Wen Jiabao
Wēn Jiābǎo (chinesisch 溫家寶 / 温家宝 Wēn Jiābǎo; * 15. September 1942 in Tianjin) ist ein chinesischer Politiker. Von 2003 bis 2013 amtierte er als Premier des Staatsrates der Volksrepublik China, d. h. Premierminister.
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Leben [Bearbeiten]
Wen Jiabao wurde 1942 im Bezirk Beijiao der Stadt Tianjin geboren. Ab 1960 studierte er am Geologischen Institut in Peking, wo er auch promovierte. Sein Eintritt in die Kommunistische Partei Chinas erfolgte 1965. Während der Kulturrevolution ging er als Techniker in die Provinz Gansu, dort wurde er 1978 Vizedirektor des geologischen Amtes. 1982 kehrte er nach Peking zurück, wo er 1983 stellvertretender Minister für Geologie und Bodenvorkommen und 1985 stellvertretender Direktor des Büros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas wurde. Von 1986 an leitete er das ZK-Hauptbüro. Es ist unklar, wie Wen Jiabao die parteiinternen Säuberungen nach dem Tian'anmen-Massaker am 4. Juni 1989 überstand: Ein bekanntes Foto (damals veröffentlicht auf der Titelseite der Volkszeitung) zeigt ihn wenige Tage vor dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, an der Seite seines damaligen Mentors, des Reformers und KP-Generalsekretärs Zhao Ziyang, der dort eine emotionale Ansprache an die Studenten hält. Zhao Ziyang war gegen den Einsatz der Armee und wurde nach dem Massaker sofort seines Amtes enthoben und stand bis zu seinem Tod im Januar 2005 unter Hausarrest. Wen Jiabaos Karriere scheint der Vorfall jedenfalls nicht berührt zu haben.[1]
1998 stieg Wen Jiabao weiter auf und wurde Vizeministerpräsident der Zentralregierung und damit zuständig für Landwirtschaft und Finanzen. Im März 2003 löste er Zhu Rongji als Ministerpräsident der Volksrepublik China ab. Als Premierminister oblag ihm vor allem die Steuerung der chinesischen Wirtschaft. Am 2. Mai 2004 traf er zu seinem ersten Europabesuch in dieser Funktion in München ein. Sein Nachfolger wurde im März 2013 Li Keqiang.
Familienvermögen [Bearbeiten]
Während seiner Machtzeit stieg Wen Jiabao zu einem der reichsten Machthaber der Welt auf, der "New York Times" zufolge hat die Familie des scheidenden Staatsmanns ein Vermögen von mindestens 2,7 Milliarden Dollar angehäuft, das meiste davon nach Wens Aufstieg zum Vizepremier (1998) und fünf Jahre später zum Premierminister. So erwarb die 90-jährige Mutter Wens, Yang Zhiyun, demnach im Jahr 2007 einen Anteil im Wert von 120 Millionen Dollar an der Versicherung Ping An. Die Versicherung Ping An hatte von Reformen der Regierung Wens profitiert.[2][3]
Wen Jiabaos Frau Zhang Peili ist eine von Chinas führenden Experten bei Juwelen und Edelsteinen und verdiente ein Vermögen im Diamantenhandel: Sie war Hauptaktionärin der Beijing Diamond Jewellery, bis die in Shanghai an die Börse ging. Sie ist bekannt als Chinas „Diamantenkönigin“. An der Privatisierung mehrerer Staatsfirmen war sie beteiligt und half Verwandten dabei, aus den Privatisierungen Kapital zu schlagen. Laut der Enthüllungsplattform Wikileaks telegraphierte die US-Botschaft 2007, Wen wolle sich scheiden lassen, da er von den Diamantengeschäften seiner Frau angewidert sei. Warum er es dann doch ließ, ist nicht bekannt. Vor einer ähnlichen Situation steht seine Tochter Wen Ruchun, die laut der Hongkonger Zeitung “South China Morning Post” mit Xu Ming verheiratet sein soll, Chef der Baufirma Dalian Shide. Xu ist einer der zehn reichsten Chinesen - und Vertrauter Bo Xilais. Xu wurde am 15. März 2012 wegen nicht näher genannter Wirtschaftsvergehen festgenommen - am selben Tag, an dem Bo als Parteichef von Chongqing abgesetzt wurde.
Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Wen Ruchun mit Liu Chunhang, dem Direktor des Statistics Department and Research Bureau der China Banking Regulatory Commission, verheiratet ist.[4]
Als ein weiteres Beispiel nennt die New York Times Wens jüngeren Bruder Wen Jiahong, dessen Firma erhielt von der Regierung Aufträge im Wert von 30 Millionen Dollar, für die Entsorgung von Abwasser und medizinischem Abfall. Insgesamt kontrolliert Wen Jiahong Beteiligungen im Wert von 200 Millionen Dollar. Wens einziger Sohn Wen Yunsong verkaufte eine Technologiefirma für zehn Millionen Dollar an einen Unternehmer aus Hong Kong. Außerdem gründete er New Horizon Capital, eine von Chinas größten Beteiligungsfirmen.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Petra Kolonko: Tiananmen-Massaker: Dum-Dum-Geschosse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Peking 10. März 2004 (FAZ.net).
- ↑ in Hidden Riches for Family of Chinese Leader, New York Times 25. Oktober 2012
- ↑ http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wen-jiabao-chinas-premier-hat-mehr-als-2-7-milliarden-dollar-a-863515.html
- ↑ Wen Ruchun, Wen Jiabao's mysterious daughter in: WantChinaTimes May 13, 2012
Weblinks [Bearbeiten]
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Zhu Rongji | Premierminister der Volksrepublik China 2003–2013 |
Li Keqiang |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wen Jiabao |
| ALTERNATIVNAMEN | Wēn Jiābǎo |
| KURZBESCHREIBUNG | chinesischer Politiker, Premierminister der Volksrepublik China |
| GEBURTSDATUM | September 1942 |
| GEBURTSORT | Tianjin |
