Reichenbach an der Fils

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reichenbach an der Fils
Reichenbach an der Fils
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reichenbach an der Fils hervorgehoben
48.719.4661111111111276Koordinaten: 48° 43′ N, 9° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 276 m ü. NHN
Fläche: 7,43 km²
Einwohner: 8050 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 1083 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73262
Vorwahl: 07153
Kfz-Kennzeichen: ES
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 058
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 7
73262 Reichenbach an der Fils
Webpräsenz: www.reichenbach-fils.de
Bürgermeister: Bernhard Richter
Lage der Gemeinde Reichenbach an der Fils im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
Über dieses Bild

Reichenbach an der Fils ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa 25 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart im Landkreis Esslingen an der namensgebenden Fils.

Geografie[Bearbeiten]

Luftbild von Reichenbach an der Fils, 2011

Zur Gemeinde Reichenbach an der Fils gehören außer dem Dorf Reichenbach keine weiteren Orte. Auf dem Gebiet der Gemeinde liegen die abgegangenen Ortschaften Bornhausen oder Bernhausen, Geroldsweiler oder Gerensweiler und Knollenhof. In der Ortschaft münden der Reichenbach von Norden und der Lützelbach von Nordwesten in die hier westlich fließende Fils.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf den Anhöhen des Filstales wurden Spuren von Menschen der mittleren Steinzeit (12000–5000 v. Chr.) gefunden, ebenso auf dem Gelände nördlich des Siegenhofes.

Erstmals erwähnt wurde die Gemeinde 1268 in einer Urkunde. Allerdings liegt die exakte Geburtsstunde Reichenbachs wie vielerorts im Dunkel der Geschichte. Die Gründungszeit des Ortes lässt sich aber über Flurbezeichnungen und im Vergleich mit Nachbarorten erahnen, sie dürfte in der Zeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert gelegen haben.

Reichenbach 1685, Forstlagerbuch von Andreas Kieser

Wilhelm Böhringer und Gustav Wohlbold, beide ehemalige Pädagogen an der heimischen Volksschule, haben in der Vergangenheit die staatlichen und kirchlichen Archive durchforscht und fanden den Ort in Verbindung mit einem Streit zweier adliger Frauen als „Marquardus plebanus de Richenbach“ erstmals erwähnt. Dieser „Leutpriester Marquard“ ist als Zeuge auf einer Urkunde des Jahres 1268 festgehalten.

Mit Reichtum hat der Ortsname nichts zu tun. Namensgeber ist vielmehr der die Gemeinde durchfließende Bach. Um Verwechslungen mit Gemeinden gleichen Namens zu verhindern, führte man 1906 die Ortsbezeichnung „Reichenbach an der Fils“ ein.

Die Gemeinde entwickelte sich nur zögerlich. Als vom 16. bis 19. Jahrhundert nahezu 300 Jahre spanische, schwedische, österreichische und vor allem französische Truppen durch das Filstal zogen, wurde Reichenbach durch Besetzungen, Plünderungen und Kampfhandlungen zum Kriegsschauplatz. Selbst Napoleon reiste 1806 durch den Ort.

Nachdem der Ort schon einmal 600 Einwohnern hatte, war Reichenbach nach dem Dreißigjährigen Krieg nahezu entvölkert und zählte nur noch etwa 50 Bewohner. Es dauerte 180 Jahre, bis sich der Ort von dieser schlimmen Zeit erholt hatte. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts konnte man spürbare Zuwanderungen verzeichnen.

Ende des 13. Jahrhunderts kam Reichenbach unter die Oberhoheit der Herren von Württemberg, nachdem zuvor wahrscheinlich die Staufer und dann die Herzöge von Teck das Sagen gehabt hatten. 1534 befahl der evangelische Herzog Ulrich, dass Reichenbach von nun an evangelisch sein sollte. Ursprünglich gehörte Reichenbach zum Oberamt Kirchheim, ab 1485 zum Oberamt Göppingen und erst seit 1938 zum Landkreis Esslingen.

