren Unternehmen betrieben. Bahn- und Buslinien des öffentlichen Personennahverkehrs können zu Tarifen der Verkehrskooperationen OstalbMobil wie auch zu den eigenen Tarifen des jeweiligen Verkehrsunternehmens benutzt werden.

Straßen[Bearbeiten]

Lorch liegt an der hier vierspurigen Bundesstraße 29 (WaiblingenNördlingen). Die nördlich der Bahnstrecke verlaufende alte B 29 wurde 1938–1940 für die damalige Reichsstraße 29 gebaut.[30] Lorch ist Ausgangspunkt der Bundesstraße 297, die über Göppingen nach Tübingen führt.

Radfernwege[Bearbeiten]

Durch die Stadt führt der Deutsche Limes-Radweg. Er folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Firma Binz stellt Rettungs-, Bestattungs- und andere Sonderfahrzeuge her. Sie hat in Lorch ihren Hauptsitz. Sie ist Ausstatter der Mobilen Hospitale der Bundeswehr. In den 1950er-Jahren stellte Binz auch Motorroller her, die heute bei Zweirad-Oldtimer-Sammlern zu den gesuchten Raritäten zählen. Binz stellte im Teilort Waldhausen auch Krankenwagen und andere Sanitätsfahrzeuge her.

Mahle Filtersysteme, ehemals Knecht, ein Unternehmen der KFZ-Zulieferindustrie, hat in Lorch eine Produktionsstätte. 2004 waren in Lorch rund 300 Menschen beschäftigt[31]. Die Anlagen stehen auf dem Standort der ehemaligen Nudelfabrik Daiber[10]

Pfäffle Verpackungen ist ein 1880 in Welzheim gegründeter und seit 1886 in Lorch ansässiger[32] Industriebetrieb, der Faltschachteln und andere Produkte aus Karton herstellt. Ein Beschäftigungshöhepunkt war 1925 mit 162 Mitarbeitern,[12] 2012 sind es rund 70.[33] Pfäffle liefert seit 2002 jährlich rund 60.000 DNA-Analysesets an die Polizei Baden-Württemberg.[34]

Die 1922 von Hermann E. Sieger gegründete gleichnamige Briefmarkenhandlung ist international tätig. Sie spricht in ihrer Werbung von der „Briefmarkenstadt Lorch“. 1971 leitete der damalige Unternehmensleiter einen Handel ein, der als Briefmarkenaffäre von Apollo 15 bekannt wurde.

Medien[Bearbeiten]

Ab 1906 erschien in Lorch die Tageszeitung Lorcher Zeitung. Sie trug ab 1933 den Untertitel „Nationalsozialistische Tageszeitung“ und erschien bis 1935.[35] Heute liegt Lorch im Verbreitungsgebiet der Rems-Zeitung und der Gmünder Tagespost, beide in Schwäbisch Gmünd ansässig.

Bildung[Bearbeiten]

Schulzentrum Schäfersfeld: Hauptschule mit Werkrealschule, Gymnasium, davor Realschule, Sporthalle, Mensa

Die zentral gelegene Stauferschule, heute eine reine Grundschule, wurde 1961 eingeweiht. 1971 übernahm die Stadt das nördlich oberhalb des Zentrums gelegene Schäfersfeld aus Landesbesitz. Sie hat dort ein Schulzentrum aufgebaut; die Hauptschule mit Werkrealschule, die Realschule und das Gymnasium Friedrich II.stehen dort. Die Stauferschule und die Schulen auf dem Schäfersfeld wurden vom Architekturbüro Behnisch & Partner gestaltet.[18][36][37]

Weiterhin besteht in Waldhausen die Grundschule Waldhausen, und im Zentrum die Förderschule Mörikeschule.[36]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Eduard Mörike, Plastik von Maria Kloss in der Hauptstraße

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 2012: Walter Kübler (1924–2012), Bürgermeister von Waldhausen (1954–1971) und Lorch (1972–1980)[38]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Johann Christian Neu (1668–1720), Professor der Geschichte und Philologie sowie Rektor an der Universität Tübingen
  • Karl Philipp Conz (1762–1827), Dichter und Schriftsteller
  • Oscar Friedrich von Fraas (1824–1897), württembergischer Pfarrer, Naturforscher und Geologe.
  • Johannes von Hieber (1862–1951) aus Waldhausen, deutscher Politiker (NLP, DDP), Staatspräsident von Württemberg
  • Marga Elser (* 1945), deutsche Politikerin (SPD), Bundestagsabgeordnete von 1998 bis 2005

