Allendorf (Greifenstein)

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50.5733338.292778198Koordinaten: 50° 34′ 24″ N, 8° 17′ 34″ O

Allendorf
Gemeinde Greifenstein
Höhe: 198 m
Fläche: 7,8 km²
Einwohner: 1309 (30. Jun. 2010)
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Eingemeindet nach: Ulmtal
Postleitzahl: 35753
Vorwahlen: 06473, 06478
Allendorf (Hessen)
Allendorf

Lage von Allendorf in Hessen

Allendorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Greifenstein im Lahn-Dill-Kreis in Mittelhessen.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort liegt am unteren Ulmbach, am Südrand des Westerwaldes, rund 17 Kilometer westlich der Kreisstadt Wetzlar und circa 10 Kilometer östlich der Stadt Weilburg.

Weitere Städte in der Umgebung sind Braunfels (etwa 10 Kilometer südlich), Herborn (rund 20 Kilometer nördlich) und Limburg an der Lahn (ca. 30 km südwestlich). Bis nach Frankfurt am Main sind es etwa 80 Kilometer.

Der Ort liegt zwischen etwa 200–411 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Allendorf grenzt im Norden an Rodenroth und Holzhausen, im Nordosten an Ulm (alle Gemeinde Greifenstein), im Süden an die Leuner Stadtteile Bissenberg und Biskirchen, sowie am Westen an die Dörfer Obershausen und Niedershausen der Gemeinde Löhnberg im Landkreis Limburg-Weilburg

Allendorf (Greifenstein) - Evangelische Kirche und Dorfbrunnen

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des Ortes beginnt mit der urkundlichen Erwähnung im Jahre 774 n.Chr im Lorscher Kodex. Man geht jedoch davon aus, dass schon in vorchristlicher Zeit Menschen die Gegend um Allendorf besiedelten, vor allem die Germanen und Kelten.

Im Laufe der Jahre wuchs Allendorf heran. Im 14. Jahrhundert kam die Pest auch nach Allendorf. Die Bevölkerungszahl der umliegenden Siedlungen sank rapide, man beschloss die Siedlungen aufzugeben und zog in das Dorf. Daher soll auch der Name Allendorf stammen, abgeleitet von Alle ein Dorf. Infolge des 30-jährigen Krieges musste die Bevölkerung 1626 erneut den katholischen Glauben annehmen, nachdem sich man sich erst am 3. Januar 1549 zum Evangelium bekannt hatte. 1631 wurde Allendorf sowie die umliegenden Gemeinden infolge der schwedischen Besatzung erneut und endgültig evangelisch.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress abgeschlossenen Verträge wurde Allendorf 1815 preußisch, direkt am Dorf verlief die Grenze zu Nassau. Bis zur Auflösung der preußischen Exklave des Kreises Wetzlar am 30. September 1932 war Allendorf preußisch.

Anfang der 1920er Jahre wurde die Ulmtalbahn von Stockhausen nach Beilstein über Allendorf gebaut, um die Rohstoffe aus dem Ulmtal abzutransportieren. Nach Beendigung des regelmäßigen Güterverkehrs 1988 wurde die Ulmtalbahn stillgelegt und kurz darauf abgebaut. Heute wird auf der Trasse ein Radweg gebaut. Allerdings verlief bereits 1916 - der Bau erfolge bereits in den Vorjahren - eine rund 5 Kilometer lange Schmalspurbahn von Allendorf direkt am Ulmbach entlang nach Stockhausen um das Eisenerz von einigen Gruben zur Lahntalbahn zu befördern.

1934 wurde Allendorf eine eigenständige Gemeinde im Kreis Wetzlar.

Im Zweiten Weltkrieg kehrten 75 junge Männer nicht mehr in die Heimat (bei einer Bevölkerungszahl von nicht mal 500) zurück. An sie soll heute eine Gedenkwand am Friedhof in Allendorf erinnern. In der Nachkriegszeit fanden Familien aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien im Ort ein neues Zuhause.

Mitte der 1970er Jahre war Allendorf ein staatlich anerkannter Erholungsort und zog vorwiegend Touristen aus dem Ruhrgebiet an. Dieser Titel musste Ende der 1970er Jahre auf Grund sinkender Übernachtungszahlen wieder abgegeben werden.

Allendorf in der Gemeinde Ulmtal[Bearbeiten]

Am 1. Februar 1971 schloss sich Allendorf im Rahmen der Gebietsreform in Hessen mit Ulm und Holzhausen freiwillig zur Gemeinde Ulmtal im Landkreis Wetzlar zusammen[1], welche am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen mit Greifenstein und weiteren Gemeinden zur Gemeinde Greifenstein zusammengeschlossen wurde[2][3] – trotz der Proteste der Bürger vor dem Landtag in Wiesbaden. Die Gemeinde Ulmtal und somit auch Allendorf sollte ursprünglich der Stadt Leun angegliedert werden, dagegen entschied sich jedoch der Landtag von Hessen in seiner letzten Sitzung vor der Gebietsreform. Konsequenz war, dass sich viele Mitglieder der SPD von ihrer Partei verraten fühlten und diese knapp 30 Mitglieder in Allendorf (davon sieben aus der damaligen Gemeindevertretung) verlor.

Allendorf heute[Bearbeiten]

Seit etwa 10 Jahren hat sich die Einwohnerzahl von Allendorf auf ca. 1.200 stabilisiert. Gemeinsam mit den Greifensteiner Ortsteilen Holzhausen und Ulm bildet Allendorf die Region Ulmtal, den wirtschaftlichen Schwerpunkt der Gemeinde Greifenstein. Allendorf besitzt zusammen mit Holzhausen die geringste Auspendlerquote in Greifenstein, das sich allgemein zu einer Arbeiterwohnsitzgemeinde wandelt. Das liegt daran, dass in Allendorf im Gegensatz zu den anderen Ortsteilen noch metallverarbeitende Betriebe, eine Bauunternehmung, Handwerks- und Handelsbetriebe, ein Ton-Tagebau sowie ein Musik- und Tonstudio angesiedelt sind. Geschäfte des täglichen Bedarfs sowie ärztliche Versorgung sind vorhanden.

2002 wurde ein naturverbundener Freizeitpark, das „Outdoor Zentrum Lahntal“, eröffnet, der von zahlreichen Familien aus ganz Hessen besucht wird.

2006 war der Ort unter der Leitung des MGV Harmonie Allendorf Ausrichter des 15. Allendorfer Chöretreffen, wo Chöre aus ganz Deutschland zusammenkamen. Das Ereignis fand bereits 1999 in Allendorf statt und wiederholte sich 2011.

Allendorf liegt am derzeit gebauten Ulmtalradweg.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In Allendorf befindet sich seit den 1970er Jahren ein Kindergarten - Träger ist die Gemeinde Greifenstein.

Schon seit dem vorletzten Jahrhundert ist Allendorf Standort einer Schule, seit den 1960er Jahren nur noch der Grundschule. Weiterführende Schulen befinden sich in Ehringshausen, Weilburg und Wetzlar. Des Weiteren befindet sich in Allendorf eine evangelische- und eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, sowie eine Evangelische Gemeinschaft. Außerdem gibt es ein reges Vereinsleben, so z.B. einen Frauenchor, einen Deutschen Teckelclub, einen Heimat- und Geschichtsverein, einen VdK, einen Tennisclub sowie einen Sportverein.

1974 wurde die Ulmtalhalle eingeweiht, eine Mehrzweckhalle, die bis zu 600 Personen Platz bietet und somit eine der größten Mehrzweckhallen in der Region ist. Das Alte Rathaus in der Dorfmitte wurde in den 1990er Jahren umfassend saniert und beherbergt heute einen Gemeinschaftsraum, mehrere einzelne Vereinsräume und den Jugendraum.

Seit 1928 gibt es in Allendorf eine Freiwillige Feuerwehr.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Allendorf weist für seine relativ kleine Größe gleich mehrere nennenswerte Sehenswürdigkeiten auf. Zum einen befindet sich südlich von Allendorf das OutdoorCenter Lahntal, ein naturverbundener Freizeitpark. Zum anderen gibt es in Allendorf die viertgrößte Fledermauswochenstube (Großes Mausohr) in Hessen. Mit Zuschüssen des Landes Hessen und des Lahn-Dill-Kreises wurde hier das Quartier gesichert und es entsteht hier im Fledermaushaus ein Fledermaus-Informations-Zentrum.[4]

Kulturdenkmäler in Allendorf[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)[Bearbeiten]

Allendorf ist durch die Buslinie 125 an den Nahverkehr in Wetzlar angeschlossen, ebenso existiert eine Busverbindung nach Solms (Linie 120) und Ehringshausen (Linie 204). Während die Linie 120 fast ausschließlich im Schülerverkehr verkehrt und es während den schulfreien Zeiten nur einzelne Fahrten gibt, verkehren die Linien 125 und 204 weitestgehend im Stundentakt. Samstags besteht auf der Linie 125 eine ganztägige Anbindung, sonntags verkehrt jedoch wegen zu geringer Nachfrage kein Bus mehr.

Auf Allendorfer Gebiet werden aktuell 3 Haltestellen angefahren:

  • Allendorf an der Ulm - Ort 120 125
  • Allendorf - OutdoorCenter 120 125
  • Allendorf - Schule 120 204

Die Haltestelle Allendorf-Kindergarten wird seit Ende 2008 nicht mehr im ÖPNV bedient.

Straße[Bearbeiten]

Allendorf ist über die BAB 45 über die Anschlussstellen Ehringshausen und Wetzlar-Ost und über die BAB 480 mit der Anschlussstelle Aßlar in kurzer Zeit zu erreichen. Ca. 4 km südlich von Allendorf befindet sich die Bundesstraße 49, welche eine schnelle Verbindung nach Wetzlar, Gießen, Limburg an der Lahn und Weilburg darstellt.

Verkehrsplanung[Bearbeiten]

Die Planung für den Ausbau der BAB 480 sieht etwa 2 Kilometer südlich von Allendorf die Anschlussstelle Ulmtal-Allendorf, bzw. heute Greifenstein-Allendorf oder Biskirchen/Allendorf vor. Eine Umgehungsstraße um die Ortsmitte ist seit den 1970er Jahren immer wieder ein Thema, da gerade der Schwerverkehr in Allendorf zunimmt. Bis jetzt konnte jedoch nur ein Teilstück realisiert werden.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 380.
  2. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 293
  4. Stiftung Hessischer Naturschutz, Stand: 12. Januar 2010