Seßlach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Seßlach
Seßlach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Seßlach hervorgehoben
50.18333333333310.833333333333271Koordinaten: 50° 11′ N, 10° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Coburg
Höhe: 271 m ü. NHN
Fläche: 72,51 km²
Einwohner: 3962 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 55 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96145
Vorwahlen: 09569, 09567 (Gemünda)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: CO, NEC
Gemeindeschlüssel: 09 4 73 165
Stadtgliederung: 15 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 98
96145 Seßlach
Webpräsenz: www.sesslach.de
Bürgermeister: Martin Mittag (CSU)
Lage der Stadt Seßlach im Landkreis Coburg
Callenberger Forst-West Gellnhausen Landkreis Haßberge Coburg Landkreis Kronach Landkreis Lichtenfels Weitramsdorf Weidhausen bei Coburg Untersiemau Sonnefeld Rödental Bad Rodach Niederfüllbach Neustadt bei Coburg Meeder Lautertal (Oberfranken) Itzgrund Grub am Forst Großheirath Ebersdorf bei Coburg Dörfles-Esbach Ahorn (Landkreis Coburg) Seßlach Landkreis Bamberg ThüringenKarte
Über dieses Bild

Seßlach ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Coburg.

Geografie[Bearbeiten]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Seßlach gliedert sich in 15 Ortsteile:
(Einwohner am 1. Januar 2010)

  • Autenhausen (342)
  • Bischwind (95)
  • Dietersdorf (466)
  • Gemünda (543)
  • Gleismuthhausen (105)
  • Hattersdorf (129)
  • Heilgersdorf (458)
  • Krumbach (65)
  • Lechenroth (71)
  • Merlach (100)
  • Oberelldorf (140)
  • Rothenberg (94)
  • Seßlach mit Heinersdorf (1.288)
  • Setzelsdorf (34)
  • Unterelldorf (168)


Geschichte[Bearbeiten]

Teil der mittelalterlichen Stadtmauer
Rothenberger Stadttor
Innenstadt Seßlach
Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer
Hattersdorfer Stadttor

Nach der Zerschlagung des Thüringer Reiches (531) wurde der Grabfeldgau durch fränkische Bauern besiedelt. Aus dem Osten drangen daneben auch slawische Siedler auf der Flucht vor ihren awarischen Bedrängern in das Gebiet des Obermains vor. Noch im 11. Jahrhundert waren zahlreiche Slawen in Franken noch nicht christianisiert. Als Urpfarreien des Bistums Würzburg wurden u.a. Baunach, Pfarrweisach und Seßlach angelegt. Der Schutzpatron Seßlachs, der hl. Johannes d.T. verweist als Missionsheiliger auf die Funktion der Pfarrei als Stützpunkt der Slawenmission. 1007 wurde zusätzlich das Bistum Bamberg im Slawengebiet begründet.

Die erste urkundliche Erwähnung der beiden Ansiedlungen auf dem Kirchhügel und dem Geiersberg stammt aus dem Jahr 800 n. Chr. Die Äbtissin Emhild des Klosters Milz übertrug in dieser Urkunde der Abtei Fulda die Milzer Güter in „Duo Sezelaha“ zusammen mit dem übrigen Klosterbesitz.

Bereits 837 wird in einer weiteren Urkunde von Sezzilahono marca gesprochen, als Gaugraf Asis, ein Enkel Karls des Großen, seine Besitzungen ebenfalls der Abtei Fulda vermachte.

Nachdem der Würzburger Bischof 1120 durch Kaiser Heinrich V. mit dem Herzogtum Franken belehnt wurde, bestimmte man Seßlach zum Amtssitz und Zentgericht. 1154 erscheint ein Hugo von Sezzelah als würzburgischer Dienstmann auf der Burg Geiersberg (Seßlach) über dem Ort. Die Burg dürfte also um 1120/30 entstanden sein.

1223 wird die Siedlung als Sezzelaha in einer Urkunde genannt. Diese Siedlung wurde 1244 in einem Konflikt zwischen Herzog Otto VIII. von Meran und dem Hochstift Würzburg zerstört.

1335 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer der Civitas das Stadt- und Befestigungsrecht nach dem Muster der Stadt Gelnhausen. Auch die Nachbarstadt Ebern wurde gleichzeitig in dieser Weise aufgewertet.

1399 schlossen sich die Seßlacher Bürger dem Elfstädtebund gegen das Würzburger Hochstift an. Die Städte versuchten damals, sich von der Abhängigkeit vom Hochstift zu lösen und den Status der Reichsunmittelbarkeit zu erlangen. Dieses Bündnis wurde 1400 in der Schlacht von Bergtheim zerschlagen. Maßgeblichen Anteil an der Niederlage des Städtebundes hatten die etwa 60 Ritter und Edelknechte aus den benachbarten Haßbergen.

Auch die Beteiligung der Bürgerschaft am Bauernkrieg von 1525 endete tragisch. Der Würzburger Bischof Konrad ließ fünf Rädelsführer auf dem Marktplatz enthaupten, nachdem er bereits am selben Tag im nahen Ebern elf Mann gerichtet hatte.

Während des Dreißigjährigen Krieges kam es zu mehreren Plünderungen und Brandschatzungen. Bei der Erstürmung der Stadt durch die kaiserlichen Truppen waren neben vielen Verletzten auch sechs Tote zu beklagen (1640). Die eigentlich verbündeten Soldaten hatten die Stadttore verschlossen vorgefunden.

In der Zeit der Napoleonischen Kriege hatte Seßlach unter zahlreichen Einquartierungen und Truppenaushebungen zu leiden. 1802 wurde das Hochstift Würzburg säkularisiert. Seßlach kam über des Großherzogtum Toskana schließlich 1810 an das Königreich Bayern. 1812 wurde das königliche Landgericht (ab 1879 Amtsgericht) eingerichtet. Im Jahr 1840 hatte Seßlach 665 Einwohner.[2]

1905 fielen 13 Wohnhäuser und zahlreiche Scheunen und Nebengebäude einem Großbrand um den Marktplatz zum Opfer. Die anschließende historisierende Neubebauung fügt sich trotz einiger Jugendstilelemente gut in das alte Stadtbild ein. Am 1. Oktober 1913 wurde Seßlach mit der Bahnstrecke Breitengüßbach–Dietersdorf an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Rodachbrücke

Im Zweiten Weltkrieg ergab sich die Stadt am 9. April 1945 kampflos den anrückenden Amerikanern. Beim Vormarsch durch das Rodachtal kam es jedoch zu einigen Schäden in den Ortsteilen Rothenberg, Oberelldorf und Dietersdorf.

Durch die Teilung Deutschlands verlor Seßlach sein Hinterland in Südthüringen. Besonders die Verbindungen zur Nachbarstadt Heldburg wurden vollständig unterbrochen. Allerdings orientierte man sich auch vorher größtenteils nach Süden und Westen. Durch die Ansiedlung zahlreicher Flüchtlinge und Heimatvertriebener wuchs das mittelalterliche Städtchen weit über seine historischen Stadtmauern hinaus. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich nahezu, große Neubaugebiete entstanden.

1971 begann die Gemeinde mit der Sanierung der historischen Altstadt. 1986/87 errang Seßlach die Titel Landes- bzw. Bundessieger für beispielhafte Stadtsanierung.

1972 wurde das Seßlacher Land im Zuge der Gebietsreform trotz der historischen Verbindungen zu Unterfranken dem Landkreis Coburg zugeschlagen. Allerdings war das Gebiet bereits vorher dem aufgelösten Landkreis Staffelstein - also Oberfranken - zugehörig.

1985 konnte man das 650-jährige Stadtjubiläum feiern. Durch die Öffnung des Eisernen Vorhanges 1989 verlor die Stadt ihre ungünstigen Randlage an der innerdeutschen Grenze. Die alten Verbindungen nach Thüringen konnten teilweise rasch wiederhergestellt werden. Das in seltener Vollständigkeit erhaltene historische Stadtbild zieht zahlreiche Touristen aus dem In- und Ausland an.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1975 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Oberelldorf eingegliedert. Gleismuthhausen kam am 1. Januar 1977 hinzu. Lechenroth folgte am 1. Oktober 1977. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Hattersdorf am 1. Januar 1978 sowie von Autenhausen, Dietersdorf, Gemünda in Oberfranken, Heilgersdorf, Merlach, Rothenberg und Unterelldorf am 1. Mai 1978 abgeschlossen.[3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2014 führte zu folgender Sitzverteilung (Vergleich zu 2008):

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Rot der silbern gekleidete, bärtige heilige Johannes der Täufer, der auf einer silbernen Truhenbank sitzt und mit beiden Händen eine goldene Scheibe mit dem silbernen Gotteslamm emporhält.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Lichtenstein-Epitaphien in der Stadtpfarrkirche St.Johannes d.T.
Schloss Geiersberg

Die Altstadt von Seßlach wird noch nahezu vollständig von ihrem spätmittelalterlichen Mauerring umgeben. Ungewöhnlich sind die losen Rollsteine auf der Mauerkrone anstelle eines Wehrganges. Auch die drei Tortürme haben sich erhalten. Die Befestigungsanlage der würzburgischen Amtsstadt entstand im 14./15. Jahrhundert und wurde im 16. und 17. Jahrhundert ausgebaut. Vor dem Rothenberger Tor ergänzt eine barocke Bogenbrücke das historische Ensemble.

Neben zahlreichen Wohn- und Wirtschaftsbauten des 16.-18. Jahrhunderts prägen die repräsentativen bischöflichen Amtsbauten und der Gülthof des Würzburger Juliusspitals das malerische Ortsbild. Einige Häuser im „Heimatstil“ des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts wurden nach dem großen Stadtbrand von 1905 errichtet.

Die spätgotische Staffelhalle der katholischen Stadtpfarrkirche wurde im 18. Jahrhundert barockisiert. Von der älteren Ausstattung sind besonders einige Renaissance-Epitaphien der Familie von Lichtenstein und ein spätgotischer Flügelaltar hervorzuheben.

Über der Stadt liegt das Schloss Geiersberg auf einem Hügel. An die mittelalterliche Burganlage der Lichtensteiner erinnern noch Reste der Schildmauer und des Bergfriedes. Der Hauptbau mit seinem Treppenturm geht auf das 17. Jahrhundert zurück, als die Burg der Sitz des würzburgischen Amtmannes war. Die Wirtschaftsbauten stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Das Schloss Heilgersdorf im Ortsteil Heilgersdorf ist ein typisches Beispiel eines fränkischen Landschlosses. Der barocke Dreiflügelbau kann nur von außen besichtigt werden.

Der stattliche Satteldachbau des Schlosses Wiesen zwischen Seßlach und Heilgersdorf datiert ins 16. Jahrhundert. Auch dieser ehemalige Adelssitz befindet sich in Privatbesitz und ist nicht zugänglich.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Seßlach


Film und Fernsehen[Bearbeiten]

In der Altstadt, auf dem historischen Marktplatz und vor der historischen Stadtmauer wurden Teile einiger Kinofilme gedreht:

Sonstiges[Bearbeiten]

Seßlach beherbergt eines der wenigen noch aktiven Gemeindebrauhäuser, hier Kommunbrauhaus genannt, in dem Hausbräu abgegeben wird.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Friedrich Rückert (1788–1866), Dichter und Begründer der deutschen Orientalistik, schrieb bei seinen Eltern in Seßlach(1807/09) seine ersten Gedichte.

Bilder aus den Ortsteilen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus J. Schulz u.a.: Öffentliche Maßnahmen regen Investitionen der Bürger an. Herausgeber: Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, München 1994, RB-Nr. 03B / 93 / 17, Städtebauförderung in Bayern Nr.9
  • Gertrud Frerichs: Sesslach und seine Stadtteile – wie es früher war. Horb 1989. ISBN 3-89264-349-0
  • Roland Günter: Seßlach, eine fränkische Stadt im Einklang mit der Natur; gewidmet einer liebenswerten Stadt und ihren Einwohnern. Selbstverlag, Seßlach 2000
  • Konrad Hartig: Seßlach und seine Geschichte. Staffelstein 1934
  • Alfred Höhn: Zeugnisse zur Geschichte Seßlachs im Mittelalter. Coburg 1985
  • Kleinod des Coburger Landes – 650 Jahre Stadt Seßlach (Sonderheft der Neuen Presse Coburg). Coburg 1985
  • Stefan Nöth: Die Stadtbücher von Seßlach aus den Jahren 1485 und 1550. Lichtenfels 2005. ISBN 3-87735-181-6
  • Hans Reiser: Der Amtsgerichtsbezirk Seßlach und seine Umgebung - ein Handbuch für einheimische Touristen und Sommerfrischler. Seßlach 1903
  • Hans Reiser: Historische Nachrichten über Seßlach und Umgebung. Bamberg 1920

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seßlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Thomas Gunzelmann: Die Kulturlandschaft um 1840. In: Günther Dippold: Im oberen Maintal auf dem Jura an Rodach und Itz, Selbstverlag der Kreissparkasse Lichtenfels, Lichtenfels 1990, S. 75
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 679 und 680.