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Friedrich Schiller (1759–1805) lebte von 1764 bis 1766 in Lorch, siehe Schillerhaus.
  • Eduard Mörike (1804–1875) lebte von 1867 bis 1869 in Lorch.
  • Hermann E. Sieger (1902–1954), Gründer der gleichnamigen Lorcher Briefmarkenhandlung und während der NS-Zeit Lorcher NSDAP-Ortsgruppenleiter
  • Lise Gast (1908–1988), Schriftstellerin, gründete nach dem Zweiten Weltkrieg in Lorch einen Ponyhof, den sie in ihren Büchern thematisierte.
  • Hans Kloss (* 1938), Maler und Grafiker, lebt und arbeitet seit 1969 in Lorch.
  • Mario Capezzuto (* 1952), ehemaliger Landtagsabgeordneter (SPD), lebt seit 1961 in Lorch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadt Lorch (Hrsg.): Lorch. Beiträge zur Geschichte von Stadt und Kloster. Heimatbuch der Stadt Lorch, Band 1, Lorch 1990.
  • Stadt Lorch (Hrsg.): Lorch im Remstal. Heimatbuch der Stadt Lorch, Band 2, Lorch 1990.
  • Manfred Schramm (Redaktion), Geschichtswerkstatt der VHS Lorch (Hrsg.): Stadt und Kloster Lorch im Nationalsozialismus, Schwäbisch Gmünd 2004, ISBN 3-936373-15-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lorch (Württemberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 748–754.
  3. Stadt Lorch: Daten & Fakten, abgerufen 4. Januar 2012.
  4. a b c d Hans-Ulrich Nuber: Zur Frühgeschichte der Stadt Lorch, in: Lorch, Band 1, S. 9 ff.
  5. a b c Klaus Graf: Kloster Lorch im Mittelalter, in: Lorch, Band 1, S. 39 ff.
  6. Hermann Ehmer: Lorch und die Reformation, in: Lorch, Band 1, S. 229 ff.
  7. a b Werner Matz: Lorcher Sagen, Sitten und Gebräuche, in: Lorch, Band 2, S. 11 ff.
  8. Christa Knauß, Peter Wanner: 17. und 18. Jahrhundert – Lebensbilder aus Lorch, in: Lorch, Band 2, S. 23 ff.
  9. a b c Kurt Seidel: Lorch im 19. und 20. Jahrhundert, in: Lorch, Band 2, S. 35 ff.
  10. a b c Rolf Dieterle: Handel, Handwerk, Industrie, in: Lorch, Band 2, S. 301 ff.
  11. a b Manfred Schramm: Die NSDAP und ihre Gliederungen in Lorch, in: Schramm, S. 29 ff.
  12. a b Rolf Klöpfer: Wirtschaftskrise im Deutschen Reich: die NSDAP verspricht Arbeit und Brot, in: Schramm, S. 14 ff.
  13. a b Rainer Wahl, Manfred Schramm: Die Gemeinderäte und der Bürgermeister werden nicht mehr gewählt, sondern von der Partei ernannt, in: Schramm, S. 21 ff.
  14. Gudrun Haspel, Sonja Waible: Rassenwahn – Zwangssterilisierung – Euthanasie – Antisemitismus, in: Schramm, S. 133 ff.
  15. Walter Hees: Die Amerikaner kommen …, Remshalden 2006, ISBN 3-927981-84-2.
  16. Günter Michaelsen, Manfred Schramm: Kriegsende, in: Schramm, S. 173 ff.
  17. Nachbemerkungen, in: Schramm, S. 201.
  18. a b Walter Kübler: Lorch 1945–1972, in: Lorch, Band 2, S. 129 ff.
  19. Gemeinde Lorch, Neuapostolische Kirche, abgerufen 20. August 2009.
  20. Nicht nur am grünen Tisch aktiv, Gmünder Tagespost vom 16. Juni 2010.
  21. Klemens Stadler: Deutsche Wappen, Band 8. Die Gemeindewappen des Bundeslandes Baden-Württemberg, Bremen 1971, Angelsachsen-Verlag, S. 67.
  22. Gangolf Kaiser: Die Geschichte der katholischen Gemeinde in Lorch, in: Lorch, Band 2, S. 341 ff.
  23. Lorcher Baggerseen, Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, abgerufen 7. Januar 2010.
  24. Schutzgebietsverzeichnis der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, abgerufen 7. Januar 2010.
  25. Information der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg.
  26. Wellingtonien, abgerufen 3. Januar 2010.
  27. Ein von Felsen umgebenes Lorcher Kleinod: Auch der Wasserfall wurde zum 125-jährigen Bestehen aktiviert, Rems-Zeitung, 31. Mai 2010.
  28. Wasserspiele in der Schelmenklinge, abgerufen 5. August 2010.
  29. 11. Geburtstag steht an, Gmünder Tagespost vom 2. Januar 2008, S. 18.
  30. Bernhard Eppmann: Entwicklung der Verkehrserschließung der Stadt Lorch, in: Lorch, Band 2, S. 191 ff.
  31. Broschüre der IG Metall (PDF-Datei; 317 kB).
  32. Der Wirtschaftsraum Ostwürttemberg, Oldenburg 1992, ISBN 3-88363-100-0.
  33. Pfäffle Verpackungen, abgerufen 15. Februar 2012.
  34.  Polizei setzt auf Lorcher Sets. In: Gmünder Tagespost. 3. April 2009, S. 29.
  35. Schramm, S. 10 u. S. 38.
  36. a b Schulen in Lorch auf den Webseiten der Stadt.
  37. Bauten im Raum Stuttgart auf den Webseiten des Landesverbandes Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Architekten.
  38. Lorcher Ehrenbürgerwürde an Walter Kübler verliehen, Rems-Zeitung vom 29. März 2012.