Bahnhof Lutherstadt Wittenberg

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Lutherstadt Wittenberg
ehem. Bahnhofsgebäude, 2006
ehem. Bahnhofsgebäude, 2006
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bauform Inselbahnhof
Bahnsteiggleise

6

Abkürzung

LW

IBNR 8010222
Kategorie

3

Eröffnung

3. August 1859

Profil auf Bahnhof.de Lutherstadt_Wittenberg
Architektonische Daten
Baustil

Neorenaissance

Architekt

Franz Schwechten

Lage
Stadt/Gemeinde

Lutherstadt Wittenberg

Land Sachsen-Anhalt
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 52′ 3,5″ N, 12° 39′ 43,9″ OKoordinaten: 51° 52′ 3,5″ N, 12° 39′ 43,9″ O
Höhe (SO) 71 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Sachsen-Anhalt
i16

Der Bahnhof Lutherstadt Wittenberg ist der größte und bedeutendste der insgesamt sieben Bahnhöfe in Lutherstadt Wittenberg. Mit über 5000 Passagieren pro Tag ist er der wichtigste Bahnhof im östlichen Teil des Bundeslandes Sachsen-Anhalt.[1]

Lage und Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof liegt im Osten von Lutherstadt Wittenberg, etwa einen Kilometer vom historischen Stadtzentrum entfernt. Im Bahnhof kreuzen die in Nordost–Südwest-Richtung verlaufende Bahnstrecke Berlin–Halle und die Bahnstrecke Roßlau–Falkenberg/Elster in Ost-West-Richtung.

Ursprünglich hieß der Bahnhof nur Wittenberg, später Wittenberg (Prov Sachs). Nachdem 1938 die Stadt den Beinamen „Lutherstadt“ erhielt, trägt der Bahnhof seit Ende des Zweiten Weltkriegs ebenfalls den Namen Lutherstadt Wittenberg. Inoffiziell sowie von städtischer Seite wird er gelegentlich als „Hauptbahnhof“ bezeichnet.[2] Auch die zum Bahnhof führende Straße, die früher „Am Bahnhof“ hieß, trägt nun den Namen „Am Hauptbahnhof“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. August 1841 erreichte die durch die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (BAE) gebaute Anhalter Bahn von Köthen und Dessau kommend Wittenberg. Bereits am 10. September 1841 war die Strecke durchgängig bis zum Anhalter Bahnhof in Berlin in Betrieb. In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls 1841 das erste Bahnhofsgebäude an der damaligen Trasse nördlich der Stadtmauer errichtet. Es ist bis heute erhalten und gilt als eines der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands, wird jedoch nicht mehr als solches genutzt. Es befindet sich an der Straße Am Alten Bahnhof.

Eine Umgestaltung der Bahnanlagen erfolgte mit dem Bau der ersten Eisenbahnbrücke über die Elbe im Jahr 1859, hierdurch wurde Wittenberg ab dem 3. August 1859 auf direktem Wege mit Bitterfeld verbunden. Im gleichen Jahr wurde ein neues Bahnhofsgebäude im Stil eines Schweizerhauses errichtet. Es befand sich an der Stadtseite der Gleisanlagen etwa an km 95,0 der heutigen Streckenkilometrierung.[3]

Empfangsgebäude mit Pferdebahn, 1900

Am 15. Oktober 1875 wurde die Strecke Wittenberg–Falkenberg (Elster) durch die BAE eröffnet. Wittenberg war zunehmend zu einem Eisenbahnknotenpunkt geworden. Am 13. November 1877 wurde das nunmehr dritte Bahnhofsgebäude der Stadt am jetzigen Standort eingeweiht. Architekt und Baumeister war Franz Schwechten.

Von 1888 bis 1921 verband die Straßenbahn Wittenberg als meterspurige Pferdebahn den Bahnhof mit dem Stadtzentrum.

Am 16. und 20. April 1945 wurde der Bahnhof durch alliierte Luftangriffe zerstört. Vom Empfangsgebäude blieben nur die Außenmauern stehen, ein Wiederaufbau erfolgte zwischen 1948 und 1951.[3]

1978 wurde der elektrische Zugbetrieb aufgenommen, zuerst auf der Bahnstrecke Berlin–Halle (Saale), ab 1985 dann auch auf der Bahnstrecke Roßlau–Falkenberg (Elster).

