Paralympische Spiele

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Die Paralympischen Spiele, auch Paralympics (engl. [ˌpærəˈlɪmpɪks]) genannt, sind die an die Idee der Olympischen Spiele angelehnten globalen Sportwettbewerbe für Sportler mit Behinderung.

Die Paralympics, organisiert vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC), sind aufgeteilt in Paralympische Sommerspiele und Paralympische Winterspiele. Die jeweiligen Spiele des Sommers und des Winters finden turnusmäßig an denselben Orten alle vier Jahre direkt im Anschluss an die Olympischen Sommerspiele bzw. die Olympischen Winterspiele statt.

Als paralympisch anerkannte Sportarten und deren Startklassen werden weltweit einheitlich anerkannt, klassifiziert und in Meisterschaften für Sportler auf Welt- und Kontinentalebene organisiert.

Der Begriff „Paralympics“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Paralympics“ wurde zunächst als Zusammensetzung der Wörter Paraplegic (engl.: gelähmt) und Olympic geschaffen. Um ihn auch auf Menschen mit anderen Behinderungsarten zu erweitern, wurde die Wortbildung neu definiert und wird jetzt auf die griechischen Worte Para (neben) und Olympics zurückgeführt, um die Nähe zur olympischen Bewegung und das Nebeneinander der Spiele auszudrücken.[1] Er wird offiziell zum ersten Mal 1988 bei den Olympischen Spielen in Korea verwendet. Vorher waren „Weltspiele der Gelähmten“, „Olympiade der Behinderten“ oder „Weltspiele der Behinderten“ üblich.

Öffentliches Interesse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paralympics standen viele Jahre lang im Verhältnis zu den Olympischen Spielen weit weniger in der öffentlichen Wahrnehmung; die Medien berichteten oft nur von einzelnen Leistungen. Live-Übertragungen der zahlreichen Veranstaltungen fanden nur einen sehr kleinen Interessentenkreis und werden – wenn überhaupt – der Nachfrage entsprechend an untergeordneten Sendeplätzen bzw. Sendezeiten ausgestrahlt. Die Paralympischen Spiele 2012 in London wurden in Deutschland medial stark beachtet und mit zahlreichen Übertragungen auch zu den Hauptsendezeiten den Olympischen Spielen angenähert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948 begannen in Aylesbury (England) die ersten Sportspiele für Rollstuhlfahrer, die sogenannten Stoke Mandeville Games, am selben Tag wie die Olympischen Spiele von London. Der deutschstämmige Neurologe Sir Ludwig Guttmann hatte sie initiiert, um die Wettkämpfe der Menschen mit Behinderung mit den Spielen der Nichtbehinderten zu verbinden. An den Stoke Mandeville Games nahmen 14 kriegsversehrte Männer und Frauen mit Rückenmarksverletzungen teil. Die Teilnehmer maßen ihre Fertigkeiten im Bogenschießen.[2]

1960 fanden die ersten „Weltspiele der Gelähmten“ in Rom statt, aber nicht mehr parallel zu den Olympischen Sommerspielen, sondern wenige Wochen später. Seitdem finden die Paralympics alle vier Jahre statt, immer im selben Jahr wie die Olympischen Spiele. 1976 kamen auch Paralympische Winterspiele hinzu, die ersten Winter-Paralympics wurden in Schweden ausgetragen.

1984 weigerte sich das kommerzielle Organisationsteam der Olympischen Sommerspiele von Los Angeles, die „International Games for Disabled“ durchzuführen. Begründung war, dass dies „nicht in das professionelle Image der Spiele von LA passe“. Daraufhin bot sich die Chicagoer Vorortgemeinde Champagne an, die Veranstaltung durchzuführen. Wenige Monate vor der geplanten Eröffnungsfeier gab die Gemeinde die Spiele zurück mit der Begründung, es fehlen 100.000 $ zur Deckung der Kosten. Daraufhin wurden die Spiele geteilt. Die Gelähmten trugen ihre Wettkämpfe letztmals im britischen Stoke Mandeville aus. Alle anderen körperlich Behinderten wurden frenetisch von den stolzen Bürgern der New Yorker Long-Island-Gemeinde Hempstead gefeiert. Die dortige Hofstra University sammelte innerhalb von zwei Stunden die benötigten Gelder ein und organisierte die Spiele.

Die Verantwortung für die Organisation und Entwicklung der Behinderten-Spiele ging 1989 auf das Internationale Paralympische Komitee (IPC) über, das in Düsseldorf gegründet wurde und seinen Sitz in Bonn hat.

Seit den Sommer-Paralympics 1988 finden die Spiele regelmäßig am selben Ort wie die Olympischen Spiele statt. In einem am 19. Juni 1991 geschlossenen Abkommen zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee und dem IPC wurde diese Praxis für alle Spiele ab den Sommer-Paralympics 1992 festgeschrieben.

Bei den Sommerspielen 1996 kam es jedoch trotz dieser Vereinbarung zu einer Blamage für die USA: Die Organisatoren in Atlanta ließen nach den Olympics die Einrichtungen bereits abbauen, so dass die Paralympics quasi in Ruinen stattfanden.

Seit der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 müssen Städte in ihren Bewerbungen auch die Ausrichtung der Paralympics miteinbeziehen, welche dann vom selben lokalen Organisationskomitee wie die Olympischen Spiele koordiniert werden. Die Paralympics beginnen entsprechend dieser Vereinbarung immer in der dritten Woche nach Ende der Olympischen Spiele.[3]

Nicht alle Sportarten und Wettbewerbe für Behinderte sind trotz des Wachstums der paralympischen Bewegung paralympisch, traditionell eigenständig agieren zum Beispiel die Deaflympics für Gehörlose und die Special Olympics für Menschen mit kognitiver Behinderung.

Paralympische Symbole[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paralympischer Eid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der paralympische Eid ist das bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele von einem aktiven Sportler des gastgebenden Landes und einem Kampfrichter abgegebene Versprechen, den Fair-Play/Fairness-Gedanken zu beachten. Seit den Sommer-Paralympics 1972 in Heidelberg wird der Eid auch von einem Kampfrichter und seit den Sommer-Paralympics 2012 in London auch von einem Trainer gesprochen. Der Eid unterscheidet sich nicht vom Olympischen Eid, jedoch wird das Wort olympisch durch paralympisch ersetzt.

Die aktuelle Fassung lautet:

„Im Namen aller Athleten verspreche ich, dass wir an den Paralympischen Spielen teilnehmen und dabei die gültigen Regeln respektieren und befolgen und uns dabei einem Sport ohne Doping und ohne Drogen verpflichten, im wahren Geist der Sportlichkeit, für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaft.“

Paralympischer Fackellauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der paralympische Fackellauf ist eine Eröffnungszeremonie der Paralympischen Spiele in der Neuzeit. Er ist das paralympische Pendant zum olympischen Fackellauf, der seinen Ursprung im olympischen Feuer der griechische Antike; das Feuer wurde zu Ehren der Göttin Hestia entzündet.

Bis 2010 durfte das Gastgeberland die Art und den Ort des Entzündens selbst entscheiden. Seit den Sommer-Paralympics 2012 in London hat sich dies geändert. Seitdem wird die olympische Fackel in Stoke Mandeville, dem Gründungsort der paralympischen Bewegung und dem Austragungsort des Vorgängers der Paralympischen Spiele, entzündet. Zu diesem Zweck wurde dort eine Armillarsphäre gebaut, durch die ein Rollstuhlfahrer Funken erzeugen kann.

Die Fackel des paralympischen Fackellaufs ist baugleich mit der Fackel des olympischen Fackellaufs, jedoch ist der Griff der Fackel himmelblau anstelle von rot.[4]

Logos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1987 führte das IPC das Logo der Olympischen Spiele. Nachdem das IOC auf seine Exklusivrechte auf die olympischen Ringe pochte, musste das IPC auf ein alternatives Logo ausweichen: Fünf Tränen in gleicher Farbe und Anordnung, wie die olympischen Ringe. Später legte das IOC auch gegen dieses Logo Einspruch ein, weil dieses den olympischen Ringen zu sehr ähnelt. Darauf wurde die Zahl der Tränen auf drei verringert. Völlig freiwillig führte das IPC im Jahre 2004 das heutige Logo mit den drei farbigen Bögen ein.

Austragungsorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarke der Deutschen Bundespost (1972) zu den Weltspielen der Gelähmten 1972 in Heidelberg

Sommerspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1988 finden die Paralympischen Sommerspiele am gleichen Austragungsort statt wie die Olympischen Sommerspiele.

Jahr Austragungsort
1960 ItalienItalien Rom
1964 JapanJapan Tokio
1968 IsraelIsrael Tel Aviv
1972 DeutschlandDeutschland Heidelberg
1976 KanadaKanada Toronto
1980 NiederlandeNiederlande Arnheim
1984 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Stoke Mandeville
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Hempstead, New York
1988 Korea SudSüdkorea Seoul
1992 SpanienSpanien Barcelona
1996 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Atlanta
2000 AustralienAustralien Sydney
2004 GriechenlandGriechenland Athen
2008 China VolksrepublikVolksrepublik China Peking
2012 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich London
2016 BrasilienBrasilien Rio de Janeiro
2020 JapanJapan Tokio

Winterspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 finden die Paralympischen Winterspiele am gleichen Austragungsort statt wie die Olympischen Winterspiele.

Jahr Austragungsort
1976 SchwedenSchweden Örnsköldsvik
1980 NorwegenNorwegen Geilo
1984 OsterreichÖsterreich Innsbruck
1988 OsterreichÖsterreich Innsbruck
1992 FrankreichFrankreich Albertville-Tignes
1994 NorwegenNorwegen Lillehammer
1998 JapanJapan Nagano
2002 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Salt Lake City
2006 ItalienItalien Turin
2010 KanadaKanada Vancouver
2014 RusslandRussland Sotschi
2018 Korea SudSüdkorea Pyeongchang
2022 China VolksrepublikVolksrepublik China Peking

Sportarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Paralympischen Sommerspielen und bei Paralympischen Winterspielen stehen insgesamt 28 Sportarten im Programm, davon 22 im Sommer und 6 im Winter.[5]

Paralympische Sommerspiele:

Paralympische Winterspiele:

Teilnahmeberechtigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beeinträchtigungskategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An paralympischen Wettbewerben sind nur Athleten teilnahmeberechtigt, die mindestens eine der folgenden 10 Beeinträchtigungskategorien dauerhaft aufweisen:[5]

Auch Beeinträchtigungen wie Cerebralparese, Querschnittlähmung und Spastik sind über die genannten 10 Kategorien abgedeckt. Manche der paralympischen Sportarten sind für alle Behinderungskategorien offen, andere nur für ausgewählte. Nicht teilnahmeberechtigt sind Gehörlose und Organtransplantierte, da diese Gruppen über ihre eigenen Weltspiele, die Deaflympics und die World Transplant Games, verfügen.

Zulassung intellektuell beeinträchtigter Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zulassung von intellektuell Beeinträchtigten ist bei den Paralympischen Spielen eher marginal und nicht bei jeder Sportart möglich. Anders und deutlich umfangreicher und mit dem Schwerpunkt auf Inklusion und Förderung als mit dem paralympischen Gedanken an sportlichen Wettbewerb werden dagegen die Special Olympics für geistig Behinderte veranstaltet.

Zu den paralympischen Spielen 2004 in Athen und 2008 in Peking wurden Menschen mit geistiger Behinderung überhaupt nicht zugelassen, nachdem im Jahr 2000 in Sydney die spanische Basketballmannschaft mehrheitlich mit nicht behinderten Sportlern angetreten war. Insgesamt musste Spanien nach den Paralympics 2000 fünf Goldmedaillen wieder abgeben. Für die Spiele 2012 in London und 2016 in Rio hatte das internationale paralympische Komitee Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen dagegen wieder für Wettbewerbe zugelassen.[8]

Klassifizierung von Sportlern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden die Sportler zunächst in einer der 10 unterschiedlichen Behinderungskategorien eingeteilt, die international anerkannt sind („Klassifizierung“). Dabei werden die Art der Behinderung und ihre Auswirkung auf die Ausübung einer jeweiligen Sportart berücksichtigt. Innerhalb der einzelnen Behinderungskategorien werden die Athleten nach einer individuellen Prüfung in Startklassen der paralympischen Sportarten eingeordnet, die je nach paralympischer Sportart und je nach Behinderungskategorie sehr unterschiedlich sein können. Die Einteilung in Kategorien und Startklassen ist die Grundlage für faire Wettkämpfe, da sich ähnliche Behinderungen auf die funktionellen Fähigkeiten und Voraussetzungen der Sportler hinsichtlich einer Sportart unterschiedlich auswirken. Klassifizierungen und die Einordnung in Startklassen sollen Leistungen im Sinne der Chancengleichheit untereinander vergleichbar machen, so dass einzig und allein die individuellen Fähigkeiten, Kraft, Fitness, Ausdauer, taktisches und strategisches Geschick sowie mentale Stärke über den Erfolg in Leistungswettbewerben entscheiden.

Weitere Sportwettkämpfe für Menschen mit Behinderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • P. David Howe: The Cultural Politics of the Paralympic Movement. Through an Anthropological Lens, Routledge, 2008, ISBN 978-0-415-28887-3.
  • Britta Jahnke, Klaus Schüle: Entstehung und Entwicklung der Paralympischen Winterspiele : Örnsköldsvik 1976 bis Turin 2006, Sportverl. Strauß, Köln 2006, ISBN 978-3-939-39091-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Paralympische Spiele – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paralympics History - History of the Paralympic Movement. In: paralympic.org. IPC, abgerufen am 8. August 2016 (englisch).
  2. Die Anfänge der Paralympics. In: olympia.ard.de. Archiviert vom Original am 13. August 2012, abgerufen am 8. August 2016.
  3. Paralympic Games. In: paralympic.org. IPC, archiviert vom Original am 27. Dezember 2005, abgerufen am 8. August 2016 (englisch).
  4. Alexey Mosko: Paralympische Spiele: Der Fackellauf beginnt. Russia beyond the headlines, 27. Februar 2014, abgerufen am 14. März 2014.
  5. a b Nationales Paralympisches Komitee Deutschland: Leitfaden paralympisches Klassifizierungssystem 2016
  6. Aus für Segeln als Paralympics-Sport In: Yacht vom 2. Februar 2015
  7. Bobsport vorläufig für 2022 akzeptiert paralympic.org
  8. History of INAS. In: inas.org. Abgerufen am 8. August 2016 (englisch).