Böttstein

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Böttstein
Wappen von Böttstein
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4303i1f3f4
Postleitzahl: 5315 (Böttstein)
5314 (Kleindöttingen)
UN/LOCODE: CH KDO (Kleindöttingen)
Koordinaten: 659187 / 26765547.5569418.224998356Koordinaten: 47° 33′ 25″ N, 8° 13′ 30″ O; CH1903: 659187 / 267655
Höhe: 356 m ü. M.
Fläche: 7.43 km²
Einwohner: 3709 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 499 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 40,1 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.boettstein.ch
Karte
Klingnauer Stausee Deutschland Kanton Zürich Bezirk Aarau Bezirk Baden Bezirk Brugg Bezirk Laufenburg Bad Zurzach Baldingen AG Böbikon Böttstein Döttingen AG Endingen AG Fisibach Full-Reuenthal Kaiserstuhl AG Klingnau Koblenz AG Leibstadt Lengnau AG Leuggern Mellikon Rekingen Rietheim AG Rümikon Schneisingen Siglistorf Tegerfelden WislikofenKarte von Böttstein
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Böttstein (schweizerdeutsch: ˈbøːtʃtə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im unteren Aaretal auf halbem Weg zwischen Brugg und Waldshut.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am westlichen Ufer der Aare und besteht aus den Dörfern Böttstein (356 m ü. M.) und Kleindöttingen (320 m ü. M.) sowie den Weilern Burlen und Eien. Der historische Hauptort Böttstein liegt am südlichsten auf einem schmalen, steil abfallenden Landstreifen zwischen der Aare und dem Osthang des 577 Meter hohen Böttebergs, einem Ausläufer des Tafeljuras. Das Dorf liegt gegenüber der zu Döttingen gehörenden künstlichen Insel Beznau mit dem gleichnamigen Kernkraftwerk.[4]

Unmittelbar nördlich von Böttstein weitet sich der Uferstreifen zu einer mehr als zwei Kilometer breiten Ebene aus. Die ansonsten nordwärts fliessende Aare führt zunächst nach Osten und dann in einem lang gezogenen Bogen Richtung Nordwesten in den Klingnauer Stausee. In der Flussbiegung am Südende des Stausees liegt Kleindöttingen, der grösste Ort der Gemeinde, wo mehr als zwei Drittel der Einwohner leben. Kleindöttingen und Böttstein liegen etwa zweieinhalb Kilometer auseinander, dazwischen liegt der Weiler Eien. Der Weiler Burlen liegt knapp zwei Kilometer nordwestlich von Kleindöttingen in Richtung Leuggern.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 743 Hektaren, davon sind 260 Hektaren bewaldet und 154 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Böttebergs auf 577 Metern, der tiefste liegt auf 318 Metern am Ufer des Klingnauer Stausees.

Nachbargemeinden sind Leuggern im Nordwesten, Klingnau im Nordosten, Döttingen im Osten, Würenlingen im Südosten, Villigen im Süden und Mandach im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Schlacht zwischen Oesterreichern und Franzosen im August 1799

1946 wurde ein mit Gold verziertes Schwert aus der Eisenzeit um 750 v. Chr. entdeckt. Um 500 v. Chr. nahmen die Helvetier, ein Keltenstamm, das Gebiet in Besitz, ab 58 v. Chr. herrschten hier die Römer. Von 259 bis 277 hielten die Alamannen das Gebiet um Böttstein besetzt, bevor sie von den Römern zurückgedrängt wurden. Der nahe Rhein bildete die Nordgrenze des Römischen Reichs. Um 400 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück. Die Alamannen besiedelten die Region und verdrängten allmählich die romanisierten Kelten.

Die erste urkundliche Erwähnung von Botistein erfolgte im Jahr 1087. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Bozistein und bedeutet «steiniges Gebiet am Bözen», wobei Bözen vom keltischen Bergnamen Voceton abgeleitet werden kann.[3] Kirchlich gehörte das Dorf zum Kirchspiel Leuggern. Die kleine Herrschaft gehörte zunächst den Herren von Böttstein und wechselte dann zwischen 1230 und 1798 nicht weniger als zwölf Mal ihren Besitzer. Zum Grundbesitz gehörte auch die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit. Die Freiherren von Tiefenstein hatten ebenfalls umfangreichen Besitz in Böttstein. 1239 verkaufte Hugo von Tüfenstein den Johannitern in Bubikon, den Kirchensatz zu Böttstein. 1275 erfolgte der Verkauf zweier Mühlen in Böttstein die ebenfalls im Besitz der Freiherren von Tiefenstein waren an die Kommende in Klingnau.[5]

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und lösten die Habsburger als Landesherren ab. Böttstein und das restliche Kirchspiel wurden Teil der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft der Eidgenossenschaft. Die Gemeinde grenzte nun an Vorderösterreich, das bei den Habsburgern verblieben war, ab 1460 auch an den Berner Aargau. Während des Schwabenkrieges von 1499 wurden die Dörfer des Kirchspiels verwüstet und geplündert. Von 1529 bis 1531 hielten Truppen der reformierten Stadt Bern das Kirchspiel besetzt, die Bevölkerung blieb jedoch katholisch.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und das Kirchspiel gelangte zum kurzlebigen Kanton Baden der Helvetischen Republik. Es entstanden die Munizipalitäten Böttstein und Leuggern. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief die Frontlinie zwischen Franzosen und Österreichern mitten durch das Aaretal. Am 17. August 1799 wollten österreichische Truppen bei Kleindöttingen die Aare überqueren. Von der Mündung der Surb bei Döttingen aus nahmen sie die französische Armee auf der anderen Flussseite unter Artilleriebeschuss. Die Franzosen erwiderten das Feuer und konnten den Brückenschlag verhindern. Die Dörfer Kleindöttingen und Eien wurden vollständig zerstört und es gab mehrere Dutzend Tote.

Nachdem 1803 durch die Mediationsakte von Napoleon Bonaparte der Kanton Baden aufgelöst und im Kanton Aargau aufgegangen war, wurden die Dörfer des Kirchspiels in einer einzigen Gemeinde wiedervereinigt. Mit einer Fläche von über 30 Quadratkilometern war sie die grösste Gemeinde des Kantons. Das Kantonsparlament beschloss 1816 die Teilung der Grossgemeinde in die Gemeinden Böttstein, Leuggern und Oberleibstadt. Es war der Meinung, eine derart grosse Gemeinde ohne eigentliches Zentrum sei wirtschaftlich nicht überlebensfähig. 1832 wurden Full und Reuenthal von Oberleibstadt abgetrennt und bildeten die Gemeinde Full-Reuenthal. Oberleibstadt dagegen fusionierte 1866 mit Unterleibstadt.

Die Bevölkerung Böttsteins lebte bis ins frühe 20. Jahrhundert weitgehend von der Landwirtschaft, während die Industrialisierung nur langsam Einzug hielt. Im Zuge des Eisenbahnbooms um 1870 gab es zahlreiche Bahnprojekte, die nie verwirklicht wurden. Die Aargauische Südbahn scheiterte mit ihrem Vorhaben, eine Bahnlinie von Brugg über Böttstein nach Waldshut zu bauen. Als Ersatz entstand 1893 zwischen Kleindöttingen und Döttingen eine Brücke über die Aare.

Die Korrektion des Flusslaufs Ende des 19. Jahrhunderts begünstigte den Bau von Wasserkraftwerken. 1902 wurde auf der Insel Beznau gegenüber von Böttstein das erste Kraftwerk eröffnet. 1920 scheiterte ein Projekt für ein Wasserkraftwerk zwischen Eien und Kleindöttingen. Dafür vorgesehen war ein breiter schiffbarer Kanal zwischen zwei hohen Dämmen, der das Gebiet zwischen Eien und Kleindöttingen zerschnitten hätte.

Zwischen 1950 und heute hat sich die Bevölkerungszahl der Gemeinde fast vervierfacht, wobei sich das Wachstum aus Platzgründen hauptsächlich auf Kleindöttingen konzentrierte. 1965 begann der Bau des Kernkraftwerks auf der Insel Beznau. Die Stromgesellschaft NOK kaufte das Schloss Böttstein und machte es zum Sitz des technischen Stabes. Somit konnte auch Böttstein vom Kraftwerk auf Döttinger Boden profitieren. Das Kernkraftwerk Beznau wurde in zwei Etappen eröffnet (1969 und 1972).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Von Gelb mit schrägem rotem Gitterwerk.» Das Gemeindewappen entspricht jenem der Freien von Böttstein, die im Hochmittelalter das Dorf und die Burg besassen. Nachdem es ab 1930 inoffiziell verwendet worden war, folgte 1953 die definitive Einführung.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 324 629 760 820 1051 1256 2129 2896 3437 3648 3691

Am 31. Dezember 2013 lebten 3709 Menschen in Böttstein, der Ausländeranteil betrug 40,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 57,2 % römisch-katholisch, 18,1 % reformiert und 15,3 % muslimisch; 2,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 80,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 6,3 % Italienisch, 4,3 % Albanisch, 3,1 % Türkisch, 2,5 % Serbokroatisch, 0,8 % Portugiesisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Gemeindehaus Böttstein

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Böttstein gehört zum Friedensrichterkreis Leuggern.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1300 Arbeitsplätze, davon 3 % in der Landwirtschaft, 44 % in der Industrie und 53 % im Dienstleistungssektor.[10] Die meisten Industrie- und Dienstleistungsbetriebe befinden sich in Kleindöttingen. Die wichtigsten Arbeitgeber sind ein Kieswerk, eine Kunststofffabrik und zwei mittelgrosse Büromöbelfabriken. In Burlen und Eien dominiert die Landwirtschaft, während Böttstein kleingewerblich geprägt ist. An den Südosthängen des Böttebergs wird Weinbau betrieben. Viele Erwerbstätige sind jedoch Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden oder in der Region Brugg/Baden.

Verkehr[Bearbeiten]

Die wichtigste Strassenverbindung ist die Hauptstrasse 17 von Döttingen über die Aarebrücke nach Kleindöttingen, Leuggern und Leibstadt. In Kleindöttingen zweigt die Hauptstrasse nach Böttstein und Brugg ab. Die Gemeinde wird durch drei Postautolinien erschlossen. Die Linien Döttingen–Mandach und Döttingen–Laufenburg führen durch Kleindöttingen und Burlen, die Linie Döttingen–Brugg führt durch Kleindöttingen, Eien und Böttstein.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Böttstein besitzt vier Kindergärten in Kleindöttingen und Böttstein sowie ein Schulareal in Kleindöttingen, in dem die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Leuggern besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Sarah Brian Scherer, Dominik Sauerländer, Andreas Steigmeier: Das Kirchspiel Leuggern, Geschichte von Böttstein, Full-Reuenthal, Leibstadt und Leuggern. 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Böttstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 95–96.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo
  5. Franx X. Wöber: Die Miller von und zu Aichholz, Teil 1, S. 28 u. 29
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 128.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.