Weniger bekannt ist, dass Reichenbach lange Zeit als Bergwerksort galt. Im 15. Jahrhundert ließen die württembergischen Herzöge am Asang und im Lützelbachtal nach Kupfer- und Manganerzen graben, aus denen Farben gewonnen wurden. 1457 wurde eine Steinkohlegrube in Richtung Baltmannsweiler errichtet. Im Sandstein fanden sich nicht nur vereinzelte kleine Kohleflöze, sondern auch Spuren von Gold und Silber. Zeitweise waren mehr als sechs Stollen in Betrieb. 1561 entstand eine Schmelzhütte, nach mehreren Unterbrechungen wurde der Bergbau 1739 jedoch wegen zu geringer Fördermengen eingestellt.

Der Aufschwung Reichenbachs fällt mit der Industrialisierung zusammen. Bedeutend war die Ansiedlung der Baumwollspinnerei und -weberei Heinrich Otto im Jahr 1879 und auch, dass Reichenbach 1847 Bahnstation wurde und so Anschluss an die überregionalen Verkehrswege bekam.

Religionen[Bearbeiten]

Seit Herzog Ulrich 1534 die Reformation einführte, ist Reichenbach evangelisch geprägt. Es gibt jedoch auch eine römisch-katholische und eine neuapostolische Gemeinde.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1653 1871 1900 1925 1950 1970 1980 1990 1995 2000 2005 2010
Einwohner 150 970 1481 2349 4517 8111 7261 7361 7424 8022 8029 7936

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Reichenbach hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis[2]. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 48,72 %
 %
30
20
10
0
26,92 %
26,52 %
25,67 %
20,89 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   2
   0
  -2
  -4
+1,98 %p
+1,16 %p
-2,79 %p
-0,35 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 26,92 5 24,94 4
FW Freie Wähler e.V. Reichenbach an der Fils 26,52 5 25,36 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands/Unabhängige Bürger 25,67 4 28,46 5
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 20,89 4 21,24 4
gesamt 100,0 18 100,0 18
Wahlbeteiligung 48,72 % 51,70 %

Wappen[Bearbeiten]

Wappen Reichenbach an der Fils.png

Blasonierung: „Unter goldenem Schildhaupt, darin eine liegende Hirschstange, in Rot eine silberne Pflugschar.“

Der erst Beleg für das alte Dorfwappen ist ein Wappenstein von 1588 am Rathaus in Reichenbach, der es neben dem Schild der damals zuständigen Amtsstadt Göppingen zeigt. Mit der Hirschstange als Zeichen der Württemberger Landesherrschaft im Schildhaupt ist eine Pflugschar verbunden, die ein beliebtes dörfliches Symbol war und nach dem Kieserschen Forstlagerbuch auf Reichenbacher Grenzsteinen 1685 als Fleckenzeichen nachweisbar ist; zweifellos ist es aber älter als die Abbildung von 1588. Die heutige Wappengestaltung ist in neueren Gemeindesiegeln und seit 1930 auch mit den jetzt gebräuchlichen Farben bezeugt.[3]

Flagge[Bearbeiten]

Die Gemeindeflagge ist Rot-Gelb (1966).

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Zwischen der Gemeinde Reichenbach an der Fils und der französischen Stadt Sainte-Savine gibt es eine Gemeindepartnerschaft.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde hatte aufgrund des wirtschaftlichen Wandels in den 1990er Jahren stark zu leiden. Zu Beginn des Jahrzehnts schloss das Unternehmen Otto in Reichenbach. Die Traub Drehmaschinen GmbH & Co. KG (nach deren Gründer ist das Hermann-Traub-Stadion des VfB Reichenbach benannt) ist seit 1997 Tochtergesellschaft der Esslinger INDEX-Werke, was damals zu einem massiven Stellenabbau führte. Weitere Unternehmen sind der Wellpappehersteller Seyfert GmbH, das Transport- und Logistikunternehmen Kraftverkehr Nagel Kurt Nagel GmbH & Co., der Elektrogerätehersteller Electrostar, der Kunststoffverarbeiter Oskar Voltz GmbH sowie weitere mittelständische und kleine Unternehmen.

Verkehr[Bearbeiten]

Obwohl Reichenbach kein bedeutender Verkehrsknotenpunkt ist (wie etwa Plochingen), verlaufen trotzdem wichtige Straßen durch den Ort. Mit der vierspurigen Bundesstraße 10 führt eine viel befahrene Straße Süddeutschlands an Reichenbach vorbei. Außerdem gibt es die Querverbindungen über Baltmannsweiler bzw. Lichtenwald ins Remstal sowie die Straße über Hochdorf und Notzingen nach Kirchheim unter Teck.

Stuttgart ist mit dem Auto über die B 10 in etwa 30 Minuten zu erreichen, der Flughafen Stuttgart in rund 25 Minuten.

Seit 1847 fährt die Eisenbahn durch Reichenbach. Es ist die stark befahrene Filstalbahn von Stuttgart nach Ulm, auf der auch der schnelle ICE verkehrt. Das Reichenbacher Bahnhofsgebäude wurde im Herbst 2006 renoviert. Heute befindet sich in dem Gebäude eine Gaststätte, zugleich ist es ein Wohnhaus. Der Bahnhof wird von früh morgens bis spät abends stündlich bis halbstündlich in beiden Richtungen von Regionalbahnen und Regionalexpress-Zügen bedient. Zwischen 6 Uhr und 21 Uhr kann man etwa halbstündlich mit Regionalbahn und Regionalexpress fahren, zwischen 21 Uhr und ca 1:00 Uhr fährt stündlich eine Regionalbahn. Richtung Plochingen/Stuttgart fährt ab ca 05:00 Uhr, danach bis 21 Uhr etwa alle halbe Stunde eine Regionalbahn oder ein Regionalexpress. Des Weiteren gibt es Busverbindungen Richtung Lichtenwald und Schorndorf, Richtung Hochdorf und Kirchheim unter Teck und nach Plochingen. Der Ortsbus bedient die Ortsteile Risshalde und Siegenberg. Bedeutendes Verkehrs-Bauwerk ist die Sainte-Savine-Brücke, die nach Reichenbachs Partnergemeinde Sainte Savine in Frankreich benannt ist. Sie erschließt das Voralbgebiet und stellt Verbindungen zum Freibad und zum Stadion her. Kurz hinter der Bahnunterführung kommt die Filsbrücke, die 1877 erbaut wurde. Bis 2007 gab es auch einen kleinen Rangierbereich mit einem Gleisanschluss zur o. g. Wellpappefabrik. Die Gleisanlagen wurden bei den Umbauarbeiten 2007 allerdings komplett entfernt. Der dadurch erheblich angestiegene Lkw-Verkehr bringt viele Probleme mit sich. Da das Firmengelände zu klein ist, verstopfen die wartenden Lkw die umliegenden Straßen, was häufig zu Staus führt. Da sich im Bahnhof Reichenbach durch den stillgelegten Gleisanschluss keine befahrbare Weiche mehr befindet, wurde der Bahnhof im Herbst 2009 zu einem Haltepunkt herabgestuft.

Außerdem gibt es den Otto-Munz-Steg für Fußgänger und Radfahrer. Er überspannt die Bahngleise, die Filsstraße, die Schnellstraße B 10 und die Fils und erleichtert die Wege zu Freibad und Stadion.

