Britische Streitkräfte in Deutschland

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Britische Streitkräfte in Deutschland (englisch: „British Forces Germany“, kurz: BFG) ist seit 1994 der Name der britischen Truppen, die einen Teil der ausländischen Militärbasen in Deutschland unterhalten. Bis dahin wurde die Bezeichnung Britische Rheinarmee (englisch: „British Army of the Rhine“, kurz: BAOR) benutzt.

Gliederung[Bearbeiten]

Die Britischen Streitkräfte in Deutschland sind in zwei Hauptkommandobereiche aufgeteilt, die jeweils von einem Generalmajor befehligt werden:

  • Das britische Unterstützungskommando United Kingdom Support Command (Germany) (UKSC(G)), das sich in Mönchengladbach befindet, ist zuständig für Verwaltungsaufgaben und die logistische Unterstützung der britischen Einheiten in Deutschland und auf dem europäischen Festland. In Mönchengladbach befand sich auch das Hauptquartier des Schnellen Eingreifkorps der NATO (Allied Command Europe Rapid Reaction Corps (HQ ARRC)). Im Sommer 2010 verlegte es der Stab des ARRC nach Innsworth in der Grafschaft Gloucestershire in England.
  • Die in Herford stationierte 1st (UK) Armoured Division (1. britische Panzerdivision) befehligt die britischen Einsatztruppen in Deutschland. In Herford hat auch die Deutschlandzentrale des britischen Soldatensenders BFBS ihren Sitz.

Standorte[Bearbeiten]

Die BFG sind in vier Garnisonen aufgeteilt:

Im Jahr 2006 waren etwa 23.000 Soldaten, 2.000 Zivilangestellte und 30.000 Familienmitglieder in Deutschland.

Die Garnison Osnabrück wurde 2009 geschlossen. Der Abzug begann am 25. September 2008 mit der Schließung der Quebec Barracks. Am 26. März 2009 wurde mit den Mercer and Imphal Barracks die letzte Kaserne an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Am 31. März 2009 verließ der letzte Standortkommandeur, Colonel Mark Cuthert-Brown, Osnabrück. Seit 1. April 2009 existiert die Garnison Osnabrück, einst größte britische Garnison außerhalb des Vereinigten Königreiches, nicht mehr.[1]

Die Britischen Streitkräfte betreiben in Deutschland unter anderem zwei große Truppenübungsplätze und mehrere Standortübungsplätze, 32 Schulen (z.B. die King’s School in Gütersloh), 50 NAAFI-Einkaufszentren und neun Kinos. Für die Militärangehörigen und deren Familienmitglieder erscheint seit 1970 die Wochenzeitung Sixth Sense mit Sitz in Bielefeld. Daneben sendet BFBS aus Herford und anderen Standorten zwei Radioprogramme und einen Fernsehkanal für die Soldaten. Das Programm BFBS Radio 1 Germany wird über leistungsstarke Sender ausgestrahlt, so dass es in weiten Teilen Niedersachsens auf UKW empfangbar ist. In Nordrhein-Westfalen wurde zum 1. August 2010 die auch von Einheimischen gern genutzte Frequenz 96.5 MHz des Senders Langenberg an Deutschlandradio Kultur übergeben; BFBS sendet hier nunmehr auf mehreren lokal empfangbaren Frequenzen.

Im Dezember 2013 wurde der Standort Münster-Gievenbeck mit der Oxford-Kaserne aufgegeben.

Zukunft[Bearbeiten]

Die Anzahl der Soldaten sollte bis 2014 auf etwa 16.000 und bis 2019 auf 15.000 reduziert werden. Gleichzeitig war eine Umstrukturierung der verbleibenden Einheiten geplant, die die Schließung der Garnison Rhein zur Folge hat. Erhalten bleiben sollten vorerst die Garnisonen Hohne, Gütersloh und Paderborn, die teilweise noch vergrößert werden sollten.[2]

Mit der Verlegung des HQ ARRC von Mönchengladbach ins englische Innsworth begann 2010 die Schließung der Garnison Rhein, die bis 2014 abgeschlossen werden sollte. Unter anderem sollte das Hauptquartier des britischen Unterstützungskommandos (UKSC(G)) zwischen 2011 und 2013 von Mönchengladbach nach Herford verlegt werden.[3]

Bis 2035 sollten schließlich auch die drei verbliebenen Garnisonen geschlossen und sämtliche britischen Truppen aus Deutschland abgezogen werden.[4]

Im Oktober 2010 kündigte der britische Premierminister David Cameron im britischen Unterhaus allerdings an, dass die damals aktuell rund 20.000 britischen Soldaten bereits bis 2020 vollständig aus Deutschland abgezogen werden sollen.[5] Ausgangspunkt hierfür war die durch die britische Regierung eingeleitete strategische Verteidigungs- und Sicherheitsüberprüfung (Strategic Defence and Security Review – SDSR). Eine Reihe von frühzeitigen Entscheidungen wurde bereits im Jahre 2011 angekündigt: Der Militärkomplex Rheindahlen (Mönchengladbach) wird bis spätestens März 2014 (tatsächlich im Dezember 2013), der Standort Münster bis spätestens März 2014 (tatsächlich im November 2013); der Standort Hameln bis spätestens Sommer 2014 (tatsächlich im Juli 2014) und die Javelin-Kaserne in Niederkrüchten Elmpt bis spätestens März 2016 aufgegeben.

Im März 2013 kündigte der britische Verteidigungsminister dann weitergehend an, dass bereits bis Ende 2015 rund 70 Prozent des Armeepersonals (11.000 Soldaten) nach Großbritannien verlegt werden sollen.[6] Die restlichen Soldaten sollen bis 2019 in die Heimat zurückkehren.

Für Niedersachsen ist vorgesehen, die in Bergen-Hohne und Bad Fallingbostel stationierten Einheiten schrittweise nach Großbritannien zurückzuverlegen, so dass die Kasernen voraussichtlich Ende 2015 frei werden. In diesen Standorten sind zurzeit rund 5.000 britische Soldaten stationiert.

In Nordrhein-Westfalen sind zurzeit rund 10.000 britische Soldaten an den Standorten Bielefeld, Herford, Gütersloh, Paderborn und Elmpt stationiert. Das Hauptquartier der 1. britischen Panzerdivision und das Fernmelderegiment des Hauptquartiers in Herford werden voraussichtlich Ende 2015 nach Großbritannien zurückverlegt und die drei Kasernen werden aufgegeben. Es wird beabsichtigt, eine Anzahl von Häusern und Wohnungen für in Bielefeld stationiertes Personal weiter zu nutzen. In Herford sind rund 800 Soldaten stationiert. Die in Gütersloh in der Princess Royal Kaserne stationierten Einheiten werden entweder aufgelöst oder schrittweise nach Großbritannien zurückverlegt. Es ist vorgesehen, die Princess Royal Kaserne etwa um 2016 freizustellen. In dieser Kaserne dienen zurzeit 2.500 Soldaten. Die Mansergh Kaserne und die darin beheimatete King’s School werden weiterhin genutzt. Hier dienen rund 500 Soldaten. Es wird gegenwärtig nicht erwartet, dass diese Kaserne vor 2017 aufgegeben wird. Am Standort Bielefeld gibt es einige interne Umstrukturierungen. Der Standort wird weiterhin aktiv genutzt und beherbergt seit dem 31. Juli 2013 das Hauptquartier British Forces Germany, das aus Mönchengladbach-Rheindahlen nach Bielefeld verlegt wurde[7]. Die Depots in Dülmen und Wulfen bleiben bis zum kompletten Abzug aus Deutschland bestehen. Die Kasernen in Paderborn und Sennelager bleiben vorerst weiterhin bestehen und eine Auflösung der Standorte ist nicht vor 2017 vorgesehen. In Paderborn und Sennelager sind rund 4000 britische Soldaten stationiert. Der zukünftige Übungsbetrieb auf dem Truppenübungsplatz Sennelager ist Bestandteil einer separaten Studie. Details und Ergebnisse hierzu liegen zu diesem Zeitpunkt nicht vor.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konversion - Abzug der Britischen Streitkräfte aus Osnabrück, Stadt Osnabrück. 
  2. British forces to move from Germany to UK, Ministry of Defence. 12. September 2007. 
  3. Briten stärken OWL - Herford neues Hauptquartier, Westfalen-Blatt. 16. März 2010. 
  4. Defence Estates Development Plan 2008, Ministry of Defence. 17. Juni 2008, S. 3. 
  5. Stern: Großbritannien zieht bis 2020 alle Soldaten aus Deutschland ab
  6. Sächsische Zeitung: Britische Streitkräfte ziehen schneller aus Deutschland ab. 5. März 2013
  7. Britisches Hauptquartier offiziell in Bielefeld, Neue Westfälische. 1. August 2013. 

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Britische Streitkräfte in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.126238.68292Koordinaten: 52° 7′ 34″ N, 8° 40′ 59″ O