Wilkau-Haßlau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wilkau-Haßlau
Wilkau-Haßlau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wilkau-Haßlau hervorgehoben
50.66666666666712.516666666667280Koordinaten: 50° 40′ N, 12° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Zwickau
Höhe: 280 m ü. NHN
Fläche: 12,71 km²
Einwohner: 10.244 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 806 Einwohner je km²
Postleitzahl: 08112
Vorwahlen: 0375, 037602, 037603
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 320
Adresse der
Stadtverwaltung:
Poststraße 1
08112 Wilkau-Haßlau
Webpräsenz: www.wilkau-hasslau.de
Bürgermeister: Stefan Feustel (CDU)
Lage der Stadt Wilkau-Haßlau im Landkreis Zwickau
Bernsdorf Callenberg Crimmitschau Crinitzberg Dennheritz Fraureuth Gersdorf Glauchau Hartenstein Hartmannsdorf Hirschfeld Hohenstein-Ernstthal Kirchberg Langenbernsdorf Langenweißbach Lichtenstein Lichtentanne Limbach-Oberfrohna Meerane Mülsen Neukirchen/Pleiße Niederfrohna Oberlungwitz Oberwiera Reinsdorf Remse Schönberg St. Egidien Waldenburg Werdau Wildenfels Wilkau-Haßlau Zwickau Sachsen Thüringen Vogtlandkreis Erzgebirgskreis Chemnitz Landkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild
Panorama-Aufnahme
Panorama-Aufnahme

Wilkau-Haßlau ist eine Kleinstadt im Landkreis Zwickau in Sachsen. Sie hat etwa 11.000 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fuß des Erzgebirges, in einem Talkessel, etwa 6 km südlich von Zwickau und wird durch die Zwickauer Mulde und den Rödelbach geteilt. Links der Mulde befinden sich die ehemaligen Gemeinden Haara, Neuhaara, Culitzsch und Wilkau, rechts des Flusses Oberhaßlau, Niederhaßlau, Silberstraße und Rosenthal, sowie der erst in den letzten Jahrzehnten besiedelte Sandberg, welcher aus der Gemeindeteilung des Ortes Bockwa hervorging.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Hirschfeld und Reinsdorf und die Städte Kirchberg, Wildenfels und Zwickau im Landkreis Zwickau.

Geschichte[Bearbeiten]

1279 wurde Niederhaßlau (die niedere Hasel-Aue) erstmals urkundlich als ein zur Grafschaft Hartenstein gehörendes Vasallengut im Besitz des Reichsgrafen Meinher III., Burggraf zu Meißen, erwähnt. 1332 war der spätere Jägerhof (ab 1625) das wichtigste Gebäude von Niederhaßlau.

Das kleine Dorf Wilkau wurde 1439 erstmals urkundlich erwähnt. Sein Name ist slawischen Ursprungs und beinhaltet das Wort für Wolf (vgl. Wappen). Im Jahr 1670 gab es im Ort lediglich 12 Begüterte und sieben Häusler. 1850 zählte Wilkau rund 200 Einwohner. Wilkau gehörte zum Amt Zwickau.

Nach Beginn des industriellen Steinkohlenbergbaus in Zwickau und Aufschwung der Eisenindustrie durch die Königin-Marien-Hütte im benachbarten Cainsdorf, in deren Folge die Kammgarnspinnerei der Firma Heinrich Dietel entstand, kletterte die Einwohnerzahl von Wilkau bis 1900 auf etwa 8000.

Die Stadt Wilkau-Haßlau entstand am 1. Mai 1934 durch den Zusammenschluss von Wilkau und Niederhaßlau.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten hunderte Frauen und Männer aus von Deutschland okkupierten Ländern Zwangsarbeit leisten, zu der sie in Holzpantinen täglich in Zwickauer Rüstungsbetriebe marschierten. Als die US-Truppen Mitte April 1945 vor der Stadt standen, verhinderte der Arzt Dr. Kalle, dass die Stadt gewaltsam eingenommen wurde, indem er Panzersperren abbrechen ließ und die Sprengung der Mulde-Brücke verhinderte.[2]

Schulgeschichte[Bearbeiten]

Niederhaßlau/Haßlau:

  • 1843 Erwerb eines Bauplatzes für ein Schulhaus am Kommunikationsweg nach Vielau (seit 1910 Kirchstraße)
  • 1845 Bau des ersten Schulhauses mit Türmchen in Niederhaßlau. Türmchen und Glocke wurden durch freiwillige Gaben aufgebracht; das Gebäude musste aufgrund rasant steigender Schülerzahlen 1853 und 1859 erweitert werden. Bis 1845 mussten die Schulkinder nach Vielau in die Schule gehen.
  • 1870–1871 Bau des zweiten Niederhaßlauer Schulhauses (alte Schule, heute Grundschule und Hort)
  • 1895 sofort nach Ostern wurde das erste Schulhaus aus dem Jahre 1845 abgebrochen und mit dem Bau des dritten Niederhaßlauer Schulhauses (neue Schule) begonnen, welches 1900 und 1904 erweitert werden musste. Dieses Schulhaus, ab 1945 die Dittesschule nach Friedrich Dittes, wurde bis 2005 als Mittelschule genutzt.
  • 1968 Einweihung der Polytechnischen Oberschule "Karl Marx" mit Turnhalle im Wohngebiet Sandberg, ab 1993 Gymnasium "Am Sandberg"
  • 2008 im Juli beginnt der Umbau der Dittesschule zu einer modernen behindertengerechten Grundschule
  • 2010 am 9.August erfolgte die feierliche Einweihung der Dittes-Grundschule