Nachbargemeinden sind Plochingen, Hochdorf, Hochdorf Ortsteil Ziegelhof, Ebersbach an der Fils, Lichtenwald-Hegenlohe und Baltmannsweiler. Plochingen und Ebersbach können mit der Bahn, die anderen Gemeinden mit dem Bus erreicht werden.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Neben einer Realschule gibt es in Reichenbach mit der Lützelbachschule auch eine Grund- und Hauptschule und mit der Brunnenschule eine reine Grundschule. Die Außenstelle der Marquardschule Plochingen, einer Förderschule, rundet das Schulangebot ab. Die erste Erwähnung einer Schule in Reichenbach ist aus dem Jahre 1580. Im 16. und 17. Jahrhundert ging man allerdings nur im Winter zur Schule. Eine Sommerschule stieß auf Widerstand in der Bevölkerung, weil die Kinder Feldarbeit verrichten mussten, obwohl ab 1649 Schulzwang bestand. Ein energischer Lehrer soll dann erreicht haben, dass man im Sommer wenigstens am Dienstag und Freitag unterrichtet wurde. Erst ab 1735 war der Lernbetrieb dannganzjährig. Das erste Schulhaus war ein 1738 erbautes Gebäude in der Kirchstraße, das heute nicht mehr steht. 1825 erstellte die Gemeinde ein neues Schulhaus in der Schulstraße und 1897 entstand dann die östliche Hälfte der Brunnenschule. Der westliche Bauabschnitt der damaligen Volksschule wurde 1912 erbaut. 1953 entstanden die ersten Gebäude der Lützelbachschule im Brühl, was für die Gemeinde eine große finanzielle Herausforderung war. Schulturnhalle und Sportplatz kamen fünf Jahre später hinzu. 1976 wurde das Gebäude der Realschule erstellt. Auch die Haupt- und Realschüler aus Hochdorf und Lichtenwald werden in diesem Bildungszentrum unterrichtet. Im Realschulgebäude ist auch die Ortsbücherei mit mehr als 22.000 Büchern sowie Kassetten, DVDs und Videos untergebracht.

Der erste Kindergarten entstand im Jahr 1844 in der Kirchstraße, hatte aber vermutlich erst ab Ende des 19. Jahrhunderts ganzjährig geöffnet. Allerdings wurden nur die Kinder zur „Kenderschüle“ gebracht, die für die Feldarbeit noch zu klein waren. Heute zählt man acht Kindergärten in Reichenbach: Robert-Schöttle-Kindergarten, Oskar-Voltz-Kindergarten, Siegenberg-Kindergarten, Michaelis-Kindergarten, Steinäcker-Kindergarten, Clärchen-Seyfert-Kindergarten sowie ein Waldkindergarten und der Mini-Kindi im Rathaus.

Sport[Bearbeiten]

Die Fußballabteilung des VfB Reichenbach spielt derzeit in der Kreisliga A, die Schachabteilung gehört zu den erfolgreichsten im Landkreis. Größter Sportverein am Ort ist der TV Reichenbach mit folgenden Abteilungen: Wettkampfgymnastik, Allgemeine Gymnastik, Kindersport, Gesundheitssport, Leichtathletik, Handball, Tischtennis, Volleyball, Faustball, Ballermänner. Auch die Rettungsschwimmer der DLRG Ortsgruppe Reichenbach/Fils sind bundesweit sowohl in der Jugend (vor allem die weiblichen Schwimmerinnen) als auch bei den Senioren überaus erfolgreich und halten mehrere Deutsche Meistertitel im Rettungsschwimmen.

Außerdem gibt es noch den RSV Reichenbach mit den Sportarten Mountainbike, Breitensport und Radball.

Die Reichenbacher Schützengilde e. V betreibt im Lützelbachtal Schießsport nach den Regeln des Deutschen Schützenbundes. In den Raumschießanlagen wird mit Gewehr und Pistole auf 10m, 25m und 50m in allen DSB-Disziplinen geschossen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das h2o auf dem Gelände der ehemaligen Spinnerei Otto sowie die halle im ehemaligen Bierkeller bieten regelmäßig Konzerte und Veranstaltungen von regionaler Bedeutung.

Kirchen[Bearbeiten]

Die evangelische Mauritiuskirche[Bearbeiten]

Evangelische Mauritiuskirche

Der Turm der Mauritiuskirche stammt aus dem Jahr 1522. Der Sandstein zum Bau des Turms der Mauritiuskirche wurde im Lützelbachtal gebrochen und als die Eisenbahn ins Filstal kam, wurden solche Quader auf Güterwaggons verladen und nach Ulm zum Weiterbau des Ulmer Münsters transportiert. Da der Kircheninnenraum zu klein wurde, baute man sie in den Jahren 1905 bis 1907 nach Entwürfen der Stuttgarter Architekten Richard Böklen und Carl Feil im Jugendstil aus. Heute hat die Kirche fast 1000 Sitzplätze. 1982 wurde die wertvolle Orgel mit ihrem besonders schönen Jugendstil-Prospekt kostspielig erneuert. 1997 ist das Kircheninnere einer grundlegenden Renovierung unterzogen worden, gleichzeitig hat man die etwas missglückten Veränderungen der Renovierung von 1954 beseitigt und die Kirche in ihren Urzustand zurückversetzt. Heute ist die Mauritiuskirche eine der wenigen Gotteshäuser im Jugendstil im südwestdeutschen Raum. Die Mauritiuskirche mit dem Pfarrhaus, dem Kirchvorplatz mit Brunnen und dem dahinter liegenden Friedhof bilden zusammen ein unter Denkmalschutz stehendes Ensemble.

Die katholische Kirche St. Michael[Bearbeiten]

Bis zur Reformation war Reichenbach katholisch, aber als sich Herzog Ulrich 1534 der Reformation anschloss, wurden auch seine Untertanen protestantisch. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Reichenbach wieder eine nennenswerte Zahl an Katholiken und um 1950 war – auch besonders bedingt durch den Zuzug von Vertriebenen und Flüchtlingen des Zweiten Weltkrieges – ein Drittel der Einwohner katholisch. 1953 begann man mit dem Bau des katholischen Gotteshauses. Am 4. Dezember 1954 weihte Bischof Dr. Leiprecht die Kirche dem Heiligen Erzengel Michael. 1988 wurde die Kirche einer Renovierung unterzogen und heute bietet die Kirche Platz für etwa 550 Besucher. Außerdem läuten seit 1962 fünf Glocken, die durch Spenden gekauft werden konnten.

Die evangelische Siegenbergkirche[Bearbeiten]

Im Mai 1961 wurde die Wanderkirche als Holzbaracke gebaut. Dieses Provisorium wurde nötig, da die Siedlung Siegenberg rasch wuchs und bereits 2000 Bewohner zählte. Einige Jahre später sammelte ein Kirchenbauverein Spenden, man kaufte einen Bauplatz, begann mit den Bauarbeiten und weihte die Kirche am Erntedankfest 1965 ein. Die mit viel Naturholz ausgestattete Kirche beherbergt unter ihrem Dach einen Kirchenraum mit 150 Plätzen, einen durch eine Faltwand vom Kirchenraum abgetrennten Gemeindesaal sowie zwei Jugendräume.

Die neuapostolische Kirche[Bearbeiten]

Zehn Mitglieder zählte diese christliche Glaubensgruppe 1921 in Reichenbach, und ein Jahr später hielt sie den ersten Gottesdienst. Bis 1934 hatte man eine Räumlichkeit in der Stuttgarter Straße und zog dann in die Baltmannsweiler Straße. Als man 60 Mitglieder zählte, wurde es auch dort zu eng und so wurde der Entschluss getroffen, eine Kirche zu bauen. Diese konnte am 27. Oktober 1956 eingeweiht werden. Renoviert wurde das Anwesen in der Paulinenstraße 1988 und 1989. Inzwischen sind es 120 Mitglieder.

Reichenbachs Rathäuser[Bearbeiten]

Wann das erste Rathaus in Reichenbach erbaut wurde, ist nicht bekannt, es dürfte um 1590 gewesen sein. Sein Standort war nahe der Fils, die damals noch ihren alten Lauf hatte und der heutigen Seestraße folgte (das Flussbett wurde 1696 auf 800 Meter Länge nach Süden verlegt). Aus dem Jahr 1739 gibt es Berichte, wonach das Rathaus in einem erbärmlichen Zustand gewesen sein muss und nur unter Lebensgefahr betreten werden konnte. Doch es dauerte acht Jahre, ehe man sich zu einem Neubau entschließen konnte. 1751 wurde ein neues Rathaus fertiggestellt, das 1823 wieder zu klein und reparaturbedürftig war; man baute gründlich um, renovierte und erweiterte. Das Haus war zwar seit 1900 erneut viel zu klein, aber man begnügte sich mit dem Ausbau des Dachgeschosses. Erst 1959 beschloss der Gemeinderat einen Neubau, mit dem am 4. September 1961 begonnen wurde. Das neue Gebäude wurde am 29. Mai 1964 feierlich eingeweiht. Das alte Rathaus wurde abgebrochen, da die Südwestbank an dieser Stelle bauen wollte. Die Glocken des alten Rathauses findet man im Eingangsbereich des neuen Gebäudes wieder – und die Turmuhr schlägt in der Brunnenschule.

