Atos SE

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Atos SE
Logo
Rechtsform Societas Europaea
ISIN FR0000051732
Gründung 1997
Sitz Bezons nahe Paris,
FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Thierry Breton (CEO)
Mitarbeiter 100.000 (08.02.2017)
Umsatz 11,7 Mrd EUR (2016)[1]
Branche Informationstechnik
Unternehmensberater
Website de.atos.net

Die Atos SE (ehemals Atos Origin) ist ein börsennotierter französischer IT-Dienstleister mit Hauptsitz in Bezons bei Paris und München. Das Unternehmen hat weltweit ca. 100.000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von rund 12 Milliarden Euro. Zu den Geschäftsfeldern des Unternehmens gehören Zahlungstransaktionen, Beratungs- und Technologieservices, Systemintegration sowie Outsourcing-Dienstleistungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Logo

Atos Origin entstand durch die Fusion der französischen Firma Atos mit der niederländischen Firma Origin im Jahr 2000.[2] Das Unternehmen wuchs stetig, zum einen durch Akquisitionen, zum anderen durch Outsourcingvereinbarungen mit Personal- und Technologietransfers. Im Jahr 2002 entstand aus der Übernahme des Beratungsgeschäfts von KPMG in Großbritannien und den Niederlanden die Firma Atos Consulting. Damit sicherte sich der Konzern ein starkes Standbein im Beratungssegment des IT-Marktes.

2004 übernahm Atos die IT-Sparte von Karstadt; diese machte damals einen Jahresumsatz von etwa 1,2 Mrd. Euro.[3]

Im Januar 2004 erwarb Atos Origin von Schlumberger die Sema-Gruppe und formte damit eines der größten europäischen Unternehmen für IT-Dienstleistungen. Zum Zeitpunkt der Akquisition hatte Sema 20.000 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von rund 2,4 Milliarden Euro. Atos Origin erwirtschaftete 2003 mit 26.500 Beschäftigten einen Jahresumsatz von über 3 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 erzielte Atos Origin mit über 48.000 Beschäftigten einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro.[4]

Am 14. Dezember 2010 gab Atos Origin den Kauf der Siemens-Sparte Siemens IT Solutions and Services (kurz SIS) bekannt.[5] Der Verkauf wurde am 1. Juli 2011 nach Zustimmung der Atos-Aktionäre vollzogen. Zuletzt hatte die SIS einen Umsatz von 3,7 Milliarden mit rund 31.000 Mitarbeitern weltweit erwirtschaftet.[6] Siemens wurde durch die Transaktion größter Aktionär von Atos und hält etwa 15 % der Anteile. Der Kauf von SIS kostete Atos Origin 850 Millionen Euro; davon wurden 186 Millionen Euro bar ausbezahlt und der übrige Teil in Form von Wandelanleihen und Aktien transferiert. Weltweit beschäftigte das vereinte Unternehmen 2015 ca. 100.000 Mitarbeiter in 72 Ländern und erzielte einen Umsatz von rund 12 Milliarden Euro.[7] Atos war damit 2015 der zweitgrößte IT-Service-Provider in Europa.[6] Nach der Übernahme der ehemaligen IT-Sparte von Siemens strich man „Origin“ aus dem Unternehmensnamen und firmiert seit dem 1. Juli 2011 unter dem Namen Atos.

Weitere große Übernahmen waren danach die Übernahme des Cloud-Dienstleisters Canopy, der Firma Bull und seit dem 1. Juli 2015 der IT-Sparte von XEROX (Xerox ITO).

Am 20. Januar 2016 hat Atos Unify von Gores und Siemens übernommen (ehemals Siemens Enterprise Communications SEN).

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrale der Atos IT Solutions and Services GmbH in Wien (Juli 2017)

Atos ist weltweit in 73 Ländern vertreten. Der Hauptsitz der Firma liegt in Bezons bei Paris und München.

In Deutschland gibt es neben den Geschäftssitzen in München und Essen[8] Standorte in Berlin, Frankfurt, Fürth, Düsseldorf, Hamburg, Essen, Köln, Meppen, Paderborn und Stuttgart.