Wilkau:

  • 1853 erstes Schulhaus, vorher mussten die Schulkinder nach Culitzsch in die Schule gehen.
  • zweites Schulhaus, das sogenannte Frankenhäusel, in der heutigen Schulstraße
  • 1884 Anbau an zweites Schulhaus
  • 1889–1890 Bau Schulhaus B, welches 1897-1898 erweitert wurde, ab 1945 die Pestalozzischule, das Gebäude wurde 1998 abgebrochen
  • 1996–1997 Ersatzneubau der Pestalozzi-Mittelschule

Oberhaßlau/Silberstraße:

  • 1864 erstes eigenes Schulhaus, vorher mussten die Schulkinder nach Vielau in die Schule gehen
  • 1968 wurde die Grundschule geschlossen

Culitzsch:

  • 1560 Bau des ersten Schulhauses, welches später bei einem Brand vernichtet wurde
  • 1861 Bau einer neuen Schule gemeinsam mit Wilkau, die ebenfalls abbrannte
  • 1771 erneuter Schulhausbau
  • 1900 Bau einer neuen Schule, das Gebäude wird seit 1981 nicht mehr als Schulhaus genutzt. Ein speziell gegründeter Verein bemüht sich um den Erhalt des Gebäudes. Die Immobilie wurde im Jahre 2013 an privat verkauft.[3]
Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 40,8 %
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Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
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Eingemeindungen[Bearbeiten]

Zum 1. Oktober 1924 wurde das Dorf Haara in die damals eigenständige Gemeinde Wilkau eingegliedert. Am 8. Februar 1910 erfolgte der Anschluss vom Dorf Rosenthal an die Gemeinde Niederhaßlau. Als nächster Höhepunkt in der Entwicklung von Wilkau-Haßlau war am 1. Mai 1934 die Vereinigung der Gemeinden Niederhaßlau und Wilkau zur Stadt Wilkau-Haßlau.

Eine Gemeindeteilung des Ortes Bockwa 1939 zwischen Zwickau und Wilkau-Haßlau brachte einen weiteren Ortsteil.

Zuletzt wurden am 1. Januar 1999 Culitzsch und Silberstraße durch eine Gemeindegebietsreform in die Stadt eingemeindet.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1946 - 13.455 1
  • 1950 - 14.917 2
  • 1960 - 13.825
  • 1981 - 13.778
  • 1984 - 11.108
  • 1998 - 12.639
  • 1999 - 12.565
  • 2000 - 12.404
  • 2001 - 12.273
  • 2002 - 12.102
  • 2003 - 11.977
  • 2004 - 11.907
  • 2007 - 11.448
  • 2008 - 11.304
  • 2009 - 11.127
Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen

1 29. Oktober
2 31. August

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Grabstätte der Fabrikantenfamilie Dietel

Eine Grabstätte mit Holzsäule als Gedenkzeichen auf dem Wilkauer Friedhof erinnert an die sozialdemokratische, später kommunistische Hitlergegnerin Liesel Stark, die nach Zuchthaus und Haft im KZ Ravensbrück an den Folgen der Haft starb.

Eine im Jahr 2008 sanierte Grabstätte auf dem Friedhof in Wilkau erinnert an die einflussreiche Fabrikanten- und Stifterfamilie Dietel.

Weiterhin sind auf den Friedhöfen Culitzsch, Wilkau, Haßlau und an der Bergstraße in Silberstraße Gedenkstätten für die Opfer der beiden Weltkriege errichtet. Eine weitere Gedenktafel für die Opfer des Ersten Weltkriegs ist im Feuerwehrhaus Wilkau-Haßlau angebracht.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Talbrücke der Bundesautobahn 72

Das Ortsbild wird von der zweitlängsten Autobahnbrücke Sachsens bestimmt, die die Täler der Zwickauer Mulde und des Rödelbaches überspannt. Sie ist 671 m lang und bis zu 55 m hoch. Bis zum Jahr 2005 war sie die längste Autobahnbrücke Sachsens.

Seit 17. Juni 2005 verbindet der so genannte WiHa-dukt die beiden Ortsteile Wilkau und Haßlau miteinander. Diese Fußgängerbrücke ist 145 m lang, 5,30 Meter breit, der Pylon hat eine Höhe von 34 m. Von der Hängebrücke gibt es auch eine Anbindung über Treppe und Fahrstuhl an den darunter liegenden Haltepunkt, der am 04. Mai 2007 eingeweiht wurde.[5]

Der Name WiHa-dukt leitet sich von Viadukt ab und soll bedeuten: Wilkau Haßlau - damit uns keiner trennt.

