Römhild

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die Stadt Römhild. Für weiteres siehe Römhild (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Römhild
Römhild
Deutschlandkarte, Position der Stadt Römhild hervorgehoben
50.39638888888910.538055555556300Koordinaten: 50° 24′ N, 10° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Höhe: 300 m ü. NN
Fläche: 122,46 km²
Einwohner:

7271 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 59 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98630
Vorwahl: 036948
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 062
Adresse der
Stadtverwaltung:
Griebelstraße 28
98630 Römhild
Webpräsenz: www.stadt-roemhild.de
Bürgermeister: Günther Köhler (Freie Wähler)
Lage der Stadt Römhild im Landkreis Hildburghausen
Ahlstädt Auengrund Bad Colberg-Heldburg Beinerstadt Bischofrod Bockstadt Brünn Dingsleben Ehrenberg Eichenberg Eisfeld Römhild Gompertshausen Grimmelshausen Grub Römhild Hellingen Henfstädt Hildburghausen Kloster Veßra Lengfeld Marisfeld Masserberg Römhild Römhild Nahetal-Waldau Oberstadt Reurieth Römhild Sachsenbrunn Schlechtsart Schleusegrund Schleusingen Schmeheim Schweickershausen St. Bernhard St. Kilian Straufhain Themar Ummerstadt Veilsdorf Römhild Westhausen ThüringenKarte
Über dieses Bild
Römhild Stadtansicht 1680
Schloss Glücksburg
Stiftskirche
Griebelstraße mit Kirchturm
Stadtturm und Rathaus

Römhild ist eine Kleinstadt im Landkreis Hildburghausen und ehemalige Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Römhild im fränkisch geprägten Süden Thüringens.

Inhaltsverzeichnis

Geographie [Bearbeiten]

Römhild liegt im Schutze der Gleichberge in der Region Grabfeld im Henneberger Land, direkt an der Landesgrenze zu Bayern.

Geschichte [Bearbeiten]

Vor-und Frühgeschichte [Bearbeiten]

Römhild ist wahrscheinlich der älteste Ort Thüringens. Vermutlich erfolgt die erste Erwähnung im Jahre 150 n. Chr. durch den griechischen Geschichtsschreiber Claudius Ptolemäus als keltisches oppidum Bikourgion. [2]Bereits seit etwa 2500 v. Chr. war die Region um Römhild dauerhaft von Menschen besiedelt. Etwa seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. lassen sich hier keltische Einflüsse feststellen. Reste eines ca. 60 Hektar großen Oppidums finden sich noch heute auf der nahe gelegenen Steinsburg.

Mittelalter [Bearbeiten]

Die Erwähnung von locus Rotmulte erfolgte im Jahre 800 als Besitz des Klosters Fulda. Zu dieser Zeit gehörte Römhild zum fränkischen Gau Grabfeld. Gaugrafen waren die Grafen von Henneberg. Diese residierten auf der sog. Hartenburg oberhalb der heutigen Stadt gelegen. Um das Jahr 1300 gründete Graf Heinrich IV. von Henneberg-Hartenberg die heutige Stadt etwa 1000 Meter südwestlich der alten Siedlung "Altenrömhild". Der erste Nachweis der Stadtrechte stammt aus dem Jahr 1317. 1498 erhielt die Stadt die Marktrechte. Im Jahr 1488 wurden die Stadtbefestigungen fertig gestellt. 1465 bis 1491 bauten die Henneberg der Aschacher Linie die Glücksburg als Wasserburg als Folgebau der Hartenburg.