Kinos[Bearbeiten]

Die Gemeinde hatte Mitte des 20. Jahrhunderts drei Kinos. 1953 wurden die „Central-Lichtspiele“ eröffnet. Ebenfalls 1953 wurde in der Wilhelmstraße ein zweites Kino eröffnet, das „Neue Filmtheater“. Zu den beiden stationären Kinos gesellte sich dann noch ein Wanderkino, das an Wochenenden in der Halle des Turnvereins gastierte. Das letzte Kino schloss bereits 1968 in der Wilhelmstraße seine Pforten.

Die Brühlhalle[Bearbeiten]

Die 1907 vom Turnverein erbaute Halle neben den Bahnlinien diente in Ermangelung eines größeren Veranstaltungsraumes fast 70 Jahre lang als Turn- und Festhalle. Als die Bundesstraße 10 gebaut wurde, riss man das Gebäude ab. Am 15. Mai 1982 wurde die neue Brühlhalle mit einem Festakt eingeweiht. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 10 Millionen D-Mark.

Das „Freibad im Grünen“[Bearbeiten]

Das Freibad wurde am 29. Mai 1976 eröffnet. Der damalige Bundesverkehrsminister Dr. Volker Hauff überreichte zu dieser Gelegenheit einen Scheck und Bürgermeister Richard Seeger sprang in Frack und Zylinder vom Sprungturm ins Wasser. In 25 Jahren passierten über 5 Millionen Badegäste die Drehkreuze. Bereits 1951 existierte ein Freibad, das sich bei der Wehranlage der Fils und dem Fabrikkanal der Otto-Spinnerei befand. Wegen des Baus der Schnellstraße wurde das Inselbad geschlossen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Otto-Munz-Steg über die Fils
  • Brunnengasse
  • St.-Savine-Brücke
  • Otto-Munz-Steg
  • Brühlhalle
  • evangelische Mauritiuskirche
  • evangelische Siegenbergkirche
  • katholische Michaelskirche
  • neuapostolische Kirche

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Vor Ort lebten und wirkten[Bearbeiten]

  • Marigard Bantzer (1905–1999), die Kinderbuchillustratorin wohnte nach der Zerstörung ihrer Berliner Wohnung ab 1943 in Reichenbach. Ihr 1944 verstorbener Mann, der Zeichner Erich Ohser, war bis 1968 in Reichenbach bestattet, dann wurde die Urne nach Plauen überführt.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Böhringer: Heimatbuch Reichenbach an der Fils. Bürgermeisteramt, 1968
  • Der Landkreis Esslingen – Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seite 393.
  • Joachim Scherrieble: Reichenbach an der Fils unterm Hakenkreuz – ein schwäbisches Industriedorf in der Zeit des Nationalsozialismus. Durchgesehene, um die Liste der „Gefallenen und Vermißten Reichenbachs im Zweiten Weltkrieg“ ergänzte 2. Auflage. Silberburg Verlag, Tübingen, ISBN 3-87407-201-0
  • Helmut Wurster, Heinz Munz: Reichenbach : eine Gemeinde ändert ihr Gesicht [Bilder – Anekdoten – Geschichtliches]. Hrsg.: Gemeinde Reichenbach an der Fils. Gottlieb & Osswald, Kirchheim unter Teck, 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichenbach an der Fils – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  3. Klemens Stadler: Deutsche Wappen. Band VIII: Baden-Württemberg Seite 87. Mit Zeichnungen von Max Reinhart. Angelsachsen-Verlag Bremen, 1971.
  4. N-TV: Vor 70 Jahren starb Erich Ohser – Vater und Sohn, Gestapo und Tod, 6. April 2014.