Heldburg

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Dieser Artikel behandelt den thüringischen Ort Heldburg. Für weitere Bedeutungen des Wortes siehe Heldburg (Begriffsklärung)

50.2810.725277777778292Koordinaten: 50° 16′ 48″ N, 10° 43′ 31″ O

Heldburg
Höhe: 292 m ü. NN
Einwohner: 1000
Eingemeindung: 23. März 1993
Postleitzahl: 98663
Vorwahl: 036871
Stadtkirche
Rathaus am Markt
Das Untertor, letztes erhaltenes Stadttor
Happachsches Haus erbaut 1605
Die Veste Heldburg über der Stadt

Heldburg ist der größte Ortsteil der Stadt Bad Colberg-Heldburg im Landkreis Hildburghausen im äußersten Süden Thüringens. Heldburg liegt im Zentrum des Heldburger Landes, ist Verwaltungssitz der Verwaltungsgemeinschaft Heldburger Unterland und hat 1000 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten]

Heldburg liegt an der Kreck, einem Nebenfluss der Rodach, jeweils etwa 20 Kilometer entfernt von Hildburghausen im Norden, Coburg im Osten und Bad Königshofen im Westen. Die nächstgelegenen Großstädte sind Würzburg, etwa 100 Kilometer südwestlich, Nürnberg, etwa 110 Kilometer südöstlich und Erfurt, etwa 120 Kilometer nördlich. Entlang des Krecktals befinden sich Wiesen und Ackerflächen, während weite Waldgebiete die übrige Umgebung Heldburgs einnehmen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals wurde Heldburg in der am 17. Oktober 837 ausgestellten Urkunde Nr.507 des Codex Eberhardi genannt. Sigibald, Testamentsvollstrecker des Grafen Asis, übertrug darin Güter in Heldburg und weiteren Orten an das Kloster Fulda. Die 1317 erstmals genannte Veste war Herrschaftssitz der Grafen von Henneberg, nach denen das Gebiet 1353 an die Burggrafen von Nürnberg und 1374 an die Wettiner fiel. Heldburg erhielt Stadtrecht am 2. Dezember 1394, der Rat ist 1396 bezeugt und hatte in beschränktem Umfang die Niedergerichte inne. Im 16. Jahrhundert wurde Heldburg befestigt. Die Stadtkirche Unser lieben Frauen unterstand im Mittelalter dem Landkapitel Coburg des Bistums Würzburg.

Heldburg war 1557–1700 von der Hexenverfolgung betroffen. 22 Frauen und der Sohn einer Angeklagten gerieten in Hexenprozesse. Fünf Frauen wurden hingerichtet, drei starben unter der Folter. Im letzten Hexenprozess war Dorothea Schütz aus Heldburg sieben Monate im Kerker und wurde zweimal gefoltert, bis sie 1700 unter der Folter starb.[1]

Die Bewohner betrieben vor allem Landwirtschaft und Handwerk. 1833 wurden 1185 Einwohner gezählt, um diese Zeit wanderten viele Einwohner nach Nordamerika aus. Nach der deutschen Teilung waren Heldburg und das benachbarte Ummerstadt die südlichsten Städte der DDR. Das Heldburger Land bildete einen Zipfel, der an drei Seiten vom Gebiet der Bundesrepublik Deutschland umgeben war. Das führte dazu, dass das Gebiet vollständig in die 1952 geschaffene Sperrzone an der innerdeutschen Grenze geriet. Die isolierte Lage behinderte Bewohner, Wirtschaft und Verkehr massiv und führte zu Stagnation und Abwanderung der Bevölkerung. Weitere Bevölkerungsverluste entstanden durch zwei Zwangsaussiedlungen (1952 Aktion Ungeziefer und 1961 Aktion Kornblume) aus dem Sperrgebiet.[2] Mit der Wiedervereinigung verbesserte sich die Lage. Heute ist es eine aufstrebende Region dank der Unterstützung der benachbarten Regionen in Bayern.

1993 gründeten die sieben ehemals selbstständigen Gemeinden Bad Colberg, Einöd, Gellershausen, Heldburg, Holzhausen, Lindenau und Völkershausen die Einheitsgemeinde Bad Colberg-Heldburg und bilden heute ihre Ortsteile.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nordöstlich der Stadt befindet sich die Veste Heldburg, in der 2016 das Deutsche Burgenmuseum eröffnet werden soll.[3]

Sehenswert ist auch die Altstadt mit ihren restaurierten Fachwerkbauten aus der Frühen Neuzeit. Sie ist von einer Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert umgeben. Erhalten sind neben Mauerabschnitten fünf der ehemals 14 Türme sowie das Untertor als eines von ehemals vier Stadttoren. Die evangelische Stadtkirche an der Westseite des Marktplatzes stammt aus der Zeit zwischen 1502 und 1537, der Turm ist älter. Die 1497 erstmals erwähnte Friedhofskapelle diente seit 1950 viele Jahre auch als katholische Kirche.

Das Rathaus ist ein Fachwerkbau mit Dachreiter und befindet sich am Markt im Stadtzentrum.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Heldburg ist nach wie vor landwirtschaftlich geprägt, es gibt keine größeren Gewerbebetriebe am Ort. Die Stadt nimmt Verwaltungs- und Versorgungsfunktionen für das nähere Umland wahr. Von 1888 bis 1946 bestand eine Bahnverbindung nach Hildburghausen. Die feierliche Einweihung der Teilstrecke von Hildburghausen nach Heldburg erfolgte am 1. Juli 1888. Am 1. Dezember wurde das Reststück bis Lindenau-Friedrichshall in Betrieb genommen. Im Jahr 1946 musste die Strecke im Rahmen der Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert werden.

Landesstraßen verbinden Heldburg mit Gleichamberg im Nordwesten, Hildburghausen im Norden, Bad Rodach im Nordosten, Coburg im Osten, Seßlach im Südosten und Maroldsweisach im Südwesten. In Coburg und Hildburghausen befinden sich auch die nächsten Anschlüsse ans Eisenbahn- und Autobahnnetz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Klaus Fuchs: Das Heldburger Land–ein historischer Reiseführer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013, ISBN 978-3-86777-349-2
  • Max-Rainer Uhrig: Das Heldburger Land. In: Frankenland, Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege. Heft 6, Würzburg, Juni 1990. Online erreichbar auf der Website der Universitätsbibliothek Würzburg unter:[1]
  • P. Lehfeld: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Herzogthum Sachsen-Meiningen, Amtsgerichtsbezirke Heldburg und Römhild. 1904, Reprint, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 978-3-86777-378-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heldburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Heldburg, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 237f.; Egbert Friedrich: Hexenjagd im Raum Rodach und die Hexenprozessordnung von Herzog Johann Casimir (Schriften des Rodacher Rückert-Kreises, Heft 19), Rodach 1995, S. 192–236
  2. Norbert Klaus Fuchs: Billmuthausen–Das verurteilte Dorf. Greifenverlag zu Rudolstadt & Berlin, 2009, ISBN 978-3-86939-004-8
  3. Webseite der Stadt
  4. Georg Brückner: Bartenstein, Lorenz Adam. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 93.
  5. Wilhelm Sauer: Rühle v. Lilienstern, August Friedemann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 610 f.