Neuzeit [Bearbeiten]

Schon die Kelten verarbeiteten den vorkommenden Ton zu Gebrauchsgegenständen. Das beweisen zahlreiche Keramikfunde aus der Keltenzeit. In Römhild begann das Töpferhandwerk vor ca. 500 Jahren zu erblühen. In der Stadt entstand daraufhin eine Hochburg der Tonverarbeitung. Noch heute gehört das Töpfern in Römhild zum traditionellen Handwerk.Nach Zerstörungen und Bränden 1539–1546, 1555 und 1585–1633 wurde die Burg in der Stadt immer wieder aufgebaut, von 1676 bis 1680 erfolgte dann der Umbau zum Schloss. Von der spätmittelalterlichen Anlage ist nur ein Rundturm im Südwesten erhalten.[3]

Ab 1572 gehörte Römhild zu Sachsen-Coburg, ab 1640 zu Sachsen-Altenburg und ab 1672 zu Sachsen-Gotha. Von 1680 bis 1710 war Römhild Residenz des Fürstentums Sachsen-Römhild. Nach dem Tod von Herzog Heinrich, dem einzigen Regenten des Fürstentums, kamen Stadt und Amt zu einem Drittel an Sachsen-Coburg-Saalfeld und zu zwei Dritteln an Sachsen-Meiningen, das 1826 auch das übrige Drittel übernahm.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 1942 die noch nicht emigrierten Einwohner aus dem „Judenhaus“ Heurichstraße 8 in die NS-Vernichtungslager deportiert. An sie erinnert eine 1988 dort angebrachte Gedenktafel. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 250 Kriegsgefangene aus Polen im Steinbruch des Basaltwerkes schwerste Zwangsarbeit leisten. Seit 1943 wurden in einem KZ-ähnlichen „Arbeitserziehungslager“ etwa 600 „vertragsbrüchige fremdvölkische“ Zwangsarbeiter interniert, die ebenfalls im Steinbruch und im Forst arbeiten mussten. Es muss von mindestens 300 Todesfällen ausgegangen werden. Dazu gehörten 70 schwerkranke Häftlinge, die bei einem Todesmarsch im März 1945 in einem Stollen des Gleichberges, dessen Eingang zugesprengt wurde, ihrem sicheren Tod ausgesetzt wurden. Auf dem Städtischen Friedhof und am Osthang des Großen Gleichberges ruhen 169 Opfer, an die ein Mahnmal auf einem Ehrenhain erinnert.[4][5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch den Ausbau des Töpferhandwerkes und die Entstehung der größten Handtöpferei Europas (Töpferhof Gramann) bekannt. Hier fand zwischen 1975 bis 1993 insgesamt siebenmal das internationale Keramiksymposium statt. 2008 wurde dieses Symposium wiederbelebt.

Am 31. Dezember 2012 schlossen sich die Stadt Römhild und die Gemeinden Haina, Mendhausen, Milz und Westenfeld aus der Verwaltungsgemeinschaft Gleichberge sowie die Gemeinde Gleichamberg zur neuen Stadt Römhild zusammen.

Ortsteile [Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung der Stadt Römhild ohne Ortsteile:

Jahr Einwohner
1631 1400
1672 790
1833 1582
1910 1788
1939 2145
1989 2118
Jahr Einwohner
1992 2008
1993 1947
1994 1924
1995 1931
1996 1955
1997 1967
Jahr Einwohner
1998 1934
1999 1923
2000 1933
2001 1926
2002 1917
2003 1903
Jahr Einwohner
2004 1907
2005 1951
2006 1932
2007 1925
2008 1911

Einwohnerentwicklung der Gesamtstadt mit allen Ortsteilen:

  • 1910 – 7.704[6]
  • 1939 – 8.180[7]
  • 1989 – 8.265[8]
  • 1995 – 8.239
  • 2000 – 8.084
  • 2005 – 7.821
  • 2010 – 7.370

Datenquelle ab 1995: Thüringer Landesamt für Statistik

Stadtrat [Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 24.03.2013 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen[9]:

  • Bürgermeister: Günther Köhler
  • Freie Wähler(9), CDU(4), FWHaSü(2), KIR(2),WG Milz(1), SPD(1), Linke(1)