Feuerwehr[Bearbeiten]

1878 wurde die erste Freiwillige Feuerwehr in Wilkau gegründet. Sie bestand aus 78 Kameraden, die im Laufe der nächsten Zeit mit einem Gerätewagen, Anstelleitern, Stockleitern und einer Handdruckspritze ausgerüstet wurden. Unterstützt wurde die Freiwillige Feuerwehr zu Wilkau durch den Fabrikant Dietel, in dessen Fabrikanlagen sich der Standort bis in die 1970er Jahre befand und der auch finanzielle Unterstützung bot.

Schließlich folgte am 7. August 1892 die Gründung der Feuerwehr Niederhaßlau im Gasthof "Zum Bogenstein".

Am 19. März 1935 gaben die Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden Wilkau und Niederhaßlau in einer Vereinigungsversammlung nach der Stadtgründung Wilkau-Haßlau ihre Selbstständigkeit auf. Die neue Feuerwehr wurde in drei Kompanien aufgeteilt, zwei in Wilkau und eine in Haßlau. Im Jahr 1939 ging durch die Gemeindeauflösung von Bockwa eine weitere Feuerwehr mit entsprechender Technik in der Freiwilligen Feuerwehr Wilkau-Haßlau auf.

1999 wurden zwei weitere Feuerwehren durch die Gemeindegebietsreform, Silberstraße und Culitzsch, dem Feuerwehrwesen der Stadt Wilkau-Haßlau zugeführt. In den Folgejahren fanden umfangreiche Investitionen in die Feuerwehrhäuser und Ausrüstung der beiden neuen Ortsteilfeuerwehren statt.

Im Dezember 2009 fand die feierliche Grundsteinlegung für einen Feuerwehrgerätehausneubau im Stadtzentrum statt. Ein Feuerwache mit 5 Lkw-Stellplätzen, Wirtschaftsräumen und umfassenden Sozialtrakt wird errichtet und ab dem August 2011 steht der Stadt ein zentrales und modernes Feuerwehrhaus zur Verfügung.

Verkehr[Bearbeiten]

Haltepunkt Wilkau-Haßlau

Eisenbahn

Am Haltepunkt Wilkau-Haßlau besteht Anschluss an die Bahnstrecke Zwickau–Schwarzenberg der Erzgebirgsbahn. Bis 1973 verkehrte ab hier auch die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld.

Busverkehr

Neben verschiedenen Regionalbuslinien betreiben die zur Rhenus Veniro-Gruppe gehörenden Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) seit 1997[5] auch eine Stadtbuslinie.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In DDR-Zeiten waren im Ort Kammgarnspinnereien, die Süßwaren- und Möbelindustrie präsent. Der VEB Süßwarenfabrik Wesa Wilkau-Haßlau wurde nach 1990 als Standort der Firma Haribo (mit Werksverkauf) fortgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Ernst Kegel (1876–1945), Chemiker
  • Curt Lahr (1898–1974), Leiter der Sächsischen Staatskanzlei und Präsident des Sächsischen Sparkassenverbands
  • Erhard Hippold (1909–1972), Maler
  • Erhart Krumpholz (1912–2008), Motorradrennfahrer
  • Kurt Meier (1914–1985), Politiker (SED) und Gewerkschafter
  • Dietmar Pohl (* 1943), Fußballspieler
  • Steffen Grummt (* 1959), Leichtathlet (Zehnkampf), 1985 wechselte er zum Bobsport und wurde Weltmeister.

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit dem 4. Mai 2007 trägt ein Triebwagen der Erzgebirgsbahn den Namen "Wilkau-Haßlau".[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus-Dietmar Hessel: Von oben gesehen. Wilkau-Haßlau und Reinsdorf mit ihren jeweiligen Ortsteilen. HELU-Luftbildverlag, Meerane 2008, ISBN 978-3-9811450-2-1. (= Von oben gesehen, Band 15)
  • Norbert Peschke: Wilkau-Hasslau - Historische Ansichten. Die Reihe Archivbilder. Sutton Verlag, ISBN 3-89702-738-0.
  • Paul Seidel: Alte Wilkauer Geschlechter und Einwohner. Wilkau 1934, Kopie der Teile in: Beilage des "General-Anzeiger für das untere Erzgebirge", Nr. 4/5 (1933) und Nr. 3/4 (1934); 310 Familien im Zeitraum 1599-1831 laut Bestandsverzeichnis Teil IV Deutsche Zentralstelle für Genealogie

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilkau-Haßlau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Alfred Harendt: ...auf Befehl des Arztes, in: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 114
  3. Stadtanzeiger Wilkau-Hasslau, 12. Juni 2013
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  5. a b c Stadtanzeiger Wilkau-Haßlau, 15. Januar 2008, S. 1