Selz

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Selz
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Verlaufsplan

Verlaufsplan

Daten
Gewässerkennzahl DE: 252
Lage Rheinland-Pfalz, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quelle Orbis
49° 41′ 45″ N, 7° 59′ 56″ O49.6959722222227.9988888888889327
Quellhöhe 327 m ü. NHNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung In Ingelheim in den Rhein49.9958333333338.025555555555680Koordinaten: 49° 59′ 45″ N, 8° 1′ 32″ O
49° 59′ 45″ N, 8° 1′ 32″ O49.9958333333338.025555555555680
Mündungshöhe 80 m ü. NHNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 247 m
Länge 61 km[1]
Einzugsgebiet 389,059 km²[1]
Abfluss am Pegel Oberingelheim[2][3]
AEo: 363 km²
Lage: 5 km oberhalb der Mündung
MNQ 1975/2002
MQ 1975/2002
Mq 1975/2002
267 l/s
742 l/s
2 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Heimersheimer Bach, Goldbach, Mühlbach
Rechte Nebenflüsse Weidas, Engelborner Brünnelche
Durchflossene Stauseen Alzeyer Stausee
Mittelstädte Ingelheim
Kleinstädte Alzey, Nieder-Olm
Gemeinden 15 Ortsgemeinden

Die 61 km lange Selz ist ein orographisch linker Nebenfluss des Rheins und eines der Hauptgewässer in Rheinhessen (Rheinland-Pfalz).[4] Mit einer Abflussspende von nur 2 l/(s·km²) gehört die im Windschatten des Nordpfälzer Berglandes fließende Selz, was das Einzugsgebiet angeht, zu den wasserärmsten Flüssen Deutschlands.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Selz entspringt in der Pfalz im Nordpfälzer Bergland auf 327 m ü. NHN Höhe am Rande der Ortschaft Orbis, wo ihre gefasste Quelle ausgeschildert ist und besichtigt werden kann. Etwa 30 km weit fließt die Selz in nordöstlicher Richtung. Dabei passiert sie nach 3 km die Grenze zwischen der Nordpfalz und Rheinhessen und erreicht nach weiteren 8 km die Kleinstadt Alzey. Dort durchquert sie zuerst einen Stausee, dann wird sie verrohrt und fließt unterirdisch durch die Stadt. Nach ungefähr der Hälfte ihres Laufweges durch das rheinhessische Hügelland knickt sie in Selzen fast rechtwinklig nach Nordwesten ab, um nach 61 km auf 80 m Höhe in Ingelheim (Stadtteil Frei-Weinheim) in den Rhein zu münden. Der mittlere Abfluss beträgt 0,77 m³/s bei einer Schwankungsbreite von 0,3 bis 20 m³/s.

Bei ihrem Weg durch Rheinhessen fließt die Selz jeweils links an vier Erhebungen vorbei, die 100 bis 150 m über das Niveau der Talaue hinausragen und Teil der Wasserscheide zwischen der Selz und dem 10 bis 16 km östlich vorbeifließenden Rhein sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Schriftlich belegt ist die Selz im Rahmen der Veroneser Schenkung, mit der am 14. Juni 983 Kaiser Otto II. in Verona seinem Erzkanzler, dem Mainzer Erzbischof Willigis, die Stadt Bingen und die zugehörige Landschaft schenkte, die „sich diesseits des Rheines von der Brücke über die Selzbach erstreckt bis nach Heimbach, jenseits des Rheines aber von der Stelle, wo das Elzbächlein in denselben fließt, bis zu dem Dörflein Caub.“

1909 wurde bei Zornheim die sogenannte Selztalstellung mit dem Fort Muhl als bedeutende Verteidigungslinie und vorgeschobenes Bollwerk des Deutschen Reiches gegen Frankreich errichtet, da es von hier aus eine Fernsicht von mehr als 30 km über Rheinhessen hinweg gibt.[5]

Am Karfreitag, dem 20. April 1962, trat nach starken Regenfällen die Selz bei Mauchenheim über das Ufer und überschwemmte das untere Dorf von Mauchenheim. Das Wohnhaus der Anhäuser Mühle stand bis zur Decke unter Wasser und musste abgerissen werden. Auch die Straße nach Alzey wurde dabei derart mit Schlamm überspült, dass der Verlauf nicht mehr erkennbar war.[6]

Seit 1992 werden die Selz und ihre Flussauen Stück für Stück renaturiert. Feuchtgebiete wurden angelegt, die Ufer abgeflacht und Sturzbäume eingebracht, damit sich die Selz einen neuen Weg suchen kann. Viele Amphibien, Wasservögel und Insekten können seitdem wieder beobachtet werden. Einer der ersten renaturierten Abschnitte liegt zwischen Hahnheim und Sörgenloch.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Brücken[Bearbeiten]

Über die Selz führen 137 Brücken; bei gleichmäßiger Verteilung ließe sich der Wasserlauf alle 460 m überqueren. Die meisten Übergänge sind allerdings nur für den landwirtschaftlichen Verkehr auf den Feldwegen vorgesehen. Straßenbrücken für den allgemeinen Kraftverkehr befinden sich hauptsächlich in oder bei den durchflossenen Orten.