Wappen [Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber zwischen zwei zugewendeten Löwen als Schildhalter zwei übereinandergestellte Wappen: oben in einem kleineren roten Schild eine goldgekrönte silberne Säule; unten geviert von 1:4 Schwarz und 2:3 Gold, überdeckt von einem rot-silbern geschachten Balken.“

Das Wappen entstammt dem seit 1613 belegten Siegelbild. Das Säulenwappen ist das des italienischen Adelsgeschlechts Colonna, deren Verwandtschaft die Henneberger sich 1467 durch Papst und Kaiser bestätigen ließen; der rot-silberne Schachbalken kennzeichnet die Henneberger als Burggrafen von Würzburg. Die schwarz-goldene Vierung zeigt die Farbe der Wettiner, die im 16. Jahrhundert Besitzer von Römhild wurden.

Städtepartnerschaften [Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Grabplatte des Grafen Hermann und seiner Gemahlin Elisabeth von Brandenburg von Peter Vischer

Bauwerke [Bearbeiten]

Museen [Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen [Bearbeiten]

  • Kalter Markt (jährlich am letzten Donnerstag im Januar)
  • mit einem großen Faschingsumzug (Faschingssonntag) und den Karnevalssitzungen ist Römhild eine Hochburg des Karnevals in Südthüringen
  • internationales Keramiksymposium (Symposium zur Förderung der Keramikkunst, dreijähriger Turnus)
  • Thüringer Keramikmarkt (Spezialmarkt für Keramikerzeugnisse, findet jährlich Mitte August in den Höfen von Schloss Glücksburg statt)

Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]

In der frühen Neuzeit lebte die Stadt von Töpferei, Gerberei, Tuchmacherei und Weinbau.

Industrie und Gewerbe sind heute meist kleine mittelständische Betriebe. Größte Arbeitgeber sind die ELIOG-kelvitherm Industrieofenbau GmbH und die AHG-Klinik Römhild

Zwischen 1893 und 1970 gab es eine Eisenbahnstrecke nach Rentwertshausen.

Persönlichkeiten [Bearbeiten]

Ehrenbürger [Bearbeiten]

  • 1891 (vermutl.): Christian Heurich (1842–1945), Brauereibesitzer in Washington D.C.
  • 1929: Alfred Götze (1865–1948), Prähistoriker, Gründer und Leiter Steinsburgmuseum. An ihn erinnert die Prof.-Götze-Straße.
  • 1930: Pierre Mavrogordato (Antikensammler), Gründer der Siedlung Waldhaus bei Römhild
  • 1931: Ernst Hönn (1866–1944), 53 Jahre Arzt in Römhild, nach ihm ist die Dr.-Ernst-Hönn-Straße benannt
  • 1947: Carl Kade, Apotheker und Heimatforscher, Gründer der Gemeinde der Steinsburgfreunde
  • 1987: Siegfried Gramann, Töpfer, der seinen Familienbetrieb Töpferhof Gramann/ VEB Töpferhof Römhild zu Europas größter Freihandtöpferei ausbaute.

Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]

Personen, die mit Römhild in Verbindung stehen [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung nach Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Hilfe dazu)
  2. http://www.mdr.de/mdr-thueringen/redakteur532.html
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 111.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 128f., ISBN 3-88864-343-0
  5. Gert Stoi: Das Arbeitserziehungslager Römhild 1943-1945 — Dokumentation eines Verbrechens. Salier Verlag; 2009. 272 Seiten. ISBN 3-939611-41-7
  6. gemeindeverzeichnis.de
  7. verwaltungsgeschichte.de
  8. TLUG: Umwelt regional
  9. http://www.stadt-roemhild.de/fileadmin/stadt_roemhild/Kommunalwahl_2013/Stadtrat/2_neuer_Stadtrat.pdf
  10. Geschichte des Töpferhofs Römhild auf dessen Website, abgerufen am 3. Januar 2012

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Römhild – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien