Ummerstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ummerstadt
Ummerstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ummerstadt hervorgehoben
50.25916666666710.811111111111283Koordinaten: 50° 16′ N, 10° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Heldburger Unterland
Höhe: 283 m ü. NHN
Fläche: 15,7 km²
Einwohner: 488 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 31 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98663
Vorwahl: 036871
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 052
Adresse der Verbandsverwaltung: Häfenmarkt 164
98663 Bad Colberg-Heldburg
Webpräsenz: www.ummerstadt.de
Bürgermeisterin: Christine Bardin (parteilos)
Lage der Stadt Ummerstadt im Landkreis Hildburghausen
Ahlstädt Auengrund Bad Colberg-Heldburg Beinerstadt Bischofrod Eisfeld Brünn Dingsleben Ehrenberg Eichenberg Eisfeld Römhild Gompertshausen Grimmelshausen Grub Römhild Hellingen Henfstädt Hildburghausen Kloster Veßra Lengfeld Marisfeld Masserberg Römhild Römhild Nahetal-Waldau Oberstadt Reurieth Römhild Sachsenbrunn Schlechtsart Schleusegrund Schleusingen Schmeheim Schweickershausen St. Bernhard St. Kilian Straufhain Themar Ummerstadt Veilsdorf Römhild Westhausen ThüringenKarte
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Ummerstadt ist eine Stadt im Landkreis Hildburghausen in Thüringen und seit 1994 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Heldburger Unterland. Mit 499 Einwohnern (31. Dezember 2011) ist sie nach Neumark (bei Weimar) die zweitkleinste Stadt Thüringens, die kleinste der Region Franken und eine der kleinsten in Deutschland.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ummerstadt liegt im Heldburger Land im südlichsten Zipfel des Freistaates Thüringen. Ein großer Teil der Gemarkungsgrenzen ist zugleich Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern, hinter der das Coburger Land liegt. Die Nachbarstadt in Thüringen ist Bad Colberg-Heldburg, Nachbarstädte in Bayern sind Bad Rodach, Seßlach und Coburg. Durch seine Lage am Flüsschen Rodach, das über die Itz in den Main entwässert, gehört Ummerstadt zum Einzugsgebiet des Rheins.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Codex Eberhardi, einer Urkundensammlung des Klosters Fulda, deren Kopien um 1140 entstanden, wurden zahlreiche Orte des Grabfeldgaus erstmals genannt. Zu Ummerstadt gehört wohl einer der beiden nicht sicher zuordenbaren Namen „Uundrungeuui“ (Urkunde 507 vom 17. Oktober 837) oder „Gubrahtestat“ (Urkunde 520 vom 2. Oktober 838). In beiden Urkunden werden auch Heldburg und Hellingen genannt. Eine Würzburger Urkunde Nr. 5630 vom 1. Februar 1223 nennt wiederum Heldburg und „Umerstat“ gemeinsam. Ein wettinisches Kopialbuch enthält die Abschrift der verloren gegangenen Stadtrechtsurkunde vom 2. Dezember 1394, die im „Dorf Heldburg“ ausgestellt wurde. Heldburg erhielt am gleichen Tag Stadtrecht. Die Ummerstädter betonten aber, dass sie schon unter den Hennebergern Stadtrechte (also spätestens 1374, dem letzten Jahr der hennebergischen Herrschaft), erhalten hätten, die Urkunde aber verloren gegangen sei. Tatsächlich wurde 1347 im Zusammenhang mit dem Übergang der hennebergischen Pflege Coburg als Mitgift (zu der unter anderem Ummerstadt gehörte) an den Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen, Friedrich III. (der Strenge), Ummerstadt eine Stadt genannt. Ummerstadt besitzt damit hennebergisches und wettinisches Stadtrecht.

Auf dem Kirchberg von Ummerstadt befand sich eine Befestigungsanlage. Die Mauer, das Tor und der Torturm sowie Reste des Wallgrabens zeugen noch davon.[2]

Während des Dreißigjährigen Krieges brannten im September 1632 52 Wohnhäuser sowie alle öffentlichen Gebäude ab. In den Folgejahren hatte die Stadt nur noch etwa 100 Einwohner. Elf Jahre später gab es nur noch 26 bewohnte Häuser.

Ab dem 18. Jahrhundert war das Töpferhandwerk der dominierende Wirtschaftszweig der kleinen Stadt.

Durch seine Lage im Grenzgebiet der DDR war Ummerstadt schon vor dem Fall der Mauer einer starken Abwanderung ausgesetzt. Bereits 1952/1953 mussten Bürger, bei denen eine politische Gefahr gesehen wurde, die Stadt verlassen. Hatte Ummerstadt bei Gründung der DDR 1949 noch fast tausend Einwohner, halbierte sich diese Zahl in den folgenden Jahrzehnten fast. Der Ortsteil Erlebach wurde bis 1982 vollständig geräumt. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurde Ummerstadt zur kleinsten Stadt der DDR. Nach 1990 setzte sich der Abwanderungstrend unverändert fort. 1992 stimmte die Bevölkerung in einem Bürgerentscheid für den Erhalt der Selbständigkeit Ummerstadts.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahlen der Stadt Ummerstadt (Landkreis Hildburghausen) 1994 - 2012
Markt mit Brunnen
Straßenzug in der historischen Altstadt
Friedhofskirche, ehemalige Stadt- und Wehrkirche
Rodachbrücke von 1565

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1861: 887
  • 1885: 825
  • 1949: 969
  • 1983: 600
  • 1987: 550
  • 1994: 539
  • 1996: 540
  • 1998: 541
  • 2000: 539
  • 2001: 528
  • 2002: 526
  • 2003: 526
  • 2004: 526
  • 2005: 533
  • 2006: 530
  • 2007: 522
  • 2008: 507
  • 2009: 508
  • 2010: 500
  • 2011: 492
  • 2012: 487
  • 2013: 488
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Ummerstadt besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Geviert von Gold und Blau, darin vier einander zugewendete Löwen: im ersten und vierten Feld schwarz mit roter Zunge und Bewehrung, im zweiten und dritten siebenmal von Silber und Rot geteilt.[3][4]

Das Wappen von Ummerstadt zeigt einerseits die markmeißnischen und andererseits die thüringischen Löwen, womit sowohl die ehemalige Zugehörigkeit zum Hause Wettin (als Balthasar von Meißen die alten verlorengegangenen Stadtrechte von neuem bestätigte) als auch zum Lande Thüringen bestätigt wird. Die vier Felder mit den Löwen erschienen erstmals auf einem 1400 entstandenen Siegel.[5]

Bauwerke[Bearbeiten]

Die gesamte historische Ortslage von Ummerstadt steht unter Denkmalschutz, daneben gibt es zahlreiche Einzeldenkmale.

  • Als Denkmal der Stadt- und Verkehrsgeschichte ist die Rodachbrücke von 1565 von Bedeutung.
  • Die Altstadt verfügt noch über ein geschlossenes Fachwerkensemble.
  • Besonders sehenswert sind der Marktplatz mit dem historischen Rathaus, nach einem im Sockelgeschoss befindlichen Stein soll es 1558 erbaut worden sein. Es wurde 1682 nach dem „Schwedenbrand“ erneuert. Die zuvor aus Furcht vor weiteren Stadtbränden verputzte, reich geschmückte Hausfassade wurde erst 1929 wieder freigelegt.
  • Auf dem Markt befindet sich der Marktbrunnen von 1687 und in der Nähe die evangelische Pfarrkirche St. Bartholomäus.
  • Die Bergkirche St. Andreas geht auf eine bereits um das Jahr 880 von iro-schottischen Mönchen angelegte Kapelle zurück und gilt als eine der ältesten Kirchen im Umkreis. Beeindruckend ist auch die später hinzugefügte Wehranlage, die das romanische Gotteshaus noch immer umgibt. Auf dem anschließenden Gelände befindet sich der Friedhof, von dort führt ein Fußweg zum Pfarrhaus.
  • Mitten im Ort befindet sich auch das ehemalige Brauhaus.
  • Für die Trinkwasserversorgung und zum Bierbrauen wurde vor Jahrhunderten bereits eine Wasserleitung als „Röhrenfahrt“ angelegt, auf die man sehr stolz ist; die fünf Laufbrunnen in der Ortslage brachten Ummerstadt später den Necknamen „Fünf-Brunnen-Stadt“ ein.[6]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Dialekt[Bearbeiten]

In Ummerstadt wird der mainfränkische Dialekt Itzgründisch gesprochen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Klaus Fuchs: Das Heldburger Land, ein historischer Reiseführer; Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013, ISBN 978-3-86777-349-2
  • P. Lehfeld: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft XXXI, Herzogthum Sachsen-Meiningen, Amtsgerichtsbezirke Heldburg und Römhild, 1904, Reprint, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 978-3-86777-378-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 158.
  3. Heinz Göschel (Hrsg.): Lexikon Städte und Wappen der DDR. 2. Aufl., Leipzig 1984, S. 468/469
  4. Ummerstadt – Wappen. Abgerufen am 10. Juni 2013 (nach Wahl von „Geschichte“ und danach „Wappen“). – Dort wird das Lexikon der Städte und Wappen der DDR wie folgt zitiert: „Geviert von 1:4 Gold und 2:3 Blau, darin vier einander zugewendete aufgerichtete Löwen: vorn oben und hinten unten schwarz mit roter Zunge und Bewehrung, hinten oben und vorn unten siebenmal von Rot und Silber geteilt“ (d. h. der Löwe beginnt oben rot wie der Thüringer Löwe im heutigen Landeswappen). Das auf der Seite dargestellte Wappen zeigt jedoch einen oben silbernen Löwen.
  5. Das Stadtwappen der Stadt Ummerstadt. Historischer Verein Ummerstadt, abgerufen am 10. Juni 2013 (nach Wahl von „aktuelle Themen“ und danach „Wappen“).
  6.  «Thermalbad Rodach, Gleichberge mit Heldburger Land». In: Fritsch Wanderkarte. 140, Landkartenverlag Fritsch, Hof/Saale, ISBN 3-86116-140-0.
  7. Georg Brückner: Diez, Justus Laurentius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 217.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ummerstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien