Gewöhnliche Rosskastanie

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Gewöhnliche Rosskastanie

Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Systematik
Malviden (Eurosiden II)
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Unterfamilie: Rosskastaniengewächse (Hippocastanoideae)
Gattung: Rosskastanien (Aesculus)
Art: Gewöhnliche Rosskastanie
Wissenschaftlicher Name
Aesculus hippocastanum
L.

Die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), auch Gemeine Rosskastanie oder Weiße Rosskastanie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rosskastanien (Aesculus) innerhalb der Familie Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Sie ist auf dem Balkan heimisch und in Mitteleuropa verbreitet angepflanzt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Blütenstand

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewöhnliche Rosskastanie wächst als sommergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 30 Metern erreicht. Sie kann ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen. Die Gewöhnliche Rosskastanie ist in der Jugend raschwüchsig und bildet einen kurzen, vollholzigen Stamm mit runder und breiter Baumkrone aus. Alte Bäume erreichen Stammdurchmesser bis zu 1 Meter. Der Stamm ist immer nach rechts drehwüchsig und von einem gelblichweißen, kernlosen Holz. Sie kann einen Nasskern ausbilden. Wie alle Rosskastanien-Arten ist die Gewöhnliche Rosskastanie ein Flachwurzler, mit weitstreichendem, starkem Wurzelwerk. Die Zweige sind dick und bräunlich-grau mit auffallender, fünf- bis neunspuriger Blattnarbe.

Die Borke ist bei jungen Bäumen hell-braun bis braun und glatt, später wird sie manchmal etwas rötlich, und ältere Bäume haben eine grau-braune, gefelderte Borke, deren grobrissige Platten sich aufbiegen und in Schuppen abblättern. Die Knospen sitzen gegenständig, mit einer auffallenden großen und dicken Endknospe, die eikegelig-spitz, mehrschuppig, glänzend und klebrig ist. Die Knospen erscheinen im Herbst.

Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 10 bis 18 Zentimeter lang und rinnig. Die sehr großen Blattspreiten sind fingerförmig zusammengesetzt mit fünf oder sieben Fiederblättern. Die Blattoberseite ist sattgrün, kahl, schwach glänzend und die -unterseite hellgrün mit filzigen Blattadern. Die einzelnen Fiederblätter sind bei einer Länge von 9 bis 18 Zentimetern sowie einer Breite von etwa 10 Zentimetern schmal verkehrt-eiförmig mit fein zugespitztem oberen Ende und doppelt gesägtem Blattrand, sie sind an ihrer Basis keilförmig verschmälert.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht je nach Witterung von April/Mai bis in den Juni. Die Blüten sitzen zu vielen in aufrecht stehenden Thyrsen zusammen, die im Volksmund auch „Kerzen“ genannt werden.

Die weißen, fünfzähligen Blüten haben, solange sie befruchtungsfähig sind, einen gelben Fleck. Nur in dieser Phase wird der zuckerreiche (bis zu 70 %) Nektar produziert.[1] Wenn die Blüten bestäubt wurden, färbt sich der Fleck rot. Das zeigt den Bestäubern, dass in den Blüten mit rotem Fleck nichts mehr an Nektar und Blütenstaub zu holen ist. Pro Staubblatt gibt es eine der höchsten bekannten Pollenkornzahlen: 26 000. Für einen Blütenstand sind es bis zu 42 Millionen.[1]

Der Baum wird mit 10 bis 15 Jahren mannbar. Es werden hellgrüne Kapselfrüchte mit einer dicken, lederigen, bestachelten Hülle gebildet, die im September/Oktober reifen. Die 5 bis 6,5 Zentimeter großen Kapselfrüchte enthalten meist einen, selten bis zu drei, 2 bis 4 Zentimeter große, nussbraune und glänzende, glatte Samen mit einem weißlichen Nabelfleck (Chalaza), die Kastanien, roh sind sie für den Menschen ungenießbar (Siehe: Rosskastanien). Die Rosskastanie zählt zu den Pflanzen, die ihre reifen Früchte mittels der Schwerkraft zu Boden fallen lassen (Barochorie). Beim Aufprall auf den Boden platzen die Kapseln in der Regel auf und entlassen ihre großen Samen, die je nach Bodenlage noch einige Meter weiter rollen. Diese sehr seltene Ausbreitungsform der Diasporen wird auch als Schwerkraftwanderung bezeichnet. Die Früchte keimen im nächsten Frühjahr unterirdisch.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewöhnliche Rosskastanie ist auf der Balkanhalbinsel beheimatet. Ihr Areal ist sehr disjunkt und besteht aus Einzelvorkommen in den Mittelgebirgen Griechenlands, Albaniens und Nordmazedoniens. Die größten Bestände in Griechenland befinden sich in den Distrikten Phthiotis, Evrytania, Thessalien und Epirus. In Albanien befinden sich die natürlichen Vorkommen im Osten des Landes, in Nordmazedonien am Schwarzen Drin und um den Ohridsee im Westen des Landes. In Bulgarien gibt es ein Vorkommen entlang den Flüssen Dervishka und Zourlyova in den Preslav-Bergen, von dem jedoch angenommen wird, dass es sich um eine jahrhundertealte künstliche Begrünung handelt. Hingegen wird ein Vorkommen in Ostbulgarien als natürliches Vorkommen angesehen.[3] Im restlichen Europa wurde die Gewöhnliche Rosskastanie ab 1576 von Konstantinopel (Istanbul) aus eingeführt.

In ihren Standortansprüchen ähnelt die Gewöhnliche Rosskastanie der Hainbuche (Carpinus betulus). Im natürlichen Areal wächst sie in Höhenlagen von 900 bis 1300 Metern, vor allem an schattigen und halbschattigen, frischen bis feuchten Standorten. Sie ist eine mesophytische und lichtbedürftige Art, gedeiht daher auch an sonnigen Standorten. Bezüglich Geologie und Boden ist sie indifferent, kommt jedoch vorwiegend auf tiefgründigen, frischen, basen- sowie stickstoffreichen Böden mit einem neutralen bis alkalischen pH-Wert vor. In Mitteleuropa kommt die Gewöhnliche Rosskastanie in Graubünden bis in Höhenlagen von 1380 Metern und im Engadin bis in 1400 Metern gepflanzt vor.[4]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[5]

Krankheiten und Schädlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gewöhnlichen Rosskastanie sind folgende Krankheiten und Erreger von Bedeutung:

  • Eine Rindenkrankheit, ausgelöst durch das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi, befällt Phloem und Kambium des Baumes. Symptome sind Rinden- und Kambiumnekrosen sowie Schleimfluss am Stamm (Verwechslungsgefahr mit Phytophthora). Während Jungbäume schnell abgetötet werden können, überleben ältere Exemplare in der Regel, sind jedoch durch die Schwächung anfällig für Weißfäuleerreger.
  • Verschiedene Phytophthora-Arten wirken wurzelpathogen und bewirken besonders in Großbritannien Schäden am Wurzelsystem, Rindennekrosen und Schleimfluss am Stamm. Da Phytophthora begeißelte Zoosporen bildet, sind besonders Bäume auf nassen Standorten gefährdet.
  • Guignardia aesculi ist der Erreger der Blattbräune, die in Mitteleuropa seit den 1950er Jahren auftritt. Sie löst vorzeitigen Blattfall aus. Nach der Pilzinfektion im Frühling treten im Juli/August erste Blattnekrosen auf, später rollen sich die Blätter ein.
  • Stammfäule wird vor allem durch Arten der Gattung Lackporlinge (Ganoderma) ausgelöst.

Unter den Insekten sind Vertreter der Gattungen Cerambyx, Anisandrus, Plagionotus und Phymatodes stammbewohnend, Vertreter der Acrometa, Operophthera und Alsophila sind blattfressend.

Wesentliche Bedeutung hat in den letzten Jahren die Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella) erlangt, die in Europa erstmals 1984 beobachtet wurde und sich seit dem ersten Auftreten in Österreich 1989 mit rund 100 km pro Jahr ausbreitet. Durch den Befall der Blätter fallen diese bereits im August ab, wodurch die Bäume bei starkem Befall erheblich geschwächt werden. Man kann bei stark befallenen Kastanien einen Wiederaustrieb und eine erneute Blüte im August/September beobachten („Angstblüte“). Da auch die Rosskastanie nicht in Mitteleuropa heimisch ist, sind Rosskastanie und Miniermotte als Neobiota ein klassischer Studienfall der Invasionsbiologie.

Unter den abiotischen Faktoren ist für die Gewöhnliche Rosskastanie vor allem die Wirkung des winterlichen Auftausalzes von Bedeutung, das in der nächsten Vegetationsperiode zu Blattrandnekrosen und verfrühtem Blattfall führt.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewöhnliche Rosskastanie wird vielfach genutzt, ist jedoch keine wirtschaftlich bedeutende Baumart. Als Holzlieferant hat die Gewöhnliche Rosskastanie keine große Bedeutung.

Klassischer Biergarten im Englischen Garten, München
Blühendes Exemplar in Parkanlage

Nutzung ohne unmittelbare wirtschaftliche Verwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewöhnliche Rosskastanie ist ein beliebter Baum in Erholungsanlagen, als Schattenspender etwa in Biergärten und als Zierbaum. In vielen Ländern wird er auch als Straßenbaum angepflanzt. Ebenfalls als Ziergehölz verwendet wird die Kreuzung aus Gewöhnlicher und Roter Rosskastanie, die Fleischrote Rosskastanie (Aesculus ×carnea).

Die Blüten bilden ausgiebig Nektar und Pollen und sind damit eine gute Bienentrachtpflanze. Die Samen werden auch zur Winterfütterung von Rothirschen, Rehen und anderen Schalenwildarten verwendet.

Kinder basteln aus den Samen Kastanienmännchen.

In Großbritannien und Irland binden Kinder Kastanien für das Spiel Conkers („Kastanien“) an Fäden: Ein Kind lässt seine Kastanie am Faden hängen, während ein zweites Kind seine Kastanie auf die hängende Kastanie schleudert. Wenn eine der Kastanien beim Zusammenprall zerbricht, gewinnt das Kind mit der unbeschädigten Kastanie einen Punkt. Seit 1965 werden jährlich Conkers-Weltmeisterschaften ausgetragen.[6]

Holz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Holz lässt sich gut bearbeiten, reißt bei der Trocknung wenig und lässt sich gut verleimen. Allerdings ist es nicht sehr dauerhaft und wird häufig durch Pilze und Insekten geschädigt. Verarbeitet wird das Holz zu Kisten und als Blindholz für Möbel und Türen. Es kann auch in der Span- und Faserplattenherstellung genutzt werden. Im Falle des häufig auftretenden Drehwuchses ist das Holz für die Weiterverarbeitung nicht so gut zu gebrauchen, da die Festigkeit des Holzes hierunter leidet. Das Holz der Rosskastanie wird nicht in relevantem Umfang industriell genutzt.[7] Allerdings lässt es sich recht gut zu Kaminholz verarbeiten. Ist es gut getrocknet, hinterlässt es beim Verbrennen wenig Rückstände. Die Gefahr von Ablagerungen im Kaminzug ist bei lufttrockenem Holz gering.[8]

Chemie und Wollfärbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Samen werden die Saponine zur Herstellung von Kosmetika, Farben und Schäumen gewonnen, die Stärke wird zu Alkohol und Milchsäure vergoren, die Öle werden zu Seifenpulver verarbeitet.

In den beiden Weltkriegen ließ die britische Regierung Kastanien sammeln, um Aceton zur Herstellung des Sprengstoffs Kordit zu gewinnen.[9]

In früheren Zeiten sind verschiedene Pflanzenteile der Rosskastanie zum Färben von Wolle verwendet worden. Mithilfe der Schalen der Rosskastanie erhält Wolle eine braune Farbe. Die Blätter ergeben je nach Jahreszeit unterschiedliche Farben. Blätter, die Anfang Mai gepflückt werden, ergeben einen rostbeigen Ton. Pflückt man die Blätter im August, erhält man einen honiggelben Farbton.[10] Die tanninhaltige Rinde der Rosskastanie wurde in Italien beim Wollfärben zum Färben eines bräunlichen Gelb verwendet.[11]

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Samen, Borke, Laubblättern und Blüten werden Grundstoffe für die pharmazeutische Industrie gewonnen. Das extrahierbare Wirkstoffgemisch Aescin hat eine gefäßverstärkende, antikoagulierende und entzündungshemmende Wirkung. Die daraus hergestellten Präparate werden beispielsweise gegen Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, Gebärmutter-Blutungen, Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt.

Ein Dekokt der Samen kann als Spülung, Fußbad oder Umschlag gegen geschwollene Beine oder Arme verwendet werden. Dies soll ebenfalls hilfreich bei Couperose und leichten hämorrhoidalen Entzündungen sein.[12]

Die Früchte der Gewöhnlichen Rosskastanie sollen Blutgefäße, insbesondere Venen, stärken und sollen gegen Thrombose, Phlebitis (Venenentzündung), Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt werden. Bei diesen Leiden sowie bei Ulcus cruris (Geschwürbildung an den Beinen) könne Rosskastanienextrakt auch äußerlich angewendet werden.[13]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reste der Fruchtstände nach dem Fallen der Früchte

Die gültige Erstveröffentlichung von Aesculus hippocastanum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 344. Das Artepitheton hippocastanum wurde von Carl von Linné gebildet als gräzisierte Version von älteren Benennungen. Pietro Andrea Mattioli hatte diese Art 1565 Castanea equina genannt, Johann Bauhin Castanea equina folio multifido und Caspar Bauhin Castanea folio multifido.

Die Gewöhnliche Rosskastanie wird innerhalb der Gattung Rosskastanien (Aesculus) zusammen mit der in Japan endemischen Japanischen Rosskastanie (Aesculus turbinata) in die Sektion Aesculus gestellt.[14]

Ausleseformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art Aesculus hippocastanum ist recht vielgestaltig, es wurden zahlreiche Varietäten und Formen beschrieben:[15] Keine davon sind taxonomisch akzeptierte Taxa.

Gärtnerisch gibt es einige Ausleseformen: sogenannte Varietäten mit besonderer Wuchsform sind:

  • Aesculus hippocastanum var. pyramidalis Henry besitzt ein kompakte, schmal pyramidenförmige Krone
  • Aesculus hippocastanum var. pendula Puvill. hat herabhängende Äste.
  • Aesculus hippocastanum var. umbraculifera Jaeg. hat eine dichte, rundliche Krone
  • Aesculus hippocastanum var. pumila Dipp. ist eine Zwergform.

Bei der Blütenfarbe werden Formen unterschieden:

  • Aesculus hippocastanum f. beaumanii (C.K.Schneid.) Dole hat büschelförmig stehende, weiße Blüten.
  • Aesculus hippocastanum f. schirnhoferi Voss hat büschelförmig stehende, gelb-rote Blüten.

Bei der Blattform gibt es die var. laciniata Ler. mit schmaleren Fiederblättern und tief unregelmäßig gesägtem Blattrand.

Bei der Blattfarbe gibt es die Varietäten

  • Aesculus hippocastanum var. albo-variegata West. mit weiß gepunkteten Blättern.
  • Aesculus hippocastanum var. variegata mit kleinen, gelben oder goldgelben Flecken auf den Blättern.
  • Aesculus hippocastanum var. f. aureo-marginata hort. mit gold-gelbem Blattrand.
  • Aesculus hippocastanum var. memmingeri Rehd. mit kleinen, weißen Flecken und Punkten auf den Blättern.

Die Form praecox zeichnet sich durch einen um zwei Wochen früher einsetzenden Austrieb aus.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutschsprachige Trivialname Rosskastanie bezieht sich auf die Edelkastanien-ähnlichen Samen, die von den Osmanen als Pferdefutter und als Heilmittel gegen Pferdehusten mitgeführt wurden und so nach Mitteleuropa gelangten.[16] Dies diente zur Unterscheidung dieser für den Menschen ungenießbaren Samen von den schon länger bekannten, essbaren Edelkastanien.[17]

Darüber hinaus sind oder waren für die Gewöhnliche Rosskastanie, zum Teil auch nur regional, auch folgende Bezeichnungen gebräuchlich: Foppkastanie, Bittere, Gemeine und Wilde Kastanie, Kastandelbom (Schleswig-Holstein), Kastanienbom (Mecklenburg, Weser), Kestebum (Siebenbürgen bei Sighișoara), Wäld Kiestebum (Siebenbürgen bei Sighișoara), Pferdekastanie, Pferdekesten, Rosskesten, Saukastanie und Vexierkastanie.[18]

Abbildung der Rosskastanie in: Carolus Clusius: Rariorum plantarum historia, 1601[19] sowie in den von Georg Handsch bearbeiten Ausgaben der Mattiolischen Dioskurides-Kommentare 1563:[20] und 1586:[21]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einfuhr nach Wien im 16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rosskastanie scheint den antiken Autoren nicht bekannt gewesen zu sein, obwohl die Art in den Gebirgen Griechenlands wächst. Sie gelangte mit den Osmanen, die sie als Pferdefutter nutzten, nach Mitteleuropa. Der erste Bericht stammt vom kaiserlichen Gesandten Busbecq aus Konstantinopel 1557. Der kaiserliche Gesandte David I. Ungnad von Weißenwolff brachte die Pflanze 1576 nach Wien, wo sie von Carolus Clusius angepflanzt wurde. Clusius sorgte durch den Versand der Samen für eine Verbreitung in ganz Europa.

Die Rosskastanie wurde rasch zu einem Modebaum, zunächst in fürstlichen Parks und Alleen.[22][23] Ab dem 18. Jahrhundert wurde sie verbreitet als Alleebaum gepflanzt.[24] Im 19. Jahrhundert wurde sie in Deutschland sehr häufig in den neu entstehenden Volksgärten gepflanzt. So wurde sie zu einem „Charakterbaum der städtischen Grünanlagen“.[25] Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die gesamten in Europa angepflanzten Kulturbäume der Gewöhnlichen Rosskastanien von den 1576 nach Wien mitgebrachten Samen abstammen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurde die Gewöhnliche Rosskastanie zum Baum des Jahres 2005 gewählt. Ein wichtiger Grund für diese Entscheidung war die Gefährdung der Baumart durch die Rosskastanienminiermotte. Durch eine erhöhte Aufmerksamkeit für dieses Problem erhofft man sich schnellere Forschungserfolge für die Rettung der Bäume.[26]

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg kürte die Gewöhnliche Rosskastanie zur Arzneipflanze des Jahres 2008.[27]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olaf Schmidt et al.: Beiträge zur Rosskastanie. Herausgegeben von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LFW). Bayerische Staatsforstverwaltung; Zentrum Wald-Forst-Holz, Weihenstephan und Freising 2005.
  • A. H. Alexandrov: Aesculus hippocastanum. In: Peter Schütt, Horst Weisgerber, Hans J. Schuck, Lang, Stimm, Andreas Roloff: Enzyklopädie der Laubbäume. Nikol, Hamburg 2006, ISBN 978-3-937872-39-1, S. 65–73. (Abschnitte Verbreitung, Nutzung, Krankheiten)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus_hippocastanum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch. 5. Auflage, Quelle und Meyer, 1994, ISBN 978-3-494-01229-2.
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 648.
  3. David C Lees et al.: Tracking origins of invasive herbivores through herbaria and archival DNA: the case of the horse-chestnut leaf miner. In: Frontiers in Ecology and the Environment. Online-Veröffentlichung 2011, doi:10.1890/100098.
  4. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 1: Angiospermae: Dicotyledones 3 (1) (Linaceae – Violaceae). Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1966, ISBN 3-489-72021-0, S. 301–306 (unveränderter Nachdruck von 1925 mit Nachtrag).
  5. Aesculus hippocastanum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 22. Oktober 2022.
  6. World Conker Championships (englisch)
  7. Aesculus hippocastanum – Die Rosskastanie. Abgerufen am 21. Oktober 2020.
  8. Kastanie als Kaminholz kaufen. Abgerufen am 21. Oktober 2020.
  9. Conkers – collected for use in two world wars. In: Making history. BBC. Abgerufen am 27. September 2014.Vorlage:Cite web/temporär
  10. E. Prinz: „Färberpflanzen – Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin“ Verlag Schweizerbart, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-510-65258-7, S. 55.
  11. E. Prinz: Färberpflanzen – Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin. Verlag Schweizerbart, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-510-65258-7, S. 53.
  12. Die Große Enzyklopädie der Heilpflanzen – Ihre Anwendung und ihre natürliche Heilkraft. Übersetzung aus dem Italienischen von Walter Wurzer. 1994, ISBN 3-7043-9002-X, S. 47.
  13. David Hoffmann: Natürlich gesund – Kräutermedizin. Über 200 Kräuter und Heilpflanzen und ihre Wirkung auf die Gesundheit. Hrsg.: Element Books. 1. Auflage. Element Books, Shaftesbury, England, Vereinigtes Königreich 1996, Teil Drei: Das Pflanzenverzeichnis, S. 54 (256 S., englisch: The Complete Illustrated Holistic Herbal. Shaftesbury, England 1996. Übersetzt von Mosaik Verlag).
  14. James W. Hardin: Studies in the Hippocastanaceae V. Species of the Old World. In: Brittonia, Band 12, 1960, S. 26–38.
  15. A. H. Alexandrov: Aesculus hippocastanum. In: Schütt, Weisgerber, Schuck, Lang, Stimm, Roloff: Enzyklopädie der Laubbäume. Nikol, Hamburg 2006, ISBN 978-3-937872-39-1, S. 65–73.
  16. Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6.
  17. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, ISBN 3-7643-2390-6, S. 42 (Nachdruck ISBN 3-937872-16-7).
  18. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, S. 12. eingescannt.
  19. Frühere Abbildung bei Clusius in der Ausgabe von 1583: (Digitalisat), im Dioskurides-Kommentar des Pietro Andrea Mattioli von 1573: (Digitalisat)
  20. (Digitalisat)
  21. (Digitalisat)
  22. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, ISBN 3-7643-2390-6, S. 289 (Nachdruck ISBN 3-937872-16-7).
  23. Alexander Demandt: Über allen Wipfeln. Der Baum in der Kulturgeschichte. Albatros, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96140-8.
  24. Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Von der Eiszeit bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-45357-0, S. 302.
  25. Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Von der Eiszeit bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-45357-0, S. 331 f.
  26. Die Rosskastanie – Baum des Jahres 2005 (Memento des Originals vom 30. Januar 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.baum-des-jahres.de
  27. Arzneipflanze des Jahres 2008