Die Tochter Atos IT Solutions and Services Austria gilt in Österreich als Branchenführer.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großbritannien hat sich die Atos Healthcare Division Kritik für ihre Umsetzung der Arbeitsfähigkeitsbewertung von Menschen mit Behinderungen im Auftrag des britischen Department for Work and Pensions zugezogen. Die Kritik kommt von Medien, der Ärzteschaft und Protestgruppen. Selbst ein Regierungsbericht nannte die Atos-Tests zur Feststellung von Arbeitsunfähigkeit im Juli 2012 „fehlerhaft“.[9][10]

In Deutschland ist Atos seitens der Bundesrechtsanwaltskammer mit der Erstellung des Besonderen elektronischen Anwaltspostfachs betraut[11]. Nach Hinweis durch den Chaos Computer Club Darmstadt auf nachweisliche Verstöße gegen die Regeln der Zertifizierungsstelle T-Systems erklärte diese die eingesetzten Zertifikate für ungültig; beA wurde am 22. Dezember 2017 für temporär funktionsunfähig erklärt. Es folgte die Veröffentlichung einer Anleitung zur Installation eines selbstsignierten Wurzelzertifikates; bereits bestehende Sicherheitslücken wurden so vergrößert. Nach Widerruf der veröffentlichten Anleitung und der dringenden Empfehlung, die vorgenommenen Änderungen rückgängig zu machen, gab die Bundesrechtsanwaltskammer am 27. Dezember 2017 eine Pressemitteilung[12] heraus, welche die Vorkommnisse und die Funktionsunfähigkeit des beA thematisierte. Die Presse griff den Vorfall auf[13]; in den sozialen Medien erntete der Dienstleister Atos teils herbe Kritik durch die Anwaltschaft.[14][15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atos SE – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 2016 record results. Atos SE. Abgerufen am 22. Dezember 2017.
  2. Company History / Historique du Groupe. Atos, abgerufen am 26. Februar 2012 (französisch).
  3. Rheinische Post 6. November 2012 (S. B3): Krach bei Olympia-Dienstleister Atos
  4. Über Uns - Unternehmensprofil - Geschichte. Atos, abgerufen am 26. Februar 2012.
  5. tagesschau.de: „Siemens gibt SIS an Atos Origin ab“ (vom 14. Dezember 2010 23:22 Uhr)
  6. a b Jürgen Maurer: Die Geschichte von Atos und SIS. computerwoche, 10. Januar 2012, abgerufen am 16. Februar 2012.
  7. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen ÜberUns.
  8. Atos: Atos Standorte in Deutschland. In: Deutschland - Atos. Atos, 9. Juli 2018, abgerufen am 9. Juli 2018.
  9. Bernd Kling: IT-Dienstleister und Paralympics-Sponsor Atos in der Kritik. In: ZDNet.de. 31. August 2012, abgerufen am 20. Mai 2013.
  10. Sophie Hutchinson: Disability benefit assessments 'unfair', says ex-worker. In: BBC News. 16. Mai 2013, abgerufen am 20. Mai 2013 (englisch).
  11. LTO: BRAK: Atos realisiert elektronische Anwaltspostfächer. In: Legal Tribune Online. (lto.de [abgerufen am 29. Dezember 2017]).
  12. ckaschel: Bundesrechtsanwaltskammer ~ Presseerklärung 15/2017. Abgerufen am 29. Dezember 2017 (deutsch).
  13. Markus Böhm, Judith Horchert: Posse um Anwaltspostfach: Und plötzlich doch ein Dankeschön. In: Spiegel Online. 29. Dezember 2017 (spiegel.de [abgerufen am 29. Dezember 2017]).
  14. Hashtag #beaGate auf Twitter. Abgerufen am 29. Dezember 2017.
  15. Atos Deutschland. Abgerufen am 29. Dezember 2017.

Koordinaten: 48° 55′ 29″ N, 2° 13′ 28,2″ O