Wünsdorf

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52.16305555555613.47444444444447Koordinaten: 52° 9′ 47″ N, 13° 28′ 28″ O

Wünsdorf
Stadt Zossen
Wappen von Wünsdorf
Höhe: 47 m
Fläche: 72,92 km²
Einwohner: 6202 (31. Mrz. 2005)
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 15806 (früher 15838)
Vorwahl: 033702

Wünsdorf ist ein Ortsteil der Stadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming im Bundesland Brandenburg. Im März 2005 hatte er 6202 Einwohner (3060 Männer und 3142 Frauen). Der Ort selbst hat eine Fläche von 13,8 km², mit den Gemeindeteilen 72,92 km².

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt etwa 40 Kilometer südlich von Berlin an der Bundesstraße 96. Zu Wünsdorf gehören die Gemeindeteile Neuhof und Waldstadt. Wünsdorf befindet sich am südwestlichen Rand der Wünsdorfer Platte. Der Große Wünsdorfer See und der kleine Wünsdorfer See gehören zu einer Seenkette in der Töpchiner Talung, einer glazialen Rinne der Weichsel-Kaltzeit.[1]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1957 wurde der Wohnplatz Gutsbezirk Zehrensdorf zu Wünsdorf eingemeindet.
  • 1970 wurde Neu-Wünsdorf Ortsteil von Wünsdorf.
  • Neuhof gehört seit dem 1. April 1974 zu Wünsdorf.[2]
  • Am 27. September 1998 wurde Waldstadt eingemeindet.[3] Die Gemeinde Waldstadt war am 16. Februar 1996 auf der Fläche des bis dahin gemeindefreien, militärischen genutzten Gebiets gegründet worden.[4]
  • Am 26. Oktober 2003 wurde Wünsdorf nach Zossen eingemeindet.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Ersterwähnung bis zum Bau des ersten Truppenübungsplatzes[Bearbeiten]

Kirche Wünsdorf

„Wünsdorf“ scheint slawischen Ursprungs zu sein, da die Silbe „wun“ oder „wyn“ Wasser bedeutet. Der Bezug zu einer Ansiedlung am Wasser ist durch den See gegeben.[6]

An den Ufern des Fließes, welcher die beiden Seen verbindet, entstanden Nächst-Wünsdorf und Fern-Wünsdorf als Zwillingsdörfer „in den beyden dorffern wonsdorff“ (1501).[7] Der Name des Dorfes Nächst-Wünsdorf wandelte sich von Wustdorf, Wusttorf (1346) zu Nestwunstorff und Negst Wunsdorff (1583).[8] Das Dorf Fern-Wünsdorf findet sich erstmals urkundlich „uff dem Gerichte thu ferren Wunstorf“ im Jahre 1430.[9]

Im Jahre 1545 erfolgte eine Amtsdesignation. Danach gehörten beide Dörfer zur deutschsprachigen Seite der ehemaligen Herrschaft Zossen, beide mit einer Feldmark von 13 Hufen, 12 Hüfner mit dem Schulzen, 4 Kossäthen und Fischereigerechtigkeit.

Nächst-Wünsdorf hatte bereits 1583 eine Filialkirche von Zossen, zu welcher Fern-Wünsdorf eingepfarrt war, beide Dörfer gehörten zum Domänenamt Zossen. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Dörfer beinahe wüst, der erste namentlich bekannte Pfarrer, Andreas Hansche, wirkte von 1631 bis 1639. Der Landreiter berichtete 1652, in Nächst-Wünsdorf gab es noch acht alteingesessene Bauern (Jochim Brößigk, Hanß und Adam Balcke, Christoff Fischer, Martin Theylicke, Michel Otto und Hanß Theyle; aus Jachzenbrück Gurge Schmolle) und zwei zugezogenen Kossäten (Michel Zusche und Michel Boldenick) und in Fern-Wünsdorf zwei altansässige Bauern (Bartell Balcke und Andreaß Schultze), von auswärts der Vizeschulze Jacob Lieben, der Bauer Hanß Müller und die drei Kossäten (Andreaß Henicke, Adam und Gurge Zusch).[10] Erst um 1655 konnten die leer stehenden zwölf Bauernhöfe wieder besetzt werden. Nächst-Wünsdorf erhielt um 1662 eine neue Fachwerkkirche, die alte war durch den Krieg schwer geschädigt, jedoch musste sie 1743 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. In Nächst-Wünsdorf gab es einen Krug und außerhalb des Dorfes eine Schmiede. Zu Weihnachten 1744 wurde die neue Kirche, ein Rechteckbau mit eingezogenem Rechteckchor, eingeweiht.

Im folgenden Jahrzehnt siedelten in Nächst-Wünsdorf der Prediger und der Schulmeister, ein Lehnschulze mit zwei Hufen und Bürgeracker, elf Einhüfner, zwei Kossäten (einer der Braukrüger), ein Halbkossäte, ein Viertelkossäte, zwei Büdner, ein Schmied, ein Hirte, zwei Paare und zwei einzelne Einlieger. In Fern-Wünsdorf lebten der Lehnschulze auf zwei freien Hufen, elf Einhüfner, zwei Ganzkossäten mit etwas Acker, ein Halbkossät, zwei Büdner, drei Paar Hausleute und zwei Einliegerpaare. Um 1801 gab es in Nächst-Wünsdorf eine Windmühle, und die Einwohnerzahl war auf 163 gestiegen; in Fern-Wünsdorf lebten 111 Personen.

Ende Juni 1838 brach in Fern-Wünsdorf ein Großbrand aus, der auf Nächst-Wünsdorf übersprang und beide Dörfer fast vollständig in Schutt und Asche legte; die Kirche wurde erneut zerstört. Der damalige Propst Straube bat 1840 die königliche Regierung in Potsdam um einen Kirchenneubau: „Das Dorf Wünsdorf, zu welchem die Dörfer Neuhof, Zehrensdorf und Jauchzenbrück (heute Lindenbrück) eingepfarrt sind, entbehrt nun schon seit länger als zwei Jahren die Kirche, welche im Sommer 1838 durch den Brand zerstört ward. Der Pfarrer der Gemeinde Herr Prediger Hanf in Zossen ist sehr betrübt darüber, dass die geistlich Erbauung der Gemeinde gar sehr hierdurch leidet …“ Die Grundsteinlegung für den klassizistischen Putzbau war der 13. Mai 1841, bereits 1843 konnte die Kirche geweiht werden. Die Einwohnerzahl stieg nun sprunghaft und es gab verschiedene Handwerker in beiden Dörfern, die Kirche erhielt 1858 eine Einfriedung, die sich erhalten hat, und innerhalb dieser Fläche befand sich bis 1945 der Kirchenfriedhof. Heute zeugen noch einzelne Grabsteine von dieser Vergangenheit. Im Jahre 1860 zählten die beiden Dörfer 283 Einwohner, dazu kamen die Wohnplätze Wolziger Mühle, eine Wassermühle, und das Etablissement Schlothorst mit 18 Einwohnern.

Durch königlichen Erlass vom 24. Mai 1874 erfolgte die Vereinigung beider Dörfer. Wünsdorf wurde zur größten Gemeinde des damaligen Kreises Teltow und umfasste 2800 Morgen Acker, 670 Morgen Wiese, 914 Morgen Weide und 1483 Morgen Wald.

Bis zur folgenden Jahrhundertwende hatte sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt, 1897 wurde ein eigener Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Dresden eröffnet, 1906 erfolgte der Aufbau eines Truppenübungsplatzes und die Errichtung einer Infanterieschule, der die Ansiedlung von Beamten und Gewerbetreibenden nach sich zog.

Militärstandort 1910–1994[Bearbeiten]

Zehrensdorf Indian Cemetery

Bereits im Sommer 1877 war in Kummersdorf ein Artillerie-Schießplatz für die Preußische Artillerieprüfungskommission in Betrieb genommen worden. Ab 1888 wurde er mit dem Schießplatz Jüterbog durch eine Versuchs-Kleinbahn verbunden, die ab Mai 1897 durch die Verlängerung der Preußischen Militär-Eisenbahn von Schießplatz-Kummersdorf nach Jüterbog-Militärbahnhof ersetzt wurde.

Im Zuge der Erweiterung der Gelände der Truppenübungsplätze Jüterbog und Kummersdorf bezog man den Bereich Zossen, Wünsdorf, Zehrensdorf und Töpchin ab 1907 mit ein und siedelte die Bevölkerung von Zehrensdorf zwischen 1909 und 1911 dauerhaft um. Ab 1910 entstanden in Wünsdorf zahlreiche Kasernenanlagen samt Truppenübungsplätzen im Forst: 1912 das Fernsprech- und Telegrafenamt und 1913 die Infanterieschule. Durch den Ersten Weltkrieg forciert – Wünsdorf wurde Sitz des Hauptquartiers der Reichswehr – entstand die Kaiserliche Turnanstalt, die von 1914 bis 1945 existierte und ab 1934 als Heeressportschule Wünsdorf die sportlichen Geschicke des Heeres, in Bezug auf den Leistungssport, lenkte. Für die Olympiade 1936 in Berlin wurden hier die deutschen Wettkämpfer vorbereitet, während alle anderen Nationen im Olympischen Dorf (Elstal) untergebracht waren. Ihr erster Leiter war von 1919 bis 1924 Hans Surén. Es folgten weitere Kasernenbauten, ein Lazarett und Pferdeställe. Mit Nutzung des Areals durch die sowjetische Armee wurde das Gelände bekannt als „Haus der Offiziere“ oder auch "Lenin-Stadt".

Bekannt wurde Wünsdorf auch für den Bau der ersten Moschee auf deutschem Boden ab Herbst 1914, die Einweihung fand am 13. Juli 1915 statt.[11] Für muslimische Kriegsgefangene im sogenannten Halbmondlager errichtet, sollte die Möglichkeit der Religionsausübung eine „Umerziehung“ der Kriegsgefangenen erleichtern. Nach Kriegsende noch einige Zeit von der Berliner islamischen Gemeinde genutzt, verfiel sie und wurde um 1925 wegen Baufälligkeit abgerissen. Der Lagerfriedhof für die Kriegsgefangenen war der Zehrensdorfer Friedhof, auf dem auch 206 indische Soldaten bestattet wurden. Ende der 1920er Jahre exhumierten die Franzosen ihre Toten und begruben sie in den großen Kriegsgräberstätten bei Verdun und Langemarck, der Friedhof verwilderte und wurde im Zweiten Weltkrieg kurze Zeit erneut genutzt, um die Toten der Luftangriffe auf Wünsdorf zu bestatten. Danach verfiel der Friedhof. 1995 wurde dieser einzigartige interkonfessionelle Friedhof unter Denkmalschutz gestellt, im Jahre 2002 begannen die Arbeiten zur Sicherung und Wiederherstellung des Friedhofs, die mit der Einweihung als Zehrensdorf Indian Cemetery 2005 abgeschlossen wurden.[12]

Nach dem Kriegsende 1918 wurden Vertriebene aus Elsaß-Lothringen und Polen in den Lagern untergebracht, das Kasernengelände von Januar 1919 bis April 1920 durch das Freikorps Lützow genutzt.

In den 1920er Jahren hatte Wünsdorf etwa 1300 Einwohner; es folgten Soldaten für das Heer, in Zusammenhang mit dem Vertrag von Rapallo kam es für kurze Zeit zu einer Zusammenarbeit der Reichswehr mit der Roten Armee und zu dem Bau einer russisch-orthodoxen Kirche.[13]

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 entwickelte sich Wünsdorf zu einem Zentrum in der Entwicklung der schnellen Truppen und insbesondere der Panzertruppen. Bereits 1931 war eine erste motorisierte Einheit der Reichswehr nach Wünsdorf verlegt worden, nun aber begann man, die Militäranlagen stark zu erweitern. 1933 wurde auf dem Truppenübungsplatz der erste Panzerverband der künftigen deutschen Wehrmacht, 1935 die 3. Panzer-Division in Wünsdorf neu aufgestellt sowie die Heereskraftfahrschule in den Ort verlegt. Im März 1935 bezog das Oberkommando des Heeres (OKH) sein Hauptquartier; das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) folgte 1938. Um die Angehörigen und Angestellten der Wehrmacht unterzubringen, begann man eine Waldsiedlung im Norden des Ortes zu bauen. Zur Zeit der sowjetischen Besatzung war in diesem Gebiet das 3. Militärstädtchen ("Fliegerstädtchen") untergebracht. Heute ist der Bereich öffentlich zu besichtigen und unter dem Namen "Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf" bekannt.

Die bestehenden Militärsportanlagen wurden im Jahr 1936, im Vorfeld der Olympischen Spiele, für das Training der deutschen Mannschaft genutzt. Zur gleichen Zeit entstand die Militär-Badeanstalt, die Mitte der 1950er von den sowjetischen Streitkräften umgebaut wurde.

Luftschutzturm der Bauart Winkel

1937 begannen die Arbeiten für die bombensicheren und zum Teil unterirdischen Bunkeranlagen (Tarnbezeichnung Maybach I und II) samt hochmodernem Fernmeldebunker (Zeppelin). Überirdisch entstand eine Siedlung im Landhausstil und etwa 20 Luftschutztürme der Bauart Winkel. Die Arbeiten an Maybach I wurden 1939 abgeschlossen und die Anlagen, die bis in 20 Meter Tiefe lagen, in Betrieb genommen.

Wenige Tage vor dem deutschen Überfall auf Polen wurde am 26. August 1939 das Hauptquartier des Oberkommando des Heeres in die Bunkeranlage „Maybach I“ verlegt. Die Bunkeranlage „Maybach II“, fertiggestellt im Frühsommer 1940, beherbergte das OKW. Bis zum April 1945 kamen aus der Nachrichtenzentrale „Zeppelin“ (Tarnbezeichnung Amt 500), einem der größten Nachrichtenknotenpunkte während des Zweiten Weltkriegs, die Befehle zu den deutschen Truppen. Ab 1943 wurden wegen des offensiveren Luftkriegs der Alliierten weitere Dienststellen der Wehrmacht nach Wünsdorf verlegt, unter anderem Teile des Heereswaffenamtes und weitere Teile des Oberkommandos des Heeres.

Nach den ersten Bombardierungen 1945 erfolgte am 15. März 1945 der dritte und vermutlich schwerste Angriff auf Wünsdorf, 120 Menschen starben, zahlreiche Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Am 20. April erfolgte der Einmarsch sowjetischer Truppen, Wünsdorf wurde fast kampflos übergeben. Der militärische Führungsstab des sowjetischen Marschalls Schukow nahm sein Quartier in Wünsdorf für die Schlacht um Berlin.

Wjunsdorf (Вюнсдорф), wie der Ort von den „Russen“ genannt wurde, blieb somit militärisch und erhielt den Sitz des Oberkommandos der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) (ab Juni 1989 unter der Bezeichnung Westgruppe der Truppen). Der Bahnhof Wünsdorf war mit eigenem Bahnhofsteil der Bahnhof der sowjetischen Truppen und damit einer der vier Sonderbahnhöfe der Alliierten in Berlin und dessen Umgebung (vgl. Bahnhof Berlin-Lichterfelde West – für die US-Truppen, Bahnhof Berlin-Tegel – für die französischen Truppen, Bahnhof Berlin Charlottenburg – für die britischen Truppen). Es gab bis 1994 einen täglichen Zug nach Moskau.

Dem Potsdamer Abkommen entsprechend wurden die Bunkeranlagen und der größte Teil der Luftschutztürme nach der Demontage der technischen Ausrüstungen 1947 gesprengt, um sie für eine weitere militärische Nutzung unbrauchbar zu machen. Am „Amt 500“ wurde nur der Westeingangsbereich zerstört, der Baukörper selbst widerstand den Sprengungen. Im März 1953 begann die Räumung von Wohnungen und Häusern, der Post, Apotheke, Spar- und Darlehenskasse und von Geschäften östlich der Bahnlinie, die B 96 wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt, etwa 800 Einwohner umgesiedelt und 30.000 sowjetische Soldaten stationiert.

Die Wünsdorfer Bevölkerung gründete im Jahre 1955 auf den militärisch nicht genutzten Flächen die erste LPG (Typ I) mit 10 Mitgliedern und 31 Hektar und 1961 wurden die LPGen „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ und „Heimatliebe“ in Wünsdorf vereinigt. Im selben Jahr erfolgte die Gründung der PGH des Dachdeckerhandwerks. Gemeinsam mit der Revierförsterei stellten sie bis zur Wende die größten Arbeitgeber des Ortes.

Unter dem Oberkommandierenden Marschall Iwan Konew wurde von Wünsdorf aus der sowjetische Panzerschutz für den Bau der Berliner Mauer organisiert. Um die Luftsicherheit über der DDR zu garantieren, wurde am 22. Oktober 1971 in Wünsdorf die „Vereinigte Hauptzentrale 14“ (LUKO) gegründet, in der bis 1990 sowjetische mit Offizieren der NVA, ab der deutschen Wiedervereinigung mit Offizieren der Bundesluftwaffe, zusammenarbeiteten. Der Stab der 16. Sowjetischen Luftarmee (16. LA) mit den zuletzt geführten Tarnnamen „RANET“ bzw. „WIMPEL“ hatte ab 1977 seinen Standort in Wünsdorf. Kommandozentrale des „RANET“ war der Zeppelin-Bunker (Amt 500), den man zu diesem Zweck repariert und mit einem Schleusensystem aus Panzertüren versehen hatte.

Außer den etwa 2700 Einwohnern lebten zu Spitzenzeiten 50.000 bis 75.000 sowjetische Männer, Frauen und Kinder dort. Für Bürger der DDR war das Areal Sperrgebiet. Innerhalb des umzäunten und ummauerten Geländes befanden sich bis 1994 zahlreiche sowjetische Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Sportplätze, Schwimmbäder und Geschäfte.

Der Abzug der Truppen erfolgte 1994. Sie hinterließen im September 1994 eine menschenleere Garnisonsstadt, ein Areal von 260 Hektar munitionsverdächtiger Fläche. 98.300 Stück Munition und 47.000 Stück sonstige Kampfmittel, 29,3 Tonnen Munitionsschrott und weitere Bomben- und Waffenteile wurden entsorgt. 45.000 Kubikmeter Haus- und Sperrmüll wurden abtransportiert; hinzu kamen tonnenweise Chemikalien, Altöle, Altfarben, Altreifen, Akkumulatoren sowie Asbestabfälle.[14]

Nachmilitärische Nutzung[Bearbeiten]

Bereits 1992 wurde die Landesentwicklungsgesellschaft für Städtebau, Wohnen und Verkehr des Landes Brandenburg mbH (LEG) einbezogen, um die Nutzung nach 1994 vorzubereiten. Ihre Hauptaufgabe lag in der Entwicklung eines wohnungspolitischen Konzeptes für Wünsdorf. Am 23. Juni 1995 wurde die Entwicklungsgesellschaft Waldstadt Wünsdorf/Zehrensdorf (EWZ) als Tochter der LEG mit Anteilen der Gemeinde Wünsdorf und des Landkreises Teltow-Fläming gegründet, „um in Wünsdorf eine modellhafte Konversion vorzuführen, um zu zeigen, wie man mit Kasernen, mit militärischem Erbe umgehen kann“.[15] So erwarb die EWZ Flächen im Raum Wünsdorf von der Brandenburgischen Boden (BBG) zu Entwicklungs- und Vermarktungszwecken. Die Gemeinden Wünsdorf und Waldstadt hätten dieses mit ihren eigenen Mitteln nicht gekonnt. Ein Konzept zur Stadtentwicklung bis zum Jahr 2005 wurde erarbeitet. Im Jahr 2001 wurde die EWZ-Geschäftsstelle Wünsdorf aufgelöst, die Aufgabe, 590 Hektar Fläche und rund 700 sanierungsfähige Gebäuden einer zivilen Nutzung zuzuführen, fiel an die LEG zurück.

In den verlassenen Stabsgebäuden wurden zahlreiche Behörden angesiedelt, darunter das Brandenburger Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen und das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum. Die ehemaligen Kasernen wurden zum größten Teil zu Wohnhäusern umgebaut, auf freigeräumten Flächen entstanden Einfamilienhausgebiete und es wurden Nahversorgungseinrichtungen, eine Grundschule sowie Kindergärten errichtet. Diese stellen jetzt zusammen den Gemeindeteil Waldstadt dar.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Buchladen in Wünsdorf
  • vergleiche Liste der Baudenkmale in Zossen#Wünsdorf
  • In Wünsdorf-Waldstadt befindet sich innerhalb des ehemals von den sowjetischen Streitkräften genutzten Areals seit 1998 eines der wenigen Bücherdörfer Deutschlands, die Bücherstadt Wünsdorf.[16]
  • Noch erhalten sind zahlreiche Bunkeranlagen der Wehrmacht, die während der Bunkerführungen der Bücherstadt Touristik GmbH besichtigt werden können, darunter auch ein Spitzbunker vom Typ Winkel. Jährlich kommen rund 20.000 Besucher.[17]
  • Das Radsportmuseum Wünsdorf im Gutenberghaus zeigt Exponate rund um den Radsport mit Schwerpunkt auf Berlin und Brandenburg.
  • Garnisonsmuseum des Fördervereins Garnisonsmuseum Wünsdorf e.V.
  • Museum des Teltow
  • Motorradmuseum an der B 96 mit Motorrädern, Mopeds und Motorrollern, überwiegend aus DDR-Fertigung
  • „Kulturhof Wünsdorf“, typisches altes Bauerngehöft, gegründet 1839, die heute teilweise restaurierten Gebäude beherbergen eine Galerie und Werkstatt mit interessanten Foto- und Skulpturenausstellungen
  • In Wünsdorf steht das Helmut-Gollwitzer-Haus der Evangelischen Jugend der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Franke, Detlev Steinberg: Wünsdorf. Eine russische Stadt in der DDR. 20 Jahre nach dem Abzug der Sowjetarmee. (Bildband mit einem Nachwort von Dr. Helmut Domke; Deutsch / Russisch) Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2014, ISBN 978-3-95462-245-0.
  • Wünsdorf. Eine Chronik in Wort und Bild. Geiger, Horb am Neckar 1992, ISBN 3-892-646-95-3.
  • Friedrich Beck, Margot Beck, Lieselott Enders (Bearb.), Klaus Neitmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil IV, Teltow. (= Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam), Band 13.) Weimar 1976, S. 353–356. (Neuauflage 2011, ISBN 3-941-919-81-4.)
  • Willy Spatz: Der Teltow. (= Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow, Band 3.) Rob. Rohde, Berlin 1912, S. 335–336.
  • Hans Georg Kampe: 90 Jahre Militärgeschichte Zossen-Wünsdorf. (Computerpräsentation auf CD-ROM, drei Teile) Projekt + Verlag Dr. Erwin Meißler.
  • Gerhard Kaiser: Sperrgebiet. Die Geheimen Kommandozentralen in Wünsdorf seit 1871. Ch. Links Verlag, Berlin 1998, ISBN 978-3-86153-152-4.
  • Gerhard Kaiser et al.: Vom Sperrgebiet zur Waldstadt: Die Geschichte der geheimen Kommandozentralen in Wünsdorf und Umgebung. Ch. Links Verlag, 4. Aufl., Berlin 2007, ISBN 978-3861534341.[18]
  • Stefan Wieschollek: Konversion. Ein totgeborenes Kind in Wünsdorf-Waldstadt? Probleme der Umnutzung des ehemaligen Hauptquartiers der Westgruppe der Truppen zur zivilen Kleinstadt. (Volltext (pdf))

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wünsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe, S. 2. Dissertation, Humboldt Universität Berlin, 2001. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins. [1] Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95, ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003
  2. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1997
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  6. Gerhard Kaiser, Bernd Herrmann: Vom Sperrgebiet zur Waldstadt (= Die Geschichte der geheimen Kommandozentralen in Wünsdorf und Umgebung). Ch. Links Verlag, 2007, ISBN 3-861-534-34-7, S. 35.
  7. Gerhard Schlimpert: Die Ortsnamen des Teltow (= Brandenburgisches Namenbuch, Bd. 3, Berliner Beitrage zur Namenforschung, Bd. 3) Bohlau, Weimar 1972, S. 206
  8. Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam. H. Böhlaus Nachf., Weimar 1976, Band 13, S. 355
  9. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Teil 1, Band 24, 1863, S. 421.
  10. Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg (= Oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl's IV) Geschichte des Kreises Teltow, Band 1, im Selbstverlage, 1857, S. 143
  11. Martin Kaule: Brandenburg 1933–1945. Der historische Reiseführer. Ch. Links Verlag, 2012, ISBN 3-861-536-69-2, S. 81
  12. Nicht Mekka, sondern Zehrensdorf Deutschlandradio vom 24. November 2006
  13. Bernfried Lichtnau: Architektur und Städtebau im südlichen Ostseeraum zwischen 1936 und 1980 (= Publikation der Beiträge zur Kunsthistorischen Tagung 8.– 10. Februar 2001, veranstaltet vom Caspar-David-Friedrich-Institut, Bereich Kunstgeschichte, der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald), Lukas Verlag, 2002, ISBN 3-931-836-74-6, S. 95
  14. Wünsdorf – die verbotene Stadt
  15. Entwurf für den Flächennutzungsplan für die Stadt Zossen; Steinberg, Kießlich, 2000, S. 8
  16. 10 Jahre Bücherstadt Wünsdorf
  17. Helmut Uwer: Bunker statt Bücher. nzz.ch, 25. Februar 2014, abgerufen am 25. Februar 2014
  18. Leseprobe