Veilsdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Veilsdorf
Veilsdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Veilsdorf hervorgehoben
50.39972222222210.816666666667390Koordinaten: 50° 24′ N, 10° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Höhe: 390 m ü. NHN
Fläche: 30,91 km²
Einwohner: 2901 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 94 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98669
Vorwahl: 03685
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 053
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 12
98669 Veilsdorf
Webpräsenz: www.veilsdorf.de
Bürgermeister: André Rädlein (SPD)
Lage der Gemeinde Veilsdorf im Landkreis Hildburghausen
Ahlstädt Auengrund Bad Colberg-Heldburg Beinerstadt Bischofrod Eisfeld Brünn Dingsleben Ehrenberg Eichenberg Eisfeld Römhild Gompertshausen Grimmelshausen Grub Römhild Hellingen Henfstädt Hildburghausen Kloster Veßra Lengfeld Marisfeld Masserberg Römhild Römhild Nahetal-Waldau Oberstadt Reurieth Römhild Sachsenbrunn Schlechtsart Schleusegrund Schleusingen Schmeheim Schweickershausen St. Bernhard St. Kilian Straufhain Themar Ummerstadt Veilsdorf Römhild Westhausen ThüringenKarte
Über dieses Bild

Veilsdorf ist eine Gemeinde im Landkreis Hildburghausen im fränkisch geprägten Süden Thüringens.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Kerngemeinde liegt am Ufer der Werra, das den vom (in Veilsdorf Weihbach bzw. Wäbich genannten) Habergrund durchflossenen Kernort und das unmittelbar östlich angrenzende Schackendorf von Kloster Veilsdorf nördlich des Kernortes und dem 3 km westlich entfernten Heßberg trennt. Goßmannsrod liegt 4 km nordöstlich des Kernortes an der Schwaba, Hetschbach 3 km südlich nah der Rhein-Weser-Wasserscheide.

Veilsdorf liegt im Städtedreieck von Hildburghausen im Westen, Eisfeld im Osten und Bad Rodach im Süden. Im Gemeindegebiet werden Höhen von 550 m ü. NN erreicht.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Ortsteile der Gemeinde sind:

Veilsdorf bildet mit Kloster Veilsdorf und Schackendorf einen zusammenhängenden Kernort mit etwa 1800 Einwohnern.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 817 wurde Veilsdorf erstmals in einer Fuldaer Urkunde erwähnt. Es gab verschiedene Namenschreibweisen: Fiselestorp, Filedorff, Vilesdorp, Veihelsdorff, Feielsdorf, Veylsdorf.

In der Nähe des Ortes gab es ein Benediktiner-Nonnen-Kloster, welches vorher höchstwahrscheinlich eine Befestigungsanlage [2] war und dann dem Erzengel Michael geweiht wurde. 1189 wurde das Kloster erstmals urkundlich erwähnt. 1446 wurde das Nonnenkloster in ein Mönchskloster umgewandelt. Dieses wurde während des Bauernkrieges 1524/25 von Bauern abgebrannt.

Im Nordosten des Ortes gab es eine Burg, die Trigelsburg (Ingilinburg, Friselenburg) und ihr gegenüber - oberhalb der Gottesackerkirche - die Burg, genannt das Steinhaus, die den Rittern und Herren von Veilsdorf als Stammsitz diente.

Veilsdorf war 1616–1635 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Frauen gerieten in Hexenprozesse. Anna, Cunz Steinigers Frau, wurde 1616 „grausam“ gefoltert. Trotzdem konnte der Richter kein Geständnis von ihr erpressen und sie wurde freigelassen.[3]

1760 wurde in Veilsdorf durch Prinz Eugen von Sachsen-Hildburghausen eine Porzellanmanufaktur gegründet.

1863 und 1883 fanden verheerende Brände statt, bei denen beide Male der Großteil des Dorfes zerstört wurde. Im Jahre 1903 brannte der Kirchturm der Trinitatiskirche durch Blitzschlag ab.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten über 200 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen in der Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf Zwangsarbeit verrichten.[4]

In Heßberg gab es ein Rittergut, das bis 1945 der Familie von Eichel-Streiber gehörte. Das Herrenhaus wurde 1948 gemäß Befehl 209 der SMAD trotz Protesten der Einwohner abgerissen.

Am 29. November 1994 wurde Heßberg eingemeindet.[5]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Veilsdorf besteht aus 16 Ratsmitgliedern.

  • SPD 3 Sitze
  • WG Heßberg 3 Sitze
  • Sportverein 2 Sitze
  • CDU 2 Sitze
  • FDP 1 Sitz
  • Die Linke 1 Sitz
  • WG Goßmannsrod 1 Sitz
  • RKGV 1 Sitz
  • FTV Hetschbach 1 Sitz
  • Motorsportclub 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Wappen[Bearbeiten]

Ein Schild geteilt - von oben rot über Silber durch drei aufrechte Spitzen, unten in schwarz eine goldene Waage.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Veilsdorf verfügt über eine Grund- und Regelschule, drei kommunale Kindergärten in den Ortsteilen Veilsdorf, Kloster Veilsdorf und Heßberg, ebenso ein kommunal betriebenes Freibad sowie die Sportstätte "Weihbachgrund" mit Sporthalle, Stadion und Gaststätte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

  • St. Aegidienkirche in Hessberg, erbaut vor 1425
  • St. Veitskirche (Friedhofskirche) in Veilsdorf, erbaut um 1308
  • Trinitatiskirche in Veilsdorf mit bemerkenswerter Kassettendecke und Inneneinrichtung, erbaut um 1604 - im Ensemble mit Pfarrhaus und Alter Schule

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Seit 1984 erinnert auf dem Friedhof des Ortsteils Goßmannsrod eine Grabstätte mit Gedenkstein an den kommunistischen Widerstandskämpfer Albin Fischer, der mit Zuchthausstrafen verfolgt und ins KZ Ravensbrück deportiert wurde, wo er 1945 ermordet worden ist. Der Gedenkstein wurde durch Unbekannte geschändet und nach 1992 entfernt.

Dialekt[Bearbeiten]

In Veilsdorf wird Itzgründisch, ein mainfränkischer Dialekt, gesprochen.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Seit 1760 wird in Veilsdorf Porzellan hergestellt. Heute befindet sich hier ein Werk der Rauschert-Gruppe mit etwa 200 Mitarbeitern, das sich auf die Herstellung technischer Keramik ausgerichtet hat. Bedeutender Arbeitgeber ist daneben die Milch Land GmbH, die neben einer modernen Milchviehanlage unter anderem einen Landmarkt mit regionalen Produkten und EDEKA-Sortiment, eine Frühstücks- und Mittagsversorgung sowie ein "Milch-Café" betreibt. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung pendelt zur Arbeit nach Bad Rodach und Coburg in Oberfranken.

Verkehr[Bearbeiten]

Veilsdorf besitzt einen Bahnhof an der Werrabahn, der im Stundentakt von Zügen der Süd-Thüringen-Bahn in Richtung Eisenach bzw. Eisfeld (von dort zweistündlich weiter in Richtung Rauenstein/Sonneberg/Neuhaus am Rennweg) bedient wird. Einzelne Busverbindungen bestehen nach Hildburghausen, Eisfeld und Waffenrod/Hinterrod. Durch die Ortsteile Heßberg, Veilsdorf/Kloster Veilsdorf und Schackendorf verläuft die Bundesstraße 89. Eine günstige Anbindung im Individualverkehr ist durch die jeweils ca. 9 Kilometer entfernten Anschlussstellen Eisfeld-Nord und Eisfeld-Süd an der A 73 gegeben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig-Verlag 2001 ISBN 3-910141-43-9 S.257
  3. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Veilsdorf, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 237f; Egbert Friedrich: Hexenjagd im Raum Rodach und die Hexenprozessordnung von Herzog Johann Casimir (Schriften des Rodacher Rückert-Kreises, Heft 19), Rodach 1995, S. 192–236
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 134, ISBN 3-88864-343-0
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994

Literatur[Bearbeiten]

  • Human, Armin: Chronik vom Kloster Veilsdorf - Eine Quellenstudie, veröffentlicht von F.W. Gadow & Sohn, Hildburghausen 1882
  • Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Herzogtum Sachsen Meiningen, Kreis Hildburghausen, II Bd., Jena 1904

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Veilsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien