Woburn (Massachusetts)

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Woburn
Statue Thompsons vor der Bibliothek Woburns
Statue Thompsons vor der Bibliothek Woburns
Lage in Massachusetts
Woburn (Massachusetts)
Woburn
Woburn
Basisdaten
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Massachusetts
County:

Middlesex County

Koordinaten: 42° 29′ N, 71° 9′ W42.479166666667-71.15277777777830Koordinaten: 42° 29′ N, 71° 9′ W
Zeitzone: Eastern (UTC−5/−4)
Einwohner: 37.010 (Stand: 2006)
Bevölkerungsdichte: 1.128,4 Einwohner je km²
Fläche: 33,4 km² (ca. 13 mi²)
davon 32,8 km² (ca. 13 mi²) Land
Höhe: 30 m
Postleitzahlen: 01801, 01888
Vorwahl: +1 339, 781
FIPS:

25-81035

GNIS-ID: 0612270
Website: www.cityofwoburn.com
Bürgermeister: Thomas L. McLaughlin

Woburn ist ein Ort im Middlesex County, Massachusetts, USA. Der Ort, der nur wenige Kilometer nördlich von Boston liegt, wurde bereits 1640 gegründet. Im Jahr 2000 belief sich die Einwohnerzahl auf 37.258, im Jahr 2010 betrug die Einwohnerzahl 38120. Im Jahr 2000 waren mehr als 90 Prozent der Einwohner weiße Amerikaner, d.h. nach Definition des US Census Personen, deren Herkunft auf eine beliebige ursprüngliche Gruppe in Europa, dem Nahen Osten oder Nordafrika zurückgeht.

Grundwasserkontaminierung[Bearbeiten]

In der jüngeren Vergangenheit machte Woburn vor allem durch einen Umweltskandal von sich reden.

In den 1970ern stieg die Anzahl an Personen, vor allem Kindern, die an Leukämie erkrankten sprunghaft an. Auf Basis der Bevölkerungszahl war mit fünf Leukämie-erkränkten Kindern zu rechnen. Die Zahl der daran erkrankten Kinder betrug jedoch zwölf.[1] In den 1990er Jahren war die Zahl der betroffenen Kinder auf 21 gestiegen, vier mal die Anzahl der Krankheitsfälle, die für einen Ort der Größe Woburns zu erwarten war.[2] Betroffen war vor allem eine Region rund um die Pine Street im Osten Woburns. Bereits in den 1980er Jahren gab es zwei Untersuchungen zu möglichen Ursachen dieser Häufung an Erkrankungen. Die beiden Studien waren jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Sicher war, dass zwei von acht zur Gewinnung von Trinkwasser verwendete Brunnen mit diversen karzinogenen Chemikalien verseucht waren. Die Schwierigkeit lag jedoch darin herauszufinden, welcher Belastung die Einwohner von Woburn in der Vergangenheit ausgesetzt waren. Die Stadt verfügte über insgesamt acht Trinkwasserbrunnen und es schien in den 1980er Jahren keine Möglichkeit zu geben, zu bestimmen, welche Region der Stadt in den 1960er und 1970er wie viel Trinkwasser aus welchem Brunnen erhalten hatte.[3]

Zu Beginn der 1980er Jahren klagten betroffene Familien gegen die Unternehmen Beatrice Foods und W. R. Grace and Company als vermeintliche Verursacher der Trinkwasserverseuchung. Der Versuch einer gerichtlichen Klärung zog sich bis 1990 hin. Nach einer Serie von für die Kläger ungünstigen Entscheidungen, mussten sie einen Schadensersatz von 8 Millionen USD akzeptieren.[4]

Einen wesentlichen Durchbruch in der epidemiologischen Klärung des Falles gab es erst 1991, als Peter J. Murphy, ein Professor für Ingenieurwesen an der University of Massachusetts, ein Computermodell entwickelte, das auf Basis von belegten Fakten die Wasserversorgung aus den acht Brunnen für die einzelnen Stadtteile simulierte.[5] Mit Hilfe des Modells ließ sich bestimmen, wann und zu welchem Anteil 54 verschiedene Stadtteile in den 110 Monaten, in denen die beiden kontaminierten Brunnen genutzt wurden, Trinkwasser aus ihnen erhalten hatte. Mit Hilfe des Modells ließ sich nachweisen, dass es keinen statistisch signifikante Unterschied zwischen den Kindern gab, die von diesem Wasser getrunken hatten und solchen, die in Stadtteilen aufgewachsen waren, die nicht mit diesem Wasser versorgt wurden. Dagegen ließ sich nachweisen, dass Kinder, deren Mütter während ihrer Schwangerschaft Trinkwasser aus diesen zwei verseuchten Brunnen getrunken hatten, ein acht Mal höheres Risiko hatten, später an Leukämie zu erkranken, als Kinder von Müttern, die während ihrer Schwangerschaft in Stadtteilen gelebt hatten, die ihr Wasser aus den anderen Brunnenversorgt erhielten.[6] In der Geschichte der Epidemiologie konnte damit erstmals die vermutliche Ursache für eine Wohnsitz-bezogene Häufung von Krebserkrankungen abgeleitet werden.[7]

Der Skandal diente dem Autor Jonathan Harr als Vorlage für seinen Roman Zivilprozess (Originaltitel: A Civil Action). 1998 wurde der Roman mit John Travolta und Robert Duvall in den Hauptrollen verfilmt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Samuel Sewall: The History of Woburn, Middlesex County, Mass. from the Grant of its Territory to Charlestown, in 1640, to the Year 1680. Wiggin and Lunt, Boston 1868. Digitalisat beim Internet Archive

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Woburn, Massachusetts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 282
  2. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 346
  3. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 345
  4. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 349.
  5. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 345.
  6. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 347.
  7. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 347.