Selztal-Radweg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Selztal-Radweg

Von der Quelle bei Orbis über Alzey nach Ingelheim führt entlang der Selz ein ausgeschilderter Wander- und Radwanderweg, der Selztalweg[7] bzw. Selztal-Radweg.[8][9] Er verläuft zum Teil auf oder neben den ehemaligen Bahntrassen „Amiche“ und „Zuckerlottche“.

Mühlen[Bearbeiten]

Von den einst 40 Mühlen an der Selz sind heute die meisten nicht mehr in Betrieb.

Literatur[Bearbeiten]

Alexandre Dumas der Ältere lässt seinen Roman Der Ratschluss der Magiers in der Gegend der Selz spielen.[10][11] In der Einleitung schildert er das Gewässer ausführlich.[12]

Französischer Originaltext:

Introduction I – Le mont Tonnerre

Sur la rive gauche du Rhin, à quelques lieues de la ville impériale de Worms, vers l’endroit où prend sa source la petite rivière de Selz, commencent les premiers chaînons de plusieurs montagnes dont les croupes hérissées paraissent s’enfuir vers le nord, comme un troupeau de buffles effrayés qui disparaîtrait dans la brume. […]

[…] Seule au milieu de ce silence, la petite rivière dont nous avons déjà parlé, le Selzbach, comme on l’appelle dans le pays, poursuit son cours mystérieux sous les sapins de la rive; et quoique ni jour ni nuit ne l’arrêtent, car il faut qu’elle se jette dans le Rhin qui est son éternité à elle, quoique rien ne l’arrête, disons-nous, le sable de son lit est si frais, ses roseaux sont si flexibles, ses roches si bien ouatées de mousses et de saxifrages, que pas un de ses flots ne bruit de Morsheim, où elle commence, jusqu’à Freiwenheim, où elle finit. […]

Deutsche Übersetzung:

Einführung I – Der Donnersberg

Oberhalb des linken Rheinufers, etliche Meilen von der Kaiserstadt Worms entfernt in der Richtung, wo das Flüsschen Selz entspringt, beginnen die Vorhügelketten mehrerer Gebirgszüge, deren schroffe Gipfel nach Norden hin zu fliehen scheinen wie eine Herde aufgeschreckter Büffel, die im Nebel verschwindet. […]

[…] Mitten in dieser Stille nimmt das Flüsschen, von dem wir schon gesprochen haben, der Selzbach, wie er hierzulande genannt wird, seinen geheimnisvollen Lauf unter den Tannen an seinem Ufer; und obwohl es Tag und Nacht kein Halten gibt, weil die Selz, wie es ihre ewige Bestimmung ist, sich in den Rhein ergießen muss, obwohl nichts sie aufhält, wie gesagt, ist der Sand in ihrem Bachbett so frisch, sind die Schilfhalme so biegsam, sind ihre Felsen derart gepolstert mit Moos und Steinbrech, dass nicht eines ihrer Strömungsgeräusche bis nach Morschheim zu hören ist, wo sie beginnt, oder bis nach Freiweinheim, wo sie endet. […]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Selz (River) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geoexplorer der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz.
  2. Nachweis für Einzugsgebiet und Lage des Pegels: RLP – Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (PDF; 3,2 MB).
  3. Gewässerwanderwege an der Selz, Ministerium für Umwelt und Forsten Mainz (PDF; 3,4 MB).
  4. Allgemeine Zeitung: 61 lange Kilometer bis zur Rheinmündung. Mainz, 17. Februar 2007.
  5. Feindsicht über 30 Kilometer. Als größte Befestigungsanlage der Selzstellung hat Fort Muhl eine herausgehobene Position. In: Rhein Main Presse. Mainz, 10. August 2009.
  6. A. M.: Geschichte(n) unserer Heimat. In: Nachrichtenblatt der Verbandsgemeinde Alzey-Land. 19. April 2012, S. 17.
  7. Albrecht Langenbach: Selzwanderung. Flüsschen in urwüchsigem Bett. Abgerufen am 21. Februar 2012.
  8. Wikivoyage:de:Selztal-Radweg.
  9. Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz: Selztalradweg.
  10.  Erich Hirsch: Die Selz als literarischer Ausfluss. Orbis: Schauplatz für den Roman „Der Ratschluss der Magiers“ von Alexandre Dumas. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen, 11. Juli 2001 (zitiert bei huegelland.net, abgerufen am 21. Februar 2012).
  11. Flüsse und Bäche in Rheinhessen. Rheinhessen-Info, abgerufen am 21. Februar 2012.
  12. Alexandre Dumas: Introduction I – Le mont Tonnerre (franz.).