Im Frühjahr 1996 begannen umfangreiche Umbauarbeiten des Bahnhofs im Zuge des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8.3 (Ausbaustrecke Berlin–Leipzig/Halle). Drei Bahnsteige an der Bahnstrecke Berlin–Halle (Saale) und ein 42 m langer Fußgängertunnel wurden bis 1998 komplett neu errichtet. Während vorher der Zugang zum Bahnhof nur über eine Straße zwischen den Gleisen der Strecken nach Bitterfeld und Dessau möglich war, gibt es seitdem einen direkten Westausgang zur Stadt. Am neu entstandenen Vorplatz liegt der neue Busbahnhof. Ein elektronisches Stellwerk löste mehrere alte Stellwerke ab. Eine neue Linienführung nach dem Bau der neuen Elbebrücke erlaubt, den Bahnhof mit bis zu 160 km/h zu durchfahren.[4]

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 wurde ein Taktknoten eingeführt, mit einem zweistündlichen Intercity-Halt zur Minute 0 und Anschlüssen in alle Richtungen.[5]

Umbau 2015–2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baustelle des Personentunnels im Februar 2016

Der Bahnhof soll zum bundesweit zweiten „Grünen Bahnhof“ umgebaut und hierzu das Empfangsgebäude durch einen Neubau ersetzt werden. Die Bauarbeiten sollten ursprünglich im Juni 2012 beginnen und bis Ende 2013 abgeschlossen sein. Am 7. März 2011 stellte Sachsen-Anhalts damaliger Bau- und Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre die Idee des ersten klimafreundlichen Bahnhofs Deutschlands vor. Es sollen vor allem natürliche Baustoffe verwendet werden und erneuerbare Energien wie Sonnenlicht zum Einsatz kommen. Weiterhin will die Stadt Wittenberg das Areal um den Bahnhof umgestalten und weitere Park&Ride-Plätze anlegen. An den geplanten Kosten des Projekts von 3,3 Millionen Euro beteiligt sich das Land mit 50 Prozent.[6] Das neue Empfangsgebäude wird westlich der Gleise entstehen. Das alte Empfangsgebäude wurde Ende 2015 abgerissen.[2]

Der Baubeginn erfolgte Mitte 2015, eine Fertigstellung ist nun für Ende 2016 vorgesehen. Das 658 m² große neue Empfangsgebäude soll energieautark versorgt werden. Hierfür werden eine Geothermie-Anlage mit 35 kW Heiz- und 18 kW Kühlleistung sowie eine Photovoltaik-Anlage mit einer Jahresleistung von 20.500 kWh errichtet. Über das Dach soll Regenwasser gewonnen und für die Sanitäranlagen aufbereitet werden. Nach Fertigstellung wird der Wartebereich über 24 Sitze, USB-Ladestationen, WLAN sowie eine LED-Beleuchtung verfügen.[7] Weiterhin wird der Bahnsteig 5/6 (Falkenberger Seite) erneuert und der Personentunnel verlängert. Parallel dazu bauen NASA und Stadt den Busbahnhof, die Pendlerparkplätze sowie die Fahrradstation um.[8]

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Empfangsgebäudes, Erdgeschoss, 1910

Das 1877 eröffnete und 2015 abgerissene Empfangsgebäude lag in Insellage zwischen den Gleisen. Südlich des Gebäudes sind die Gleise nicht verbunden, die Strecke nach Dessau unterquert dort die nach Bitterfeld. Im Norden gibt es ein gemeinsames Gleisfeld beider Strecken, dort befinden sich auch die Anlagen für den Güterverkehr.

Das von Franz Schwechten entworfene Empfangsgebäude war basilikaartig gestaltet, so dass die Empfangshalle Tageslicht erhielt. Bei der Gestaltung orientierte sich Schwechten an Stilformen der italienischen Renaissance.[9] Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg blieben nur die Außenmauern erhalten, die gesamte Innengestaltung stammte aus der Nachkriegszeit.

Westlich des früheren Empfangsgebäudes liegt die Strecke Berlin–Halle (Saale) mit den Bahnsteiggleisen 1–4, wobei das Gleis 4 als Hausbahnsteig am früheren Empfangsgebäude, die Gleise 2 und 3 an einem Mittelbahnsteig liegen. Die Bahnsteige sind überdacht und durch einen Tunnel verbunden. Gleis 1 ist ein Außenbahnsteig an der westlichen Seite der Gleisanlagen, der direkt vom neuen Vorplatz zu erreichen ist, an welchem das neue Empfangsgebäude entsteht.

Östlich des einstigen Empfangsgebäudes liegt die Strecke Roßlau–Falkenberg (Elster) mit den Bahnsteiggleisen 5–7, wobei derzeit (2013) nur das Gleis 6 fahrplanmäßig von Personenzügen benutzt wird. Dessen Bahnsteig ist nicht überdacht und nur vom Hausbahnsteig (Gleis 5) durch Überschreiten des Gleises zugänglich.

An den Bahnhof angebunden ist das rund zwei Kilometer nordöstlich gelegene ehemalige Bahnbetriebswerk Lutherstadt Wittenberg.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Lutherstadt Wittenberg bietet Anbindungen nach Norden in die Bundeshauptstadt Berlin sowie in südlicher Richtung nach Halle (Saale) und Leipzig. In Richtung Westen bestehen Regionalbahnverbindungen nach Dessau-Roßlau und von dort weiter nach Magdeburg, in östlicher Richtung nach Falkenberg (Elster) und von dort weiter nach Cottbus und Hoyerswerda. In Lutherstadt Wittenberg halten auch ICE- und IC-Züge. Das historische Stadtzentrum ist rund einen Kilometer vom Bahnhof entfernt.

Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
ICE 28 (Stralsund/Hamburg –) BerlinLutherstadt WittenbergLeipzigJena ParadiesNürnbergMünchen 60 DB Fernverkehr
IC 28 (Stralsund/Hamburg/Rostock –) Berlin – Lutherstadt Wittenberg – Leipzig – Jena Paradies – Nürnberg – München einzelne Züge DB Fernverkehr
IC 50 Berlin – Lutherstadt WittenbergHalle (Saale)ErfurtKassel-WilhelmshöhePaderbornDortmund einzelne Züge DB Fernverkehr
RE 3 Lutherstadt Wittenberg – Jüterbog – Ludwigsfelde – Berlin – EberswaldeAngermündeSchwedt (Oder) 120 DB Regio Nordost
RE 14 Falkenberg (Elster) – Annaburg – Lutherstadt Wittenberg – Coswig – Dessau einzelne Züge DB Regio Südost
RB 51 Dessau – Coswig – Lutherstadt Wittenberg (– Zahna / Annaburg – Falkenberg (Elster)) 060 DB Regio Südost
RB 80 (Halle (Saale)) – Bitterfeld – Gräfenhainichen – Lutherstadt Wittenberg (– Zahna – Jüterbog) 120 DB Regio Südost
RB 81 Bitterfeld – Gräfenhainichen – Lutherstadt Wittenberg – Annaburg – Falkenberg (Elster) 120 DB Regio Südost

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Lutherstadt Wittenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bahnhofsentwicklungsprogramm Sachsen-Anhalt (PDF-Datei; 4,31 MB)
  2. a b Hauptbahnhof auf der Internetpräsenz der Stadt.
  3. a b Hilmar Spanel: Zur Geschichte der Eisenbahn in und um Wittenberg 1841–1991. Schriftenreihe des Stadtgeschichtlichen Zentrums Wittenberg, Heft 14. Wittenberg 1991, S. 34 und 93
  4. Sachstandsbericht Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (PDF-Datei; 608 kB)
  5. Neubaustrecke Erfurt – Leipzig/Halle in Betrieb. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 2, 2016, ISSN 1421-2811, S. 74–76.
  6. Bahnhof der Lutherstadt Wittenberg bekommt neues klimafreundliches Empfangsgebäude.
  7. Vorgebaut fürs Lutherjahr. In: DB Welt. Nr. 11, 2015, S. 6.
  8. Grünes Tor zur Lutherstadt. In: DB Welt Region Südost. Nr. 7, 2015, S. 17.
  9. Manfred Berger, Historische Bahnhofsbauten, Bd.1, Sachsen, Preußen, Mecklenburg und Thüringen, Transpress-Verlag (1980), S. 160